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Der Fall Eduard Lopatka

Das, was fehlt

Wir sind Addendum.

 

Eine österreichische Rechercheplattform. Wir arbeiten datenbasiert, recherchieren investigativ und verarbeiten unsere Ergebnisse in allen Darstellungsformen. Addendum ist auch mehr als nur eine Website. Wir publizieren Print, online, TV, Social Media und Podcasts.

Corona: Chronologie einer Entgleisung
Eine Rekonstruktion der Ereignisse von Michael Fleischhacker und anderen Addendum-Autoren.
Addendum-Zeitung
Das, was fehlt. Auch gedruckt.

„Auto unser“ – mit der Pandemie erlebt das Auto ein kleines Zwischenhoch.
Vertragsdetails: Geheim
4. August 2020 Coronavirus Lesezeit 4 min
Die Republik vergibt Lieferverträge über eineinhalb Milliarden Euro wegen der Corona-Krise. Das Beispiel eines niederösterreichischen Maskenfabrikanten mit Verbindungen zur ÖVP-Elite zeigt, wie problematisch die Heimlichtuerei um staatliche Großaufträge ist. Laut Addendum vorliegenden Protokollen gab es auch „Unterstützung” aus zwei Ministerien.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Coronavirus und ist Teil 104 einer 104-teiligen Recherche.

Die Schlagzeilen lassen Schlimmes vermuten. „Schiefe Optik: Mann von Kanzler-Büroleiterin produziert neuerdings Schutzmasken“, titelte der FPÖ-nahe „Wochenblick“. „Masken-Connection ins Kanzleramt“, schrieb das vom ehemaligen Politiker Peter Pilz gegründete zackzack.at.

Die Geschichte hinter dem Aufruhr: Im niederösterreichischen Wiener Neudorf begann eine „Hygiene Austria LP“ frühzeitig in der Corona-Krise damit, [qvv_internallink number="80" project="109"]maschinell Masken herzustellen[/qvv_internallink]. Hinter dem eiligst gegründeten Unternehmen stecken der Faserfabrikant Lenzing und die Unterwäsche-Marke Palmers. Letztere gehört zu einem Viertel einem Grazer Geschäftsmann. Und dieser wiederum ist der Ehemann von Lisa Wieser, welche die Büroleiterin und eine der engsten Vertrauten von Sebastian Kurz ist.

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YouTube gegen Sellner
3. August 2020 News Lesezeit 9 min
Mitte Juli sperrten YouTube und Twitter die Kanäle der „Identitären Bewegung“ und deren Frontmanns Martin Sellner. Zuvor war er bereits von Facebook und Instagram verbannt worden. Auslöser dürfte ein Bericht einer US-amerikanischen NGO gewesen sein, Google und Twitter selbst geben sich bedeckt. Sellner selbst möchte jetzt klagen. Ganz chancenlos wäre er nicht.
Bild: Herbert Pfarrhofer | Apa

Es ist still geworden um die Identitäre Bewegung. Gab es vor einigen Jahren gab es noch viel (Medien-)Rummel rund um sie und ihren Frontmann Martin Sellner, war die Löschung ihrer Social-Media-Kanäle eher eine Randnotiz. Wenn man heute auf YouTube nach „Martin Sellner“ sucht, findet man einige Videos mit ihm (etwa Interviews auf Oe24) oder über ihn, nicht aber von ihm. Sein Kanal, dem gut 100.000 User gefolgt waren, existiert nicht mehr. Sellner selbst meinte dazu, sein Anwalt sei „bereits aktiv“. Dazu, ob Plattformen wie YouTube und Co. völlig autonom über Löschungen entscheiden dürfen, gibt es unterschiedliche Ansichten.

Das Ende von Sellners Kanälen scheint jedenfalls das Ende eines Prozesses zu sein, der mit dem Terroranschlag in Christchurch vom März 2019 begonnen hat. Einige Wochen später folgte eine gemeinsame Stellungnahme von Facebook, Microsoft, Google, Twitter und Amazon, der Christchurch Call to Action. Darin gelobten die fünf Konzerne, „sicherzustellen, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um Hass und Extremismus zu bekämpfen, der zu terroristischer Gewalt führt“. Schließlich wurden sie schon lange dafür kritisiert, ihr Geschäftsmodell auf hochproblematischen – wenn auch nicht illegalen – Inhalten aufzubauen. Klicks vor Moral sozusagen.

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Interaktiv
Das Telegram-Netzwerk um Martin Sellner, visualisiert
3. August 2020 News Interaktiv
Das Telegram-Netzwerk um Martin Sellner, visualisiert
Mehr Anhänger, ein höheres Nachrichtenvolumen, ein weit verzweigtes Netzwerk zu anderen Influencern: Wir haben das Telegram-Universum um Martin Sellner und die Identitäre Bewegung analysiert und visualisiert, das nach den Sperren von YouTube & Co. weiter wächst.
In St. Corona am Wolfgang­see
31. Juli 2020 Coronavirus Lesezeit 2 min
St. Gilgen am Wolfgangsee verbietet Veranstaltungen aufgrund eines Corona-Clusters im Nachbarort, trotz wackliger Rechtsgrundlage und weiterlaufendem Tourismusbetrieb.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Coronavirus und ist Teil 103 einer 104-teiligen Recherche.
Bild: Tobias Steinmaurer | Apa

Die Corona-Krise hat wiederholt gezeigt, wie wichtig die Abstimmung der einzelnen Maßnahmen zwischen Bund und Ländern ist. Die Gemeinden haben sich bisher zum Großteil darauf beschränkt, das umzusetzen, was auf höheren Ebenen beschlossen wurde. Eine Ausnahme bildete Ramsau in der Steiermark, wo der Bürgermeister versuchte, die Ortschaft per Verordnung von der Außenwelt abzuriegeln – was von der Gemeindeaufsicht des Landes umgehend kassiert wurde.

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„In mir ist das Böse“:
Der Fall Eduard Lopatka – Teil 1
28. Juli 2020 Der Fall Eduard Lopatka Lesezeit 16 min
Knapp ein Jahr nach seiner Verurteilung wegen Quälens seiner Kinder kommen neue Details zum Fall Eduard Lopatka ans Tageslicht: ein Einkommen von 38.000 Euro netto pro Monat und schwere Vorwürfe zu seinem Gebaren als Arzt – während er bald wieder als solcher ordinieren könnte.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Der Fall Eduard Lopatka und ist Teil 1 einer 3-teiligen Recherche.
Bild: Collage | Addendum

Auf der Hilm kommt es zu merkwürdigen Ereignissen. Es wimmelt nur so von magischen Wesen in dem Waldgebiet nahe des Ortes Dechantskirchen in der Steiermark. Wichtel, Elfen und Druiden habe er dort gesehen, aus Zweigen baute er den Wichteln kleine Hütten. Als er mit seiner Freundin dort spazierte, wies er sie an aufzupassen, damit sie die kleinen Wesen nicht von den Blüten schüttle. Einmal, erzählte er, sei ein grüner Teufel auf seinem Bauch gesessen, der sei so schwer gewesen, dass er ihn weder wegschieben noch herunterheben habe können. Und die Druiden, die hätten ihm prophezeit, dass er, Eduard Lopatka, einen großen Auftrag zu erfüllen habe. Dass die Leute noch schauen würden, wozu er imstande sei.

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Interaktiv
Wo sich das Coronavirus in Österreich verbreitet
5. August 2020 Coronavirus Interaktiv
Wo sich das Coronavirus in Österreich verbreitet
Die Zahl der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus steigt nach einer Stabilisierung leicht an – in vielen anderen Staaten, etwa den USA, wächst sie stark.
Die österreichische Corona-Ampel
29. Juli 2020 Coronavirus Lesezeit 4 min
Eine Corona-Ampel könnte dabei helfen, dass das Leben überall dort normal weitergehen kann, wo es kaum noch Corona-Fälle gibt. Die Idee hinter dem Corona-Ampelsystem: Die Strenge der Schutzmaßnahmen richtet sich unter anderem nach der Anzahl der Fälle vor Ort.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Coronavirus und ist Teil 96 einer 104-teiligen Recherche.

