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Blutspenden: Wer kontrolliert den Markt?

Unsere Recherchen zeigen erstmals, wie vehement das Rote Kreuz gegen kostengünstigere Mitbewerber vorgeht, die Österreichs Spitäler ebenfalls mit lebenswichtigem Blut beliefern möchten.

Das, was fehlt

Wir sind Addendum.

 

Eine österreichische Rechercheplattform. Wir arbeiten datenbasiert, recherchieren investigativ und verarbeiten unsere Ergebnisse in allen Darstellungsformen. Addendum ist auch mehr als nur eine Website. Wir publizieren Print, online, TV, Social Media und Podcasts.

Corona: Chronologie einer Entgleisung
Eine Rekonstruktion der Ereignisse von Michael Fleischhacker und anderen Addendum-Autoren.

Ab sofort im Buchhandel.
Addendum-Zeitung
Das, was fehlt. Auch gedruckt.

„Auto unser“ – mit der Pandemie erlebt das Auto ein kleines Zwischenhoch.
Debatte
von Herbert Saurugg
Was wir aus der Corona-Krise für die Blackout-Vorsorge lernen können
9. Juli 2020 Debatte: Die Corona-Krisen Lesezeit 14 min
Im Herbst 2018 wurde durch Addendum das Rechercheprojekt „Ist Österreich auf einen Blackout vorbereitet?“ veröffentlicht. Die Schlussfolgerung war ernüchternd: „Die Fakten, die unser Rechercheteam zusammengetragen hat, führen eher zu dem Schluss, dass wir es nicht sind.“ Zwei Jahre später erscheint es angebracht, einen Rückblick zu wagen, was sich in der Zwischenzeit getan hat und was wir dazu aus der aktuellen Corona-Krise lernen können.

Die positive Nachricht vorweg: Es gab keinen Blackout in Europa. Die weniger positive ist: Die Gefahr ist inzwischen weiter gestiegen. Das österreichische Bundesheer sprach im Jänner 2020 sogar von einer sehr hohen Eintrittswahrscheinlichkeit binnen der nächsten fünf Jahre. Die Wahrscheinlichkeit einer Pandemie wurde in dieser Analyse als deutlich geringer eingestuft. Kaum jemand ahnte damals, dass uns die Realität binnen weniger Wochen einholen würde. Demensprechend wenig Beachtung fand auch die sich in China ausbreitende Vorstufe. Zumindest wurde nicht wirklich darauf reagiert. Dabei sind wir noch längst nicht am Ende, da eine Pandemie eine schleichende und länger anhaltende Krise darstellt. Die Spanische Grippe verlief in mehreren Wellen, wovon die zweite besonders heftig war. Die tatsächlichen volkswirtschaftlichen Auswirkungen und Schäden sind daher noch lange nicht abschätzbar.

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Bild: Alexander Tuma | Starpix
Die Polizei, dein Freund und Hilfsorgan
8. Juli 2020 Coronavirus Lesezeit 4 min
Die Polizei soll die Gesundheitsbehörden im Kampf gegen COVID-19 bei der Nachverfolgung von Infektionsketten unterstützen. Der Ärztekammerpräsident meint: „Das ist nicht Aufgabe der Polizei.“ Ganz so stimmt das aber nicht.

Die Polizei soll Verbrechen untersuchen und keine Krankheiten, so lautet der Tenor der Oppositionsparteien zu jener Änderung des Epidemiegesetzes, die von den Regierungsparteien ÖVP und Grüne im Schnellverfahren durchs Parlament gebracht werden soll. Ihr Plan: Exekutivbeamte sollen Personen befragen, die sich mit COVID-19 angesteckt haben oder angesteckt haben könnten. Auf diese Weise sollen Cluster und Infektionsketten schneller als bisher aufgespürt werden, bevor weitere Menschen angesteckt werden.

Helfer für so ziemlich alles
Die Polizei, das ist für die meisten Menschen der Staat schlechthin. Dabei handelt sie in den wenigsten Fällen selbst als Behörde, oft unterstützt sie mit ihrem Einschreiten nur andere. Sie ist ein sogenanntes Hilfsorgan – für Gerichte, Bezirkshauptmannschaften und andere Institutionen.

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Debatte
Bild: Addendum
von Franz Eder und Martin Senn
Die Reform des Bundesheeres: Zwischen Ambitionen und Beharrungs­kräften
8. Juli 2020 Debatte: Bundesheer Lesezeit 7 min
Österreichs Bundesheer steht an einem Scheidepunkt. Einerseits muss es durch Reformen an den sicherheitspolitischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts ausgerichtet werden, andererseits gibt es starke Beharrungskräfte, die einer tatsächlichen und tiefgreifenden Reform entgegenwirken.

Die SoldatInnen des Bundesheers – „Laiendarsteller“. Die militärische Landesverteidigung – eine „Inszenierung“. Franz-Stefan Gady hat in seinem Beitrag schonungslos, aber durchaus treffend historische, geografische und kulturell-gesellschaftliche Faktoren herausgearbeitet, die erklären, warum das Bundesheer Landesverteidigung lediglich „spielen“ darf, warum es nur so tun darf, als ob es tatsächlich einsetzbar sei. Auch wenn wir Gadys Erklärungen für die Malaise des Bundesheeres zustimmen, greifen sie aus unserer Sicht zu kurz, da sie zwei wesentliche Faktoren unerwähnt lassen: die Rolle der Partei- und Oppositionspolitik und den Einfluss von tiefsitzenden Vorstellungen über die Gestalt von Streitkräften.

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Die österreichische Corona-Ampel
7. Juli 2020 Coronavirus Lesezeit 4 min
Eine Corona-Ampel könnte dabei helfen, dass das Leben überall dort normal weitergehen kann, wo es kaum noch Corona-Fälle gibt. Die Idee hinter dem Corona-Ampelsystem: Die Strenge der Schutzmaßnahmen richtet sich nach der Anzahl der Fälle vor Ort.

Nun bekommt Österreich also doch eine Corona-Ampel. Während Gesundheitsminister Rudolf Anschober sich noch im April strikt gegen eine Regionalisierung der Corona-Schutzmaßnahmen aussprach, kündigte er nun für September ein regionales Ampelsystem an.

„Diese Ampel soll der Bevölkerung auf den ersten Blick – ähnlich der Lawinenwarnungen – vermitteln, wie hoch das Corona-Risiko auf Bundesebene und in den einzelnen Bundesländern jeweils aktuell ist.“

Die vierstufige COVID-Ampel der Regierung soll mit „Rot über Orange und Gelb bis Grün“ die regionale Corona-Lage sichtbar machen.

Addendum hat die Entwicklung bestätigter Fälle pro Bezirk – an denen sich das Ampelsystem orientieren wird – seit Ende März visualisiert. Die Karte wird laufend aktualisiert.

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Debatte
von Fredi Ferková
800 + 80 Kultur­veranstaltungen in Wien but we ain’t got one
6. Juli 2020 Debatte: Die Corona-Krisen Lesezeit 5 min
Das Donauinselfest beglückt Wien an 80 Tagen, der Wiener Kultursommer möchte 800 Acts und 2.000 Künstlern an wohl jedem Wochenende von Juli bis August eine Bühne bieten. Für die unabhängige Kunst- und Kulturszene in Wien gibt es in diesem Sommer jedoch keinen Platz.

