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Bild: Georg Hochmuth | APA
Der Verhüllungs­künstler
25. Mai 2020 Coronavirus Lesezeit 12 min
In der Corona-Krise beschließt ein Wiener Handyshopbetreiber unter dem Namen www.atemschutzmaske.at im großen Stil mit Schutzausrüstung zu handeln. In kurzer Zeit stellt er bemerkenswerte Mengen auf, beliefert sogar staatliche Kliniken. Doch hinter dem Geschäft verbirgt sich so manches Geheimnis.

Emad F. trägt nicht so gerne Maske. Er verkauft sie lieber. Die grünen, die aussehen, als könnte sie der Chefarzt bei einer Operation tragen. Die weißen, die eher Chemielabor-Charme versprühen. Weinrote oder schwarze Modelle mit Ventil für die Modebewussten.

So liegen sie in den Regalen, Schachtel neben Schachtel, es sind tausende. Eine Ware, die in den vergangenen Wochen von Shanghai über New York bis Addis Abeba zu horrenden Preisen gehandelt wurde. So wertvoll, dass ein paar Diebe sogar versucht haben sollen, bei ihm einzubrechen. Ein Wachmann habe sie in die Flucht geschlagen. F. lobte ein Kopfgeld aus.

Aber vielleicht hat er sich diese Geschichte auch nur ausgedacht wie andere offenbar auch. Emad F. trägt zwar nicht gerne Maske. Doch das heißt nicht unbedingt, dass er nichts zu verbergen hat.

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Name von der Redaktion geändert

Es ist ein sonniger Dienstagnachmittag in der ersten Maiwoche, über die Mariahilfer Straße flanieren die Menschen. In der Hausnummer 72 führt der Handyshop-Betreiber F. an Regalen voller Masken vorbei in ein karges Hinterzimmer. An den Wänden stapeln sich die Boxen: Masken aus China, Schutzbrillen aus Taiwan, importiert über die Slowakei, England, Bulgarien. Er weiß nicht, wie viel er in den vergangenen Monaten gekauft und verkauft hat. Es müssen Millionen gewesen sein. Obwohl Masken in der Krise kaum zu bekommen sein sollen.

In seinem Shop verkaufen ein paar Mittzwanziger in weißen Ganzkörper-Schutzanzügen nicht nur Mund-Nase-Bedeckungen, wie sie nun in Supermärkten oder öffentlichen Verkehrsmitteln getragen werden müssen. In den Regalen sollen auch hochwertige Filtermasken der Kategorien FFP2 liegen, oder – seltener und teurer – der höchsten europäischen Schutzklasse FFP3. Diese sollen laut EU-Norm mindestens 95 oder 99 Prozent der Partikel aus der Luft sieben können.

Daneben sind sorgsam gerahmte Zertifikate ausgestellt, die auf den ersten Blick belegen sollen, dass es sich bei der Ware nicht um irgendeinen Kram handelt, sondern um echte Schutzausrüstung. Nur: Hier mischt sich anscheinend Maske mit billiger Maskerade – zumindest lässt das eine genauere Prüfung vermuten.

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Das Chaos mit den Masken

Was sich in der Mariahilfer Straße 72 abspielt, ist das Sittenbild eines Marktes, der in der Krise vollkommen aus den Fugen geraten ist. In dem dringend notwendige Schutzausrüstung so schwer zu bekommen war, dass sogar staatliche Kliniken ihr Glück bei wie aus dem Nichts erscheinenden Händler versuchten, um nur irgendwie Ausrüstung für ihr Personal zu bekommen.

F.s Geschichte gibt einen Einblick, auf welchen verschlungenen Wegen manche Krankenhäuser und Pflegeheime zu Schutzmasken kommen mussten – obwohl sich die Bundesregierung in ihren Pressekonferenzen rühmte, für alle genug bestellt zu haben. Was genau in den Wochen des Chaos bei wem geordert wurde, ist bis heute unklar. Während andere EU-Regierungen ihren Bürgern zumindest im Nachhinein genau offenlegen, wo sie um wie viel Geld eingekauft haben, schweigt die österreichische im Fall der Maskeneinkäufe bislang.

Emad F. sitzt auf einem Karton mit Gummihandschuhen. Seine zwei Handys klingeln im Minutentakt, an die weißen Wände hat jemand mit Bleistift die Bestellungen notiert und durchgerechnet. „Ich arbeite so viel wie noch nie – 15, 16, 17 Stunden am Tag“, sagt er.