Nun bekommt Österreich also doch eine Corona-Ampel. Während Gesundheitsminister Rudolf Anschober sich noch im April strikt gegen eine Regionalisierung der Corona-Schutzmaßnahmen aussprach, kündigte er nun für September ein regionales Ampelsystem an.

Bereits ab Mitte August startet eine erste Testphase, im September soll sie dann in Regelbetrieb gehen, so Anschober. Die Ampel hat das Ziel, der Bevölkerung auf den ersten Blick – ähnlich der Lawinenwarnungen – mit „Rot über Orange und Gelb bis Grün“ zu vermitteln, wie hoch das Corona-Risiko auf Bundesebene und in den einzelnen Bundesländern jeweils aktuell ist.

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Verordnungs­chaos im Gesundheits­ministerium
28. Juli 2020 Coronavirus Lesezeit 5 min
Dem Gesundheitsministerium scheint die Legistik rund um die Corona-Krise mittlerweile völlig entglitten zu sein. Nachdem der Verfassungsgerichtshof Teile früherer Verordnungen für gesetzwidrig erklärt hat, gibt es nun massive Kritik an den neuen Einreiseregelungen.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Coronavirus und ist Teil 102 einer 104-teiligen Recherche.
Bild: Alex Halada | APA

Das erklärte Ziel der Bundesregierung war es eigentlich, von Bundeskanzler Sebastian Kurz so bezeichnete „Balkanneuinfektionen“ zu verhindern. Dazu sollte die Einreise aus bestimmten Staaten verschärften Beschränkungen unterliegen. Die von Gesundheitsminister Anschober verordnete Novelle jener Regelung, mit der die Einreise nach Österreich während der Corona-Krise geregelt werden soll, wirft jedoch verfassungsrechtliche Bedenken auf.

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23. Juli 2020 Flächenwidmungen Lesezeit 7 min
Wie der Gemeinderat eines ÖVP-Bürgermeisters den Preis eines Grundstücks jahrelang nach oben trieb und wie dadurch ein befreundeter Partei- und Ex-Gemeinderatskollege mehrere Millionen Euro verdiente.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Flächenwidmungen und ist Teil 6 einer 6-teiligen Recherche.
Bild: Christian Lendl | Addendum


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Warum die Rückkehr zur Maskenpflicht übertrieben ist
21. Juli 2020 Coronavirus Lesezeit 9 min
Die Regierung hat heute wieder die Einführung der bundesweiten Maskenpflicht im Supermarkt und in Bank- und Postfilialen verkündet. Die „magische Zahl an Neuinfektionen“ sei überschritten, sagte Kanzler Kurz. Dabei zeigt der Blick auf das Infektionsgeschehen: Corona ist in Österreich gut unter Kontrolle.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Coronavirus und ist Teil 100 einer 104-teiligen Recherche.
Bild: Ronald Zak | AP

Über das Für und Wider der Maskenpflicht wird seit Beginn der Corona-Pandemie heftig gestritten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) änderte erst Anfang Juni ihren Standpunkt zum Tragen von Schutzmasken von Skepsis hin zu einer klaren Empfehlung. Zuvor war die Haltung der WHO, dass nur Kranke sowie medizinisches und Pflegepersonal Masken tragen sollten. Bis heute gibt es allerdings keine wissenschaftliche Einigkeit über ihren Einfluss auf das Infektionsgeschehen. Die Corona-Datenbank der WHO, die aktuell rund 44.000 Studien und wissenschaftliche Artikel umfasst, enthält 577 Arbeiten, die sich mit Nutzen und Risiken des Mund-Nasen-Schutzes auseinandersetzen. Während viele Studien zu dem Ergebnis kommen, die Maskenpflicht können zu einer Verlangsamung des Infektionsgeschehens beitragen, gibt es zahlreiche andere, die zu deutlich pessimistischeren Einschätzungen kommen.

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Lost in Legislation
22. Juli 2020 Coronavirus Lesezeit 4 min
Die Erkenntnisse des Verfassungsgerichtshofes zum Umgang der türkis-grünen Koalition mit der Corona-Krise offenbaren erstaunliche Details: Grundlage für eine Änderung der ersten Verbotsverordnung war ein Pressebriefing, und Ministerin Edtstadler wusste offenbar nicht, was ihr Verfassungsdienst tat.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Coronavirus und ist Teil 101 einer 104-teiligen Recherche.
Bild: EXPA | APA

Vor dem Recht kommt die Pressekonferenz. Dieser Eindruck entsteht zumindest, wenn man die Erkenntnisse des Verfassungsgerichtshofes (VfGH) liest, mit denen Teile jener Verordnung rückwirkend für gesetzwidrig erklärt wurden, die das Betreten öffentlicher Orte verbot und das Schließen bestimmter Geschäfte während der Corona-Krise vorsah.

Die Höchstrichter dürften beim Lesen des Aktes erstaunt gewesen sein, den das Gesundheitsministerium ihnen zur Prüfung seiner Verordnung aufgrund des COVID-19-Maßnahmengesetzes übermitteln musste. Anstatt einer nachvollziehbaren legistischen Vorarbeit für eine Änderung jener Verordnung, mit der das öffentliche Leben Österreich lahmgelegt worden war, fanden sie ein Pressebriefing für die Bundesregierung.

Beinahe ungläubig resümieren die Richter in ihrem Erkenntnis, was der Akt „unter der Rubrik ,Sachverhalt‘“ festhielt: Der Entwurf für die Novelle, mit der die schrittweise Öffnung nach dem Lockdown eingeleitet werden sollte, sei „auf Basis dieses Briefing-Papiers ... der regierungsinternen Koordination zugeführt worden.“ Im Briefing wurden die einzelnen Maßnahmen zwar Punkt für Punkt aufgezählt, eine sachliche Begründung dafür gab es jedoch nicht:

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Das Millionenrätsel
20. Juli 2020 Coronavirus Lesezeit 15 min
Mit billig herzustellender Schutzausrüstung wie Masken ließ sich in der Pandemie viel Geld verdienen. Auch der österreichische Staat gab mehr als hundert Millionen Euro aus. Addendum analysiert erstmals anhand öffentlicher Datenbanken, wer sich alles am Geschäft beteiligte – und stieß auf „willhaben“-Verkäufer, Unternehmensberater, Rohstoffhändler, Werber, Politiker, einen Waffenshop und einen Ski-Abfahrts-Olympiasieger. Ein Blick ins Innere eines Geldrausches, dessen Aufarbeitung noch aussteht.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Coronavirus und ist Teil 99 einer 104-teiligen Recherche.

Auf den ersten Blick ist Wolfgang R. nur einer von vielen, die im Internet ihren Krempel verkaufen. Ein Fahrrad um 99 Euro, Autoreifen mit rostigen Stahlfelgen um 25 Euro, ein Samsung-Handy um 30 Euro. Dazu Fotos, kurze Sätze, ein paar Rechtschreibfehler, eine Telefonnummer.

Solche Angebote finden sich auf der Online-Plattform „willhaben“ tausende und abertausende. So gesehen wirkt Wolfgang R. wie jemand, der mit ein paar alten Fundstücken vom Dachboden etwas Geld dazu verdienen will. Wären da nicht die Annoncen, die er Ende Februar online stellte.

Denn auf einmal bewarb er auch hochwertige Atemschutzmasken der Kategorie FFP3 um 14,90 Euro, Schutzbrillen um 2,25 Euro – oder sogar eine halbe Millionen OP-Masken um 200.000 Euro.

Sein Telefon habe nicht mehr aufgehört zu klingeln, sagt Wolfgang R. Bis zu hundert Leute hätten ihn jeden Tag angerufen. Einmal war dann ein Beamter des Justizministeriums darunter. In Wien habe man die Anzeige auf willhaben gelesen, man brauche die Masken dringend. „Da war ich schon nervös“, sagt Wolfgang R. Er sei nur ein Bauernbub aus dem Innviertel, aufgewachsen zwischen „vier Kühen, zwei Kälbern und zwei Säuen“. Und nun bestellte die Republik bei ihm.