Der Spruch „In Österreich passiert alles etwas später“ trifft wohl wirklich meistens zu; was den Ausbruch von Corona betrifft waren wir aber ganz vorne mit dabei. Alle Lokale mussten schließen und warten teilweise bis heute auf die beantragten Hilfen. Ob die Locations, die nicht-kommerzieller Kunst und Kultur Platz geben, nach Corona noch existieren werden, steht in den Sternen. Ist ja auch irgendwie egal, denn die Stadt kümmert sich natürlich um Kunst und Kultur fürs Volk. Und wie: Wir sind im Wahljahr, und so wird das Donauinselfest, wie alle anderen österreichischen und „parteiunabhängigen“ (Anmerkung: Die Gänsefüßchen dienen hier dem sarkastischen Unterton) Festivals natürlich nicht abgesagt, sondern 80 Tage lang herumtouren.

Gleichzeitig öffnet der Wiener Kultursommer im Juli und August und plant zwei Bühnen sowie mehrere Freiluft-Orte für Kunst- und Kulturdarbietung. Als kleiner bis mittelgroßer Veranstalter kommt man natürlich gegen den Konkurrenten Stadt Wien nicht an. Die bürokratischen Hürden fallen für die Stadtregierung weg, und auch finanziell steht sie um einige Millionen Euro besser da. Übrigens: Was für die SPÖ das Donauinselfest, ist für die ÖVP Grafenegg oder die Salzburger Festspiele – auch diese werden im Sommer natürlich stattfinden dürfen.

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Buchpräsentation – Corona: Chronologie einer Entgleisung
7. Juli 2020 16 min
Michael Fleischhacker spricht mit Martin Sprenger über die zentralen Thesen von „Corona: Chronologie einer Entgleisung“. Das Buch ist ab sofort im Handel und auf addendum.org/shop erhältlich!
Bild: Ulrich Fuchs | Addendum
3. Juli 2020 Politometer Lesezeit 5 min
Mit dem Rücktritt des französischen Premierministers Édouard Philippe zerbricht die erste Regierung seit dem Ausbruch der Corona-Krise. Damit setzt sich ein genereller Trend fort, denn in den vergangenen zehn Jahren wurden Regierungen in Europa immer instabiler. Addendum hat sich die Gründe dafür angeschaut.


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Interaktiv
Der COVID-19-Impfstofftracker
2. Juli 2020 COVID-19-Impfstoff Interaktiv
Knapp 150 Impfstoffkandidaten sind der Weltgesundheitsorganisation WHO bislang bekannt; und fast täglich werden es mehr. Wir haben uns angesehen, welche Kandidaten im Rennen um den Impfstoff vorne liegen, in welchen Ländern es die meisten Kandidaten gibt und auf welchen Technologien sie beruhen.
Das Blut-Kartell
29. Juni 2020 Blutspenden Lesezeit 16 min
Beim Verkauf von Blutkonserven hängt Österreich am Tropf des Roten Kreuzes. Erreicht wurde dies mithilfe eines ÖVP-Spitzenpolitikers, der als Angestellter der Organisation ein Schutzgesetz durch den Nationalrat brachte. EU-rechtswidrig, wie der Europäische Gerichtshof feststellte. Auch sonst kämpft die Groß-NGO hart gegen Mitbewerber am lukrativen Blut-Markt.

„Gib Dein Bestes! Spende Blut.“ Mit diesem Satz wirbt das Rote Kreuz in Österreich um Blutspender. Die gleichnamige Internetplattform richtet sich ausdrücklich an junge Menschen. Die Botschaft für die künftigen Spender ist klar erkennbar: Für etwas Zeit und einen Stich in die Vene wird man zum Helden.

Zahlreiche Blutspender erzählen auf der Website ihre Geschichten. „Mit geringem Aufwand Leben retten“, berichtet eine Julia K. über ihr persönliches Motiv zur Teilnahme. Eva D. verbindet ihre Entscheidung mit einem Slogan, für den das Rote Kreuz im ganzen Land bekannt ist: „Ich spende Blut aus Liebe zum Menschen.“ Und ein David C. teilt mit, dass er der Empfängerorganisation großes Vertrauen entgegenbringt: „Rotes Kreuz: Wo meine Spenden zu 100 Prozent bei den Opfern ankommen.“

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Bild: Addendum
Wo die Unter­stützer des Klima­volks­begehrens herkommen
30. Juni 2020 Klima Lesezeit 5 min
Von den fünf Volksbegehren, für die vergangene Woche unterschrieben werden konnte, hat das Klimavolksbegehren die meisten Stimmen gesammelt. Wie viele Unterschriften das Volksbegehren in ihrer Gemeinde erreicht hat, und welche Zusammenhänge sich mit dem Wahlverhalten feststellen lassen, können Sie hier nachlesen.

Die Hürde von 100.000 Unterschriften, die für die Behandlung eines Volksbegehrens im Parlament nötig ist, hatte das Klimavolksbegehren schon vor der Eintragungswoche erreicht - alleine mit Hilfe von Unterstützungserklärungen. Mit Ende der Eintragungsfrist am Montagabend wurden insgesamt 380.590 Unterschriften erreicht, das Volksbegehren liegt damit auf Platz 18 der erfolgreichsten Volksbegehren in Österreich.

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Bild: Lilly Panholzer | Addendum
Datenzugang: Wer nichts weiß, muss alles glauben
29. Juni 2020 Coronavirus Lesezeit 12 min
Mehr als vier Monate nach dem ersten bestätigten Corona-Fall in Österreich ist der Zugang zu detaillierten epidemiologischen Daten für die breite Öffentlichkeit weiterhin nicht gegeben und für Wissenschafter nicht ausreichend. Mit ihrer Stillhaltetaktik verstoßen die Behörden auch gegen gesetzliche Vorschriften.

Wie viele bestätigte Fälle gibt es in meiner Gemeinde? Wie viele davon sind noch krank? Gab es schon Todesfälle? Wer Antworten auf diese Frage sucht, der stößt bei den verantwortlichen Stellen an Grenzen. Addendum hat in den vergangenen Monaten alle Wege ausgelotet, um diese Informationen zu erhalten. Es ist die Geschichte eines Scheiterns.

Und das, obwohl die Entwicklung der Zahl der Neuinfektionen ein wichtiger Baustein politischer Entscheidungen waren: Zuerst führte das exponentielle Wachstum zu mehrwöchigen Ausgangsbeschränkungen, dann führte die Stabilisierung zu ersten Lockerungen. Und nun entscheidet die Entwicklung der täglichen Neuinfektionen darüber, ob es weitere Lockerungen gibt oder striktere Maßnahmen eingeführt werden sollen.

Anfang April hat Addendum das erste Mal um regionale Daten gebeten – darunter auch zu Tests, demografischen Informationen der Erkrankten auf Bezirksebene oder zu Anrufen bei der Hotline 1450. Diese Anfragen sind bis heute offen. Deshalb haben wir neben offiziellen Medienanfragen zwei neue Wege gesucht, um die Daten zu erhalten. Erstens haben wir zwei Forschungsanträge gestellt, um Zugang zur COVID-19-Datenplattform zu erhalten, gestellt. Zweitens haben wir Anfragen nach dem Umweltinformationsgesetz (UIG) an das Ministerium und acht Bundesländer übermittelt. Einen Monat später scheint klar: Wir werden die zahlreichen Wünsche unserer Leserinnen und Leser nach besseren, klaren, umfangreicheren Daten weiterhin mit unserer Standardantwort beantworten müssen – „Danke für die Frage, mangels Daten können wir Ihnen leider keine Antwort darauf geben.“

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Bild: Robert Jäger | APA
Zwei weitere Jahre Postenschacher
1. Juli 2020 Postenschacher Lesezeit 7 min
Die Vergabe von Posten an FPÖ- und ÖVP-nahe Personen beschäftigt seit einem Jahr die Republik. Addendum hat alle Besetzungen der vergangenen zweieinhalb Jahren recherchiert – und so den rasanten Anstieg von FPÖ-nahen Kandidaten dokumentiert.