Der 35-Jährige betreibt seit mehr als einem Jahrzehnt mehrere Handyreparaturshops. Einerseits unter der Marke „MobiNil“, dazu noch „Mr. Mobile“, der mit zwei Standorten am Wiener Flughafen vertreten ist. Er beschreibt sich als Unternehmer. Einer, der Risiken eingeht, der, wenn es sein muss, am Wochenende und an Feiertagen arbeitet, nicht wie die Angestellten, die Feierabend machen. Mit Masken oder Desinfektionsmitteln hatte er bis vor wenigen Monaten nichts zu tun.

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Mit 40.000 Euro begonnen

Zum ersten Mal seien ihm die Gesichtsverhüllungen aufgefallen, als er im vergangenen Winter nach Bangkok reiste. „99 Prozent aller Menschen laufen dort mit Schutzmasken herum“, sagt F.. Nachdem kurz darauf das Coronavirus in China aufkam, habe er kurzerhand beschlossen mitzumischen. Er investierte 40.000 Euro in eine erste Lieferung, damals kostete eine gute Filtermaske rund zwei Euro. Heute verlangt F. zwischen 20 und 30 Euro.

Als „Handytandler“ kenne er Geschäftsleute auf der ganzen Welt, so sei es ihm leicht gefallen, an Lieferanten zu kommen. Zudem habe er begonnen, in Europa nach Lagerbeständen zu suchen – und diese aufzukaufen. Nicht nur Masken, sondern auch Desinfektionsmittel, Handschuhe und Schutzanzüge standen auf seiner Liste. „Nur, dass ich Klopapier verkaufe, stand niemals zur Debatte, weil das ist einfach ein Joke“, sagt er. „Es gab nie eine Knappheit beim Klopapier.“

Und was nicht knapp wird, wird nicht teurer. So dachte der Geschäftsmann F.. „Ich habe beinhart kalkuliert“, sagt er. Bereits im Februar ging die Webseite www.atemschutzmaske.at online. Während die österreichischen Behörden noch keine zehn Fälle in Österreich identifiziert hatten und sich in den Skigebieten singende Touristen in den Après-Ski-Bars in den Armen lagen, erreichten F. bereits etliche Mails mit verzweifelten Anfragen aus dem ganzen Land.

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Ein Zeitungsartikel bringt Kunden – auch staatliche

Am 26. Februar hatte er im Boulevardblatt Heute eine Geschichte lanciert. „Unternehmer verschenkt 3,5 Mio. Schutzmasken“, lautete der Titel. Sie handelte von einem anonymen 35-Jährigen, der auf wundersame Weise mitten am Beginn der Viruskrise in der Lagerhalle einer stillgelegten Fabrik in der Slowakei eine riesige Menge an Masken gefunden hatte. „Dabei handelt es sich um echte Seuchenmasken, die übers halbe Gesicht gehen, und nicht bloß um Chirurgenmasken“, zitiert die Zeitung den anonymen Helden. 50.000 Masken würde er am Flughafen Wien kostenlos auflegen, den Rest an Behörden, Konzerne und NGOs verschenken. Am Ende des Artikels stand die Adresse der Website und eine Telefonnummer.

Noch am selben Tag füllte sich seine Mailbox. F. zeigt einige der Anfragen auf seinem Handy: Rettungsdienste, Polizisten, Pflegeheime. Ihnen habe er kleinere Mengen geschickt. Nebenbei verkaufte er die Masken. Durch den Heute-Artikel fanden Kunden auf seine Website, die bereit waren, Preise von bis zu 40 Euro für eine hochwertige Maske zu bezahlen.

Aber auch staatliche Großaufträge landeten bei ihm: Da ist zum Beispiel die niederösterreichische Landesgesundheitsagentur, die für die 23 Landeskliniken, drei Universitätskliniken und 48 Pflegeheime einkauft. Sie bestellte 25.000 FFP2-Masken mit Ventil um insgesamt 172.500 Euro über die Website. Der Stückpreis betrug 6,90 Euro – verglichen mit der Zeit vor der Krise noch immer viel, aber weit weg von den Preisen, die F. in seinen Shops verrechnet.

Ein Sprecher der Landesgesundheitsagentur bestätigt das Geschäft, man habe die Masken auch vom Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen prüfen lassen – sie funktionieren. Im April orderte dann beispielsweise die Universitätszahnklinik in Wien 5.000 Stück dringend benötigte FFP3-Masken über www.atemschutzmaske.at. In einer der Boxen in F.s Laden liegt die Bestellung eines niederösterreichischen Pflege- und Betreuungszentrums: 2.500 FFP2-Masken ohne Ventil, 3.000 OP-Masken. Als Bestelldatum ist der 20. Mai 2020 vermerkt.