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Kinder in der Pandemie: Sündenböcke statt Superspreader
15. Juli 2020 Coronavirus Lesezeit 17 min
Für mehr als eine Millionen Schüler soll im September wieder der reguläre Unterricht beginnen. Vorausgesetzt die Infektionszahlen sind für die Regierung akzeptabel. Unklar ist, wann das der Fall ist und wann Schulen oder Klassen geschlossen werden. Dabei zeigen Studien bislang eindeutig: Kinder spielen bei der Verbreitung des Virus kaum eine Rolle.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Coronavirus und ist Teil 98 einer 104-teiligen Recherche.
Bild: Leonhard Foeger | Apa

Als am ersten Juli der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer vor die Presse trat und ankündigte, dass in fünf Bezirken die Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen für eine Woche geschlossen werden, gab es in ganz Oberösterreich lediglich 190 Infizierte. Verantwortlich für den Corona-Ausbruch war keine Schule, sondern ein Cluster rund um eine Freikirche in Linz. Geschlossen wurden dennoch die Schulen. Für Geschäfte und die Gastronomie in der betroffenen Region hatte der Vorfall hingegen keinerlei Folgen.

Bildungsminister Heinz Faßmann sieht darin zwar „kein Role-Model für den Herbst“, wirklich sicher ist es aber noch nicht, wie der Unterricht nach den Sommerferien im September für die rund 1,2 Millionen Schüler in Österreich weitergehen wird. Auf Anfrage heißt es dazu aus dem Bildungsministerium: „Aus heutiger Sicht werden die Schulen im Herbst regulär öffnen.“ Mit „heutiger Sicht“ sind die jeweils aktuellen Infektionszahlen gemeint. Doch genau das ist das Problem. Denn wenn der Krisenstab der Bundesregierung zu einem bestimmten Zeitpunkt mit dem Infektionsgeschehen in Österreich nicht einverstanden ist, könnten Schulen entweder wieder nur eingeschränkt oder auch gar nicht öffnen.

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Interaktiv
Klima-Quiz: Wo ist der Euro am besten investiert?
13. Juli 2020 Klima Interaktiv
Klima-Quiz: Wo ist der Euro am besten investiert?
In den kommenden zehn Jahren will die EU 1.000 Milliarden Euro in den Klimaschutz investieren. Was sind die besten Optionen zur Rettung des Klimas?
Die Polizei, dein Freund und Hilfsorgan
8. Juli 2020 Coronavirus Lesezeit 4 min
Die Polizei soll die Gesundheitsbehörden im Kampf gegen COVID-19 bei der Nachverfolgung von Infektionsketten unterstützen. Der Ärztekammerpräsident meint: „Das ist nicht Aufgabe der Polizei.“ Ganz so stimmt das aber nicht.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Coronavirus und ist Teil 97 einer 104-teiligen Recherche.
Bild: Alexander Tuma | Starpix

Die Polizei soll Verbrechen untersuchen und keine Krankheiten, so lautet der Tenor der Oppositionsparteien zu jener Änderung des Epidemiegesetzes, die von den Regierungsparteien ÖVP und Grüne im Schnellverfahren durchs Parlament gebracht werden soll. Ihr Plan: Exekutivbeamte sollen Personen befragen, die sich mit COVID-19 angesteckt haben oder angesteckt haben könnten. Auf diese Weise sollen Cluster und Infektionsketten schneller als bisher aufgespürt werden, bevor weitere Menschen angesteckt werden.

Helfer für so ziemlich alles
Die Polizei, das ist für die meisten Menschen der Staat schlechthin. Dabei handelt sie in den wenigsten Fällen selbst als Behörde, oft unterstützt sie mit ihrem Einschreiten nur andere. Sie ist ein sogenanntes Hilfsorgan – für Gerichte, Bezirkshauptmannschaften und andere Institutionen.

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Interaktiv
Der COVID-19-Impfstofftracker
2. Juli 2020 COVID-19-Impfstoff Interaktiv
Der COVID-19-Impfstofftracker
Knapp 150 Impfstoffkandidaten sind der Weltgesundheitsorganisation WHO bislang bekannt; und fast täglich werden es mehr. Wir haben uns angesehen, welche Kandidaten im Rennen um den Impfstoff vorne liegen, in welchen Ländern es die meisten Kandidaten gibt und auf welchen Technologien sie beruhen.
Das Blut-Kartell
29. Juni 2020 Blutspenden Lesezeit 16 min
Beim Verkauf von Blutkonserven hängt Österreich am Tropf des Roten Kreuzes. Erreicht wurde dies mithilfe eines ÖVP-Spitzenpolitikers, der als Angestellter der Organisation ein Schutzgesetz durch den Nationalrat brachte. EU-rechtswidrig, wie der Europäische Gerichtshof feststellte. Auch sonst kämpft die Groß-NGO hart gegen Mitbewerber am lukrativen Blut-Markt.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Blutspenden und ist Teil 1 einer 6-teiligen Recherche.

„Gib Dein Bestes! Spende Blut.“ Mit diesem Satz wirbt das Rote Kreuz in Österreich um Blutspender. Die gleichnamige Internetplattform richtet sich ausdrücklich an junge Menschen. Die Botschaft für die künftigen Spender ist klar erkennbar: Für etwas Zeit und einen Stich in die Vene wird man zum Helden.

Zahlreiche Blutspender erzählen auf der Website ihre Geschichten. „Mit geringem Aufwand Leben retten“, berichtet eine Julia K. über ihr persönliches Motiv zur Teilnahme. Eva D. verbindet ihre Entscheidung mit einem Slogan, für den das Rote Kreuz im ganzen Land bekannt ist: „Ich spende Blut aus Liebe zum Menschen.“ Und ein David C. teilt mit, dass er der Empfängerorganisation großes Vertrauen entgegenbringt: „Rotes Kreuz: Wo meine Spenden zu 100 Prozent bei den Opfern ankommen.“

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Wo die Unter­stützer des Klima­volks­begehrens herkommen
30. Juni 2020 Klima Lesezeit 5 min
Von den fünf Volksbegehren, für die vergangene Woche unterschrieben werden konnte, hat das Klimavolksbegehren die meisten Stimmen gesammelt. Wie viele Unterschriften das Volksbegehren in ihrer Gemeinde erreicht hat, und welche Zusammenhänge sich mit dem Wahlverhalten feststellen lassen, können Sie hier nachlesen.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Klima und ist Teil 13 einer 14-teiligen Recherche.
Bild: Addendum

Die Hürde von 100.000 Unterschriften, die für die Behandlung eines Volksbegehrens im Parlament nötig ist, hatte das Klimavolksbegehren schon vor der Eintragungswoche erreicht - alleine mit Hilfe von Unterstützungserklärungen. Mit Ende der Eintragungsfrist am Montagabend wurden insgesamt 380.590 Unterschriften erreicht, das Volksbegehren liegt damit auf Platz 18 der erfolgreichsten Volksbegehren in Österreich.

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Datenzugang: Wer nichts weiß, muss alles glauben
29. Juni 2020 Coronavirus Lesezeit 12 min
Mehr als vier Monate nach dem ersten bestätigten Corona-Fall in Österreich ist der Zugang zu detaillierten epidemiologischen Daten für die breite Öffentlichkeit weiterhin nicht gegeben und für Wissenschafter nicht ausreichend. Mit ihrer Stillhaltetaktik verstoßen die Behörden auch gegen gesetzliche Vorschriften.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Coronavirus und ist Teil 95 einer 104-teiligen Recherche.
Bild: Lilly Panholzer | Addendum

Wie viele bestätigte Fälle gibt es in meiner Gemeinde? Wie viele davon sind noch krank? Gab es schon Todesfälle? Wer Antworten auf diese Frage sucht, der stößt bei den verantwortlichen Stellen an Grenzen. Addendum hat in den vergangenen Monaten alle Wege ausgelotet, um diese Informationen zu erhalten. Es ist die Geschichte eines Scheiterns.