Norbert Hofer und Hubert Fuchs (beide FPÖ) waren am Mittwoch und am Donnerstag in den Ibiza-Untersuchungsausschuss geladen. Der damalige Verkehrsminister der türkis-blauen Koalition und der frühere Staatssekretär im Finanzministerium wurden zu Postenbesetzungen in staatsnahen Unternehmen befragt.

Tatsächlich kam es in den eineinhalb Jahren der ÖVP-FPÖ-Regierung zu einem deutlichen Anstieg an Aufsichtsräten, Geschäftsführern und Vorständen mit FPÖ-Nähe. Gab es im Dezember 2017, als die Koalition angelobt wurde, so gut wie keine FPÖ-nahen Manager und Aufsichtsräte, hat sich deren Anteil bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Ibiza-Videos im Mai 2019 auf 10 Prozent aller in staatsnahen Unternehmen vergebenen Posten erhöht – in den meisten Fällen zulasten von SPÖ-nahen Personen.

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Wie das Rote Kreuz den Preis für Blut bestimmt
29. Juni 2020 Blutspenden Lesezeit 10 min
Internen Listen zufolge erhöhte sich der Preis für Blutkonserven seit 1990 von 54 auf 158 Euro: Das ist ein Anstieg um 192 Prozent. Die Gebarung des Quasi-Monopolisten ist wenig transparent. Im Ausland geht das auch anders.

„Überlegen Sie sich gut, wie tief Sie in der Sache graben wollen.“ Der Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer hat sich im Lauf der vergangenen Jahre den Ruf erarbeitet, in öffentlichen Debatten auch die heißesten Eisen tabulos anzusprechen. Als wir im Zuge der Recherchen für das vorliegende Projekt mit ihm über die Preispolitik des Roten Kreuzes bei Blutkonserven sprechen, sagt er: „Wenn man dort reingreift, dann können Sie davon ausgehen, dass viele wild um sich schlagen.“

Was Pichlbauer beschreibt, ist ein für Steuer- und Kassenbeitragszahler undurchschaubares und wenig transparentes System. „Insider wissen, dass es in diesem Spiel nur darum geht, wie das Geld aus anderen Bereichen in das defizitäre Rettungswesen geht.“ Einer dieser „anderen Bereiche“ ist die Versorgung der Republik mit Blutkonserven, auf die das Rote Kreuz inzwischen ein Quasi-Monopol hat. Es geht um eine Dienstleistung, die für das gesamte Gesundheitssystem von eminent wichtiger Bedeutung ist. „Deshalb“, sagt Pichlbauer, „habe ich in dieser Sache ausnahmsweise eine höhere Toleranzgrenze.“

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Interaktiv
Wo sich das Coronavirus in Österreich verbreitet
6. Juli 2020 Coronavirus Interaktiv
Die Zahl der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus hat sich in Österreich stabilisiert – in vielen anderen Staaten wächst sie weiter.
Das Rote Kreuz und seine Abgeordneten
29. Juni 2020 Blutspenden Lesezeit 6 min
Das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) betont seine Unparteilichkeit und Unabhängigkeit. Blickt man genauer auf die Organisation, zeigt sich: Die Verflechtungen mit der Politik sind eng. Profiteur ist das Rote Kreuz selbst, etwa im Blutspendewesen.

Als Bollwerk des Vertrauens – so ungefähr kann man das Rote Kreuz in Österreich beschreiben. Keine andere Hilfsorganisation ist so beliebt, keiner anderen NGO vertrauen die Österreicher mehr. Das ÖRK hat aber auch eine andere Seite. Eine, die verteidigt, was vermeintlich ihr gehört: In Österreich ist das das Blutspendewesen. 344.088 Vollblutspenden sammelte das Rote Kreuz 2018 im ganzen Land. Im Jahresbericht schlägt sich das mit 78 Millionen Euro nieder. Zum Vergleich: Das sind um 6 Millionen Euro mehr, als die Hilfsorganisation durch Spenden und Mitgliedsbeiträge im selben Jahr einnahm.

Blutspenden haben in Österreich freiwillig und „gänzlich unbezahlt“ zu erfolgen. So steht es in der aktuellen Fassung des Blutsicherheitsgesetzes. Das heißt: Das Rote Kreuz bezahlt seine Spenderinnen und Spender nicht. Gleichzeitig agiert es praktisch ohne Konkurrenz. Das Rote Kreuz hat de facto ein Monopol auf Blutspenden. Ein Monopol, das es sich auch deshalb sichern konnte, weil die Hilfsorganisation beste Verbindungen in Politik, Wirtschaft und Medien unterhält.

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Bild: Addendum
Eine Hand wäscht die andere
25. Juni 2020 Coronavirus Lesezeit 5 min
Mitten in der Knappheit während der Corona-Krise bringt ein Kärntner Unternehmen ein neues, innovatives Händedesinfektionsmittel namens „Wasseralm“ in die Spar-Märkte. Doch die Versprechungen des Herstellers werfen Zweifel auf.

Ein Renner sei das Desinfektionsmittel von Wasseralm, berichtet der ORF Ende April in seiner Sendung „Mittag in Österreich“. 15.000 Liter davon werden pro Tag in Kärnten abgefüllt, erfahren die Zuseher da. Das Produktionsvolumen solle in den kommenden Wochen außerdem verdoppelt werden.

In Zeiten einer globalen Pandemie und der damit einhergehenden Knappheit an Desinfektionsmitteln ist das eine gute Nachricht. Aber damit nicht genug: Das Desinfektionsmittel kommt komplett ohne Alkohol aus. Es besteht zu 99,7 Prozent aus Wasser – hexagonalem (energetisch aufgeladenem) Wasser, sagt der Hersteller –, der Wirkstoff des Mittels ist Chlor. „Wir haben kein einziges Gefahrengutzeichen. Wir sind weder schleimhautreizend noch ätzend“, sagt der Mann hinter Wasseralm, Werner Hochsteiner, im Beitrag. Der einzige kleine Nachteil: ein leichter Chlorgeruch. „Aber durch diesen Geruch weiß man, dass das Präparat effektiv ist und wirkt“, sagt er.

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Interaktiv
Wenige Regionen für Großteil der Todesfälle der Pandemie in Europa verantwortlich
27. Juni 2020 Coronavirus Interaktiv
Seit März sind rund 200.000 Menschen mehr gestorben als im langjährigen Durchschnitt. Die Mehrheit der Todesfälle lässt sich auf nur rund 50 Regionen zurückführen. Das zeigt sich bei einer Analyse von über 500 Regionen in 20 Nationen Europas.
Bild: Montage | Addendum
IKEA auf dem Holzweg
23. Juni 2020 Holzmafia Lesezeit 21 min
Wie illegales Holz aus der Ukraine in die Möbel des schwedischen Giganten gerät. Was österreichische Holzriesen damit zu tun haben. Und warum ein angesehenes Gütesiegel wie FSC daran scheitert, den Raubbau an diesen Wäldern zu stoppen. Eine Inside-Recherche.