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Das Geheimnis des Erfolges

Wieso schafft es ein Handyshopbetreiber, an Masken zu kommen, und der Staat nicht? Klar ist, dass Emad F. Risiken auf sich genommen hat, zu denen andere nicht bereit waren. Noch weit in den März hinein flog er mehrmals die Woche, wie er mittels Boardingkarten belegen kann: Sofia, Frankfurt, Istanbul, London. Er traf sich mit Händlern, schickte live Fotos von der Ware an seine ungeduldig wartenden Kunden, bezahlte Beträge über 100.000 Euro in bar. Wo sich andere an alle möglichen Regeln der Vorsicht halten, ist er bereit, das Geschäft voranzustellen.

Nicht alle seine Kunden wissen, bei wem sie da eigentlich ihre Masken geordert haben. Ein Sprecher der Universitätszahnklinik sagt, ein Emad F. sei dort nicht bekannt, man kenne nur www.atemschutzmaske.at. Diese Anonymität ist F. nur recht. Er würde gerne im Hintergrund bleiben. In Zeitungsartikeln tritt er unter seinem Pseudonym „Elsa Dodi“ auf.

Wie Emad F. das alles geschafft hat und wer ihm dabei geholfen haben könnte, bleibt im Dunkeln. Addendum führte in den vergangenen Wochen mehrere Gespräche mit dem 35-Jährigen, schickte ihm schriftlich einen 32 Punkte umfassenden Fragenkatalog. Dieser blieb unbeantwortet, F. erklärt sich lieber mündlich. Nur, dass er auch dann nicht alles sagt.

Fest steht, dass Emad F. schon vor der Corona-Krise über ein Netzwerk verfügte, das für den Betreiber einer Kette von Reparaturshops für Handys doch eher ungewöhnlich anmutet.

Das zeigt sich an den Maskenläden, die er in kürzester Zeit aus dem Boden gestampft hat: Neben dem Geschäft in der Wiener Einkaufsmeile Mariahilfer Straße 72 firmiert nun auch ein zweites in der Nobel-Shoppingstraße Kärntner Straße 47 unter dem Namen www.atemschutzmaske.at.

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„House of Hemp“ und die Slowakei

Ersteres habe ihm der Eigentümer „überlassen“, ein Freund. Der zweite Maskenshop werde eigentlich von einem Unternehmen betrieben, das dort bis vor kurzem eine Filiale der Kette „House of Hemp“ unterhielt, die das Cannabisprodukt CBD verkauft. Das Geschäftslokal wurde hastig umgebaut, an Fenstern im ersten Stock kleben noch Hanfblattsticker. Eine Mitarbeiterin erzählt, dass sie für den CBD-Store arbeitet. Dessen Besitzer ist laut F. ebenfalls ein Freund. Er entpuppt sich als Ferrari-Liebhaber und Schwiegersohn eines bekannten irakischen Geschäftsmanns, dem in der Wiener Innenstadt etliche Immobilien gehören.

Und noch ein ungewöhnlicher Freund taucht im Geschäftsumfeld von F. auf: Er heißt Ludovit Goga, ist 51 Jahre alt und slowakischer Nationalratsabgeordneter der rechtspopulistischen Partei Sme Rodina („Wir sind eine Familie“). Die sitzt seit kurzem in der slowakischen Regierung, stellt drei Minister. Nationalratspräsident und Parteigründer Boris Kollár ist Gogas Halbbruder.

In Österreich fiel Goga bislang nur am Rande auf: Im Jahr 2015 war er EU-Spitzenkandidat der Sme Rodina, die sich mit der FPÖ verbündet hatte. In seinem Lebenslauf rühmt sich der Slowake seiner politischen und gesellschaftlichen Kontakte nach Österreich – dabei vor allem zur FPÖ, die ihn auch als Vortragenden an ihr Bildungsinstitut eingeladen hat. Auch den italienischen Lega-Chef Matteo Salvini und die französische Rechtsaußen-Politikerin Marine Le Pen hat er getroffen.

