Addendum
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COVID-19: Ist der Impfstoff-Hype berechtigt?

Rund um die Welt werden alle denkbaren Ressourcen mobilisiert, um so schnell wie möglich einen COVID-19-Impfstoff zu entwickeln. Ein wirksamer Impfstoff wäre ein Meilenstein, aber noch lange nicht die Zielgerade auf dem Marathon zur Normalität.

Addendum fasst die wichtigsten Fakten rund um die Pandemie in einer Übersicht tagesaktuell zusammen. Zum Dashboard

Das, was fehlt

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Eine österreichische Rechercheplattform. Wir arbeiten datenbasiert, recherchieren investigativ und verarbeiten unsere Ergebnisse in allen Darstellungsformen. Addendum ist auch mehr als nur eine Website. Wir publizieren Print, online, TV, Social Media und Podcasts.

Addendum-Zeitung
Das, was fehlt. Auch gedruckt. Neueste Ausgabe zum Thema Coronavirus.
Machtkampf im Ministerium
Das neue Buch von Susanne Wiesinger und Jan Thies.

Bild: Bild: Robert Jaeger | APA
Die Chronik der COVID-Krise bei der Post
3. Juni 2020 Coronavirus Lesezeit 7 min
179 Corona-Fälle in zwei Verteilzentren der Post, Folgeerkrankungen in 50 Familien und ein teurer Bundesheereinsatz als letzte Rettung. Die Post verteidigte ihre „vorbildlichen Maßnahmen“ zum Schutz der Mitarbeiter. Doch eine Addendum-Rekonstruktion stellt Versäumnisse fest und zeigt, wie Mitbewerber ähnliche COVID-Cluster vermieden.

Als am 16. März das ganze Land in den Notbetrieb ging, blieb in den Verteilzentren der Post alles beim Alten. Statt weniger fiel dort bald mehr Arbeit an, da sich Einkäufe ins Internet verlagerten und die Paketmengen stiegen. Das galt gerade für zwei der wichtigsten Verteilzentren, aus denen die Bundeshauptstadt beliefert wird. Eines befindet sich in Wien-Inzersdorf, das andere am Nordrand der Stadt, im niederösterreichischen Hagenbrunn. Bis zu 13.500 Pakete laufen dort jeweils pro Stunde über die Förderbänder. Die Post muss alles unternehmen, um ihren Versorgungsauftrag als Teil der kritischen Infrastruktur des Staates aufrechtzuerhalten. Doch zwei Monate später findet sie sich in einem Worst-case-Szenario wieder. In Hagenbrunn haben sich 100 der etwa 300 Mitarbeiter mit dem Virus angesteckt, in Inzersdorf sind es 79. Während überall im Land die Zahl der Neuinfektionen stark sinkt, werden die Corona-Cluster der Post zu den größten der vergangenen Wochen. Infizierte Mitarbeiter tragen das Virus in 50 Familien hinein, in denen es laut einem Bericht der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) zu 80 weiteren Ansteckungen kommt.

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Bild: Marko Djurica | Reuters
Das Ende der Welt, wie wir sie kannten?
2. Juni 2020 COVID-19-Impfstoff Lesezeit 8 min
Die Rückkehr zur Normalität bedeutet für die Pharmaindustrie einen nie dagewesenen logistischen Aufwand.

Glaubt man den Aussagen zahlreicher Staats- und Regierungschefs, wird es einen Ausweg aus der Corona-Krise erst mit einer Impfung geben. Das sind düstere Aussichten. Auch wenn die Anzahl der Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 in Österreich massiv gesunken ist, sind die Folgen der Pandemie allgegenwärtig und niemand weiß, ob es nicht eine neue Ansteckungswelle geben wird. Die Sehnsucht nach der „Normalität“, also einem Leben wie vor dem Ausbruch der Pandemie ist, groß. Diese Normalität soll - Politikern zufolge - ein Impfstoff bringen, am besten schon Ende dieses Jahres oder wenigstens zu Beginn des nächsten. Aber wie realistisch ist das?

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Interaktiv
Das Rennen um den Impfstoff
2. Juni 2020 COVID-19-Impfstoff Interaktiv
124 Impfstoffkandidaten sind der Weltgesundheitsorganisation WHO bislang bekannt; und fast täglich werden es mehr. Große Player und kleine Fische, Unternehmen und Universitäten, sie alle forschen mit verschiedensten Ansätzen an einem Impfstoff gegen jenes Virus, das das öffentliche Leben rund um den Globus fast zum Stillstand gebracht hat. Wir haben uns angesehen, welche Kandidaten im Rennen um den Impfstoff vorne liegen, in welchen Ländern es die meisten Kandidaten gibt und auf welchen Technologien sie beruhen.
Bild: Mladen Antonov | AFP
Wird uns ein Impfstoff retten?
2. Juni 2020 COVID-19-Impfstoff Lesezeit 12 min
Zehn Impfstoffkandidaten werden klinisch getestet, über hundert Kandidaten gibt es insgesamt. Können die Bemühungen dennoch scheitern?

Donald Trump war beeindruckt, als die CEOs mehrerer Pharmafirmen am 2. März im Weißen Haus eintrafen, um dem Präsidenten und seiner Regierung ihren Kandidaten für einen Corona-Impfstoff zu pitchen. Stéphane Barcel von Moderna Inc. hatte schnell die Aufmerksamkeit des US-Präsidenten: Er versprach, dass der Impfstoff gegen SARS-CoV-2 bereits in wenigen Monaten in Phase II (von drei) der klinischen Tests sein werde. Bereits am nächsten Tag gab die Arzneimittelbehörde FDA grünes Licht für Phase I für den Moderna-Impfstoff. Die US-amerikanische Welt war damals noch eine komplett andere: 102 bestätigte Corona-Fälle und sechs Tote hatten die Staaten bis dahin.

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Wie eine Impfung funktioniert
2. Juni 2020 COVID-19-Impfstoff Lesezeit 5 min
Die Frage, welche Biotechnologie im Rennen um einen COVID-19-Impfstoff zu einer wirksamen Immunisierung führt, wird maßgeblich darüber entscheiden, wie lange es dauern wird, den Impfstoff in großen Mengen verfügbar zu machen.

Die Frage, welche Biotechnologie im Rennen um einen COVID-19-Impfstoff zu einer wirksamen Immunisierung führt, wird maßgeblich darüber entscheiden, wie lange es dauern wird, den Impfstoff in großen Mengen verfügbar zu machen.

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Debatte
Bild: Lukas Beck | Illustration: Addendum
von Dipl.-Ing. Clemens Arvay
Schnell oder sicher: Baldige Corona-Impfung als Gefahr?
3. Juni 2020 Debatte: Die Corona-Krisen Lesezeit 9 min
Das Risiko eines zeitnahen Impfstoffs gegen COVID-19 kann nicht wegdiskutiert werden. Argumente, warum eine baldige Impfstoffzulassung mehr Risiko als Hoffnung bedeuten könnte.

Viele Experten sagen, dass eine Rückkehr zur „Normalität“, also eine Beendigung einschränkender Maßnahmen und verordneter Verhaltensregeln, erst mit der Anwendung eines Impfstoffs gegen SARS-CoV-2, den Erreger von COVID-19, möglich sei. Jüngst hat sich Frank Ulrich Montgomery, der Vorsitzende des Weltärztebundes, sogar für eine Impfpflicht ausgesprochen. Diese sollte ihm zufolge nicht durch einen direkt ausgeübten Zwang, sondern über Einschränkungen für Nicht-Geimpfte durchgesetzt werden, sobald ein Impfstoff zugelassen wurde. Kritiker bezeichnen dieses Modell oft als Impfpflicht durch die Hintertür. Als Zeitrahmen für die Zulassung ist häufig von 12 bis 18 Monaten die Rede.

