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Bahntunnel: Politische Prestigeprojekte um jeden Preis?
4. Juli 2019 Bahntunnel 16 min
Nach jahrzehntelanger Planung, zahlreichen Gutachten, Bürgerinitiativen und Protestaktionen werden sie nun errichtet: der Brenner-Basistunnel, der Semmering-Basistunnel und der Koralmtunnel. Doch was darf man sich von diesen Prestigeprojekten erwarten?

Gebaut werden die drei größten Bahntunnel Österreichs , um ein Versprechen einzulösen, das Politiker aller Parteien immer wieder gegeben haben: die Verkehrswende – die Verlagerung von der Straße auf die Schiene .

Mit dem Brenner-Basistunnel soll der belastende Lkw-Transitverkehr durch Tirol auf die Eisenbahn verschoben werden. Der Semmering-Basistunnel und der Koralmtunnel sind Teil der neuen Südstrecke von Wien über Graz nach Klagenfurt. Diese Verlagerung müsse sobald wie möglich geschehen, um die Klimaziele zu erreichen, heißt es unisono von der Politik und den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Obwohl Österreich mit 218 Euro pro Kopf mehr in die Bahn investiert als jedes andere EU-Land, ist man von diesem Ziel noch weit entfernt.

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Während der Anteil des Pkw am Personenverkehr seit 1990 in etwa gleich ist, weist der Trend beim Güterverkehr in eine nicht erwünschte Richtung: von der Schiene auf die Straße. Grund für diese Entwicklung ist laut ÖBB und Bahnbefürwortern der „verzerrte Wettbewerb“ zwischen Straße und Schiene, der durch den steuerlich begünstigten Diesel und eine fehlende flächendeckende Lkw-Maut gegeben sei. Doch reicht das als Begründung? Und inwiefern stellen die Bahntunnel unter diesen Bedingungen überhaupt sinnvolle Investitionen dar?

Diesen Fragen sind wir in Gesprächen mit Bahntunnel-Befürwortern und Gegnern über und unter Tage nachgegangen. Die Befürworter sehen die Tunnel als Rettung vor der Lkw-Flut auf den Autobahnen, die Gegner sehen die Tunnel als Vernichtung von Steuergeld, die keine Verkehrsverlagerung bringen wird. Bei zumindest einem der Projekte könnten die Gegner Recht behalten. 

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