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Warum Kryptobetrug so verlockend ist
31. Januar 2018 Blockchain Lesezeit 6 min
Wie Manipulation mit Kryptowährungen zustande kommt und was die „Fear of Missing out“ damit zu tun hat, die allgegenwärtige Angst von Anlegern und vor allem Spekulanten, „es zu verpassen“.

In den Jahren 2013 und 2014 war ein Unternehmen namens Mt. Gox der Bitcoin-Handelsplatz schlechthin. 70 Prozent aller Bitcoin-Transaktionen wurden über diese Plattform abgewickelt, insgesamt wurden Bitcoin zum damaligen Wert von ca. einer halben Milliarde US-Dollar auf Mt. Gox gehalten; heute wären das ca. 30 Milliarden Dollar. Für frühe Bitcoin-Enthusiasten war die Welt schön, der Bitcoin-Preis hatte gerade die 1.000-Dollar-Grenze geknackt. „To the Moon“ war damals ein geläufiges Meme, wenn es um Bitcoin ging.

Doch plötzlich war Mt. Gox offline, und mit dem Handelsplatz verschwanden auch 744.408 Bitcoin. Angeblich wurde Mt. Gox gehackt, wahrscheinlich war die hinterlegte Summe einfach zu verlockend. Jedenfalls wanderte der Gründer von Mt. Gox ins Gefängnis, und bis heute ist nicht klar, wohin die Bitcoin verschwunden sind bzw. wer davon profitierte.

Zäsur in der Kryptowährungsgeschichte

Mt. Gox stellte eine Zäsur in der noch jungen Kryptowährungsgeschichte dar. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war klar: Bitcoin eignet sich perfekt für Betrügereien. Aber warum ist das so? Warum werden gerade, wenn die Rede auf Bitcoin oder Kryptowährungen kommt, die Wörter Betrug, Ponzi-Scheme, Drogen und Verbrechen so oft strapaziert? Einerseits ist es einfach, das, was man nicht versteht, zu verteufeln. Notenbankchefs, Regierungen und Medien haben daran einen nicht unbeträchtlichen Anteil. Auf der anderen Seite gibt es aber auch systembedingte und psychologische Faktoren, die Betrug via Kryptowährungen so verlockend und einfach machen.

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Kryptowährungen sind kompliziert

Im Netz findet man tausende Anleitungen dazu, wie man eine sogenannte Bitcoin Wallet erstellt, erste Transaktionen durchführt und damit handeln kann. Die sind nötig, weil es immer noch so kompliziert ist. Um Bitcoin zu nutzen, muss man kein Blockchain-Experte sein oder im Kopf einen Hash berechnen können, aber ohne ein gewisses technisches Grundverständnis macht man gerade bei Transaktionen sehr schnell Fehler. Betrüger nutzen diese Unsicherheit zu ihrem Vorteil, indem sie etwa solche Anleitungen veröffentlichen und dann zu einem sogenannten „Fake Wallet“ verlinken, oder sie schafften es sogar, ihre Fake Wallets im App Store von Apple unterzubringen. Mit der Installation einer solchen Software könnten Dritte unbeschränkten Zugriff auf die eigenen Bitcoin-Konten erlangen. Anschließend können alle Bitcoin gestohlen werden, und der User merkt das erst, wenn er eine Transaktion durchführen will. Denn schließlich kann auch der Kontostand manipuliert werden.

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Kryptographische Hashes werden zur Sicherung der Integrität von Daten verwendet. Sie fassen Inhalte jeder Länge auf eine Prüfsumme fixer Länge zusammen und sind schwierig bis unmöglich zurückzuverfolgen. Das bedeutet, dass der ursprüngliche Wert nicht aus seinem Hash hergeleitet werden kann. Die Basis der mathematischen Aufgaben in „Proof of Work“-Systemen ist, dass sich ein Hash unvorhersehbar ändert, wenn nur ein kleiner Teil des zusammenzufassenden Inhalts geändert wird. Die Hashes von „test“ und „teat“ sind also stark unterschiedlich, bei Verwendung der md5-Hashfunktion beispielsweise „2fd20d3a1eab1e51c0127d0f02651925“ und „d8e8fca2dc0f896fd7cb4cb0031ba249“.

Transaktionen sind nicht rückgängig zu machen

Kreditkartenbetrüger haben es ziemlich schwer. Sie müssen darauf hoffen, dass das Opfer die Abbuchung nicht bemerkt und nicht rechtzeitig beeinsprucht. Zwar ist es relativ leicht, an Kreditkartendaten zu kommen – die kann man im Tausenderpack im Darknet kaufen –, aber ebenso einfach ist es, eine fälschliche Zahlung wieder rückgängig zu machen. Im Gegensatz dazu können getätigte Transaktionen via Bitcoin-Blockchain nicht wieder rückabgewickelt werden. Einmal im Netz verifiziert, gibt es kein Zurück. Die Bitcoin-Blockchain wurde genau dafür entwickelt, dass Transaktionen nicht rückgängig zu machen sind, dass keine Behörde, keine Zentralbank oder auch kein Vorgesetzter daran etwas ändern kann. Bitcoin ist ein Tool, das geschaffen wurde, um die Bevölkerung unabhängiger zu machen und ein manipulationsresistentes Geldsystem zu schaffen. Der Nachteil dieser wahrscheinlich wichtigsten Eigenschaft ist, dass Betrüger diesen Umstand ebenfalls ausnützen können.