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Debatte
von Dr. Barbara Ondrisek und Prof. Peter Purgathofer
Nicht schon wieder E-Voting!
2. Juni 2020 Debatte: Die Corona-Krisen Lesezeit 10 min
Corona-bedingt machen wir gerade mehr von zu Hause und vom Computer aus als je zuvor. Das Virus hat die schon lange herbeigeredete „Digitalisierung“ in Österreich vorangetrieben wie keine andere Initiative, und einen Dammbruch an Online-Shops, Tele-Learning und Homeoffice mit Videokonferenzen verursacht. Vieles an digitaler Technologie hat den Alltag verändert und zum Teil sogar verbessert.

Warum also nicht – endlich! – auch die Wahl digitalisieren? E-Voting klingt so bequem wie Bankgeschäfte per Online-Banking durchzuführen, oder die Steuererklärung per Finanz online einzureichen. Reflexartig folgt ohnehin schon nach jeder Wahlpanne der Ruf nach E-Voting – aber leider immer von Stimmen, die (noch?) nicht weit genug denken.

Was genau ist E-Voting?

Mit E-Voting (engl. für „electronic voting“ also elektronische Wahlen) sind jene Wahlmethoden gemeint, bei denen Stimmen auf elektronischem Weg erfasst und/oder gezählt werden. Die Varianten reichen von Internetwahlsystemen über Wahlcomputer bis hin zu Stimmzettel-Scannern und Zählprogrammen, die Papierstimmzettel automatisiert auswerten.

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Bild: Georg Hochmuth | APA
Der Verhüllungs­künstler
25. Mai 2020 Coronavirus Lesezeit 12 min
In der Corona-Krise beschließt ein Wiener Handyshopbetreiber unter dem Namen www.atemschutzmaske.at im großen Stil mit Schutzausrüstung zu handeln. In kurzer Zeit stellt er bemerkenswerte Mengen auf, beliefert sogar staatliche Kliniken. Doch hinter dem Geschäft verbirgt sich so manches Geheimnis.
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Emad F. trägt nicht so gerne Maske. Er verkauft sie lieber. Die grünen, die aussehen, als könnte sie der Chefarzt bei einer Operation tragen. Die weißen, die eher Chemielabor-Charme versprühen. Weinrote oder schwarze Modelle mit Ventil für die Modebewussten.

So liegen sie in den Regalen, Schachtel neben Schachtel, es sind tausende. Eine Ware, die in den vergangenen Wochen von Shanghai über New York bis Addis Abeba zu horrenden Preisen gehandelt wurde. So wertvoll, dass ein paar Diebe sogar versucht haben sollen, bei ihm einzubrechen. Ein Wachmann habe sie in die Flucht geschlagen. F. lobte ein Kopfgeld aus.

Aber vielleicht hat er sich diese Geschichte auch nur ausgedacht wie andere auch. Emad F. trägt zwar nicht gerne Maske. Doch das heißt nicht, dass er nichts zu verbergen hat.

Es ist ein sonniger Dienstagnachmittag in der ersten Maiwoche, über die Mariahilfer Straße flanieren die Menschen. In der Hausnummer 72 führt der Handyshop-Betreiber F. an Regalen voller Masken vorbei in ein karges Hinterzimmer. An den Wänden stapeln sich die Boxen: Masken aus China, Schutzbrillen aus Taiwan, importiert über die Slowakei, England, Bulgarien. Er weiß nicht, wie viel er in den vergangenen Monaten gekauft und verkauft hat. Es müssen Millionen gewesen sein. Obwohl Masken in der Krise kaum zu bekommen sein sollen.

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Interaktiv
Wo sich das Coronavirus in Österreich verbreitet
3. Juni 2020 Coronavirus Interaktiv
Die Zahl der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus hat sich in Österreich stabilisiert – in vielen anderen Staaten wächst sie weiter: Addendum versucht die wichtigsten Fakten rund um die Pandemie in einer Übersicht tagesaktuell zusammenzufassen.
Bild: Christian Jungwirth | Addendum
Offener Brief an den Gesundheitsminister
29. Mai 2020 Coronavirus Lesezeit 6 min
Martin Sprenger unterzieht die Aussage „Es wurden die richtigen Maßnahmen zum richtigen Zeitpunkt gesetzt“ einem Faktencheck.

Offener Brief von Martin Sprenger an Niki Popper, Herwig Ostermann und Rudolf Anschober

Sehr geehrter Bundesminister Anschober, lieber Herwig, lieber Niki,

nachdem ich den Standard-Artikel „Maßnahmen zum richtigen Zeitpunkt gesetzt“ gelesen und mir die Pressekonferenz angeschaut habe, kann ich nicht anders, als im Sinne einer konstruktiven wissenschaftlichen Debatte darauf zu reagieren. Auch auf die Gefahr hin, etwas zu lange zu werden, möchte ich trotzdem jede der getroffenen Aussagen hinterfragen und zur Diskussion stellen. Auch im Kontext der Kriterien für gute Gesundheitsinformationen.
Aussage 1: Die Maßnahmen wurden zum richtigen Zeitpunkt gesetzt.

Diese Aussage ist richtig. Was nicht gesagt wird, ist, dass der Zeitpunkt reiner Zufall war. Maßgeblich entscheidend für den Zeitpunkt waren die Bilder aus der Lombardei, die Warnungen aus Skandinavien, die Nachfragen aus der EU, die Geschehnisse in Ischgl, der Druck aus Tirol, aber auch die schon stattgefundenen Wirtschaftskammerwahlen, und natürlich auch Modellierungen, die mit geschätzten Parametern den Kollaps des Gesundheitssystems prophezeiten.

Aussage 2: Man befinde sich derzeit in einem „Präventionsparadoxon“.

Diese Aussage ist falsch. So wie bei Therapien auf der Behandlungsebene muss auch bei Public-Health-Maßnahmen der Nutzen immer größer sein als der Schaden. Jede Präventionsmaßnahme kann schaden oder nutzen. Auch wenn eine Gesamtbilanz noch aussteht, ist der gesundheitliche, psychische, soziale und ökonomische Schaden in unseren Gesellschaften enorm und hat die soziale Ungleichheit vergrößert. Der Nutzen des Lockdowns müsste somit ebenfalls enorm sein, damit die Nutzen-Schadens-Bilanz passt. Eine Eskalation der Angst und weitere Verschärfung der präventiven Maßnahmen stand ab Anfang April nicht mehr in Relation zu dem damit erzielten Nutzen. Spätestens ab Anfang April hätte die Regierung alles tun müssen, um mittels Gesundheitsfolgenabschätzungen den gesundheitlichen, psychischen, sozialen und ökonomischen Schaden, insbesondere in vulnerablen Gruppen, so gut wie möglich zu minimieren. Das hat sie nicht gemacht. Der Schaden der präventiven Maßnahme wurde größer als der Nutzen. Das Präventionsparadoxon wurde mit Anfang April ungültig.

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Interaktiv
Woher Österreichers Sommerurlauber kommen
29. Mai 2020 Coronavirus Interaktiv
Ende Mai öffneten erste Hotels, Mitte Juni sollen offizielle Grenzöffnungen folgen. Woher kommen die Gäste Ihrer Region?
Bild: Lilly Panholzer | Addendum
Coronavirus: Was uns der Staat nicht sagt
27. Mai 2020 Coronavirus Lesezeit 9 min
Addendum versucht, die Geschehnisse um die Coronavirus-Pandemie einzuordnen und ist dafür auf Informationen der Behörden angewiesen. Doch diese wollen oder können viele Fragen nicht beantworten.

Oft erreichen die aufkommenden Fragen die Grenzen dessen, was bekannt ist. Manche Informationen finden ihren Weg nicht in das zuständige Ministerium, sondern werden nur in den Bundesländern gesammelt. Andere Informationen sind bekannt, werden aber trotz Nachfrage nicht weitergegeben. Es kam vor, dass einfache Fragen wochenlang nicht beantwortet werden – beispielsweise dazu, wie es dazu kommt, dass in einzelnen Bezirken weniger erkrankte Personen registriert waren als davor.

