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In zehn Grafiken durch das Asylsystem

Wie viele woher kamen und wie viele bleiben: die wichtigsten Kennzahlen der Flüchtlingskrise im langfristigen europäischen Vergleich.

26.09.2017

Im historischen Vergleich hat der Syrienkonflikt zur zweithöchsten Zahl von Asylanträgen in der Geschichte der Zweiten Republik geführt. Nur der Volksaufstand in Ungarn zog mit fast 230.000 eine höhere Zahl von Anträgen nach sich. Ein Großteil der Geflohenen blieb nicht in Österreich, sondern reiste weiter nach Übersee.

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Mit etwa 176.000 Asylanträgen seit Anfang 2014 zählt Österreich auch zu den fünf Ländern mit den meisten Anträgen pro 100.000 Einwohner. Ab März 2015 steigt diese Rate kontinuierlich. Während in Ungarn nach der Errichtung von Zäunen weniger Menschen um Asyl ansuchten, haben die Antragszahlen pro 100.000 Einwohner in anderen Ländern ihren Höhepunkt erreicht.

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63 Prozent der Asylanträge in Österreich seit Jahresbeginn 2014 gehen auf Syrer, Afghanen und Iraker zurück – aus diesen drei Staaten haben knapp 110.000 Personen einen Antrag gestellt.

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In der demografischen Pyramide zeigt sich bei den Antragstellern ein klares Muster: 70 Prozent sind Männer, die größte Altersgruppe sind 18- bis 34-Jährige. Nach Nationalität geordnet, zeigt sich, dass unterproportional wenige 14- bis 17-jährige Syrer einen Antrag gestellt haben. Im Gegensatz dazu ist diese Gruppe bei Afghanen überproportional groß. Ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis gibt es bei den größten Herkunftsnationen am ehesten bei Syrern (62:38). Am ungleichsten ist es bei Pakistani: 99 Prozent der Antragstellenden waren Männer. Dass vor allem Männer nach Europa kommen, hat vier Gründe:

  • Ihre Überlebenschancen auf der gefährlichen Reise sind höher.
  • Die teure Reise ist nur für ein Familienmitglied leistbar.
  • Männer haben in manchen Fällen eine bessere Ausbildung und damit bessere Chancen, einen Job zu finden.
  • Die Gefahr, der Männer im Herkunftsland ausgesetzt wären, wenn sie blieben, ist potenziell höher als bei Frauen. Sie könnten als mutmaßliche Feinde gesehen oder zwangsrekrutiert werden.
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Die hohen Antragszahlen haben dazu geführt, dass die Grundversorgungsquartiere des Bundes überlastet waren. Asylwerbende warten in diesen Unterkünften darauf, ob ihr Antrag zugelassen wird – oder abgewiesen wird, weil etwa bereits in einem anderen Land ein Asylverfahren läuft. Zum Höhepunkt der Krise im Herbst 2015 waren fast sechsmal so viele Personen in diesen Unterkünften wie eineinhalb Jahre davor – neue Quartiere erscheinen auf der Landkarte:

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Der nächste Schritt im Asylverfahren bringt die Geflohenen in die Obhut der Bundesländer: Mehr als 83.000 Personen waren im Juli 2016 in Landesquartieren untergebracht – fünfmal so viele wie im Jänner 2014. Seither sinkt die Zahl der Personen in Grundversorgung kontinuierlich – bis auf Wien.

Die Bundeshauptstadt übererfüllt die verordnete Quote – das passiert über sogenannte „Eigenaufnahmen“. Während die meisten Bundesländer ihre Quote nur punktuell erfüllen können, steht Wien als Musterschüler da.

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Im Juli 2017 waren in der Bundeshauptstadt knapp 21.000 Personen in Grundversorgung – das ist auch in absoluten Zahlen der Spitzenwert. Jede Person verursacht in Wien Kosten in Höhe von fast 8.400 Euro im Jahr. Hauptkostenträger ist die Art der Unterbringung: Wien hat vergleichsweise niedrigere Kosten, weil ein höherer Anteil in privaten statt in organisierten Quartieren untergebracht ist.

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Die Grundversorgung endet im Regelfall mit der erstinstanzlichen Entscheidung des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl: Es wird Schutz gewährt, also Asyl nach der Genfer Flüchtlingskonvention, eine subsidiäre Schutzberechtigung zugewiesen bzw. ein humanitäres Bleiberecht erteilt – oder ein negatives Urteil gefällt.