Und das, obwohl die Entwicklung der Zahl der Neuinfektionen ein wichtiger Baustein politischer Entscheidungen waren: Zuerst führte das exponentielle Wachstum zu mehrwöchigen Ausgangsbeschränkungen, dann führte die Stabilisierung zu ersten Lockerungen. Und nun entscheidet die Entwicklung der täglichen Neuinfektionen darüber, ob es weitere Lockerungen gibt oder striktere Maßnahmen eingeführt werden sollen.

Anfang April hat Addendum das erste Mal um regionale Daten gebeten – darunter auch zu Tests, demografischen Informationen der Erkrankten auf Bezirksebene oder zu Anrufen bei der Hotline 1450. Diese Anfragen sind bis heute offen. Deshalb haben wir neben offiziellen Medienanfragen zwei neue Wege gesucht, um die Daten zu erhalten. Erstens haben wir zwei Forschungsanträge gestellt, um Zugang zur COVID-19-Datenplattform zu erhalten, gestellt. Zweitens haben wir Anfragen nach dem Umweltinformationsgesetz (UIG) an das Ministerium und acht Bundesländer übermittelt. Einen Monat später scheint klar: Wir werden die zahlreichen Wünsche unserer Leserinnen und Leser nach besseren, klaren, umfangreicheren Daten weiterhin mit unserer Standardantwort beantworten müssen – „Danke für die Frage, mangels Daten können wir Ihnen leider keine Antwort darauf geben.“

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Zwei weitere Jahre Postenschacher
1. Juli 2020 Postenschacher Lesezeit 7 min
Die Vergabe von Posten an FPÖ- und ÖVP-nahe Personen beschäftigt seit einem Jahr die Republik. Addendum hat alle Besetzungen der vergangenen zweieinhalb Jahren recherchiert – und so den rasanten Anstieg von FPÖ-nahen Kandidaten dokumentiert.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Postenschacher und ist Teil 8 einer 8-teiligen Recherche.
Bild: Robert Jäger | APA

Norbert Hofer und Hubert Fuchs (beide FPÖ) waren am Mittwoch und am Donnerstag in den Ibiza-Untersuchungsausschuss geladen. Der damalige Verkehrsminister der türkis-blauen Koalition und der frühere Staatssekretär im Finanzministerium wurden zu Postenbesetzungen in staatsnahen Unternehmen befragt.

Tatsächlich kam es in den eineinhalb Jahren der ÖVP-FPÖ-Regierung zu einem deutlichen Anstieg an Aufsichtsräten, Geschäftsführern und Vorständen mit FPÖ-Nähe. Gab es im Dezember 2017, als die Koalition angelobt wurde, so gut wie keine FPÖ-nahen Manager und Aufsichtsräte, hat sich deren Anteil bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Ibiza-Videos im Mai 2019 auf 10 Prozent aller in staatsnahen Unternehmen vergebenen Posten erhöht – in den meisten Fällen zulasten von SPÖ-nahen Personen.

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Wie das Rote Kreuz den Preis für Blut bestimmt
29. Juni 2020 Blutspenden Lesezeit 10 min
Internen Listen zufolge erhöhte sich der Preis für Blutkonserven seit 1990 von 54 auf 158 Euro: Das ist ein Anstieg um 192 Prozent. Die Gebarung des Quasi-Monopolisten ist wenig transparent. Im Ausland geht das auch anders.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Blutspenden und ist Teil 3 einer 6-teiligen Recherche.

„Überlegen Sie sich gut, wie tief Sie in der Sache graben wollen.“ Der Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer hat sich im Lauf der vergangenen Jahre den Ruf erarbeitet, in öffentlichen Debatten auch die heißesten Eisen tabulos anzusprechen. Als wir im Zuge der Recherchen für das vorliegende Projekt mit ihm über die Preispolitik des Roten Kreuzes bei Blutkonserven sprechen, sagt er: „Wenn man dort reingreift, dann können Sie davon ausgehen, dass viele wild um sich schlagen.“

Was Pichlbauer beschreibt, ist ein für Steuer- und Kassenbeitragszahler undurchschaubares und wenig transparentes System. „Insider wissen, dass es in diesem Spiel nur darum geht, wie das Geld aus anderen Bereichen in das defizitäre Rettungswesen geht.“ Einer dieser „anderen Bereiche“ ist die Versorgung der Republik mit Blutkonserven, auf die das Rote Kreuz inzwischen ein Quasi-Monopol hat. Es geht um eine Dienstleistung, die für das gesamte Gesundheitssystem von eminent wichtiger Bedeutung ist. „Deshalb“, sagt Pichlbauer, „habe ich in dieser Sache ausnahmsweise eine höhere Toleranzgrenze.“

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Das Rote Kreuz und seine Abgeordneten
29. Juni 2020 Blutspenden Lesezeit 6 min
Das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) betont seine Unparteilichkeit und Unabhängigkeit. Blickt man genauer auf die Organisation, zeigt sich: Die Verflechtungen mit der Politik sind eng. Profiteur ist das Rote Kreuz selbst, etwa im Blutspendewesen.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Blutspenden und ist Teil 2 einer 6-teiligen Recherche.

Als Bollwerk des Vertrauens – so ungefähr kann man das Rote Kreuz in Österreich beschreiben. Keine andere Hilfsorganisation ist so beliebt, keiner anderen NGO vertrauen die Österreicher mehr. Das ÖRK hat aber auch eine andere Seite. Eine, die verteidigt, was vermeintlich ihr gehört: In Österreich ist das das Blutspendewesen. 344.088 Vollblutspenden sammelte das Rote Kreuz 2018 im ganzen Land. Im Jahresbericht schlägt sich das mit 78 Millionen Euro nieder. Zum Vergleich: Das sind um 6 Millionen Euro mehr, als die Hilfsorganisation durch Spenden und Mitgliedsbeiträge im selben Jahr einnahm.

Blutspenden haben in Österreich freiwillig und „gänzlich unbezahlt“ zu erfolgen. So steht es in der aktuellen Fassung des Blutsicherheitsgesetzes. Das heißt: Das Rote Kreuz bezahlt seine Spenderinnen und Spender nicht. Gleichzeitig agiert es praktisch ohne Konkurrenz. Das Rote Kreuz hat de facto ein Monopol auf Blutspenden. Ein Monopol, das es sich auch deshalb sichern konnte, weil die Hilfsorganisation beste Verbindungen in Politik, Wirtschaft und Medien unterhält.

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Eine Hand wäscht die andere
25. Juni 2020 Coronavirus Lesezeit 5 min
Mitten in der Knappheit während der Corona-Krise bringt ein Kärntner Unternehmen ein neues, innovatives Händedesinfektionsmittel namens „Wasseralm“ in die Spar-Märkte. Doch die Versprechungen des Herstellers werfen Zweifel auf.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Coronavirus und ist Teil 93 einer 104-teiligen Recherche.
Bild: Addendum

Ein Renner sei das Desinfektionsmittel von Wasseralm, berichtet der ORF Ende April in seiner Sendung „Mittag in Österreich“. 15.000 Liter davon werden pro Tag in Kärnten abgefüllt, erfahren die Zuseher da. Das Produktionsvolumen solle in den kommenden Wochen außerdem verdoppelt werden.

In Zeiten einer globalen Pandemie und der damit einhergehenden Knappheit an Desinfektionsmitteln ist das eine gute Nachricht. Aber damit nicht genug: Das Desinfektionsmittel kommt komplett ohne Alkohol aus. Es besteht zu 99,7 Prozent aus Wasser – hexagonalem (energetisch aufgeladenem) Wasser, sagt der Hersteller –, der Wirkstoff des Mittels ist Chlor. „Wir haben kein einziges Gefahrengutzeichen. Wir sind weder schleimhautreizend noch ätzend“, sagt der Mann hinter Wasseralm, Werner Hochsteiner, im Beitrag. Der einzige kleine Nachteil: ein leichter Chlorgeruch. „Aber durch diesen Geruch weiß man, dass das Präparat effektiv ist und wirkt“, sagt er.