„Hey, liebe IKEA-Kunden …“ Diese Geschichte führt weit weg von den Ballungszentren, in denen sich die Einrichtungshäuser der Schweden befinden und beginnt mit einem Rätsel. Man folgt ihm, wenn man die „Wohnst du noch oder lebst du schon“-Musterwohnungen hinter sich lässt, auch die acht Stück Köttbullar mit Kartoffelpüree, Erbsen und Preiselbeeren um 4,99 Euro verweigert und sich an Decke Gurli, Lampe Lersta und Geschirrset Färgrik vorbei ins eigentliche Herz des Möbelhauses drängt. Dort, im zentralen Mitnahmelager, stapeln sich in langen Gängen die Kartons mit den Möbelteilen, aus denen, Geschick und Geduld vorausgesetzt, daheim das entsteht, was im Schauraum ausgestellt ist. Das dafür verwendete Holz stammt zu 60 Prozent aus Osteuropa und Russland. Schon lange vor der Wende war es für die Schweden attraktiv, wenngleich nicht immer unter rühmlichen Voraussetzungen, zeigte sich doch, dass IKEA etwa Möbel aus der DDR bezog, die von politischen Häftlingen gezimmert worden waren.

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IKEA und das Problem mit dem FSC-Siegel
24. Juni 2020 Holzmafia 4 min
Die Idee klingt gut – ein Zertifikat, das dafür sorgt, dass ein wesentlicher Teil aller Wälder ökologisch und nachhaltig bewirtschaftet wird, gute Arbeitsbedingungen für Waldarbeiter fördert und verhindert, dass Holz aus umstrittenen Quellen auf den Markt kommt.

Die formulierten Ziele des FSC, des Forest Stewardship Council, gehen auf eine Initiative aus Menschenrechtsorganisationen, NGOs, Händlern und Industriebetrieben zurück, die sich bereits 1990 für nachhaltige Entwicklungen zusammengetan haben. Heute kennen das Label mit dem Baum im Logo mehr Leute denn je. Und schaut man genau, findet man es auf vielen Produkten des Alltags – zum Beispiel auf Möbeln, Verpackungen, Servietten, Schreib- oder Klopapier.
Doch die Zertifizierung durch den FSC kommt in den letzten Jahren vermehrt in Kritik. 2016 wurde, in einigen der letzten Urwälder Rumäniens, illegal abgeholzt – und zwar von einem FSC-zertifizierten Unternehmen.

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Bild: Christian Beutler  | picturedesk.com
Pestizid­verbrauch: Medien vermitteln falsches Bild
22. Juni 2020 Pestizide Lesezeit 8 min
Addendum hat bislang unveröffentlichte Zahlen zum Verkauf von Pflanzenschutzmitteln ausgewertet. Sie zeigen: Berichte über einen angeblich stark gestiegenen Pestizidverbrauch sind grob irreführend. Ein Zuwachs ist vor allem bei bio-konformen Pestiziden zu beobachten. Die Verkaufsmengen synthetischer Mittel sinken seit Jahren.

Am 3. Juni veröffentlichte die europäische Statistikbehörde Eurostat Verkaufszahlen von Pestiziden. In Österreich, so heißt es in der Meldung der Behörde, wurden 2018 um 53 Prozent mehr Pflanzenschutzmittel abgesetzt als noch 2011. Nur in Zypern sei der Anstieg mit plus 94 Prozent noch stärker. Am selben Tag titelte ORF.at: „Starker Anstieg bei Pestizidverbrauch“. Ähnliche Schlagzeilen produzierten die Kronen Zeitung und die Kleine Zeitung. Und die SPÖ-Landwirtschaftssprecherin Cornelia Ecker kommentierte per Aussendung: „Das ist ein Skandal“.
Aber warum sollte ausgerechnet im „Bioweltmeister-Land“ Österreich der Einsatz von Pestiziden innerhalb weniger Jahre derart in die Höhe schnellen?

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Bild: Lilly Panholzer | Addendum
Die falschen Zertifikate
18. Juni 2020 Coronavirus Lesezeit 10 min
In der Corona-Krise kamen abertausende Atemschutzmasken mit gefälschten Dokumenten auf den Markt. Einige landeten sogar in niederösterreichischen Landeskliniken, wie eine Addendum-Recherche zeigt. Ein Blick auf das strikte EU-Zertifizierungssystem von dem die Existenz ganzer Unternehmen abhängen kann – und das auf einmal nicht mehr so wichtig war.

Das Ding kam der Angelika K. gleich komisch vor. Es fühlte sich nicht richtig an. Zum Beispiel die Gummibänder: Sie wurden an den Ohren befestigt, nicht fest hinter dem Kopf, wie sie es gewohnt war. Oder das Vlies: Es passte sich nicht ans Gesicht an, lag nicht dicht auf der Haut auf.

Kurz: Die Ärztin traute der Atemschutzmaske nicht, die ihr Arbeitgeber für sie besorgt hatte. In der Zeitung konnte sie lesen, dass das Rote Kreuz im Namen der Regierung rund 20 Millionen Masken bestellt hatte, deren erste gelieferte Charge sich bei Prüfung als teilweise untauglich erwies.

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Bild: Addendum
Familiennachzug: Migrations­politik ohne Zahlen
16. Juni 2020 Asyl Lesezeit 10 min
Auf einen minderjährigen Flüchtling kommen vier weitere Familienmitglieder – mit diesem Argument wies Integrationsministerin Susanne Raab vor einigen Wochen die Aufnahme von Kindern oder Jugendlichen aus griechischen Flüchtlingslagern zurück. Das Problem: die Zahlen stimmen nicht.

In der Migrationspolitik wird kaum ein Thema so emotional diskutiert wie die Familienzusammenführung. Im Zuge der Krise an der türkisch-griechischen Grenze Mitte März lehnte Österreich mit diesem Argument die zusätzliche Aufnahme von Flüchtlingen aus den überfüllten Lagern ab. Die deutsche Bundesregierung gab wiederum vor Kurzem bekannt, etwa 400 Flüchtlinge aus Griechenland aufnehmen zu wollen.

Immer wieder wird die Befürchtung geäußert, dass zusätzlich zu den zahlreichen Menschen, die in Ländern wie Österreich und Deutschland in den letzten Jahren Asyl bekommen haben, mehrere zehntausend Familienmitglieder aufgenommen werden müssen. Allerdings ist das österreichische Zahlenmaterial dazu äußerst dürftig.

Der Versuch, an verlässliche Daten zum Thema Familienzusammenführung zu kommen, gestaltete sich als Behörden-Spießrutenlauf: Das Außenministerium verwies uns an das Innenministerium, das Innenministerium wieder an das Außenministerium, das die Visumsanträge für Familienzusammenführungen in den Botschaften und Konsulaten entgegennimmt.

Dort kann man uns allerdings nur sagen, wie viele Anträge in den letzten Jahren gestellt wurden – nicht aber, wie viele auch tatsächlich bewilligt wurden.

So ist die Zahl der von den österreichischen Vertretungen im Ausland geführten Verfahren nach 2015 – damals gab es in Österreich 89.098 Asylanträge – in der Tat merklich angestiegen, nämlich auf mehr als das Vierfache des Vorjahres. 2019 wurden beispielsweise 9.723 Asylanträge gewährt, denen 1.332 Anträge auf Familienzusammenführung gegenüberstehen.

Angaben dazu, aus welchen Ländern die Antragsteller auf Visa zur Familienzusammenführung stammen, fehlen jedoch. Ebenso kann das Außenministerium nicht sagen, in welchen ausländischen Vertretungen die Anträge gestellt werden und von wem: Alter oder Geschlecht der Antragsteller werden statistisch nicht erfasst.

