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Gibt es eine Bettelmafia?
Gibt es eine Bettelmafia? Ist Bettlern wirklich geholfen, wenn man ihnen Geld gibt? Sind sie überhaupt freiwillig da, oder werden sie gezwungen? Können sie ihr erbettelten Einkommen behalten, oder müssen sie es an Mafia-Capos abgeben, die sich damit ein schönes Haus bauen und einen Jaguar kaufen? Wie soll man mit Bettlern umgehen? Helfen Bettelverbote? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, haben sich Addendum- und „Im Kontext“-Reporter auf die Reise begeben.

Der junge Mann, der selbst im tiefsten Winter ohne Schuhe in der belebten Einkaufsstraße sitzt. Die Frau, die im Rollstuhl vorbeihastenden Menschen Zeitungen zum Kauf anbietet. Sie prägen das Stadtbild moderner Metropolen ebenso sehr wie Touristen und Shoppinglustige.

Ist diesen Bettlern wirklich geholfen, wenn man ihnen Geld gibt? Sind sie überhaupt freiwillig da, oder werden sie gezwungen? Können sie ihr erbettelten Einkommen behalten, oder müssen sie es an Mafia-Capos abgeben, die sich damit ein schönes Haus bauen und einen Jaguar kaufen?

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Um Antworten auf diese Fragen zu finden, hat sich unser Rechercheteam auf die Reise begeben und dabei unterschiedlichste Eindrücke gesammelt. Ein Grazer Pfarrer, der seit Jahren Bettler betreut und ihnen Unterkunft gibt, ist überzeugt: Es gibt keine Bettelmafia. Polizisten in Wien hingegen meinen, Organisation und Strategie bei den Bettlern in der Innenstadt zu erkennen. Sie stützen sich allerdings auf persönliche Eindrücke, nicht auf Ermittlungsergebnisse. Unser TV-Team hat sich auf Spurensuche nach Bulgarien und in die Slowakei begeben , und dort auch Bekanntschaft mit der örtlichen Bürgerwehr gemacht, die zu verstehen gab, dass Dreharbeiten unerwünscht seien.

Fest steht: Es gibt ein Geschäft mit der Armut. Reporter Christian May hat sich auf die Suche nach einer Wohnung gemacht, in der unter menschenverachtenden Zuständen bis zu 20 Bettler hausen sollen – und bis zu 10 Euro Miete pro Nacht für eine Matratze zahlen. Das bedeutet für den Vermieter Einnahmen von 6.000 Euro pro Monat. Das Bundeskriminalamt weiß von Wohnungen, wo auf 50–80 Quadratmetern bis zu 60 Menschen wohnen sollen.

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Wer nichts mit dem organisierten Betteln zu tun haben will, kann sich als Zeitungskolporteur betätigen, meint die Geschäftsführerin des Vereins Sand & Zeit, der unter anderem die Obdachlosenzeitung Augustin vertreibt. Geschäftsleute berichten allerdings, dass gerade diese Zeitungsverkäufer besonders aufdringlich seien. Das sei die illegale Konkurrenz aus dem Osten, sagen Zeitungsverkäufer mit Ausweis, die benützen gefälschte Zeitungen nur als Vorwand, um bettelnd an Geld zu kommen. Zu einer ausführlicheren Stellungnahme über diese falschen Verkäufer war der Verein nicht bereit.

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Oviawe, ein legitimierter <i>Augustin</i>-Verkäufer auf der Mariahilfer Straße
Bild: Matt Observe | Addendum
Chioma verkauft den <i>Augustin</i> am Westbahnhof.
Bild: Matt Observe | Addendum
<i>Augustin</i>-Verkäufer Lucky am Schwedenplatz
Bild: Matt Observe | Addendum
Santos verkauft den <i>Augustin</i> am Westbahnhof.
Bild: Matt Observe | Addendum

Während die Frage nach der Bettelmafia nicht abschließend geklärt werden kann, bleibt eine andere. Wie soll man mit den Bettlern umgehen? Manche Städte verhängen teilweise Verbote, mit mehr oder weniger Erfolg. Ein absolutes Verbot wäre jedoch nicht verfassungskonform. Denn jeder Mensch hat das Recht, „an einem öffentlichen Ort andere Menschen um finanzielle Hilfe zur Linderung der eigenen Bedürftigkeit zu bitten“. 

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