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Interaktiv
Wenige Regionen für Großteil der Todesfälle der Pandemie in Europa verantwortlich
27. Juni 2020 Coronavirus Interaktiv
Wenige Regionen für Großteil der Todesfälle der Pandemie in Europa verantwortlich
Seit März sind rund 200.000 Menschen mehr gestorben als im langjährigen Durchschnitt. Die Mehrheit der Todesfälle lässt sich auf nur rund 50 Regionen zurückführen. Das zeigt sich bei einer Analyse von über 500 Regionen in 20 Nationen Europas.
IKEA auf dem Holzweg
23. Juni 2020 Holzmafia Lesezeit 21 min
Wie illegales Holz aus der Ukraine in die Möbel des schwedischen Giganten gerät. Was österreichische Holzriesen damit zu tun haben. Und warum ein angesehenes Gütesiegel wie FSC daran scheitert, den Raubbau an diesen Wäldern zu stoppen. Eine Inside-Recherche.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Holzmafia und ist Teil 10 einer 10-teiligen Recherche.
Bild: Montage | Addendum

„Hey, liebe IKEA-Kunden …“ Diese Geschichte führt weit weg von den Ballungszentren, in denen sich die Einrichtungshäuser der Schweden befinden und beginnt mit einem Rätsel. Man folgt ihm, wenn man die „Wohnst du noch oder lebst du schon“-Musterwohnungen hinter sich lässt, auch die acht Stück Köttbullar mit Kartoffelpüree, Erbsen und Preiselbeeren um 4,99 Euro verweigert und sich an Decke Gurli, Lampe Lersta und Geschirrset Färgrik vorbei ins eigentliche Herz des Möbelhauses drängt. Dort, im zentralen Mitnahmelager, stapeln sich in langen Gängen die Kartons mit den Möbelteilen, aus denen, Geschick und Geduld vorausgesetzt, daheim das entsteht, was im Schauraum ausgestellt ist. Das dafür verwendete Holz stammt zu 60 Prozent aus Osteuropa und Russland. Schon lange vor der Wende war es für die Schweden attraktiv, wenngleich nicht immer unter rühmlichen Voraussetzungen, zeigte sich doch, dass IKEA etwa Möbel aus der DDR bezog, die von politischen Häftlingen gezimmert worden waren.

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IKEA und das Problem mit dem FSC-Siegel
24. Juni 2020 Holzmafia 4 min
Die Idee klingt gut – ein Zertifikat, das dafür sorgt, dass ein wesentlicher Teil aller Wälder ökologisch und nachhaltig bewirtschaftet wird, gute Arbeitsbedingungen für Waldarbeiter fördert und verhindert, dass Holz aus umstrittenen Quellen auf den Markt kommt.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Holzmafia und ist Teil 9 einer 10-teiligen Recherche.

Die formulierten Ziele des FSC, des Forest Stewardship Council, gehen auf eine Initiative aus Menschenrechtsorganisationen, NGOs, Händlern und Industriebetrieben zurück, die sich bereits 1990 für nachhaltige Entwicklungen zusammengetan haben. Heute kennen das Label mit dem Baum im Logo mehr Leute denn je. Und schaut man genau, findet man es auf vielen Produkten des Alltags – zum Beispiel auf Möbeln, Verpackungen, Servietten, Schreib- oder Klopapier.
Doch die Zertifizierung durch den FSC kommt in den letzten Jahren vermehrt in Kritik. 2016 wurde, in einigen der letzten Urwälder Rumäniens, illegal abgeholzt – und zwar von einem FSC-zertifizierten Unternehmen.

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Pestizid­verbrauch: Medien vermitteln falsches Bild
22. Juni 2020 Pestizide Lesezeit 8 min
Addendum hat bislang unveröffentlichte Zahlen zum Verkauf von Pflanzenschutzmitteln ausgewertet. Sie zeigen: Berichte über einen angeblich stark gestiegenen Pestizidverbrauch sind grob irreführend. Ein Zuwachs ist vor allem bei bio-konformen Pestiziden zu beobachten. Die Verkaufsmengen synthetischer Mittel sinken seit Jahren.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Pestizide und ist Teil 9 einer 9-teiligen Recherche.
Bild: Christian Beutler  | picturedesk.com

Am 3. Juni veröffentlichte die europäische Statistikbehörde Eurostat Verkaufszahlen von Pestiziden. In Österreich, so heißt es in der Meldung der Behörde, wurden 2018 um 53 Prozent mehr Pflanzenschutzmittel abgesetzt als noch 2011. Nur in Zypern sei der Anstieg mit plus 94 Prozent noch stärker. Am selben Tag titelte ORF.at: „Starker Anstieg bei Pestizidverbrauch“. Ähnliche Schlagzeilen produzierten die Kronen Zeitung und die Kleine Zeitung. Und die SPÖ-Landwirtschaftssprecherin Cornelia Ecker kommentierte per Aussendung: „Das ist ein Skandal“.
Aber warum sollte ausgerechnet im „Bioweltmeister-Land“ Österreich der Einsatz von Pestiziden innerhalb weniger Jahre derart in die Höhe schnellen?

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Die falschen Zertifikate
18. Juni 2020 Coronavirus Lesezeit 10 min
In der Corona-Krise kamen abertausende Atemschutzmasken mit gefälschten Dokumenten auf den Markt. Einige landeten sogar in niederösterreichischen Landeskliniken, wie eine Addendum-Recherche zeigt. Ein Blick auf das strikte EU-Zertifizierungssystem von dem die Existenz ganzer Unternehmen abhängen kann – und das auf einmal nicht mehr so wichtig war.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Coronavirus und ist Teil 92 einer 104-teiligen Recherche.
Bild: Lilly Panholzer | Addendum

Das Ding kam der Angelika K. gleich komisch vor. Es fühlte sich nicht richtig an. Zum Beispiel die Gummibänder: Sie wurden an den Ohren befestigt, nicht fest hinter dem Kopf, wie sie es gewohnt war. Oder das Vlies: Es passte sich nicht ans Gesicht an, lag nicht dicht auf der Haut auf.

Kurz: Die Ärztin traute der Atemschutzmaske nicht, die ihr Arbeitgeber für sie besorgt hatte. In der Zeitung konnte sie lesen, dass das Rote Kreuz im Namen der Regierung rund 20 Millionen Masken bestellt hatte, deren erste gelieferte Charge sich bei Prüfung als teilweise untauglich erwies.

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Familiennachzug: Migrations­politik ohne Zahlen
16. Juni 2020 Asyl Lesezeit 10 min
Auf einen minderjährigen Flüchtling kommen vier weitere Familienmitglieder – mit diesem Argument wies Integrationsministerin Susanne Raab vor einigen Wochen die Aufnahme von Kindern oder Jugendlichen aus griechischen Flüchtlingslagern zurück. Das Problem: die Zahlen stimmen nicht.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Asyl und ist Teil 28 einer 28-teiligen Recherche.
Bild: Addendum

In der Migrationspolitik wird kaum ein Thema so emotional diskutiert wie die Familienzusammenführung. Im Zuge der Krise an der türkisch-griechischen Grenze Mitte März lehnte Österreich mit diesem Argument die zusätzliche Aufnahme von Flüchtlingen aus den überfüllten Lagern ab. Die deutsche Bundesregierung gab wiederum vor Kurzem bekannt, etwa 400 Flüchtlinge aus Griechenland aufnehmen zu wollen.

Immer wieder wird die Befürchtung geäußert, dass zusätzlich zu den zahlreichen Menschen, die in Ländern wie Österreich und Deutschland in den letzten Jahren Asyl bekommen haben, mehrere zehntausend Familienmitglieder aufgenommen werden müssen. Allerdings ist das österreichische Zahlenmaterial dazu äußerst dürftig.

Der Versuch, an verlässliche Daten zum Thema Familienzusammenführung zu kommen, gestaltete sich als Behörden-Spießrutenlauf: Das Außenministerium verwies uns an das Innenministerium, das Innenministerium wieder an das Außenministerium, das die Visumsanträge für Familienzusammenführungen in den Botschaften und Konsulaten entgegennimmt.