Da mehr als drei Monate nach Auftreten des ersten Falls weiterhin wesentliche Informationen zurückgehalten werden, sammelt Addendum in diesem Artikel unbeantwortete Fragen. Wenn Sie Hinweise darauf haben, wo wir Antworten finden könnten, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.

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Braucht Österreich eine Corona-Ampel?
26. Mai 2020 Coronavirus Lesezeit 3 min
In Deutschland werden die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie je nach regionalem Infektionsgeschehen unterschiedlich festgelegt. Ein Modell für Österreich?

Anfang März stieg die Anzahl der bestätigten Corona-Infizierten in Österreich stark an. Die Folge war ein Lockdown für das ganze Land. Aus Mangel an Daten und aufgrund von geringen Testkapazitäten konnte man zum Zeitpunkt des ersten Ausbruchs noch nicht wissen, wie stark manche Regionen wirklich betroffen waren.

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Bild: Fabrice Coffrini | AFP
WHO: träge, zahnlos, China-freundlich?
27. Mai 2020 Coronavirus Lesezeit 16 min
Donald Trump wirft der Weltgesundheitsorganisation vor, bei der Bekämpfung der Corona-Krise versagt zu haben. Vor allem habe sie einen „gefährlichen“ Pro-China-Einschlag. Die Kritik ist berechtigt, erklärt aber nur einen Teil der Versäumnisse.
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Donald Trump hat Mitte April 2020 bekanntgegeben, die US-Zahlungen an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorläufig einzustellen. Das ist das vorerst letzte Kapitel in einem schon länger schwelenden Streit, er wirft der Organisation „schwerwiegendes Missmanagement“ und sogar „Vertuschung“ vor. So habe die WHO im Zuge der Coronavirus-Krise die chinesischen Informationen „unhinterfragt übernommen“ und China für seine Maßnahmen gelobt, während die Warnungen Taiwans vor der Ausbreitung ignoriert wurden.

Am 18. Mai haben die USA einen Brief an den WHO-Generaldirektor geschrieben, in dem sie ihre Kritik nochmals bekräftigten. Daher müsse die WHO ihre Unabhängigkeit von China beweisen. Jetzt habe sie 30 Tage Zeit, um sich zu maßgeblichen Reformen zu verpflichten, ansonsten würden die USA ihre Zahlungen endgültig und dauerhaft beenden.

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„Wir fahren mit Schneeketten auf der trockenen Straße“
21. Mai 2020 Coronavirus 15 min
Der Grazer Professor für Public Health, Martin Sprenger, wirft im Interview mit Michael Fleischhacker einen kritischen Rückblick auf die Politik der Bundesregierung in der Corona-Krise.

Seit Freitag haben Restaurants und Wirtshäuser in Österreich wieder geöffnet, seit Montag ist der Schulbetrieb wieder in Gang – weitere Schritte in Richtung „neue Normalität“.

Bisher wurden in Österreich alle optimistischen Szenarien positiv von der Realität übertroffen und viele der angestellten Modellrechnungen stellten sich als zu negativ heraus. Laut dem Public-Health-Experten Martin Sprenger sind die Ängste in der Bevölkerung somit übertrieben. Diese Ängste durch die strengen Maßnahmen in Österreichs Schulen jetzt auch auf die Kinder zu übertragen sei „vollkommen verrückt“, so Sprenger.

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Debatte
Porträt: Christine Weinberger | Bild: Addendum
von Franz Nauschnigg
Krisenbewältigung einst und jetzt
20. Mai 2020 Debatte: Die Corona-Krisen Lesezeit 8 min
Die Krisenbewältigung in den 1980er Jahren, mit Tschernobyl und dem Weinskandal sind der jetzigen Corona-Krise insofern ähnlich, als es in beiden Fällen um eine Abwägung zwischen Gesundheitsmaßnahmen und ihren negativen wirtschaftlichen Auswirkungen ging.

Die wirtschaftlichen Einbrüche in der jetzigen Corona-Krise werden Dimensionen erreichen wie in der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre und damit die der großen weltweiten Rezession nach 2008 übertreffen. Sie sind damit wesentlich schwerer als die Krise in den 1980er Jahren. In Österreich hat die Gesundheitspolitik in der Corona-Krise im internationalen Vergleich relativ rasch reagiert, die Wirtschaftspolitik hingegen relativ spät.

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Bild: James Tye | AFP
Ein Land rüstet auf: Wie viel Beatmung braucht Österreich?
19. Mai 2020 Coronavirus Lesezeit 8 min
Mit den Bildern aus Italien stieg die Nachfrage nach Beatmungsgeräten. Öffentlicher Druck, behauptete Engpässe und berechtigte Sorgen befeuerten den Prozess. Die Republik investierte Millionen Euro, um auf der sicheren Seite zu sein. Nur: Wurde da auch Geld verschwendet?
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Frühling 2020 in Österreich. Es ist Ende März, als die Balken in den unzähligen Corona-Dashboards auf allen möglichen Kanälen und Webseiten am höchsten klettern. Wieder ein Spitzenwert an Neuinfektionen, wieder mehr Tote. Anfang April schließlich erreicht die Zahl der akut an COVID-19 erkrankten Personen ihren Höchststand (3.4.: 9.193 Fälle). Fünf Tage später verzeichnen die Intensivstationen der Spitäler ihre maximale Auslastung mit Corona-Fällen:

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Interaktiv
Meine Corona-Realität
19. Mai 2020 Coronavirus Interaktiv
Die Corona-Pandemie hinterlässt auch Spuren im Alltag derjenigen, die nicht am Virus erkrankt sind: ob abgesagte Operationen, ökonomische Existenzängste oder Einsamkeit. In einer Art anekdotischer Evidenzdatenbank versammeln wir Erfahrungen unserer Leser, die ihre persönlichen Geschichten erzählen: von wirtschaftlichen, sozialen und gesundheitlichen Folgen der Krise.
Bund, Land, Krise
Die Länder sind in vielen Bereichen stellvertretend für den Bund tätig. Dieses System der mittelbaren Bundesverwaltung begründet die Hausmacht der Landeshauptleute, birgt aber auch ein Demokratiedefizit in sich. In der Corona-Krise ist es nun an seine Grenzen gestoßen.
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In Österreich gibt es eine, im internationalen Vergleich eher ungewöhnliche, Art, Gesetze zu vollziehen: die mittelbare Bundesverwaltung. Die Länder setzen dabei unter Weisung des Bundes dessen Gesetze um. Der Bürger bekommt davon aber meist wenig mit. Wer eine Strafe wegen Schnellfahrens erhält, kümmert sich kaum darum, dass die Bezirkshauptmannschaft diese in mittelbarer Bundesverwaltung der Straßenverkehrsordnung verhängt hat.

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Interaktiv
Wie sich die Rekord­arbeits­losigkeit in Ihrer Region auswirkt
19. Mai 2020 Coronavirus Interaktiv
Der Shutdown der Wirtschaft zog die größte Erschütterung des Arbeitsmarktes der Zweiten Republik nach sich. Wie ist Ihre Region betroffen?
Bild: Robert Jäger | APA
Das Masken-Experiment: Geht es auch ohne China?
13. Mai 2020 Coronavirus Lesezeit 10 min
In der Corona-Pandemie stellt sich die Frage, wie weit die Globalisierung eigentlich gehen soll. Das Chaos beim Einkauf von medizinischer Schutzausrüstung aus Asien führte zu einer nationalen Ersatzproduktion. Wenn es diese auch nach der Krise noch geben soll, muss einiges anders werden.
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Der Weg aus dem Weltmarkt beginnt mit einem Karton. Darin befinden sich, fein säuberlich geschlichtet: zwei Rollen Band zu je 400 Meter, zwei Rollen Nähgarn zu je 1.000 Meter, 400 Stück Nasenbügel, 40 Plastiksackerl, 40 Aufkleber und mehrere Streifen Stoff. Die Hände von Viktoria Pitzer sollen das alles zu einer der heißesten Waren zusammenfügen, die auf dem globalen Markt von Shanghai über New York bis Addis Abeba gehandelt wird: einer Atemschutzmaske.