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Bild: Martin Vukovits | Verlagsgruppe News
Warum hält man einen ent­lastenden Bericht unter Verschluss?
9. Juni 2020 System AKH Lesezeit 6 min
Mitten in der Corona-Krise präsentierten der Wiener Gesundheitsverbund und die Medizinische Universität Wien die Ergebnisse einer Untersuchung, die Vorwürfen gegen den langjährigen Leiter des Wiener Lungentransplantations-Programms, Walter Klepetko, auf den Grund gehen sollte. Die Ergebnisse würden Klepetko entlasten, heißt es, offen bleibt aber die Frage, was da eigentlich untersucht wurde. Das ließe sich nur durch die Veröffentlichung des Berichts klären, der wird aber von den Auftraggebern unter Verschluss gehalten.

Walter Klepetko, Leiter der Universitätsklinik für Chirurgie und bis 2018 Leiter des Lungentransplantationsprogramms an der Medizinischen Universität Wien (MUW), soll gegen international geltende Regeln der Organvermittlung verstoßen und sich dabei finanziell bereichert haben. So kann man die Vorwürfe, die Ende des vergangenen Jahres medial gegen ihn erhoben wurden, grob zusammenfassen. Addendum hat diese ausführlich dokumentiert.
Zur Erinnerung: Basis dieser Vorwürfe sind zum einen die Zahlen der Organisation Eurotransplant (ET). Die Eurotransplant International Foundation mit Sitz in den Niederlanden ist die zentrale Vermittlungsstelle für Organspenden in den acht Mitgliedstaaten Österreich, Belgien, Deutschland, Kroatien, Luxemburg, Niederlande, Ungarn und Slowenien. Rund 136 Millionen Menschen leben im Einzugsgebiet dieses Netzwerks. Laut ET-Zahlen soll es in der Region, für die Walter Klepetko zuständig war, im Zeitraum 2012–2018 zu einem Abfluss von insgesamt rund 90 Organen zum Nachteil von Patienten des ET-Raumes gekommen sein, obwohl das Regelwerk besagt, dass Organe, die aus einem ET-Land in den Verbund hineinkommen, ebenso wieder in den Verbund zurückfließen müssen. In einzelnen Fällen sollen zudem Honorare in der Höhe von rund 18.000 Euro pro Transplantation verrechnet worden sein.

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Bild: Bild: Robert Jaeger | APA
Die Chronik der COVID-Krise bei der Post
3. Juni 2020 Coronavirus Lesezeit 7 min
179 Corona-Fälle in zwei Verteilzentren der Post, Folgeerkrankungen in 50 Familien und ein teurer Bundesheereinsatz als letzte Rettung. Die Post verteidigte ihre „vorbildlichen Maßnahmen“ zum Schutz der Mitarbeiter. Doch eine Addendum-Rekonstruktion stellt Versäumnisse fest und zeigt, wie Mitbewerber ähnliche COVID-Cluster vermieden.

Als am 16. März das ganze Land in den Notbetrieb ging, blieb in den Verteilzentren der Post alles beim Alten. Statt weniger fiel dort bald mehr Arbeit an, da sich Einkäufe ins Internet verlagerten und die Paketmengen stiegen. Das galt gerade für zwei der wichtigsten Verteilzentren, aus denen die Bundeshauptstadt beliefert wird. Eines befindet sich in Wien-Inzersdorf, das andere am Nordrand der Stadt, im niederösterreichischen Hagenbrunn. Bis zu 13.500 Pakete laufen dort jeweils pro Stunde über die Förderbänder. Die Post muss alles unternehmen, um ihren Versorgungsauftrag als Teil der kritischen Infrastruktur des Staates aufrechtzuerhalten. Doch zwei Monate später findet sie sich in einem Worst-case-Szenario wieder. In Hagenbrunn haben sich 100 der etwa 300 Mitarbeiter mit dem Virus angesteckt, in Inzersdorf sind es 79. Während überall im Land die Zahl der Neuinfektionen stark sinkt, werden die Corona-Cluster der Post zu den größten der vergangenen Wochen. Infizierte Mitarbeiter tragen das Virus in 50 Familien hinein, in denen es laut einem Bericht der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) zu 80 weiteren Ansteckungen kommt.

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Braucht Österreich eine Corona-Ampel?
26. Mai 2020 Coronavirus Lesezeit 3 min
In Deutschland werden die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie je nach regionalem Infektionsgeschehen unterschiedlich festgelegt. Ein Modell für Österreich?

Anfang März stieg die Anzahl der bestätigten Corona-Infizierten in Österreich stark an. Die Folge war ein Lockdown für das ganze Land. Aus Mangel an Daten und aufgrund von geringen Testkapazitäten konnte man zum Zeitpunkt des ersten Ausbruchs noch nicht wissen, wie stark manche Regionen wirklich betroffen waren.

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Bild: Lilly Panholzer | Addendum
Coronavirus: Was uns der Staat nicht sagt
8. Juni 2020 Coronavirus Lesezeit 10 min
Addendum versucht, die Geschehnisse um die Coronavirus-Pandemie einzuordnen und ist dafür auf Informationen der Behörden angewiesen. Doch diese wollen oder können viele Fragen nicht beantworten.

Oft erreichen die aufkommenden Fragen die Grenzen dessen, was bekannt ist. Manche Informationen finden ihren Weg nicht in das zuständige Ministerium, sondern werden nur in den Bundesländern gesammelt. Andere Informationen sind bekannt, werden aber trotz Nachfrage nicht weitergegeben. Es kam vor, dass einfache Fragen wochenlang nicht beantwortet werden – beispielsweise dazu, wie es dazu kommt, dass in einzelnen Bezirken weniger erkrankte Personen registriert waren als davor.

Da mehr als drei Monate nach Auftreten des ersten Falls weiterhin wesentliche Informationen zurückgehalten werden, sammelt Addendum in diesem Artikel unbeantwortete Fragen. Wenn Sie Hinweise darauf haben, wo wir Antworten finden könnten, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.

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Bild: Georg Hochmuth | APA
Der Verhüllungs­künstler
25. Mai 2020 Coronavirus Lesezeit 12 min
In der Corona-Krise beschließt ein Wiener Handyshopbetreiber unter dem Namen www.atemschutzmaske.at im großen Stil mit Schutzausrüstung zu handeln. In kurzer Zeit stellt er bemerkenswerte Mengen auf, beliefert sogar staatliche Kliniken. Doch hinter dem Geschäft verbirgt sich so manches Geheimnis.

Emad F. trägt nicht so gerne Maske. Er verkauft sie lieber. Die grünen, die aussehen, als könnte sie der Chefarzt bei einer Operation tragen. Die weißen, die eher Chemielabor-Charme versprühen. Weinrote oder schwarze Modelle mit Ventil für die Modebewussten.

So liegen sie in den Regalen, Schachtel neben Schachtel, es sind tausende. Eine Ware, die in den vergangenen Wochen von Shanghai über New York bis Addis Abeba zu horrenden Preisen gehandelt wurde. So wertvoll, dass ein paar Diebe sogar versucht haben sollen, bei ihm einzubrechen. Ein Wachmann habe sie in die Flucht geschlagen. F. lobte ein Kopfgeld aus.

Aber vielleicht hat er sich diese Geschichte auch nur ausgedacht wie andere auch. Emad F. trägt zwar nicht gerne Maske. Doch das heißt nicht, dass er nichts zu verbergen hat.