Dort kann man uns allerdings nur sagen, wie viele Anträge in den letzten Jahren gestellt wurden – nicht aber, wie viele auch tatsächlich bewilligt wurden.

So ist die Zahl der von den österreichischen Vertretungen im Ausland geführten Verfahren nach 2015 – damals gab es in Österreich 89.098 Asylanträge – in der Tat merklich angestiegen, nämlich auf mehr als das Vierfache des Vorjahres. 2019 wurden beispielsweise 9.723 Asylanträge gewährt, denen 1.332 Anträge auf Familienzusammenführung gegenüberstehen.

Angaben dazu, aus welchen Ländern die Antragsteller auf Visa zur Familienzusammenführung stammen, fehlen jedoch. Ebenso kann das Außenministerium nicht sagen, in welchen ausländischen Vertretungen die Anträge gestellt werden und von wem: Alter oder Geschlecht der Antragsteller werden statistisch nicht erfasst.

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Warum hält man einen ent­lastenden Bericht unter Verschluss?
9. Juni 2020 System AKH Lesezeit 6 min
Mitten in der Corona-Krise präsentierten der Wiener Gesundheitsverbund und die Medizinische Universität Wien die Ergebnisse einer Untersuchung, die Vorwürfen gegen den langjährigen Leiter des Wiener Lungentransplantations-Programms, Walter Klepetko, auf den Grund gehen sollte. Die Ergebnisse würden Klepetko entlasten, heißt es, offen bleibt aber die Frage, was da eigentlich untersucht wurde. Das ließe sich nur durch die Veröffentlichung des Berichts klären, der wird aber von den Auftraggebern unter Verschluss gehalten.
Dieser Artikel gehört zum Projekt System AKH und ist Teil 4 einer 4-teiligen Recherche.
Bild: Martin Vukovits | Verlagsgruppe News

Walter Klepetko, Leiter der Universitätsklinik für Chirurgie und bis 2018 Leiter des Lungentransplantationsprogramms an der Medizinischen Universität Wien (MUW), soll gegen international geltende Regeln der Organvermittlung verstoßen und sich dabei finanziell bereichert haben. So kann man die Vorwürfe, die Ende des vergangenen Jahres medial gegen ihn erhoben wurden, grob zusammenfassen. Addendum hat diese ausführlich dokumentiert.
Zur Erinnerung: Basis dieser Vorwürfe sind zum einen die Zahlen der Organisation Eurotransplant (ET). Die Eurotransplant International Foundation mit Sitz in den Niederlanden ist die zentrale Vermittlungsstelle für Organspenden in den acht Mitgliedstaaten Österreich, Belgien, Deutschland, Kroatien, Luxemburg, Niederlande, Ungarn und Slowenien. Rund 136 Millionen Menschen leben im Einzugsgebiet dieses Netzwerks. Laut ET-Zahlen soll es in der Region, für die Walter Klepetko zuständig war, im Zeitraum 2012–2018 zu einem Abfluss von insgesamt rund 90 Organen zum Nachteil von Patienten des ET-Raumes gekommen sein, obwohl das Regelwerk besagt, dass Organe, die aus einem ET-Land in den Verbund hineinkommen, ebenso wieder in den Verbund zurückfließen müssen. In einzelnen Fällen sollen zudem Honorare in der Höhe von rund 18.000 Euro pro Transplantation verrechnet worden sein.

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Die Chronik der COVID-Krise bei der Post
3. Juni 2020 Coronavirus Lesezeit 7 min
179 Corona-Fälle in zwei Verteilzentren der Post, Folgeerkrankungen in 50 Familien und ein teurer Bundesheereinsatz als letzte Rettung. Die Post verteidigte ihre „vorbildlichen Maßnahmen“ zum Schutz der Mitarbeiter. Doch eine Addendum-Rekonstruktion stellt Versäumnisse fest und zeigt, wie Mitbewerber ähnliche COVID-Cluster vermieden.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Coronavirus und ist Teil 89 einer 104-teiligen Recherche.
Bild: Bild: Robert Jaeger | APA

Als am 16. März das ganze Land in den Notbetrieb ging, blieb in den Verteilzentren der Post alles beim Alten. Statt weniger fiel dort bald mehr Arbeit an, da sich Einkäufe ins Internet verlagerten und die Paketmengen stiegen. Das galt gerade für zwei der wichtigsten Verteilzentren, aus denen die Bundeshauptstadt beliefert wird. Eines befindet sich in Wien-Inzersdorf, das andere am Nordrand der Stadt, im niederösterreichischen Hagenbrunn. Bis zu 13.500 Pakete laufen dort jeweils pro Stunde über die Förderbänder. Die Post muss alles unternehmen, um ihren Versorgungsauftrag als Teil der kritischen Infrastruktur des Staates aufrechtzuerhalten. Doch zwei Monate später findet sie sich in einem Worst-case-Szenario wieder. In Hagenbrunn haben sich 100 der etwa 300 Mitarbeiter mit dem Virus angesteckt, in Inzersdorf sind es 79. Während überall im Land die Zahl der Neuinfektionen stark sinkt, werden die Corona-Cluster der Post zu den größten der vergangenen Wochen. Infizierte Mitarbeiter tragen das Virus in 50 Familien hinein, in denen es laut einem Bericht der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) zu 80 weiteren Ansteckungen kommt.

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Coronavirus: Was uns der Staat nicht sagt
8. Juni 2020 Coronavirus Lesezeit 10 min
Addendum versucht, die Geschehnisse um die Coronavirus-Pandemie einzuordnen und ist dafür auf Informationen der Behörden angewiesen. Doch diese wollen oder können viele Fragen nicht beantworten.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Coronavirus und ist Teil 86 einer 104-teiligen Recherche.
Bild: Lilly Panholzer | Addendum

Oft erreichen die aufkommenden Fragen die Grenzen dessen, was bekannt ist. Manche Informationen finden ihren Weg nicht in das zuständige Ministerium, sondern werden nur in den Bundesländern gesammelt. Andere Informationen sind bekannt, werden aber trotz Nachfrage nicht weitergegeben. Es kam vor, dass einfache Fragen wochenlang nicht beantwortet werden – beispielsweise dazu, wie es dazu kommt, dass in einzelnen Bezirken weniger erkrankte Personen registriert waren als davor.

Da mehr als drei Monate nach Auftreten des ersten Falls weiterhin wesentliche Informationen zurückgehalten werden, sammelt Addendum in diesem Artikel unbeantwortete Fragen. Wenn Sie Hinweise darauf haben, wo wir Antworten finden könnten, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.

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Der Verhüllungs­künstler
25. Mai 2020 Coronavirus Lesezeit 12 min
In der Corona-Krise beschließt ein Wiener Handyshopbetreiber unter dem Namen www.atemschutzmaske.at im großen Stil mit Schutzausrüstung zu handeln. In kurzer Zeit stellt er bemerkenswerte Mengen auf, beliefert sogar staatliche Kliniken. Doch hinter dem Geschäft verbirgt sich so manches Geheimnis.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Coronavirus und ist Teil 84 einer 104-teiligen Recherche.
Bild: Georg Hochmuth | APA

Emad F. trägt nicht so gerne Maske. Er verkauft sie lieber. Die grünen, die aussehen, als könnte sie der Chefarzt bei einer Operation tragen. Die weißen, die eher Chemielabor-Charme versprühen. Weinrote oder schwarze Modelle mit Ventil für die Modebewussten.

So liegen sie in den Regalen, Schachtel neben Schachtel, es sind tausende. Eine Ware, die in den vergangenen Wochen von Shanghai über New York bis Addis Abeba zu horrenden Preisen gehandelt wurde. So wertvoll, dass ein paar Diebe sogar versucht haben sollen, bei ihm einzubrechen. Ein Wachmann habe sie in die Flucht geschlagen. F. lobte ein Kopfgeld aus.