Jeden Morgen wirft die 25-Jährige ein paar Kilometer südlich von Graz ihre Nähmaschine an. Sie schneidet Stoffstreifen, näht Nasenbügel ein, rund 150 Stück Masken schafft sie an einem Tag. „Für mich ist das eine entspannende Arbeit“, sagt Pitzer, die zwar Schneiderin gelernt hat, aber eigentlich als Grafikerin und Produktmanagerin bei einem Sportbekleidungsbetrieb angestellt ist. Von 8 Uhr in der Früh bis 6 Uhr am Abend näht sie Masken, Stück um Stück, Karton um Karton.

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Bild: John Thys | AFP
Versagte die EU in der Corona-Krise?
8. Mai 2020 Coronavirus Lesezeit 21 min
Warum stolperte Europa derart in die Corona-Pandemie, warum ließ man sieben Wochen Zeitvorsprung gegenüber China verstreichen und verhinderte nicht, dass eine Jahrhundertkrise entstand? Die Suche nach Verantwortlichen in den EU-Institutionen und den Hauptstädten der Mitgliedstaaten wird zur erschreckenden Chronik einer unterschätzten Gefahr.
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Europa ist zum Seuchenherd in der Corona-Pandemie geworden. Der Kontinent mit den besten Gesundheitssystemen der Welt verzeichnet aktuell 140.000 COVID-19-bedingte Tote, und damit mehr als doppelt so viele wie die USA. Mindestens 12 Millionen Menschen haben in der EU entweder bereits ihre Arbeit verloren oder werden dies als Folge der Krise bis zum Jahresende tun. Noch vermag keiner die volkswirtschaftlichen Schäden seriös zu beziffern. Klar ist aber, dass es sich um den schlimmsten Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg handelt und dadurch neue Schulden in Billionenhöhe entstehen. Damit wird eine Frage immer drängender: Hätte sich die Corona-Pandemie in Europa, wenn schon nicht aufhalten, dann zumindest abschwächen lassen? Und wer trägt die Verantwortung dafür, dass das nicht geschah?

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Debatte
Porträt: Privat | Bild: Addendum
von Wilhelm Hanisch
Die Corona-Krise als Wissens- und Systemkrise
11. Mai 2020 Debatte: Die Corona-Krisen Lesezeit 10 min
Warum die Angemessenheit der Maßnahmen zu hinterfragen ist.

Bis zum Ausbruch der Corona-Krise befand sich die globale Wirtschaft (inkl. chinesischer Staatskapitalismus) in einem Modus mehr oder minder marktwirtschaftlicher Selbstregulierung. Abgesehen von aufflackernden protektionistischen Tendenzen lag die letzte große Intervention in Form der Rettung der Bankensysteme rund zehn Jahre zurück. Das Wachstumsparadigma ist lediglich durch die Ökologiebewegung – in nicht sehr wirksamer Weise – angefochten worden.

Das mit diesem Wirtschaftssystem verbundene Wissenssystem war und ist von einem Leitbild massiver markt- und verwertungsgetriebener Erwartungen in Innovation und technisch-organisatorischem Fortschritt getragen („schumpeterianisch“).

Dieser Zusammenhang gilt auch und gerade für den Gesundheitssektor. Trotz oder sogar aufgrund der Einwirkungen sozialstaatlicher Praxis und Leitbilder setzt gerade dieser Sektor auf den marktgetriebenen Einsatz neuester Wissens- und Technologie-Potenziale zur Erzielung einer neuen „Bio-legimité“ (Lebensverlängerung, Ausrotten von Krebs usw.). Daraus resultiert eine vielfach kritisierte Kostenfracht insbesondere für das öffentliche Gesundheitswesen.

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Bild: Christian Jungwirth | Addendum
Lebens­schutz als Totschlag­argument
6. Mai 2020 Coronavirus Lesezeit 19 min
Über die Scheinheiligkeit in der ethischen Debatte, die Angst in den Köpfen der Menschen und was von der Krise bleiben wird: Der Briefwechsel Martin Sprenger – Michael Fleischhacker geht in die nächste Runde.
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Lieber Herr Fleischhacker,
die Lebensweisheit „hinterher sind immer alle klüger“ gilt natürlich auch für diese Pandemie. Aber nur, wenn alle hinterher klüger sind und somit etwas gelernt haben, können wir zukünftige ähnliche Herausforderungen besser bewältigen. Deshalb ist es so wichtig zurückzuschauen, kritische Fragen zu stellen, Entscheidungen zu evaluieren, vergangene Geschehnisse besser zu verstehen. Schauen wir also einmal kurz zurück auf meine drei persönlichen Schlüsselmomente.

Beginnen wir mit den Ereignissen in der Provinz Bergamo mit 1,1 Millionen Einwohnern. Nach einer eher schwachen Virensaison im Winter 2019/2020 konnte sich das neue Coronavirus SARS-CoV-2 im Jänner und Februar unerkannt in Norditalien verbreiten. Die anfängliche These, dass die relativ kleine chinesische Community für die Einschleppung verantwortlich war, hat sich bis heute nicht bestätigt. Der erste Tote Italiens wurde in Bergamo am 21. Februar registriert. Was in den darauffolgenden Wochen passierte, kann rückblickend nur als unglücklicher Teufelskreis bezeichnet werden. Zuerst füllten viele kranke hochbetagte Menschen die in den letzten Jahren finanziell ausgehungerten Krankenhäuser der Region. Anfangs dachten die Ärzte noch an eine verspätete Grippewelle. Als die Kapazitätsgrenzen erreicht waren, beschloss die Regionalregierung am 8. März, dem Tag des Lockdowns in der Lombardei, Patienten mit milden Symptomen in die Altersheime zu verlegen. Jedes Heim erhielt pro COVID-19-Patient 150 Euro am Tag. Die Folge war, dass Krankenhäuser und Altersheime zu Hotspots wurden und die Zahl der infizierten Personen aus der Hochrisikogruppe exponentiell stieg. Zusätzlich wurden zahlreiche Rettungskräfte, Pflegepersonen und Ärzte infiziert. Die Krankenversorgung kollabierte, und weil die lokalen Bestatter streikten, wurden die Toten mit Militärlastern weggeführt. Die zugehörigen Bilder gingen um die Welt und hatten eine nachhaltige Wirkung. In keiner einzigen anderen Stadt in Norditalien, inklusive Mailand, kam es zu ähnlichen Szenarios. Aber diese Aspekte wurden und werden nicht beachtet, warum auch immer. Hinterher sind nicht immer alle klüger.

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Debatte
Porträt: Privat | Bild: Addendum
von Paul Clemens Murschetz
Corona-Medien­förderung: Millionen-Hilfe für die eigene Klientel?
11. Mai 2020 Debatte: Die Corona-Krisen Lesezeit 10 min
Eine kritische Stellungnahme zum aktuellen Medien-Rettungspaket.

Die COVID-19-Pandemie ist nicht nur ein Test für medizinische, politische und soziale Systeme auf der ganzen Welt, sondern auch für öffentliche Kommunikation und insbesondere für den digitalen Journalismus.

Klar ist: Medien leisten mit ihrer Berichterstattung zu COVID-19 bzw. den damit verbundenen staatlichen und behördlichen Maßnahmen einen entscheidenden Beitrag im Dienst der Allgemeinheit.

Medien übernehmen in der Krise eine Rolle, die ihnen sonst fremd ist: Sie werden zu Lautsprechern der Regierungen und Experten. Das macht den öffentlichen Rundfunk „systemrelevant“. ARD und ZDF in Deutschland, der ORF in Österreich und die SRG in der Schweiz sind ein Stück weit zum verlängerten Arm der Behörden geworden.