Es ist ein sonniger Dienstagnachmittag in der ersten Maiwoche, über die Mariahilfer Straße flanieren die Menschen. In der Hausnummer 72 führt der Handyshop-Betreiber F. an Regalen voller Masken vorbei in ein karges Hinterzimmer. An den Wänden stapeln sich die Boxen: Masken aus China, Schutzbrillen aus Taiwan, importiert über die Slowakei, England, Bulgarien. Er weiß nicht, wie viel er in den vergangenen Monaten gekauft und verkauft hat. Es müssen Millionen gewesen sein. Obwohl Masken in der Krise kaum zu bekommen sein sollen.

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Bild: Addendum
Wissen Sie, wie Ihre Abgeordneten abgestimmt haben?
7. Juli 2020 Politometer Lesezeit 15 min
Abgeordnete sollen die Interessen der Wähler vertreten. Das ist die Kernidee einer repräsentativen Demokratie. In Österreich gibt es daher 39 Regionalwahlkreise, aus denen einer oder mehrere Abgeordnete je nach Stärke der Parteien in den Nationalrat entsendet werden. Dort können die Abgeordneten dann die Anliegen der Regionen in die Gesetzgebung einbringen.

Im österreichischen Nationalrat wird das Abstimmungsverhalten der einzelnen Abgeordneten jedoch nicht festgehalten. Es lässt sich daher nicht sagen, wofür oder wogegen ein Abgeordneter gestimmt hat. Der Politometer von Addendum hat sich das Ziel gesetzt, diese Information für alle Wähler zugänglich zu machen. Daher sind wir bei jeder Abstimmung im Nationalrat vor Ort und halten fest, wie jeder einzelne Abgeordnete abgestimmt hat.

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Bild: Christian Jungwirth | Addendum
Offener Brief an den Gesundheits­minister
29. Mai 2020 Coronavirus Lesezeit 6 min
Martin Sprenger unterzieht die Aussage „Es wurden die richtigen Maßnahmen zum richtigen Zeitpunkt gesetzt“ einem Faktencheck.

Offener Brief von Martin Sprenger an Niki Popper, Herwig Ostermann und Rudolf Anschober

Sehr geehrter Bundesminister Anschober, lieber Herwig, lieber Niki,

nachdem ich den Standard-Artikel „Maßnahmen zum richtigen Zeitpunkt gesetzt“ gelesen und mir die Pressekonferenz angeschaut habe, kann ich nicht anders, als im Sinne einer konstruktiven wissenschaftlichen Debatte darauf zu reagieren. Auch auf die Gefahr hin, etwas zu lange zu werden, möchte ich trotzdem jede der getroffenen Aussagen hinterfragen und zur Diskussion stellen. Auch im Kontext der Kriterien für gute Gesundheitsinformationen.
Aussage 1: Die Maßnahmen wurden zum richtigen Zeitpunkt gesetzt.

Diese Aussage ist richtig. Was nicht gesagt wird, ist, dass der Zeitpunkt reiner Zufall war. Maßgeblich entscheidend für den Zeitpunkt waren die Bilder aus der Lombardei, die Warnungen aus Skandinavien, die Nachfragen aus der EU, die Geschehnisse in Ischgl, der Druck aus Tirol, aber auch die schon stattgefundenen Wirtschaftskammerwahlen, und natürlich auch Modellierungen, die mit geschätzten Parametern den Kollaps des Gesundheitssystems prophezeiten.

Aussage 2: Man befinde sich derzeit in einem „Präventionsparadoxon“.

Diese Aussage ist falsch. So wie bei Therapien auf der Behandlungsebene muss auch bei Public-Health-Maßnahmen der Nutzen immer größer sein als der Schaden. Jede Präventionsmaßnahme kann schaden oder nutzen. Auch wenn eine Gesamtbilanz noch aussteht, ist der gesundheitliche, psychische, soziale und ökonomische Schaden in unseren Gesellschaften enorm und hat die soziale Ungleichheit vergrößert. Der Nutzen des Lockdowns müsste somit ebenfalls enorm sein, damit die Nutzen-Schadens-Bilanz passt. Eine Eskalation der Angst und weitere Verschärfung der präventiven Maßnahmen stand ab Anfang April nicht mehr in Relation zu dem damit erzielten Nutzen. Spätestens ab Anfang April hätte die Regierung alles tun müssen, um mittels Gesundheitsfolgenabschätzungen den gesundheitlichen, psychischen, sozialen und ökonomischen Schaden, insbesondere in vulnerablen Gruppen, so gut wie möglich zu minimieren. Das hat sie nicht gemacht. Der Schaden der präventiven Maßnahme wurde größer als der Nutzen. Das Präventionsparadoxon wurde mit Anfang April ungültig.

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„Wir fahren mit Schneeketten auf der trockenen Straße“
21. Mai 2020 Coronavirus 15 min
Der Grazer Professor für Public Health, Martin Sprenger, wirft im Interview mit Michael Fleischhacker einen kritischen Rückblick auf die Politik der Bundesregierung in der Corona-Krise.

Seit Freitag haben Restaurants und Wirtshäuser in Österreich wieder geöffnet, seit Montag ist der Schulbetrieb wieder in Gang – weitere Schritte in Richtung „neue Normalität“.

Bisher wurden in Österreich alle optimistischen Szenarien positiv von der Realität übertroffen und viele der angestellten Modellrechnungen stellten sich als zu negativ heraus. Laut dem Public-Health-Experten Martin Sprenger sind die Ängste in der Bevölkerung somit übertrieben. Diese Ängste durch die strengen Maßnahmen in Österreichs Schulen jetzt auch auf die Kinder zu übertragen sei „vollkommen verrückt“, so Sprenger.

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Interaktiv
Wie sich die Rekord­arbeits­losigkeit in Ihrer Region auswirkt
19. Mai 2020 Coronavirus Interaktiv
Der Shutdown der Wirtschaft zog die größte Erschütterung des Arbeitsmarktes der Zweiten Republik nach sich. Wie ist Ihre Region betroffen?
Bild: Robert Jäger | APA
Das Masken-Experiment: Geht es auch ohne China?
13. Mai 2020 Coronavirus Lesezeit 10 min
In der Corona-Pandemie stellt sich die Frage, wie weit die Globalisierung eigentlich gehen soll. Das Chaos beim Einkauf von medizinischer Schutzausrüstung aus Asien führte zu einer nationalen Ersatzproduktion. Wenn es diese auch nach der Krise noch geben soll, muss einiges anders werden.

Der Weg aus dem Weltmarkt beginnt mit einem Karton. Darin befinden sich, fein säuberlich geschlichtet: zwei Rollen Band zu je 400 Meter, zwei Rollen Nähgarn zu je 1.000 Meter, 400 Stück Nasenbügel, 40 Plastiksackerl, 40 Aufkleber und mehrere Streifen Stoff. Die Hände von Viktoria Pitzer sollen das alles zu einer der heißesten Waren zusammenfügen, die auf dem globalen Markt von Shanghai über New York bis Addis Abeba gehandelt wird: einer Atemschutzmaske.

Jeden Morgen wirft die 25-Jährige ein paar Kilometer südlich von Graz ihre Nähmaschine an. Sie schneidet Stoffstreifen, näht Nasenbügel ein, rund 150 Stück Masken schafft sie an einem Tag. „Für mich ist das eine entspannende Arbeit“, sagt Pitzer, die zwar Schneiderin gelernt hat, aber eigentlich als Grafikerin und Produktmanagerin bei einem Sportbekleidungsbetrieb angestellt ist. Von 8 Uhr in der Früh bis 6 Uhr am Abend näht sie Masken, Stück um Stück, Karton um Karton.

