Addendum
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Bild: APA | OTS
Eine Frau für alle Fälle
21. April 2020 René Benko Lesezeit 4 min
Karin Fuhrmann, Partnerin der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft tpa, sitzt nicht nur im Vorstand einer Benko Privatstiftung, sondern auch im Aufsichtsrat von Galeria-Karstadt-Kaufhof, die in Deutschland in Turbulenzen geraten ist. Darüber hinaus erstellte sie ein Wertgutachten für ein Signa-Unternehmen, das nicht alle Aktionäre begeistert haben soll.

Seit Jahren gilt eine Wiener Steuerberaterin als Fixstern in der Signa-Gruppe rund um René Benko: Karin Fuhrmann. Sie ist Partnerin bei der Steuerberatungsfirma tpa und seit knapp einem Jahrzehnt enge Vertraute des Tiroler Investors, ob als Aufsichtsrätin bei Galeria Karstadt Kaufhof in Deutschland oder als stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Familie Benko Privatstiftung. Wenn der Signa-Gründer sie braucht, ist Fuhrmann zur Stelle. Vor allem in Zeiten wie diesen.

Die Corona-Krise hat den Expansionskurs der Signa-Gruppe zum Erliegen gebracht. In Deutschland musste die Signa-Gesellschaft Galeria-Karstadt-Kaufhof in ein Schutzschirmverfahren, vom Gericht wurde ein Sachwalter bestellt. Keine alltägliche Angelegenheit, besonders für Aufsichtsräte. Doch Karin Fuhrmann kennt das Signa-Netzwerk wie nur eine Handvoll Vertrauensleute und dürfte dem Sachwalter mit ihrem Wissen zur Seite stehen. Insbesondere über die zahlreichen Gesellschaften und Privatstiftungen.

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Karin Fuhrmann

Vertrauensvolle Zusammenarbeit

Seit 2011 sitzt Karin Fuhrmann im Vorstand der österreichischen Familie Benko Privatstiftung, eine Art Family Office. Von dort werden zahlreiche Beteiligungen an der Signa-Gruppe verwaltet und die Ausschüttungen an die Begünstigten der Privatstiftung vorgenommen. Hier geht es um Diskretion und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Stifter und Begünstigten.

Für das Steuerberatungsunternehmen tpa und Karin Fuhrmann ist das Mandat der Signa-Gruppe einer der größten Umsatzbringer. Selbst den Firmensitz hat tpa erst kürzlich in ein von Signa entwickeltes Projekt verlegt: In das „ICON Vienna“ am Hauptbahnhof. SIGNA-Vorstand Christoph Stadlhuber teilte damals mit:

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„Wir freuen uns, tpa, eines der führenden österreichischen Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen, als Mieter für THE ICON VIENNA gewonnen zu haben. Unser nachhaltiger Vermietungserfolg bestätigt die Richtigkeit unserer strategischen Ausrichtung: repräsentative Büroimmobilien in bester Lage mit guter öffentlicher Anbindung, mit exklusiver Ausstattung, bestückt mit umweltfreundlicher und betriebskostenschonender Infrastruktur zu entwickeln.“

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Der Neu-Mieter tpa hat dann auch gleich den Verkauf für die Signa-Gruppe mitbegleitet. Eine klassische Win-win-Situation.

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Das Wertgutachten

Und tpa bietet noch mehr Dienstleistungen an. Neben der steuerrechtlichen Beratung hat die Firma auch die Erstellung von Unternehmenswertgutachten im Repertoire. Auch für die Signa-Gruppe. So wurde unter Federführung der Benko-Familien-Stiftungsvorständin Karin Fuhrmann etwa eine Gesellschaft der Signa-Gruppe bewertet, um sie in weiterer Folge liquiditätsschonend als Sacheinlage in das Signa-Flaggschiff Signa Prime Selection AG einzubringen: Die Signa Real Estate Management GmbH (REM).