Auch Private liefern kontinuierliche Berichterstattung über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in der Corona-Krise, damit die Bürger über jene Informationen verfügen, welche sie für die politische Meinungs- und Willensbildung benötigen, ein Forum für politische und gesellschaftliche Debatten bieten, Kritik leisten und Kontrolle über die Regierenden ausüben, Vermittlungsfunktion zwischen Bürgerinnen und Bürgern auf der einen Seite und Regierung, Parlament und Verwaltung auf der anderen Seite übernehmen etc. Diese Leistungen können nur publizistische Medien mit gut ausgestatteten Redaktionen erbringen.

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Bild: Montage | Addendum
Wie das KZ Gusen „verschwand“
6. Mai 2020 KZ Gusen Lesezeit 4 min
Nur wenige Kilometer von Mauthausen entfernt wurden über 35.000 Menschen Opfer der Verbrechen des Nationalsozialismus. 75 Jahre später wissen nur die wenigsten über das Ausmaß des Konzentrationslagers Gusen Bescheid. Das Areal des ehemaligen KZ verwandelte sich bereits 15 Jahre nach der Befreiung in eine Wohnsiedlung.
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Im Konzentrationslager von Gusen – bestehend aus drei Lagerteilen – sind in den Jahren 1940 bis 1945 insgesamt über 35.000 Häftlinge umgekommen. Der Lagerkomplex war für die Insassen die „Hölle aller Höllen“. Systematische Tötungen waren nicht Ausnahme, sondern Alltag. 75 Jahre später befindet sich hier eine Wohnsiedlung.

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Bild: Montage | Addendum
KZ Gusen: Das steht in der Machbarkeits­studie
4. Mai 2020 KZ Gusen Lesezeit 6 min
75 Jahre nach der Befreiung des KZ Gusen will die türkis-grüne Bundesregierung eine Gedenkstätte errichten und die dafür nötigen Gebäude und Gründe ankaufen. Grundlage dafür soll die bereits im Dezember 2018 fertiggestellte Machbarkeitsstudie sein, die bisher zurückgehalten wurde. Bis jetzt.
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„Bitte keine anonyme, von oben verordnete Gedenkstätte.“ Das ist der Wunsch des lokalen Bürgermeisters Christian Aufreiter (SPÖ), der in der zurückgehaltenen Machbarkeitsstudie gleich zu Beginn zu finden ist. Es ist ein Satz mit Symbolwirkung. Denn das Verhältnis dieses Ortes zu seiner Vergangenheit ist noch immer ein schwieriges. Dass diese lange kaum aufgearbeitet wurde, holt den Ort und seine Einwohner heute wieder ein.

In Gusen soll ein neuer Gedenkort entstehen – als Erinnerung an das ehemalige Lager, von dem heute kaum noch etwas übrig ist. Die Studie, die das Innenministerium nicht veröffentlichen wollte, soll eine Entscheidungsgrundlage dafür liefern. Darin werden konkrete Grundstücke genannt, die von der Republik „für die geplante Nutzung einer Gedenkstätte sinnvollerweise angekauft werden sollen”. Diese Liegenschaften werden heute als Wohn- und Firmenfläche genutzt.

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Podcast
Bild: Montage | Addendum
Die vergessene Hölle
Folge 1 von 5
3. Mai 2020 KZ Gusen 18 min
Von seinen Häftlingen als „Hölle aller Höllen“ bezeichnet, befand sich in Gusen zur Zeit des Nationalsozialismus der mit mehr als 70.000 Häftlingen größte KZ-Lagerkomplex auf österreichischem Boden. Heute steht hier eine Wohnsiedlung. Die erste Folge dieser Podcastreihe taucht ein in einen der geschichtsträchtigsten Orte Österreichs, dessen Vergangenheit lange völlig vergessen wurde. Diese holt die Bewohner heute wieder ein. Eine Reportage über das Spannungsfeld zwischen Gedenken und Vergessen und wie die Menschen, die dort leben, damit umgehen.
Zum Podcasttranskript.
Von Michael Mayrhofer, David Freudenthaler und Philipp Pankraz.
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Zeitung
Bild: Peter Mayr | Addendum
Dieser Artikel ist erstmals in der Addendum-Zeitung Ausgabe 13 erschienen.
Mehr Armut, weniger Gesundheit
7. Mai 2020 Coronavirus Lesezeit 7 min
Durch die steigende Arbeitslosigkeit sind immer mehr Menschen von akuter Armut betroffen. Mehr Armut bedeutet ein größeres Risiko für die Gesundheit.
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Die Corona-Krise stellt auch die Mitarbeiter der Caritas-Organisation Le+O (Lebensmittel und Orientierung) vor besondere Herausforderungen. Vor der Krise wurden überzählige Lebensmittel von Supermärkten abgeholt und von tausend Freiwilligen in 16 Pfarren an armutsbetroffene Menschen verteilt. Die meisten dieser Pfarren sind räumlich nicht geeignet, um den nötigen Sicherheitsabstand gewährleisten zu können, und fast alle freiwilligen Helfer sind über 65 und zählen daher zur Risikogruppe. Auch die Supermarktabholung funktioniert derzeit nicht, einerseits aus Personalgründen, andererseits, weil die Supermärkte am Limit sind.
Le+O hat deshalb auf Corona-Notbetrieb umgestellt. Neue Freiwillige und Caritas-Mitarbeiter aus anderen Bereichen verteilen vor allem haltbare Waren aus den Lagern, in fertig abgepackten Paketen. Fünf Notausgabestellen stehen den „Gästen“, wie die Klienten genannt werden, zur Verfügung, wobei sie sich telefonisch voranmelden und Masken tragen müssen. Seit 16. März wurden über diesen Weg allein in Wien bereits 3.750 Pakete ausgegeben und es melden sich immer mehr Menschen an, erzählt Georg Engel, der Leiter des Projekts. Zu den Klienten zählen plötzlich Menschen, die bisher nie die Hilfe der Caritas gebraucht hatten. Sie sind durch die Krise in eine existenzielle Notsituation geraten.

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Interaktiv
Wie Altersheime geschützt werden
7. Mai 2020 Coronavirus Interaktiv
„Bring Corona nicht zur Oma.“ Der Plakatspruch fasst zusammen, was bei den Pressekonferenzen der Regierung wieder und wieder gesagt wurde. Ältere Menschen, besonders solche mit Vorerkrankungen sind die Hauptrisikogruppe für eine Erkrankung an COVID-19.
Bild: Andreas Wetz | Addendum
Bundesheer: Warum es zwei Monate bis zum Einsatz braucht
1. Mai 2020 Coronavirus Lesezeit 10 min
Am 18. März schuf die Regierung die Grundlage für die Mobilmachung der Miliz. Am 18. Mai werden die Soldaten erstmals ausrücken. In der Schweiz standen die Bürger-Soldaten drei Tage nach dem Alarm im Corona-Einsatz. Gehört das so? Wir suchten nach Erklärungen.
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K. trägt seit vielen Jahren zwei unterschiedliche Arten von Uniformen. Die eine besteht aus zweiteiligem Anzug, Hemd, Krawatte und eleganten Schuhen. „Als Geschäftsführer braucht man das, manchmal zumindest.“ In seiner knappen Freizeit hingegen trägt er schwere Stiefel, den Feldanzug 75 in Farbton RAL 7013 und – bei Bedarf – ein Sturmgewehr.