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Bild: John Thys | AFP
Versagte die EU in der Corona-Krise?
8. Mai 2020 Coronavirus Lesezeit 21 min
Warum stolperte Europa derart in die Corona-Pandemie, warum ließ man sieben Wochen Zeitvorsprung gegenüber China verstreichen und verhinderte nicht, dass eine Jahrhundertkrise entstand? Die Suche nach Verantwortlichen in den EU-Institutionen und den Hauptstädten der Mitgliedstaaten wird zur erschreckenden Chronik einer unterschätzten Gefahr.

Europa ist zum Seuchenherd in der Corona-Pandemie geworden. Der Kontinent mit den besten Gesundheitssystemen der Welt verzeichnet aktuell 140.000 COVID-19-bedingte Tote, und damit mehr als doppelt so viele wie die USA. Mindestens 12 Millionen Menschen haben in der EU entweder bereits ihre Arbeit verloren oder werden dies als Folge der Krise bis zum Jahresende tun. Noch vermag keiner die volkswirtschaftlichen Schäden seriös zu beziffern. Klar ist aber, dass es sich um den schlimmsten Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg handelt und dadurch neue Schulden in Billionenhöhe entstehen. Damit wird eine Frage immer drängender: Hätte sich die Corona-Pandemie in Europa, wenn schon nicht aufhalten, dann zumindest abschwächen lassen? Und wer trägt die Verantwortung dafür, dass das nicht geschah?

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Bild: Christian Jungwirth | Addendum
Lebens­schutz als Totschlag­argument
6. Mai 2020 Coronavirus Lesezeit 19 min
Über die Scheinheiligkeit in der ethischen Debatte, die Angst in den Köpfen der Menschen und was von der Krise bleiben wird: Der Briefwechsel Martin Sprenger – Michael Fleischhacker geht in die nächste Runde.

Lieber Herr Fleischhacker,
die Lebensweisheit „hinterher sind immer alle klüger“ gilt natürlich auch für diese Pandemie. Aber nur, wenn alle hinterher klüger sind und somit etwas gelernt haben, können wir zukünftige ähnliche Herausforderungen besser bewältigen. Deshalb ist es so wichtig zurückzuschauen, kritische Fragen zu stellen, Entscheidungen zu evaluieren, vergangene Geschehnisse besser zu verstehen. Schauen wir also einmal kurz zurück auf meine drei persönlichen Schlüsselmomente.

Beginnen wir mit den Ereignissen in der Provinz Bergamo mit 1,1 Millionen Einwohnern. Nach einer eher schwachen Virensaison im Winter 2019/2020 konnte sich das neue Coronavirus SARS-CoV-2 im Jänner und Februar unerkannt in Norditalien verbreiten. Die anfängliche These, dass die relativ kleine chinesische Community für die Einschleppung verantwortlich war, hat sich bis heute nicht bestätigt. Der erste Tote Italiens wurde in Bergamo am 21. Februar registriert. Was in den darauffolgenden Wochen passierte, kann rückblickend nur als unglücklicher Teufelskreis bezeichnet werden. Zuerst füllten viele kranke hochbetagte Menschen die in den letzten Jahren finanziell ausgehungerten Krankenhäuser der Region. Anfangs dachten die Ärzte noch an eine verspätete Grippewelle. Als die Kapazitätsgrenzen erreicht waren, beschloss die Regionalregierung am 8. März, dem Tag des Lockdowns in der Lombardei, Patienten mit milden Symptomen in die Altersheime zu verlegen. Jedes Heim erhielt pro COVID-19-Patient 150 Euro am Tag. Die Folge war, dass Krankenhäuser und Altersheime zu Hotspots wurden und die Zahl der infizierten Personen aus der Hochrisikogruppe exponentiell stieg. Zusätzlich wurden zahlreiche Rettungskräfte, Pflegepersonen und Ärzte infiziert. Die Krankenversorgung kollabierte, und weil die lokalen Bestatter streikten, wurden die Toten mit Militärlastern weggeführt. Die zugehörigen Bilder gingen um die Welt und hatten eine nachhaltige Wirkung. In keiner einzigen anderen Stadt in Norditalien, inklusive Mailand, kam es zu ähnlichen Szenarios. Aber diese Aspekte wurden und werden nicht beachtet, warum auch immer. Hinterher sind nicht immer alle klüger.

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Bild: Montage | Addendum
KZ Gusen: Das steht in der Machbarkeits­studie
4. Mai 2020 KZ Gusen Lesezeit 6 min
75 Jahre nach der Befreiung des KZ Gusen will die türkis-grüne Bundesregierung eine Gedenkstätte errichten und die dafür nötigen Gebäude und Gründe ankaufen. Grundlage dafür soll die bereits im Dezember 2018 fertiggestellte Machbarkeitsstudie sein, die bisher zurückgehalten wurde. Bis jetzt.

„Bitte keine anonyme, von oben verordnete Gedenkstätte.“ Das ist der Wunsch des lokalen Bürgermeisters Christian Aufreiter (SPÖ), der in der zurückgehaltenen Machbarkeitsstudie gleich zu Beginn zu finden ist. Es ist ein Satz mit Symbolwirkung. Denn das Verhältnis dieses Ortes zu seiner Vergangenheit ist noch immer ein schwieriges. Dass diese lange kaum aufgearbeitet wurde, holt den Ort und seine Einwohner heute wieder ein.

In Gusen soll ein neuer Gedenkort entstehen – als Erinnerung an das ehemalige Lager, von dem heute kaum noch etwas übrig ist. Die Studie, die das Innenministerium nicht veröffentlichen wollte, soll eine Entscheidungsgrundlage dafür liefern. Darin werden konkrete Grundstücke genannt, die von der Republik „für die geplante Nutzung einer Gedenkstätte sinnvollerweise angekauft werden sollen”. Diese Liegenschaften werden heute als Wohn- und Firmenfläche genutzt.

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Podcast
Bild: Montage | Addendum
Die vergessene Hölle
Folge 1 von 5
3. Mai 2020 KZ Gusen 18 min
Von seinen Häftlingen als „Hölle aller Höllen“ bezeichnet, befand sich in Gusen zur Zeit des Nationalsozialismus der mit mehr als 70.000 Häftlingen größte KZ-Lagerkomplex auf österreichischem Boden. Heute steht hier eine Wohnsiedlung. Die erste Folge dieser Podcastreihe taucht ein in einen der geschichtsträchtigsten Orte Österreichs, dessen Vergangenheit lange völlig vergessen wurde. Diese holt die Bewohner heute wieder ein. Eine Reportage über das Spannungsfeld zwischen Gedenken und Vergessen und wie die Menschen, die dort leben, damit umgehen.
Zum Podcasttranskript.
Von Michael Mayrhofer, David Freudenthaler und Philipp Pankraz.
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Zeitung
Bild: Georges Schneider | Apa
Dieser Artikel ist erstmals in der Addendum-Zeitung Ausgabe 13 erschienen.
Die Datenkrise
30. April 2020 Coronavirus Lesezeit 6 min
Das Krisenmanagement der Bundesregierung muss ohne belastbare Zahlen auskommen. Grund dafür ist neben dem Wesen der Pandemie der Föderalismus – und dass versäumt wurde, selbst Daten zu erheben.

Sollten sich die Zahlen in die falsche Richtung entwickeln, dann ziehen wir die Notbremse“, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz Mitte ­April. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, die nun schrittweise gelockert werden, müssten also wieder verschärft werden. Es ist eine der zahllosen Entscheidungen, die die Bundesregierung treffen muss, ohne dafür belastbare Daten als Grundlage zu haben.