Mit dem Sohn ägyptischer Einwanderer verbindet den slowakischen Rechtspopulisten aber eher das Geschäft, nicht die Politik: So gehört die Handyshopkette MobiNil laut Firmenbuch dem Slowaken – und nicht dem Vierfach-Staatsbürger F.. Auch in anderen österreichischen und slowakischen Firmen tauchen beide Namen auf, manchmal geben sie dieselbe Adresse an.

Ob Goga etwas mit dem Maskengeschäft zu tun hat? Ob er wusste, dass F. in der Slowakei angeblich rund 3,5 Millionen Masken in einem alten Lagerhaus gefunden haben will und nach Österreich gebracht hat, um sie online und auch über zwei Wiener Läden zu verkaufen?

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Ludovit Goga (li.) mit seinem Halbbruder und Parteigründer Boris Kollár und dem slowakischen Premierminister Igor Matovic.

Viele offene Fragen

Der slowakische Politiker verspricht ein Telefonat zu einem späteren Zeitpunkt, hebt dann aber nicht mehr ab. Eine schriftliche Anfrage bleibt unbeantwortet. Auch F. möchte sich nicht zu seinem Freund und Geschäftspartner äußern, nur so viel: Er habe Goga vor acht Jahren beim Golfspielen kennen gelernt. Mit den Masken habe der Slowake aber rein gar nichts zu tun. Fest steht aber, dass er einen Teil seines Geschäfts über ein slowakisches Unternehmen abwickelt, in dem Goga vor ein paar Jahren Prokurist war. Es heißt „Lu&Do“ – für Ludovit und Dodi.

Warum die beiden über ihre Freundschaft schweigen, bleibt genauso unklar wie die genauen Umstände des mysteriösen Maskenfundes in der Slowakei. Am Ende lässt sich nicht feststellen, woher die Ware stammt, die auch in österreichischen Kliniken, Rettungswägen und Pflegeheimen landete.

Bald könnten diese und andere unangenehme Fragen für Emad F. ein Ende haben. Er überlegt zuzusperren, müsste nur noch das Lager leeren, ein paar Schachteln verkaufen. Seine beiden Läden und die Website könnten genauso schnell wieder verschwinden, wie sie erschienen sind. „Ich bin ja kein Maskenhändler, ich will das nicht ewig machen“, sagt er.

Die Eile hängt wohl damit zusammen, dass seine Geschäftspraktiken aufgefallen sind: Der Verein „Schutzverband gegen unlauteren Wettbewerb“ spricht von „mehreren Beschwerden“. So prangte auf www.atemschutzmaske.at unter dem Punkt „Partner und Referenzen“ mehr als ein Dutzend Logos bekannter Unternehmen – etwa der Fußballverband ÖFB, der Versicherer Generali oder die Elektronik-Hersteller Sony. Nur: Die meisten von ihnen wussten nicht, dass sie mit ihrem Namen einen Maskenshop bewarben. Jedes Mal, wenn sich jemand darüber beschwert hat, habe er das Logo herunternehmen lassen, sagt F.. Heute sind alle verschwunden.

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Die Behörden werden aufmerksam

Doch das ist nicht alles. Die gesamte Konstruktion rund um den Maskenhandel ist verwirrend: Wer in einem der beiden Wiener Geschäfte von www.atemschutzmaske.at einkauft, erhält eine Rechnung, auf der „Elsa Holding GmbH Flughafen Wien Ankunftshalle Stand 2“ steht, darüber das Logo des Handyshops „Mr. Mobile“. Im Mietvertrag für die Mariahilfer Straße 72 soll laut F. eine „Mobi GmbH“ stehen, die Shop-Verkäufer kämen von der „MobiNil“. In der Kärntner Straße laufe alles über den Inhaber des CBD-Stores, er bekomme nur Kommission.

Den Wiener Gewerbebehörden kommt jedenfalls irgendetwas komisch vor. In einem Schreiben vom 6. Mai drohen sie, die Schlösser in der Kärntner Straße 47 auszutauschen. Auch das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen hat bereits eine Untersuchung eingeleitet. Das Begehr: F. möge die notwendigen Papiere für einige Waren liefern, die er verkaufe. Denn im Boulevardblatt Österreich stand, in dem Geschäft in der Kärntner Straße gäbe es „nicht nur 27 Millionen Corona-Schutzmasken sondern auch 10.000 COVID-19-Schnelltests“ zu kaufen.