K. ist Vizeleutnant und Soldat des Milizstands. Loyal gegenüber dem Bundesheer. Und als Staatsbürger und Steuerzahler dennoch verwundert darüber, wie die erste Teilmobilmachung der österreichischen Armee im Zuge der Corona-Krise verläuft. Wie andere Soldaten, mit denen wir für diese Recherche sprachen, kann er nicht offen sprechen. Der Apparat schätzt es nicht, wenn er öffentlich ausgerichtet bekommt, wie es sonst noch ginge. Wie? „Schneller, koordinierter, ohne Eitelkeiten zwischen Berufs- und Milizstand. Und ohne übertriebene Selbstdarstellung der politischen Führung.“

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Der lange Weg vom Opfer­mythos zur Verant­wortung
7. Mai 2020 KZ Gusen Lesezeit 2 min
Es sollte über 40 Jahre dauern, bis Österreich mit der Aufarbeitung seiner NS-Vergangenheit beginnt. Erst Mitte der 1980er Jahre setzt die Erosion des Opfermythos ein, der These von Österreich als Opfer des Hitler-Regimes. Erst nach einigen Skandalen, Protesten und Staatsaffären bekannte sich Österreich schließlich zu seinen Taten und Verbrechen.

Es war ein langer Weg bis sich Österreich zu den von Österreichern begangenen Taten im Nationalsozialismus bekannte. Die Auseinandersetzung mit der eigenen dunklen Geschichte begann erst rund 40 Jahre nach Kriegsende. Während der Erste Weltkrieg nach seinem Ende von der Bevölkerung und in Medien ausführlich diskutiert und besprochen wurde, war das 1945 nicht der Fall. 1,2 Millionen Männer dienten im Zweiten Weltkrieg in der Wehrmacht und fast 700.000 Österreicher waren Mitglieder der NSDAP. Anhänger wie Gegner der Nationalsozialisten waren nicht selten miteinander verwandt, bekannt oder beruflich verbandelt. Fragen nach der moralischen Verantwortung wandten sich somit an so gut wie jeden.

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Bild: Tiziana Fabi | AFP
Italien ist nicht Österreich
30. April 2020 Coronavirus Lesezeit 12 min
Seit Wochen bekräftigt die österreichische Regierung ihre Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie mit dem Verweis auf Italien. Das ist zwar auf den ersten Blick nachvollziehbar. Bei genauerem Hinsehen wird aber immer klarer, dass die österreichische Ausgangssituation zu keinem Zeitpunkt mit der italienischen vergleichbar war.
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Die Bilder aus Italien sind dramatisch“, „Wir müssen nur nach Italien schauen“, „In Italien gibt es hunderte Tote pro Tag“. Es sind Sätze wie diese, die Bundeskanzler Sebastian Kurz und Gesundheitsminister Rudolf Anschober seit Mitte März immer wieder in Pressekonferenzen, Interviews und Redebeiträgen im Parlament wiederholt haben. Der Verweis auf den südlichen Nachbarn ist das Mantra der Bundesregierung. Er diente als Begründung für die einschneidenden Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus, und mit ihm wird jetzt zum Teil die große Vorsicht bei den Lockerungen begründet.

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Zeitung
Bild: Georges Schneider | Apa
Dieser Artikel ist erstmals in der Addendum-Zeitung Ausgabe 13 erschienen.
Die Datenkrise
30. April 2020 Coronavirus Lesezeit 6 min
Das Krisenmanagement der Bundesregierung muss ohne belastbare Zahlen auskommen. Grund dafür ist neben dem Wesen der Pandemie der Föderalismus – und dass versäumt wurde, selbst Daten zu erheben.
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Sollten sich die Zahlen in die falsche Richtung entwickeln, dann ziehen wir die Notbremse“, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz Mitte ­April. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, die nun schrittweise gelockert werden, müssten also wieder verschärft werden. Es ist eine der zahllosen Entscheidungen, die die Bundesregierung treffen muss, ohne dafür belastbare Daten als Grundlage zu haben.

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Interaktiv
Von Pest und Cholera bis COVID-19
19. April 2020 Coronavirus Interaktiv
Seit jeher wird die Menschheit von verheerenden Krankheiten heimgesucht. Zwanzig der schwerwiegendsten Epidemien und Pandemien im Vergleich.
Bild: Herbert P. Oczeret | picturedesk.com
Ibiza, war da was?
27. April 2020 Ibiza Lesezeit 11 min
Die Corona-Krise hat die Aufarbeitung der Ibiza-Affäre völlig aus den Schlagzeilen verdrängt. Die „SOKO Tape“ arbeitet aber trotz des Virus weiter. Die Fahnder sind mittlerweile in insgesamt 35 Ermittlungsverfahren aktiv. Doch was blieb an strafrechtlich Relevantem wirklich übrig und welche Verdachtsmomente erwiesen sich als Nebelgranate? Eine überraschende Bestandsaufnahme und eine neue Spur zu Straches Oligarchen.

Vizekanzler Heinz-Christian Strache steht im Bundeskanzleramt hinter einer Plexiglaswand und gibt Auskunft über die Lockerung der Corona-Maßnahmen im Sport. Nach ihm preist Innenminister Herbert Kickl die Polizeipferde, die sich in Wien gerade bei den Kontrollen zur Einhaltung der Distanzvorschriften in den Bundesgärten bewähren. Darauf folgt Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein, hinter der harte Wochen liegen, nachdem ihr die Leitartikelschreiber der Republik ausrichteten, sich in der Coronakrise als „völlige Fehlbesetzung“ erwiesen zu haben.

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Bild: Palinchak Mikhail | Tass
Straches schillernder Oligarch
27. April 2020 Ibiza Lesezeit 11 min
Der umtriebige ukrainische Wirtschaftsmagnat Ihor Kolomoiskyj soll – zumindest indirekt – zur FPÖ wesentlich engere Beziehungen gepflogen haben als bisher angenommen. Gegenüber Addendum will er davon allerdings nichts wissen.
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Ihor Kolomoiskyj und andere „ukrainische Freunde“ hätten „Milliarden gehabt und scheißen sich jetzt an, weil sie den Fehler gemacht haben, die Kohle nicht rauszubringen“. Das sagte Heinz-Christian Strache auf Ibiza und gab damit Rätsel auf. Was verbindet den damaligen FP-Chef, der zuvor eher durch Avancen nach Moskau auffiel, mit Ihor Kolomoiskyj, der hierzulande wenigen bekannt ist, aber als schillerndster Oligarch der Ukraine gilt? Zumindest einmal die Sprache, möchte man meinen, denn auch Kolomoiskyj mag es derb und deftig. Der Slang der Straße ist dem 56-Jährigen auch mit wachsendem Vermögen nie von der Zunge gewichen. Während sich seinesgleichen heute gern distinguiert gibt, um vergessen zu machen, dass ihr Aufstieg in den Oligarchen-Rang mitunter Brutalität und Blut geschuldet war, steht „Benja“ dazu. Sein Spitzname verweist auf eine fast schon mythische jüdische Gaunergestalt im Werk des Weltliteraten Isaak Babel. Famos beschreibt Babel dessen Verwandlung vom Kleinkriminellen aus der Vorstadt zum König von Odessa. Eine Geschichte, die Kolomoiskjy, dessen Reichtum irgendwo zwischen zwei und sieben Milliarden Euro pendelt, nicht ganz fremd sein dürfte. Über gewagte Konstruktionen kontrolliert er Minen, Pipelines, Öl- und Gasfirmen, die größte Fluglinie der Ukraine und deren einflussreichstes TV-Netzwerk. Genau dort eroberte ein Mann mit einer Satire-Show als „Diener des Volkes“ die Herzen. Heute ist er der Präsident des gebeutelten Landes: Wolodymyr Selenskyj.

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Podcast
Bild: Herbert Neubauer | APA
„Vielleicht wird die Öffentlichkeit ja sogar geschädigt“
27. April 2020 Ibiza 29 min
Ein Investigativ-Podcast über moderne Ermittlungsarbeit: Wie ein Abteilungsleiter im Bundeskriminalamt, ein Büroleiter zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität und ein Ermittler, der seit Jahrzehnten V-Leute aus dem Milieu führt, den Verbrechern auf der Spur sind.
Von Rainer Fleckl, Philipp Pankraz und Elisabeth Woditschka
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Ursprung und Verbreitung des Virus: Was ist wirklich bewiesen?
28. April 2020 Coronavirus Lesezeit 10 min
Von der Fledermaus zum Schuppentier auf den Menschen. So lautet die gängige Theorie zur Ausbreitung des Coronavirus. Möglich gemacht haben sollen das der Wildtierhandel, das Schrumpfen natürlicher Lebensräume und die Intensivierung der Landwirtschaft. Doch nicht alles ist so eindeutig wie behauptet.