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Das Verhältnis von positiven zu negativen Entscheidungen liegt in Österreich bei 70:30. Allerdings gibt es gravierende Unterschiede je nach Nationalität. Manche haben gute Chancen auf einen schutzgewährenden Status, manche weniger gute.

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Das ist ein Muster, das sich in anderen europäischen Staaten widerspiegelt.

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26.09.2017

Das Rechercheteam

Gerald Gartner
Team Daten

Gerald Gartner kuratiert, analysiert und visualisiert große Datenmengen zu politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen. Er lehrt an der Fachhochschule Wien. Davor war er für derStandard.at und NZZ.at in Wien tätig.

Markus „Fin“ Hametner
Team Daten

Markus Hametner hat Informatik studiert, baut seit 2011 Brücken zwischen Technologie und Journalismus und beschäftigt sich seit 2014 als Datenjournalist mit internationalen Datenrecherchen und interaktiven Visualisierungsformen. In seiner Freizeit betreibt er als Mitgründer des Forum Informationsfreiheit die Plattform FragDenStaat.at und trägt erfolgreich Rechtsstreite mit Behörden aus, die Auskünfte verweigern.

Gabriel Hellmann
Team Experten

Gabriel Hellmann hat Rechtswissenschaften und die öffentliche Finanzkontrolle studiert. Er diente den Medien, den Kommunen, dem Staat und nun den Bürgern. Transparenz und Gerechtigkeit sind ihm große Anliegen, denen er sich akribisch verpflichtet fühlt.

Ralph Janik
Team Experten

Ralph Janik hat in Wien und Alcalá de Henares (Madrid) Rechtswissenschaften und Politikwissenschaft studiert. Danach Studium in internationalem Recht und Europarecht an der Universität Amsterdam. Beruflich unter anderem wissenschaftlicher Assistent an der Universität Amsterdam und an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien.

Georg Renner
Team Investigative Recherche

Georg Renner hat Rechtswissenschaften studiert, weil er wissen wollte, wie Dinge (Staaten, Städte, die Gesellschaft …) funktionieren, was sie zusammenhält. Nachdem ihm dort kein Erfolg beschieden war, geht er dieser Frage nun journalistisch nach; zuvor bei „NZZ.at“ und „Die Presse“.

Claudia Riegler
Team Social Media

Claudia Riegler hat Kommunikationswissenschaft studiert und beschäftigt sich seit 2007 mit der Kommunikation in und rund um Onlinemedien. Sie hat sich auf die „Übersetzung“ von komplexen Inhalten in Geschichten für Onlinemedien spezialisiert.

Lukas Schmoigl
Team Experten

Lukas Schmoigl hat Volkswirtschaft und Statistik an der Wirtschaftsuniversität und an der Universität Wien studiert. Seine Expertise liegt auf dem Gebiet der quantitativen empirischen Forschung und Datenanalyse. Neben dem Studium war er in den vergangenen Jahren in der Abteilung IT-SERVICES an der WU tätig.

Anna Schneider
Projektleitung

Anna Schneider hat Rechtswissenschaften und Kunstgeschichte studiert. Nach einer Zeit als Universitätsassistentin am Institut für Staats- und Verwaltungsrecht wechselte sie Anfang 2014 als Referentin für Verfassung, Menschenrechte und Weltraum ins Parlament; nun leitet sie als Gründungsmitglied von Quo Vadis Veritas das Thementeam von Addendum.

Max Thomasberger
Team Daten

Max Thomasberger hat spät berufen Volkswirtschaftslehre studiert. Im früheren Leben war er Statistiker, Musiker, Tontechniker, IT-Spezialist und Erwachsenenbildner. Jetzt sammelt, analysiert und visualisiert er Daten für den allgemeinen Erkenntnisgewinn bei Addendum.

Florian Tietze
Team TV

Florian Tietze macht seit 2006 seine Leidenschaft zum Beruf. Neben der Berichterstattung über die österreichische Innenpolitik war er als Reporter in mehreren internationalen Krisengebieten tätig, darunter Äthiopien und Südsudan.

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Folgende Artikel gehören zum Projekt 001 Asyl

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It’s about information, stupid

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Für sie wurde das Asylrecht geschaffen

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In zehn Grafiken durch das Asylsystem

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Sie wissen es nicht

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Wiener Rechen­übungen

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Was, wenn wieder Zehntausende kommen?

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Die stillen Flüge nach Nordafrika

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Im Kontext: Die Asyl-Entscheider. Wer darf bleiben?

TV-Reportage
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Das Loch im System

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Wie löst man das Asyl-Paradox auf?

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„Ein bisserl kreativ sein“ – Abschiebungen nach Syrien?

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