Aber vielleicht hat er sich diese Geschichte auch nur ausgedacht wie andere auch. Emad F. trägt zwar nicht gerne Maske. Doch das heißt nicht, dass er nichts zu verbergen hat.

Es ist ein sonniger Dienstagnachmittag in der ersten Maiwoche, über die Mariahilfer Straße flanieren die Menschen. In der Hausnummer 72 führt der Handyshop-Betreiber F. an Regalen voller Masken vorbei in ein karges Hinterzimmer. An den Wänden stapeln sich die Boxen: Masken aus China, Schutzbrillen aus Taiwan, importiert über die Slowakei, England, Bulgarien. Er weiß nicht, wie viel er in den vergangenen Monaten gekauft und verkauft hat. Es müssen Millionen gewesen sein. Obwohl Masken in der Krise kaum zu bekommen sein sollen.

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Das Masken-Experiment: Geht es auch ohne China?
13. Mai 2020 Coronavirus Lesezeit 10 min
In der Corona-Pandemie stellt sich die Frage, wie weit die Globalisierung eigentlich gehen soll. Das Chaos beim Einkauf von medizinischer Schutzausrüstung aus Asien führte zu einer nationalen Ersatzproduktion. Wenn es diese auch nach der Krise noch geben soll, muss einiges anders werden.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Coronavirus und ist Teil 80 einer 104-teiligen Recherche.
Bild: Robert Jäger | APA

Der Weg aus dem Weltmarkt beginnt mit einem Karton. Darin befinden sich, fein säuberlich geschlichtet: zwei Rollen Band zu je 400 Meter, zwei Rollen Nähgarn zu je 1.000 Meter, 400 Stück Nasenbügel, 40 Plastiksackerl, 40 Aufkleber und mehrere Streifen Stoff. Die Hände von Viktoria Pitzer sollen das alles zu einer der heißesten Waren zusammenfügen, die auf dem globalen Markt von Shanghai über New York bis Addis Abeba gehandelt wird: einer Atemschutzmaske.

Jeden Morgen wirft die 25-Jährige ein paar Kilometer südlich von Graz ihre Nähmaschine an. Sie schneidet Stoffstreifen, näht Nasenbügel ein, rund 150 Stück Masken schafft sie an einem Tag. „Für mich ist das eine entspannende Arbeit“, sagt Pitzer, die zwar Schneiderin gelernt hat, aber eigentlich als Grafikerin und Produktmanagerin bei einem Sportbekleidungsbetrieb angestellt ist. Von 8 Uhr in der Früh bis 6 Uhr am Abend näht sie Masken, Stück um Stück, Karton um Karton.

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Versagte die EU in der Corona-Krise?
8. Mai 2020 Coronavirus Lesezeit 21 min
Warum stolperte Europa derart in die Corona-Pandemie, warum ließ man sieben Wochen Zeitvorsprung gegenüber China verstreichen und verhinderte nicht, dass eine Jahrhundertkrise entstand? Die Suche nach Verantwortlichen in den EU-Institutionen und den Hauptstädten der Mitgliedstaaten wird zur erschreckenden Chronik einer unterschätzten Gefahr.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Coronavirus und ist Teil 78 einer 104-teiligen Recherche.
Bild: John Thys | AFP

Europa ist zum Seuchenherd in der Corona-Pandemie geworden. Der Kontinent mit den besten Gesundheitssystemen der Welt verzeichnet aktuell 140.000 COVID-19-bedingte Tote, und damit mehr als doppelt so viele wie die USA. Mindestens 12 Millionen Menschen haben in der EU entweder bereits ihre Arbeit verloren oder werden dies als Folge der Krise bis zum Jahresende tun. Noch vermag keiner die volkswirtschaftlichen Schäden seriös zu beziffern. Klar ist aber, dass es sich um den schlimmsten Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg handelt und dadurch neue Schulden in Billionenhöhe entstehen. Damit wird eine Frage immer drängender: Hätte sich die Corona-Pandemie in Europa, wenn schon nicht aufhalten, dann zumindest abschwächen lassen? Und wer trägt die Verantwortung dafür, dass das nicht geschah?

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Lebens­schutz als Totschlag­argument
6. Mai 2020 Coronavirus Lesezeit 19 min
Über die Scheinheiligkeit in der ethischen Debatte, die Angst in den Köpfen der Menschen und was von der Krise bleiben wird: Der Briefwechsel Martin Sprenger – Michael Fleischhacker geht in die nächste Runde.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Coronavirus und ist Teil 75 einer 104-teiligen Recherche.
Bild: Christian Jungwirth | Addendum

Lieber Herr Fleischhacker,
die Lebensweisheit „hinterher sind immer alle klüger“ gilt natürlich auch für diese Pandemie. Aber nur, wenn alle hinterher klüger sind und somit etwas gelernt haben, können wir zukünftige ähnliche Herausforderungen besser bewältigen. Deshalb ist es so wichtig zurückzuschauen, kritische Fragen zu stellen, Entscheidungen zu evaluieren, vergangene Geschehnisse besser zu verstehen. Schauen wir also einmal kurz zurück auf meine drei persönlichen Schlüsselmomente.

Beginnen wir mit den Ereignissen in der Provinz Bergamo mit 1,1 Millionen Einwohnern. Nach einer eher schwachen Virensaison im Winter 2019/2020 konnte sich das neue Coronavirus SARS-CoV-2 im Jänner und Februar unerkannt in Norditalien verbreiten. Die anfängliche These, dass die relativ kleine chinesische Community für die Einschleppung verantwortlich war, hat sich bis heute nicht bestätigt. Der erste Tote Italiens wurde in Bergamo am 21. Februar registriert. Was in den darauffolgenden Wochen passierte, kann rückblickend nur als unglücklicher Teufelskreis bezeichnet werden. Zuerst füllten viele kranke hochbetagte Menschen die in den letzten Jahren finanziell ausgehungerten Krankenhäuser der Region. Anfangs dachten die Ärzte noch an eine verspätete Grippewelle. Als die Kapazitätsgrenzen erreicht waren, beschloss die Regionalregierung am 8. März, dem Tag des Lockdowns in der Lombardei, Patienten mit milden Symptomen in die Altersheime zu verlegen. Jedes Heim erhielt pro COVID-19-Patient 150 Euro am Tag. Die Folge war, dass Krankenhäuser und Altersheime zu Hotspots wurden und die Zahl der infizierten Personen aus der Hochrisikogruppe exponentiell stieg. Zusätzlich wurden zahlreiche Rettungskräfte, Pflegepersonen und Ärzte infiziert. Die Krankenversorgung kollabierte, und weil die lokalen Bestatter streikten, wurden die Toten mit Militärlastern weggeführt. Die zugehörigen Bilder gingen um die Welt und hatten eine nachhaltige Wirkung. In keiner einzigen anderen Stadt in Norditalien, inklusive Mailand, kam es zu ähnlichen Szenarios. Aber diese Aspekte wurden und werden nicht beachtet, warum auch immer. Hinterher sind nicht immer alle klüger.

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KZ Gusen: Das steht in der Machbarkeits­studie
4. Mai 2020 KZ Gusen Lesezeit 6 min
75 Jahre nach der Befreiung des KZ Gusen will die türkis-grüne Bundesregierung eine Gedenkstätte errichten und die dafür nötigen Gebäude und Gründe ankaufen. Grundlage dafür soll die bereits im Dezember 2018 fertiggestellte Machbarkeitsstudie sein, die bisher zurückgehalten wurde. Bis jetzt.
Dieser Artikel gehört zum Projekt KZ Gusen und ist Teil 2 einer 9-teiligen Recherche.
Bild: Montage | Addendum

„Bitte keine anonyme, von oben verordnete Gedenkstätte.“ Das ist der Wunsch des lokalen Bürgermeisters Christian Aufreiter (SPÖ), der in der zurückgehaltenen Machbarkeitsstudie gleich zu Beginn zu finden ist. Es ist ein Satz mit Symbolwirkung. Denn das Verhältnis dieses Ortes zu seiner Vergangenheit ist noch immer ein schwieriges. Dass diese lange kaum aufgearbeitet wurde, holt den Ort und seine Einwohner heute wieder ein.