Angesprochen auf ihre Sicht auf die aktuelle Coronakrise, sagte die berühmte, inzwischen 86 Jahre alte Primatenforscherin Jane Goodall kürzlich der Nachrichtenagentur AFP: „Es sind unsere Missachtung der Natur und unsere Respektlosigkeit gegenüber den Tieren, die diese Pandemie verursacht haben.“ Konkret benennt die britische Wissenschaftlerin Waldrodungen, die Jagd auf Wildtiere und deren Verkauf auf afrikanischen und asiatischen Märkten, aber ebenso „unsere intensiven Bauernhöfe rund um die Welt, wo wir Milliarden von Tieren grausam zusammenpferchen. Das sind die Bedingungen, die es Viren ermöglichen, über die Artgrenzen hinweg von Tieren auf Menschen zu springen.“

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Bild: Christian Jungwirth | Addendum
„Null Risiko wird es nie geben“
27. April 2020 Coronavirus Lesezeit 17 min
Der Public-Health-Experte Martin Sprenger erläutert im Briefwechsel mit Michael Fleischhacker seinen Vorschlag für ein Ampelsystem zur regionalen Einschätzung des Infektionsrisikos und bespricht das schwedische Modell.
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Lieber Herr Sprenger, ich bin froh, wenn das alles bald einmal vorbei ist. Nicht, weil ich es im Ausnahmezustand besonders schlecht aushalten würde, ganz im Gegenteil: An meiner persönlichen Lebenssituation habe ich nichts auszusetzen. Wir haben einen Garten, der Sohn tut sich leicht in der Schule, die Tochter vermisst zwar den Kindergarten, ist aber ansonsten guter Dinge. Aber abgesehen davon, dass ich mir vorstelle, wie es nach eineinhalb Monaten Familien gehen muss, die über weniger luxuriöse Quarantänebedingungen verfügen, ermüdet mich der öffentliche Diskurs zunehmend.

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Bild: Christoph Zotter | Addendum
Unter Krisenkindern
28. April 2020 Coronavirus Lesezeit 9 min
Mehr als 14.000 Kinder in Österreich erleben die Coronavirus-Pandemie von ihren Eltern getrennt, weil sie von staatlichen Sozialarbeitern betreut werden. Die Gewalt in manchen Familien sei in den vergangenen Wochen intensiver geworden, sagen diese.
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Die Stille findet Regula Mickel-Schnizer noch immer etwas unheimlich. An normalen Tagen wuseln lärmende Kinder durch die Flure und die Zimmer. Doch seit sechs Wochen ist es: still.

Die Sozialarbeiterin sitzt am Besprechungstisch des Amtshauses im 13. Wiener Gemeindebezirk, ihrer Arbeitsstätte. Diese ist zum Geisterhaus geworden. Hunderte Besuchstermine abgesagt, das für die Kinder bereitgelegte Spielzeug unberührt, die roten Sofas leer. Auch die staatlichen Kinderschützer des hier angesiedelten Kinder- und Jugendamts mussten sich dem Anti-Pandemie-Regime unterordnen, ihre persönlichen Kontakte minimieren, den täglichen Betrieb herunterfahren.

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YouTube und die Corona-Verschwörung
28. April 2020 Coronavirus Lesezeit 8 min
Videos mit Verschwörungstheorien haben auf YouTube mehr als 18 Millionen Aufrufe erhalten. Addendum hat Inhalt und Verbreitung von über 1.000 Videos zum Coronavirus analysiert.

Auf YouTube finden Videos zu Verschwörungstheorien ein Millionenpublikum: Wer tief in die Blase vordringt, findet Videos, die vor einer neuen Weltordnung warnen oder Viren per se die Existenz absprechen. Manche Theorien verlassen den virtuellen Raum: In Großbritannien und in den Niederlanden haben Unbekannte kürzlich mehrere 5G-Handymasten in Brand gesteckt, die sie für die Ausbreitung des Coronavirus verantwortlich machen.

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„Wir sperren Kinder jetzt quasi in einen Schulkäfig“
28. April 2020 Coronavirus Lesezeit 6 min
Mitte Mai werden die Schulen schrittweise geöffnet. Um das Infektionsrisiko möglichst gering zu halten, werden die Klassen in zwei Gruppen geteilt und an unterschiedlichen Tagen unterrichtet. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Hygieneregeln. Ein Gespräch mit der Lehrerin und ehemaligen Ombudsfrau im Bildungsministerium, Susanne Wiesinger, über Ängste der Lehrer, realitätsferne Vorgaben und eine Gewerkschaft, die jegliches Gespür verloren hat.

Frau Wiesinger, in wenigen Wochen kehren die Schüler nach und nach in die Klassenzimmer zurück. Vom Bildungsministerium gibt es eine Vielzahl an Empfehlungen, vom Tragen einer Schutzmaske außerhalb des Klassenzimmers über Desinfektionsregeln bis hin zum Sicherheitsabstand zwischen den Schülern. Alle diese Maßnahmen sind in einem Hygienehandbuch für die Schulen zusammengefasst. Wie ist dieser Fahrplan bei den Lehrern angekommen?

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Bild: Christian Jungwirth | Addendum
Wie weiter?
14. April 2020 Coronavirus Lesezeit 19 min
Martin Sprenger, Public-Health-Experte aus Graz und bis vor einer Woche Mitglied im Expertenbeirat der Corona-Taskforce, schickt uns einen Brief mit einem Interview gegen sich selbst. Darin reflektiert er, was wir wissen und was nicht, vor allem aber, was wir jetzt tun könnten.
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Lieber Herr Fleischhacker,

seit der Veröffentlichung unseres Gesprächs auf Addendum ist zwar nur eine Woche vergangen, aber es kommt mir vor wie ein Monat. Die pandemische Zeit fließt anders, zumindest für mich. Die Woche war sehr turbulent. Auf unser Interview habe ich ausschließlich positives Feedback bekommen, auch von vollkommen unerwarteter Stelle. Der Rückzug aus der Taskforce hängt damit überhaupt nicht zusammen, hat mir aber meine bürgerliche und wissenschaftliche Meinungsfreiheit zurückgegeben, was sich sehr gut anfühlt. Dieser Rückzug hat mehr Wellen ausgelöst als mir recht ist, aber was soll’s. Mit Armin Wolf muss ich auf jeden Fall noch ein ernstes Wort reden :-).

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Corona: Der Weg zurück zur „Normalität“
9. April 2020 4 min
Was ist nötig, um trotz der Einschränkungen ein halbwegs normales Leben zu ermöglichen?
Bild: Robert Newald | picturedesk.com
Wie Obduktionen die COVID-19-Todesrate beeinflussen
11. April 2020 Coronavirus Lesezeit 4 min
Die oberste deutsche Bundesbehörde für Infektionskrankheiten, das Robert-Koch-Institut, hat davon abgeraten, COVID-19 Verstorbene zu obduzieren. Mediziner erhoffen sich von den Obduktionen allerdings wichtige Antworten. Unter anderem auf die Frage, ob Menschen tatsächlich am oder mit dem Virus verstorben sind.
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In Österreich sind bisher 337 (Stand: 11. April, 12 Uhr) Menschen an COVID-19 gestorben. Zumindest laut den offiziellen Zahlen. Die tatsächliche Zahl könnte allerdings darunter liegen. Darauf lassen zumindest die Obduktionsergebnisse des Hamburger Rechtsmediziners Klaus Püschel schließen. Mit seinem Team hat er alle bisherigen COVID-19-Todesfälle in Hamburg obduziert. Das Ergebnis: Alle Verstorbenen waren schon davor schwerkrank. Und: „Es gibt nicht wenige, bei denen die Viruserkrankung keine oder nur eine geringfügige Bedeutung für den tödlichen Verlauf hatte“, sagt Püschel.