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Interaktiv
Von Pest und Cholera bis COVID-19
19. April 2020 Coronavirus Interaktiv
Seit jeher wird die Menschheit von verheerenden Krankheiten heimgesucht. Zwanzig der schwerwiegendsten Epidemien und Pandemien im Vergleich.
Bild: Christian Jungwirth | Addendum
„Null Risiko wird es nie geben“
27. April 2020 Coronavirus Lesezeit 17 min
Der Public-Health-Experte Martin Sprenger erläutert im Briefwechsel mit Michael Fleischhacker seinen Vorschlag für ein Ampelsystem zur regionalen Einschätzung des Infektionsrisikos und bespricht das schwedische Modell.

Lieber Herr Sprenger, ich bin froh, wenn das alles bald einmal vorbei ist. Nicht, weil ich es im Ausnahmezustand besonders schlecht aushalten würde, ganz im Gegenteil: An meiner persönlichen Lebenssituation habe ich nichts auszusetzen. Wir haben einen Garten, der Sohn tut sich leicht in der Schule, die Tochter vermisst zwar den Kindergarten, ist aber ansonsten guter Dinge. Aber abgesehen davon, dass ich mir vorstelle, wie es nach eineinhalb Monaten Familien gehen muss, die über weniger luxuriöse Quarantänebedingungen verfügen, ermüdet mich der öffentliche Diskurs zunehmend.

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YouTube und die Corona-Verschwörung
28. April 2020 Coronavirus Lesezeit 8 min
Videos mit Verschwörungstheorien haben mehr als 18 Millionen Aufrufe erhalten. Addendum hat Inhalt und Verbreitung von über 1.000 Videos zum Coronavirus analysiert.

Auf YouTube finden Videos zu Verschwörungstheorien ein Millionenpublikum: Wer tief in die Blase vordringt, findet Videos, die vor einer neuen Weltordnung warnen oder Viren per se die Existenz absprechen. Manche Theorien verlassen den virtuellen Raum: In Großbritannien und in den Niederlanden haben Unbekannte kürzlich mehrere 5G-Handymasten in Brand gesteckt, die sie für die Ausbreitung des Coronavirus verantwortlich machen.

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Bild: Christian Jungwirth | Addendum
Wie weiter?
14. April 2020 Coronavirus Lesezeit 19 min
Martin Sprenger, Public-Health-Experte aus Graz und bis vor einer Woche Mitglied im Expertenbeirat der Corona-Taskforce, schickt uns einen Brief mit einem Interview gegen sich selbst. Darin reflektiert er, was wir wissen und was nicht, vor allem aber, was wir jetzt tun könnten.

Lieber Herr Fleischhacker,

seit der Veröffentlichung unseres Gesprächs auf Addendum ist zwar nur eine Woche vergangen, aber es kommt mir vor wie ein Monat. Die pandemische Zeit fließt anders, zumindest für mich. Die Woche war sehr turbulent. Auf unser Interview habe ich ausschließlich positives Feedback bekommen, auch von vollkommen unerwarteter Stelle. Der Rückzug aus der Taskforce hängt damit überhaupt nicht zusammen, hat mir aber meine bürgerliche und wissenschaftliche Meinungsfreiheit zurückgegeben, was sich sehr gut anfühlt. Dieser Rückzug hat mehr Wellen ausgelöst als mir recht ist, aber was soll’s. Mit Armin Wolf muss ich auf jeden Fall noch ein ernstes Wort reden :-).

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Bild: Christian Jungwirth | Addendum
„Wer nicht glaubt, wird ausgestoßen“
20. April 2020 Coronavirus Lesezeit 15 min
Martin Sprenger beschreibt den Gottesdienst-Charakter der Regierungskommunikation in der Corona-Krise und beschäftigt sich in seinem Brief an Michael Fleischhacker vor allem mit der Situation der Kinder: Dass weltweit Hunderttausenden von ihnen der Hungertod droht, schreibt er, sei der schlimmste Kollateralschaden der globalen Anti-Corona-Maßnahmen.

Lieber Herr Sprenger,

ich fürchte, ich muss ein bisschen mit Ihnen schimpfen. Seit zwei Wochen will ich Sie dazu bewegen, als Gast in einen unserer Corona-Talks auf ServusTV zu kommen, jedes einzelne Mal lehnen Sie ab. Es sei noch nicht so weit, sagen Sie, erst wenn wir wissen, wie hoch die Herdenimmunität in Österreich schon ist, könne man im „Glaubenskrieg“ zwischen den Vertretern der Containment-Strategie und jenen der Herdenimmunität-Strategie eine Position beziehen. Aber muss man das überhaupt? Inzwischen wird wohl jedem klar sein, dass man, selbst wenn man „The Hammer & The Dance“ spielt, Wege suchen müssen, um die ursprünglich dafür vorgesehene Zeit von bis zu 18 Monaten radikal zu verkürzen. Die gesundheitlichen und sozialen Folgen der tiefen Depression, auf die wir schon jetzt zusteuern, werden sonst nicht weniger dramatisch sein – sogar was die Sterbezahlen angeht – als die die Folgen der Virus-Ausbreitung.

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Bild: Ali Lorestani | TT News Agency
„Lockdown verschiebt Tote in die Zukunft“
24. April 2020 Coronavirus Lesezeit 5 min
Johan Giesecke ist einer der renommiertesten schwedischen Epidemiologen. Er berät die schwedische Regierung und die Weltgesundheitsorganisation. Lockdowns hält er für sinnlos, die Ausbreitung des Coronavirus einzuschränken für hoffnungslos. Politiker wollen die Pandemie ihm zufolge nützen, um sich zu profilieren und setzen Maßnahmen um, die wissenschaftlich kaum belegt sind.

Professor Giesecke, Österreich erwacht gerade aus einem mehrwöchigen Lockdown. Was halten Sie davon, dass Österreich und viele andere Länder auf der Welt Lockdowns vollzogen haben? Warum hat Schweden einen anderen Weg eingeschlagen?

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Bild: Lilly Panholzer | Addendum
Die ersten Infizierten: Wie Corona nach Österreich kam
18. März 2020 Coronavirus Lesezeit 4 min
Ende Februar wurden in Tirol zum ersten Mal Personen positiv auf das Coronavirus getestet. Seitdem gibt es über 1300 bestätigte Infektionen. Die ersten Fälle sind fast alle auf Italien zurückzuführen. Ein Überblick.

Am 26. Februar wird ein Anwalt im Wiener Spital Rudolfstiftung positiv auf das Virus SARS-CoV-2 getestet. Er liegt zu diesem Zeitpunkt bereits seit zehn Tagen im Spital – mit der Diagnose Grippe. Wie er sich angesteckt hat, ist bis heute nicht bekannt. Alle Besucher und neunzig Angestellte des Spitals werden unter Quarantäne gestellt, alle Tests verlaufen negativ. Nicht getestet werden seine Arbeitskollegen – schließlich ist der Mann bereits seit zehn Tagen im Spital und war schon lange nicht mehr im Büro.

Schon tags zuvor, am 25. Februar, wurden zwei Fälle in Tirol bekannt, die ersten in Österreich: Eine 24-jährige Angestellte eines Hotels und ihr gleichaltriger Freund werden positiv getestet, sie waren in Italien, haben einen leichten Verlauf und dürften niemanden angesteckt haben. Nur wenige Tage, bevor der Fall bekannt wird, hat Bundeskanzler Sebastian Kurz in dem Hotel übernachtet, das nach Bekanntwerden der Fälle gesperrt wird. Das Paar wird am 6. März aus dem Spital entlassen. Als erste Patienten in Österreich gelten die beiden als geheilt.

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