Addendum-Recherchen zufolge wurde TPA im Mai 2015 seitens der Geschäftsführung der Signa Holding GmbH beauftragt, „in der Funktion eines neutralen Gutachters“ ein Gutachten zum Unternehmenswert der Signa REM zur verfassen. Unterzeichnet wurde das Gutachten von tpa-Partnerin Karin Fuhrmann, die im Vorstand in der Benko Familien Privatstiftung sitzt.

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Bei der Signa REM handelte es sich um ein 2005 gegründetes Dienstleistungsunternehmen, in das nicht nur jahrelang hohe Verkaufsprovisionen geflossen sein sollen; auch René Benko soll über Vorwegvergütungen aus Signa-Projekten profitiert haben. Alle diese Zahlungsströme sollen laut Addendum-Recherchen nicht allen Aktionären mitgeteilt worden sein, denn klare Aussagen habe Benko nicht allen Investoren gegenüber getätigt. Noch während des Verkaufsprozesses der REM wurde von Benko eine andere Gesellschaft, die MA Beratung GmbH, als Vergütungsgesellschaft auserkoren .

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René Benko

Geld für eine Kapitalerhöhung

Wie weitere Recherchen zeigen, wurde den Aktionären der SIGNA Prime Selection AG in der Folge im Juni 2015 von René Benko schmackhaft gemacht, die Signa Real Estate Management GmbH (REM) zu erwerben. Als Begründung wurde den Aktionären unter anderem genannt, dass nach dem Erwerb und einer entsprechenden Einbringung der REM der Unternehmenswert der Signa Prime Selection AG um rund 260 Millionen Euro steigen würde. Mitunter aufgrund hoher jährlicher Ausschüttungen der REM. Dies wiederum ermögliche die Beschaffung weiterer Finanzierungen für den angestrebten Wachstumskurs. Der Grund dafür war laut dem deutschen Wirtschaftsmagazin Capital augenscheinlich, dass Benkos Signa-Gruppe damals finanzielle Mittel für eine Kapitalerhöhung bei der Signa Prime Selection AG benötigte.

Noch am 8. März 2015 wurde zwischen der Signa REM und der Signa Prime Selection AG ein hoch dotierter Dienstleistungsvertrag abgeschlossen. Und um die Signa REM in die Signa Prime Selection AG einbringen zu können, benötigte Signa-Gründer Benko eben ein Wertgutachten. Das kam von tpa, unter der Leitung von Karin Fuhrmann und auf Grundlage zukünftiger Erträge. tpa errechnete im Mai 2015 für die Signa REM mit Stichtag 31.12.2014 einen operativen Wert von 175 Millionen Euro.

Interessantes Detail am Rande: Die Signa Prime Selection AG beauftragte ein anderes Wirtschaftsprüfungsunternehmen, nämlich die BDO, mit der Unternehmensbewertung der Signa REM. Und siehe da: Die BDO kam, unter anderem auf Grundlage der von tpa erstellten Planbilanzen und Cash-Flow-Planungen auf ein fast identes Ergebnis, also ebenfalls auf 175 Millionen Euro. Der Unterschied zwischen beiden Gutachten beläuft sich auf schlanke 211.000 Euro.

Übrigens: Schon im Jahr der Gutachtenerstellung wurde das geplante Ergebnis nur zu 50 Prozent erreicht. Im Jahr darauf sollten die Ergebnisse nicht wirklich besser werden.

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„Gängige Praxis“

Karin Fuhrmann erklärte gegenüber Addendum, sie habe „stets korrekt und unter Einhaltung aller gesetzlichen und standesrechtlichen Bestimmungen sowie fachgerecht gehandelt“. Zu inhaltlichen Fragen könne sie nicht Stellung nehmen, es gebe aber „keinerlei Unvereinbarkeit hinsichtlich einer Funktion als Stiftungsvorstand und einer beratenden Tätigkeit“. In der Wirtschaft bzw. „speziell in der Branche der Wirtschaftstreuhänder und der Rechtsanwälte ist dies vielmehr gängige Praxis“.  

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