Übersicht  
055_04   gelesen

Warum wir heute nicht mehr kiffen dürfen

Wie ein Schweizer Migrantenkind in den USA die weltweite Drogenpolitik bis heute beeinflusst.

24.09.2018

Cannabis ist seit rund 6.000 Jahren ein wertvoller Lieferant für Fasern, Nahrungsmittel, Rausch und Arznei. Erste medizinische Aufzeichnungen von Cannabis gehen auf ein rund 4.700 Jahre altes Lehrbuch aus China zurück, Columbus segelte mit Seilen aus Hanf in die neue Welt, die Gutenberg-Bibel wurde auf Hanfpapier gedruckt, und die ersten Jeans von Levi Strauss waren aus Hanf gefertigt. Lange Zeit war Cannabis eine vielfältige Nutzpflanze – bis sie durch weitläufige Verbote zum Anfang des 20. Jahrhunderts fast vollständig an Bedeutung verloren hat.

icon-bubble

Top Kommentar

Den Grundstein für die weltweiten Regulationen von Cannabis legen Heilpraktiker bereits ab den 1830er Jahren. Damals erscheinen in Europa und auf dem amerikanischen Kontinent erste Artikel in wissenschaftlichen Journalen zu Cannabis als Medizin, verfasst von Ärzten, die damit experimentieren.

Dosierung und Art der Einnahme sind in diesen Versuchen wenig einheitlich, und so sind die Berichte darüber von Beginn an kontrovers – die einen bemerken eine angenehm berauschende Wirkung und ein Potenzial als „Wundermedizin“, andere bezeichnen Cannabis als gefährliches Narkotikum, das Wahn und Sucht auslösen kann.

icon-bubble

Top Kommentar

In Mexiko war der Konsum von Marihuana als Freizeitdroge weit verbreitet und wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts als Kraut, das verrückt machen kann bezeichnet. Reißerische Berichte und Geschichten kommen Ende des 19. Jahrhunderts auch aus den USA, dort wird Cannabis einem Sohn Schweizer Auswanderer später zu drogenpolitischer Karriere und Bekanntheit verhelfen.

Harry Anslingers drogenpolitische Karriere

1930 wurde Harry J. Anslinger, der zuvor als Detektiv und für den militärischen Geheimdienst in Belgien tätig war, zum Leiter des „Federal Bureau of Narcotics“ befördert. Er begann einen beispiellosen Kampf gegen Cannabis, nachdem sich die Prohibition von Alkohol zum Misserfolg entwickelt hatte.

icon-bubble

Top Kommentar

Er hegte eine tiefe Ablehnung gegenüber allen Drogen und passte mit seiner Einstellung zum damals vorherrschenden Zeitgeist des Puritanismus. Die süchtige Jazz-Sängerin Billie Holiday brachte er beispielsweise publikumswirksam mehrmals hinter Gitter, gegen schwarze Musiker der Jazz- und Swing-Szene hegte er angeblich besondere Abneigung.

1942 setzte Anslinger auch das Verbot pharmazeutischer Cannabis-Produkte durch. Gleichzeitig war er an Experimenten mit Wahrheitsdrogen an ahnungslosen Probanden beteiligt.

Geschickt nutzte er die Yellow Press und das aufblühende Medium Film für seine Agenda und verknüpfte breitenwirksam rassistische Vorurteile gegenüber Schwarzen und hispanischen Einwanderern mit dem Konsum von Marihuana. Er wurde zu einer der wichtigsten Personen der US-amerikanischen sowie der internationalen Drogenpolitik, sein Einfluss in die weltweiten Gesetzgebungen ist bis heute erkennbar: Als Mitglied der UN-Drogenkommission forcierte er das weltweite Verbot des Cannabisanbaus. 1961 wurde dieses in der UN-Konvention gegen narkotische Drogen festgeschrieben. 

icon-bubble

Top Kommentar

24.09.2018

Das Rechercheteam

Marlies Faulend
Team WebTV

Marlies Faulend, geboren 1984 in Wien, hat „Digitales Fernsehen“ an der FH Salzburg studiert und 2009 abgeschlossen. Mehr als 10 Jahre hat sie als freie Gestalterin und Cutterin von Magazinbeiträgen, Reportagen und Dokumentationen für zum Beispiel ServusTV, ORF, 3sat oder das ZDF gearbeitet. Des Weiteren war sie Regieassistentin bei Kino-Dokumentationen und beim Spielfilm. Für Addendum gestaltet sie Web-TV-Content.

Ralph Janik
Team Recherche

Ralph Janik hat in Wien und Alcalá de Henares (Madrid) Rechtswissenschaften und Politikwissenschaft studiert. Danach Studium in internationalem Recht und Europarecht an der Universität Amsterdam. Beruflich unter anderem wissenschaftlicher Assistent an der Universität Amsterdam und an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien.

Pamela Milkowski
Team TV

Lebte einige Jahre in New York und in Irland und arbeitet mittlerweile seit zehn Jahren im Bereich Medien und Fernsehen. In den letzten Jahren war sie als selbstständige TV-Producerin für verschiedene Filmproduktionsfirmen tätig, wo sie unter anderem Beiträge für ATV, Puls4 und den ORF gestaltete, darunter Formate und Sendereihen, die sowohl Unterhaltung als auch investigative und gesellschaftskritische Themen behandeln.

Lukas Schmoigl
Team Daten

Lukas Schmoigl hat Volkswirtschaft und Statistik an der Wirtschaftsuniversität und an der Universität Wien studiert. Seine Expertise liegt auf dem Gebiet der quantitativen empirischen Forschung und Datenanalyse. Neben dem Studium war er in den vergangenen Jahren in der Abteilung IT-SERVICES an der WU tätig.

Mickey Manakas
Team Recherche

Für Addendum kümmert sich Mickey Manakas um die redaktionellen Inhalte auf Addex. Bei der Veröffentlichung bisheriger Recherchen halfen ein deutscher Radiosender und die Wochenzeitung Die Furche. Nebenher arbeitet er am Abschluss seines Studiums der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft.

x

Folgende Artikel gehören zum Projekt 055 Cannabis

055_01 Gelesen

Warum wir heute nicht mehr kiffen dürfen

mit Video
055_02 Gelesen

Österreichs „War on Cannabis“

055_03 Gelesen

Mehr Weed-Stores als Starbucks

055_04 Gelesen

High auf Rezept

055_05 Gelesen

Im Kontext: Cannabis auf Rezept – eine unterschätzte Gefahr?

TV-Reportage
055_06 Gelesen

CBD in Österreich: Umkämpft und unkontrolliert

Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Addendum ist nicht werbefinanziert und nutzt Cookies, um mehr über das Nutzerverhalten zu erfahren und so das Angebot zu verbessern.
Hier erfahren Sie mehr über Cookies und Datenschutz bei Addendum.

QVV Siegel

Zum Newsletter anmelden

Jede Woche informieren wir Sie über unser aktuelles Projekt mit tiefgründigen Recherchen.

Zum Newsletter angemeldet

Bitte bestätigen Sie die Newsletter-Anmeldung in Ihrer Mailbox.