In Gusen soll ein neuer Gedenkort entstehen – als Erinnerung an das ehemalige Lager, von dem heute kaum noch etwas übrig ist. Die Studie, die das Innenministerium nicht veröffentlichen wollte, soll eine Entscheidungsgrundlage dafür liefern. Darin werden konkrete Grundstücke genannt, die von der Republik „für die geplante Nutzung einer Gedenkstätte sinnvollerweise angekauft werden sollen”. Diese Liegenschaften werden heute als Wohn- und Firmenfläche genutzt.

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Podcast
Die vergessene Hölle
Folge 1 von 5
3. Mai 2020 KZ Gusen 18 min
Von seinen Häftlingen als „Hölle aller Höllen“ bezeichnet, befand sich in Gusen zur Zeit des Nationalsozialismus der mit mehr als 70.000 Häftlingen größte KZ-Lagerkomplex auf österreichischem Boden. Heute steht hier eine Wohnsiedlung. Die erste Folge dieser Podcastreihe taucht ein in einen der geschichtsträchtigsten Orte Österreichs, dessen Vergangenheit lange völlig vergessen wurde. Diese holt die Bewohner heute wieder ein. Eine Reportage über das Spannungsfeld zwischen Gedenken und Vergessen und wie die Menschen, die dort leben, damit umgehen.
Zum Podcasttranskript.
Von Michael Mayrhofer, David Freudenthaler und Philipp Pankraz.
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„Null Risiko wird es nie geben“
27. April 2020 Coronavirus Lesezeit 17 min
Der Public-Health-Experte Martin Sprenger erläutert im Briefwechsel mit Michael Fleischhacker seinen Vorschlag für ein Ampelsystem zur regionalen Einschätzung des Infektionsrisikos und bespricht das schwedische Modell.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Coronavirus und ist Teil 68 einer 104-teiligen Recherche.
Bild: Christian Jungwirth | Addendum

Lieber Herr Sprenger, ich bin froh, wenn das alles bald einmal vorbei ist. Nicht, weil ich es im Ausnahmezustand besonders schlecht aushalten würde, ganz im Gegenteil: An meiner persönlichen Lebenssituation habe ich nichts auszusetzen. Wir haben einen Garten, der Sohn tut sich leicht in der Schule, die Tochter vermisst zwar den Kindergarten, ist aber ansonsten guter Dinge. Aber abgesehen davon, dass ich mir vorstelle, wie es nach eineinhalb Monaten Familien gehen muss, die über weniger luxuriöse Quarantänebedingungen verfügen, ermüdet mich der öffentliche Diskurs zunehmend.

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YouTube und die Corona-Verschwörung
28. April 2020 Coronavirus Lesezeit 8 min
Videos mit Verschwörungstheorien haben mehr als 18 Millionen Aufrufe erhalten. Addendum hat Inhalt und Verbreitung von über 1.000 Videos zum Coronavirus analysiert.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Coronavirus und ist Teil 66 einer 104-teiligen Recherche.

Auf YouTube finden Videos zu Verschwörungstheorien ein Millionenpublikum: Wer tief in die Blase vordringt, findet Videos, die vor einer neuen Weltordnung warnen oder Viren per se die Existenz absprechen. Manche Theorien verlassen den virtuellen Raum: In Großbritannien und in den Niederlanden haben Unbekannte kürzlich mehrere 5G-Handymasten in Brand gesteckt, die sie für die Ausbreitung des Coronavirus verantwortlich machen.

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„Wer nicht glaubt, wird ausgestoßen“
20. April 2020 Coronavirus Lesezeit 15 min
Martin Sprenger beschreibt den Gottesdienst-Charakter der Regierungskommunikation in der Corona-Krise und beschäftigt sich in seinem Brief an Michael Fleischhacker vor allem mit der Situation der Kinder: Dass weltweit Hunderttausenden von ihnen der Hungertod droht, schreibt er, sei der schlimmste Kollateralschaden der globalen Anti-Corona-Maßnahmen.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Coronavirus und ist Teil 58 einer 104-teiligen Recherche.
Bild: Christian Jungwirth | Addendum

Lieber Herr Sprenger,

ich fürchte, ich muss ein bisschen mit Ihnen schimpfen. Seit zwei Wochen will ich Sie dazu bewegen, als Gast in einen unserer Corona-Talks auf ServusTV zu kommen, jedes einzelne Mal lehnen Sie ab. Es sei noch nicht so weit, sagen Sie, erst wenn wir wissen, wie hoch die Herdenimmunität in Österreich schon ist, könne man im „Glaubenskrieg“ zwischen den Vertretern der Containment-Strategie und jenen der Herdenimmunität-Strategie eine Position beziehen. Aber muss man das überhaupt? Inzwischen wird wohl jedem klar sein, dass man, selbst wenn man „The Hammer & The Dance“ spielt, Wege suchen müssen, um die ursprünglich dafür vorgesehene Zeit von bis zu 18 Monaten radikal zu verkürzen. Die gesundheitlichen und sozialen Folgen der tiefen Depression, auf die wir schon jetzt zusteuern, werden sonst nicht weniger dramatisch sein – sogar was die Sterbezahlen angeht – als die die Folgen der Virus-Ausbreitung.

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„Lockdown verschiebt Tote in die Zukunft“
24. April 2020 Coronavirus Lesezeit 5 min
Johan Giesecke ist einer der renommiertesten schwedischen Epidemiologen. Er berät die schwedische Regierung und die Weltgesundheitsorganisation. Lockdowns hält er für sinnlos, die Ausbreitung des Coronavirus einzuschränken für hoffnungslos. Politiker wollen die Pandemie ihm zufolge nützen, um sich zu profilieren und setzen Maßnahmen um, die wissenschaftlich kaum belegt sind.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Coronavirus und ist Teil 64 einer 104-teiligen Recherche.
Bild: Ali Lorestani | TT News Agency

Professor Giesecke, Österreich erwacht gerade aus einem mehrwöchigen Lockdown. Was halten Sie davon, dass Österreich und viele andere Länder auf der Welt Lockdowns vollzogen haben? Warum hat Schweden einen anderen Weg eingeschlagen?

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Die ersten Infizierten: Wie Corona nach Österreich kam
18. März 2020 Coronavirus Lesezeit 4 min
Ende Februar wurden in Tirol zum ersten Mal Personen positiv auf das Coronavirus getestet. Seitdem gibt es über 1300 bestätigte Infektionen. Die ersten Fälle sind fast alle auf Italien zurückzuführen. Ein Überblick.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Coronavirus und ist Teil 14 einer 104-teiligen Recherche.
Bild: Lilly Panholzer | Addendum

Am 26. Februar wird ein Anwalt im Wiener Spital Rudolfstiftung positiv auf das Virus SARS-CoV-2 getestet. Er liegt zu diesem Zeitpunkt bereits seit zehn Tagen im Spital – mit der Diagnose Grippe. Wie er sich angesteckt hat, ist bis heute nicht bekannt. Alle Besucher und neunzig Angestellte des Spitals werden unter Quarantäne gestellt, alle Tests verlaufen negativ. Nicht getestet werden seine Arbeitskollegen – schließlich ist der Mann bereits seit zehn Tagen im Spital und war schon lange nicht mehr im Büro.

Schon tags zuvor, am 25. Februar, wurden zwei Fälle in Tirol bekannt, die ersten in Österreich: Eine 24-jährige Angestellte eines Hotels und ihr gleichaltriger Freund werden positiv getestet, sie waren in Italien, haben einen leichten Verlauf und dürften niemanden angesteckt haben. Nur wenige Tage, bevor der Fall bekannt wird, hat Bundeskanzler Sebastian Kurz in dem Hotel übernachtet, das nach Bekanntwerden der Fälle gesperrt wird. Das Paar wird am 6. März aus dem Spital entlassen. Als erste Patienten in Österreich gelten die beiden als geheilt.

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