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Bild: Christian Jungwirth | Addendum
„Wer nicht glaubt, wird ausgestoßen“
20. April 2020 Coronavirus Lesezeit 15 min
Martin Sprenger beschreibt den Gottesdienst-Charakter der Regierungskommunikation in der Corona-Krise und beschäftigt sich in seinem Brief an Michael Fleischhacker vor allem mit der Situation der Kinder: Dass weltweit Hunderttausenden von ihnen der Hungertod droht, schreibt er, sei der schlimmste Kollateralschaden der globalen Anti-Corona-Maßnahmen.
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Lieber Herr Sprenger,

ich fürchte, ich muss ein bisschen mit Ihnen schimpfen. Seit zwei Wochen will ich Sie dazu bewegen, als Gast in einen unserer Corona-Talks auf ServusTV zu kommen, jedes einzelne Mal lehnen Sie ab. Es sei noch nicht so weit, sagen Sie, erst wenn wir wissen, wie hoch die Herdenimmunität in Österreich schon ist, könne man im „Glaubenskrieg“ zwischen den Vertretern der Containment-Strategie und jenen der Herdenimmunität-Strategie eine Position beziehen. Aber muss man das überhaupt? Inzwischen wird wohl jedem klar sein, dass man, selbst wenn man „The Hammer & The Dance“ spielt, Wege suchen müssen, um die ursprünglich dafür vorgesehene Zeit von bis zu 18 Monaten radikal zu verkürzen. Die gesundheitlichen und sozialen Folgen der tiefen Depression, auf die wir schon jetzt zusteuern, werden sonst nicht weniger dramatisch sein – sogar was die Sterbezahlen angeht – als die die Folgen der Virus-Ausbreitung.

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Bild: Lilly Panholzer | Addendum
Die ersten Infizierten: Wie Corona nach Österreich kam
18. März 2020 Coronavirus Lesezeit 4 min
Ende Februar wurden in Tirol zum ersten Mal Personen positiv auf das Coronavirus getestet. Seitdem gibt es über 1300 bestätigte Infektionen. Die ersten Fälle sind fast alle auf Italien zurückzuführen. Ein Überblick.
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Am 26. Februar wird ein Anwalt im Wiener Spital Rudolfstiftung positiv auf das Virus SARS-CoV-2 getestet. Er liegt zu diesem Zeitpunkt bereits seit zehn Tagen im Spital – mit der Diagnose Grippe. Wie er sich angesteckt hat, ist bis heute nicht bekannt. Alle Besucher und neunzig Angestellte des Spitals werden unter Quarantäne gestellt, alle Tests verlaufen negativ. Nicht getestet werden seine Arbeitskollegen – schließlich ist der Mann bereits seit zehn Tagen im Spital und war schon lange nicht mehr im Büro.

Schon tags zuvor, am 25. Februar, wurden zwei Fälle in Tirol bekannt, die ersten in Österreich: Eine 24-jährige Angestellte eines Hotels und ihr gleichaltriger Freund werden positiv getestet, sie waren in Italien, haben einen leichten Verlauf und dürften niemanden angesteckt haben. Nur wenige Tage, bevor der Fall bekannt wird, hat Bundeskanzler Sebastian Kurz in dem Hotel übernachtet, das nach Bekanntwerden der Fälle gesperrt wird. Das Paar wird am 6. März aus dem Spital entlassen. Als erste Patienten in Österreich gelten die beiden als geheilt.

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Bild: Ali Lorestani | TT News Agency
„Lockdown verschiebt Tote in die Zukunft“
24. April 2020 Coronavirus Lesezeit 5 min
Johan Giesecke ist einer der renommiertesten schwedischen Epidemiologen. Er berät die schwedische Regierung und die Weltgesundheitsorganisation. Lockdowns hält er für sinnlos, die Ausbreitung des Coronavirus einzuschränken für hoffnungslos. Politiker wollen die Pandemie ihm zufolge nützen, um sich zu profilieren und setzen Maßnahmen um, die wissenschaftlich kaum belegt sind.

Professor Giesecke, Österreich erwacht gerade aus einem mehrwöchigen Lockdown. Was halten Sie davon, dass Österreich und viele andere Länder auf der Welt Lockdowns vollzogen haben? Warum hat Schweden einen anderen Weg eingeschlagen?

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Bild: Herbert P. Oczeret | picturedesk.com
Sitzen die faulen Beamten zu Hause?
21. April 2020 Coronavirus Lesezeit 7 min
Die österreichischen Beamten leben in Zeiten der Corona-Krise zwischen Urlaubssperre und Urlaubszwang, digitaler Unterversorgung und Selbsthilfe. Die Einführung der Kurzarbeit ist aus mehreren Gründen kein Thema.

Sitzen tausende Beamte bei vollen Bezügen untätig zu Hause, während rund 900.000 Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft in Kurzarbeit geschickt wurden? Wie viele öffentlich Bedienstete derzeit zu welchen Konditionen zu Hause sitzen, lässt sich tatsächlich nicht sagen. Dass die Mehrheit von ihnen tatenlos herumsitzt, ist angesichts der Anforderungen, die die Krise an den Staat stellt, aber auszuschließen.

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Bild: Georges Schneider | Apa
23. April 2020 Coronavirus Lesezeit 4 min
In den vergangenen Wochen wurden so viele Gesetze geändert, dass man leicht den Überblick verlieren kann. Wir haben sie grafisch aufbereitet und dabei einige Fehler gefunden.

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Interaktiv
Corona-Pandemie: Tut Österreich das Richtige? Ja, aber …
30. März 2020 Coronavirus Interaktiv
Der Kampf gegen das Coronavirus ist längst auch ein Kampf um die wissenschaftliche und politische Deutungshoheit geworden. Wer hat das bessere Konzept? Wer liegt falsch? Gibt es Akteure, die womöglich sogar fahrlässig handeln? Tut Österreich das Richtige?
Kulturpolitik in der Krise
23. April 2020 5 min
Wie kommen Künstler und Kulturschaffende durch die Krise?
Bild: Roland Schlager | APA
„Medizinische Seidenstraße“: Chinas Corona-Hilfe ist nicht nur Segen
9. April 2020 Coronavirus Lesezeit 9 min
Europas Regierungen erhalten derzeit großzügige Spenden von Peking und seinen Konzernen. Auch an Österreich zeigt China großes Interesse. Die offensichtlichen Ziele: Einfluss und Marktzugang. Die EU spricht von einer „Schlacht der Narrative“, Chinas Botschaft in Wien von „Diffamierung der Gutherzigkeit“.
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Frankreich tut es, Spanien tut es, und Italien tut es sowieso: In Europa gibt es derzeit kaum ein Land, das sich im Zuge der Coronavirus-Krise nicht von China mit medizinischem Material – insbesondere Schutzkleidung – beliefern lässt. Sei es auf Basis eigener Bestellungen, sei es durch freiwillige Spenden Chinas oder seiner (Staats-)Konzerne.

Für Österreich scheint das besonders zu gelten. Das zeigen uns vorliegende Aufzeichnungen aus den Krisenstäben des Landes. Derzeit erscheint das hilfreich, vielleicht sogar zwingend nötig. Jedoch: Die Abhängigkeit von diesen Lieferungen und Geschenken hat das Potenzial, mittelfristig ein kleines, aber wichtiges Teil in jenem Puzzle zu sein, das Peking schon seit einiger Zeit Stück für Stück zusammensetzt: Es geht um Einfluss. Und zwar im Herzen jener Blöcke, mit denen man um die weltweite Führungsrolle im politischen und wirtschaftlichen Wettstreit steht: mit den USA und der EU.

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