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Behandlungsfehler: Vertuschen statt vermeiden
Ziel unserer Recherchen war es, festzustellen, ob durch die vielen, teils im Wege von Gerichtsverfahren dokumentierten Einzelfälle strukturelle Probleme erkennbar werden. Die drei wesentlichen Erkenntnisse aus diesen Untersuchungen: Erstens herrscht im österreichischen Gesundheitssystem – auch aufgrund der erwähnten Delegation der Verantwortung von oben nach unten – eine sehr unterentwickelte Fehlerkultur, zweitens haben Fehler sehr oft mit der Tatsache zu tun, dass in den betroffenen Einrichtungen zu geringe Fallzahlen vorhanden sind, um ausreichende Qualität zu gewährleisten, und drittens gehen die betroffenen Institutionen sehr restriktiv mit Informationen um und repressiv gegen interne Kritiker vor.

Ärztliche Behandlungsfehler sind eine heikle Angelegenheit: Nicht immer ist leicht festzustellen, ob es sich bei schwerwiegenden Folgen einer Behandlung tatsächlich um einen Behandlungsfehler handelte oder um ein schicksalhaftes Ereignis. Entscheidend ist in Zweifelsfällen, die dann etwa vor Gericht geklärt werden, ob von den behandelnden Medizinern lege artis gehandelt wurde, also nach den gültigen Regeln der ärztlichen Kunst.

Wie in etlichen anderen Gebieten auch, wurde unserem Rechercheteam während der Arbeit vor allem eines deutlich: Es fehlt an Dokumentation. Und Daten, und es herrscht ein hohes Maß an Intransparenz seitens der Institutionen des Gesundheitssystems. Wo am Ende ein einzelner geschädigter Patient oder eine geschädigte Patientin steht, waren zuvor drei Ebenen involviert: das nationale Gesundheitssystem mit seinen gesetzlichen Vorgaben und seinem Regularium, die konkrete Einrichtung, in der die ärztliche Behandlung stattfindet – in der Regel ein Spital in der Trägerschaft der Landeskrankenanstalten –, und der einzelne Arzt, von dem die Behandlung vorgenommen wird. Sehr oft, moniert etwa der Gesundheitsökonom, würde die Verantwortung für Fehler von den beiden übergeordneten Ebenen auf den einzelnen Mediziner abgeschoben.

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Ziel unserer Recherchen war es, festzustellen, ob durch die vielen, teils im Wege von Gerichtsverfahren dokumentierten Einzelfälle strukturelle Probleme erkennbar werden. Das lässt sich am besten feststellen, wenn man mehrere Fälle an ein und derselben Einrichtung untersucht, wie etwa in der Geburtenabteilung des Krankenhauses Schladming in der Obersteiermark und an den Kliniken in Klagenfurt und Graz.

Die drei wesentlichen Erkenntnisse aus diesen Untersuchungen: Erstens herrscht im österreichischen Gesundheitssystem – auch aufgrund der erwähnten Delegation der Verantwortung von oben nach unten – eine sehr unterentwickelte Fehlerkultur, zweitens haben Fehler sehr oft mit der Tatsache zu tun, dass in den betroffenen Einrichtungen zu geringe Fallzahlen vorhanden sind, um ausreichende Qualität zu gewährleisten, und drittens gehen die betroffenen Institutionen sehr restriktiv mit Informationen um und repressiv gegen interne Kritiker vor.

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In der medialen Debatte wird oft kritisiert, dass mit Einzelfällen operiert und damit die Größenordnung des Problems tendenziell übertrieben werde. Studien aus Deutschland legen nahe, dass eher das Gegenteil der Fall ist und hinter der schleppenden Bereitschaft zur Datenerhebung der Versuch steckt, ein Problem, das tatsächlich existiert, nicht sichtbar werden zu lassen, um die Konsequenzen auf allen betroffenen Ebenen zu vermeiden.

Unserem Rechercheteam war wichtig, präzise bei den Einzelfällen zu bleiben und daraus nicht vorschnell allgemeine Vorwürfe zu konstruieren, weshalb sie an vielen Stellen in den einzelnen Geschichten den Hinweis darauf finden werden, dass die Grenzen zwischen schicksalhaften Ereignissen und tatsächlichen Behandlungsfehlern sehr oft fließend sind. Um diese Grenzen im einzelnen Fall und im Interesse der betroffenen Patienten und ihrer Angehörigen, deren Leben sich durch solche Ereignisse von einem auf den anderen Tag radikal ändern, sorgfältig ziehen zu können, bedürfte es eines massiven Schubs an Transparenz und Fehlerkultur in den betroffenen Einrichtungen. 

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