F. sagt, er habe niemals COVID-19-Tests verkauft. Er könne nichts dafür, wenn in einer Boulevardzeitung falsche Informationen abgedruckt werden. Überhaupt fühlt er sich von den Behörden schikaniert: Auf der einen Seite habe es der Staat nicht geschafft, alle Krankenhäuser, Pflegeheime und Rettungskräfte zu versorgen. Er habe mit seinen Kontakten die dringend benötigten Masken aus aller Welt herbeigeschafft. Zum Dank werde er nun ständig überprüft.

Es ist nicht nur das Gerede eines Mannes, der sich aus schweren behördlichen Problemen herauswinden möchte. F. hat in der Not eine Lücke gefüllt. Er lieferte hochwertige Atemschutzmasken an medizinische Einrichtungen zu einigermaßen vernünftigen Preisen, als diese offenbar von niemand anderem ausreichend oder leistbar versorgt werden konnten.

Ein Held ist der 35-Jährige deswegen noch lange nicht. Das zeigt ein Besuch in seinen Geschäften: In den Regalen liegen OP-Masken, von denen die Herkunftsbezeichnungen heruntergekletzelt wurden. Auf der Rückseite einer weißen FFP3-Maske des US-Herstellers 3M steht „Not intended for resale“. Neben manchen Masken stehen eingerahmte Zertifikate. Sie sollen belegen, dass die hier ausgestellte Ware geprüft ist. Doch eines stammt von einem italienischen Institut, das nicht befugt ist, Schutzmasken zu testen. Es steht auf einer EU-Liste, die verhindern soll, dass in der Krise gefälschte Produkte in Umlauf gebracht werden.

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Testmaske: Nicht ganz dicht

Und dann: eine in unbedrucktes Plastik verpackte Maske mit überdimensioniertem Nasenbügel, zwei schwarzen Ventilen, sie kostet 29,90 Euro. Keine Gebrauchsanweisung, keine Seriennummer, kein Hinweis auf den Hersteller. Dasselbe Modell trägt F., als ihn ein Fotograf für die österreichische Nachrichtenagentur APA ablichtet. Auch das Boulevardblatt Österreich druckte ein Bild des Stückes ab, dort heißt es „Darth-Vader-Filtermaske“.

Auf www.atemschutzmaske.at wird das stylish aussehende Teil als „Atemschutzmaske FFP3 black“ beschrieben, dazu wird ausgeführt: „Empfohlen gegen Coronavirus – Antivirale Maske mit Schutzventil TYP FFP3, SCHUTZ 99,95%“. Das klingt nach echter Qualitätsarbeit.

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Addendum beschließt, die Maske zu testen. Das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen (BEV) erklärt sich bereit, eine nur zwei Stunden dauernde Vorprüfung. vorzunehmen. Dabei wird getestet, wie viele Partikel von der Maske abgehalten werden. Das Ergebnis: Sie fällt durch.

„Die Abweichung ist derart groß, dass diese Maske eine umfangreichere Prüfung mit großer Wahrscheinlichkeit nicht bestehen würde“, sagt Robert Edelmaier, BEV-Vizepräsident. Der Testkauf aus dem Shop würde wohl nicht einmal für die zweithöchste Kategorie FFP2 taugen.

Als F. mit dem Testergebnis konfrontiert wird, ist er für einen Moment still. Dann spricht er schnell von anderen Ventilen, die man einsetzen müsse, und dass die Masken ohnehin niemand kaufen würde. Er habe außerdem aufgehört, diese Modelle im Shop als FFP3 zu bewerben.

Ob er nicht ein schlechtes Gewissen habe, wenn er unbrauchbare Produkte an Menschen verkaufe, die sich in Sorge um ihre Gesundheit an ihn wenden – und dafür auch noch horrende Preise bezahlen? „Ich glaube ja selber nicht, dass sich die Leute mit diesen Masken schützen sollten“, sagt der Maskenkönig. Er verkauft die Masken nur. Tragen sollen sie die anderen. 

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Diese Prüfung soll für Hersteller, Importeure oder Einkäufer schnell klären, ob grundlegende Mängel bestehen. Prinzipiell werden bei diesem Test mindestens sechs Masken des gleichen Modells getestet. Addendum brachte nur eine, der Test ist also nicht mit der üblichen Menge durchgeführt worden. Um schlussendlich eine Zertifizierung zu erlangen, muss eine größere Anzahl an Masken einer umfangreicheren Prüfung unterzogen werden, der sogenannten CPA-Prüfung. Aus der Vorprüfung lässt sich jedoch schließen, welche Masken bei einer erweiterten Prüfung nur wenig Chance hätten, zu bestehen.

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