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Ein Geschäft und viele Zufälle

Zu Ostern bezog die Wirtschaftskammer Wien ein von der Signa Gruppe entwickeltes Bürogebäude am Wiener Praterstern. Der mehr als 100 Millionen Euro schwere Deal wirft einige Fragen auf. Auf der Suche nach Antworten stieß Addendum auf seltsame Zufälle.

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05.06.2019
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Am 21. Dezember unterzeichnete Walter Ruck, der Präsident der Wirtschaftskammer Wien, mit René Benkos Signa-Gruppe einen Deal in dreistelliger Millionenhöhe. Im Frühjahr 2019 sollte die Wiener Kammer in den von Signa entwickelten Campus am Wiener Praterstern übersiedeln, im Gegenzug sollten unter anderem zwei nicht mehr benötigte Wirtschaftskammer-Objekte in den Fundus der Immobiliengruppe wandern.

Ebendiese beiden Objekte – Gewerbehaus und Palais Festetics – sorgten bereits vor Wochen für mediale Aufregung. Die spannende Frage lautet, warum das Gewerbehaus im dritten Wiener Bezirk von der Wirtschaftskammer im Zuge des Deals für gut 17 Millionen Euro an Benkos Signa ging, um flugs an den Immobilienunternehmer Hallmann weitergereicht zu werden, um prompt bei einem weiteren Immobilienunternehmer zu landen – für letztlich 31,3 Millionen Euro. Seither muss sich auch die Wirtschaftskammer Wien die Frage gefallen lassen, ob das Objekt zu günstig verkauft wurde.

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Maklergebühr und Provision

Addendum hat dazu zwei auffällige Aspekte vertiefend recherchiert: Zum einen die Rolle des Immobiliendienstleisters ÖRAG, der im Auftrag der Wirtschaftskammer Wien die Verkehrswertgutachten erstellte. Diese belaufen sich auf gut 17 (Gewerbehaus) bzw. gut 18 Millionen Euro (Palais Festetics). Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die ÖRAG wenige Wochen nach Gutachtenerstellung, nämlich im Jänner 2018, an die Signa herangetreten sein will, um einen potenziellen Käufer für das Palais Festetics zu vermitteln: die Hallmann Gruppe.

Interessant ist weiters, dass der Immo-Riese Signa dafür eine „branchenübliche Maklergebühr“ bezahlte – und der Immo-Riese Hallmann eine Provision. Der Deal rund um das Gewerbehaus, das eine ziemlich orbitante Preissteigerung durchmachen sollte, sei aber dann ohne Vermittler, also direkt zwischen Signa und Hallmann abgewickelt worden.

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Der Vertrag für den Verkauf der Immobilie von der WKW an die Signa um 17 Millionen Euro:

Der Vertrag für den Weiterverkauf um mehr als 31 Millionen Euro:

WKW-Beraterin in Benko-Stiftung

Ist es branchenüblich, dass ein Immobilienbewerter gleich im Anschluss der Gutachtenserstellung einen Käufer für den Käufer sucht? Die ÖRAG teilt dazu mit, dass die Geschäftsbereiche Immobilienbewertung und Immobilienvermittlung operativ strikt voneinander getrennt seien. Man habe unternehmensintern gleichsam „chinesische Mauern“ hochgezogen und somit alles richtig gemacht. Innerhalb der Wirtschaftskammer wird die Rolle der ÖRAG neuerdings jedoch hinterfragt.

Ein zweiter spannender Punkt bei diesem gut 100-Millionen-Euro schweren Wirtschaftskammer-Wien-Geschäft mit der Signa Gruppe betrifft die Rolle einer Expertin, die im Spätherbst 2017 ebenfalls auf Seiten der Wirtschaftskammer Beratungsleistungen erbrachte: Karin Fuhrmann, Partnerin der Wirtschafts- und Steuerberatungsgesellschaft tpa Horwath. Fuhrmann sitzt seit Jahren im Vorstand einer Privatstiftung. In jener von Signa-Gründer Rene Benko.

Update: Die Wirtschaftskammer lässt zwischenzeitlich mitteilen, dass das neue Bürogebäude am Austria-Campus ein guter Deal gewesen sei. Mittlerweile würden andere dort höhere Quadratmeterpreise bezahlen.  

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Leitung Investigative Recherche

Rainer Fleckl will den Dingen auf den Grund gehen. Er hat Kommunikationswissenschaften studiert und startete seine ersten investigativen Recherchen im Sportressort des „Kurier“, dessen Leitung er 2008 übernahm. 2010 wurde er mit dem Aufbau einer Rechercheabteilung betraut. Vor seinem Engagement bei Quo Vadis Veritas war Fleckl als Bereichsleiter bei ServusTV und in der Chefredaktion von „News“ tätig.

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Johannes Kaiser studiert Rechtswissenschaften an der Universität Wien. Neben dem Studium war er in einer Wiener Bankenrechtskanzlei tätig, bevor er ins Parlament wechselte. Dort arbeitete er als Analyst im HYPO-Untersuchungsausschuss und später im Finanz- und Budgetbereich. Addendum ist seine erste Station in der Medienbranche.

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Sebastian Reinhart hat Politikwissenschaft und Wirtschaftsrecht an der Universität Innsbruck studiert. Danach war er im Nationalrat als Referent für die Fachbereiche Finanzen, Budget, ESM und Europa verantwortlich. Seit dem Hypo-Untersuchungsausschuss sieht er Österreich mit anderen Augen.

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