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Transaktionen sind pseudonym

Entgegen der allgemeinen Annahme sind Bitcoin-Transaktionen nicht anonym, sondern pseudonym. Das heißt, alle Transaktionen von und zu allen Konten sind für immer öffentlich einsehbar. Einzig die Kontonummern (Bitcoin-Adressen) sind nicht sofort einer Person oder Gruppe zuzuordnen. Halbwegs gewiefte Betrüger haben so aber recht einfach die Möglichkeit, unerkannt zu bleiben. Verbrecher, die dabei nicht vorsichtig genug vorgehen, können jedoch auch relativ leicht erwischt werden. Nämlich dann, wenn die Bitcoin wieder in eine reale Währung umgewandelt werden sollen, da das zumeist nicht ohne Identitätsnachweis möglich ist.

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Online-Betrug skaliert

Seit der Erfindung des Internets erleben wir eine immer größere Zahl an betrügerischen E-Mails, Direktnachrichten und Websites. Das Schöne aus Sicht des Betrügers ist dabei, dass dieses System sehr gut skaliert. Das heißt, der Aufwand, eine Nachricht an eine Million oder an hundert Millionen Empfänger zu schicken, ist gleich groß. Auch wenn 99 Prozent es nicht durch Spamfilter schaffen, ist die Wahrscheinlichkeit gar nicht so klein, dass unter diesen Millionen potenziellen Opfern dann auch ein tatsächliches Opfer ist. Vergleicht man das mit klassischem Telefonbetrug, erkennt man schnell, dass der Aufwand für digitalen Betrug um einiges geringer ist. Bitcoin ermöglicht potenziellen Betrügern eine weitere Automatisierungs- und Skalierungsmöglichkeit, weil Einnahmen nicht mehr physisch eingebracht werden müssen.

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Strafverfolgung ist schwierig

Bitcoin-Transaktionen kennen keine Staatsgrenzen. Selbst wenn ein Betrüger einmal unvorsichtig war und die Polizei es schafft, den Täter ausfindig zu machen, befindet sich dieser meist nicht im Land des Opfers und höchstwahrscheinlich nicht einmal in der EU. Selbst innerhalb der EU ist eine Strafverfolgung über Landesgrenzen oft schwierig, dabei wäre eine zumindest europaweite Ermittlung gegen international agierende Betrüger ein perfektes Szenario für Europol. Stattdessen wird meistens von lokalen Behörden unkoordiniert ins Leere ermittelt.

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#FOMO

FOMO ist die Abkürzung für „Fear of Missing out“, die „Angst, es zu verpassen“. Viele kennen das wahrscheinlich von sich selbst: Als Anleger hat man immer die Befürchtung, das nächste Microsoft, Apple oder Facebook an der Börse zu verpassen. Viel größer noch ist diese Angst bei der Spekulation mit Kryptowährungen, v.a. auch weil diese jeden Tag 24 Stunden gehandelt werden, und weil kein Tag vergeht, an dem nicht eine neue, schnellere, bessere, smartere Kryptowährung gestartet wird und mehrere ICOs um Investments werben. Die meisten dieser Kryptowährungen und ICOs werden nicht mit Betrugsabsicht gestartet, sondern sind schlicht und ergreifend schlampig programmierte, mangelhafte Geschäftsideen, die ohne Blockchain-Konnex keinen Euro Finanzierung bekommen würden.

Warnendes Beispiel Onecoin

Als Anleger ist man schnell verunsichert, wenn man liest, dass jemand an einem Tag 500 Prozent Gewinn gemacht hat oder die Währung XY im letzten Monat schon wieder 1.000 Prozent zugelegt hat. Und genau dort setzen Betrüger an. Ein Beispiel dafür ist das Projekt Onecoin. Onecoin war ein Multi-Level-Marketing-Projekt, das das gleiche Vokabular wie Bitcoin verwendete, freilich ohne jemals eine entsprechende Kryptowährung zu schaffen. Obwohl viele europäische Behörden Onecoin verboten haben, erleichterte Onecoin-Gründerin Ruja Ignatova tausende Menschen um ihr Erspartes. Bis heute läuft der Onecoin-Betrug weiter.

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Betrug ist nicht immer geplant, aber oft verlockend

Schließlich gibt es viele Fälle von Betrug, die so wahrscheinlich nicht geplant waren. Besonders verlockend ist das dann, wenn das hinterlegte Vermögen um ein Vielfaches höher ist als der mögliche Gewinn durch eine ordentliche Geschäftstätigkeit. Zwar kann man bei Darknet-Handelsbörsen nicht unbedingt von einer ordentlichen Geschäftstätigkeit sprechen, weil dort meistens Substanzen gehandelt werden, die nicht gehandelt werden dürfen. Aber letztlich fungiert der Handelsplatz wie viele andere auch nur als Vermittler und als Treuhänder für Käufer und Händler. Es gibt eine lange Liste an Darknet-Handelsplätzen, die irgendwann mit den Guthaben ihrer Kunden offline gingen, ganz einfach weil die Menge der Einlagen zu verlockend war.

Manchmal ist eine Idee auch zu erfolgreich, wie zum Beispiel der anfangs erwähnte Mt. Gox. Die Bitcoin-Börse Mt. Gox ist zu schnell gewachsen, um ausreichende Checks and Balances und ein adäquates Controlling einzuführen. Einzelne Personen hatten Zugriff auf alle gehaltenen Einlagen, hinzu kamen Probleme mit den Steuerbehörden, und die Software konnte mit dem enormen Wachstum nicht mithalten – bis Mt. Gox eines Tages offline war. 

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