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Die österreichische Corona-Ampel
29. Juli 2020 Coronavirus Lesezeit 4 min
Eine Corona-Ampel könnte dabei helfen, dass das Leben überall dort normal weitergehen kann, wo es kaum noch Corona-Fälle gibt. Die Idee hinter dem Corona-Ampelsystem: Die Strenge der Schutzmaßnahmen richtet sich unter anderem nach der Anzahl der Fälle vor Ort.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Coronavirus und ist Teil 96 einer 104-teiligen Recherche.

Nun bekommt Österreich also doch eine Corona-Ampel. Während Gesundheitsminister Rudolf Anschober sich noch im April strikt gegen eine Regionalisierung der Corona-Schutzmaßnahmen aussprach, kündigte er nun für September ein regionales Ampelsystem an.

Bereits ab Mitte August startet eine erste Testphase, im September soll sie dann in Regelbetrieb gehen, so Anschober. Die Ampel hat das Ziel, der Bevölkerung auf den ersten Blick – ähnlich der Lawinenwarnungen – mit „Rot über Orange und Gelb bis Grün“ zu vermitteln, wie hoch das Corona-Risiko auf Bundesebene und in den einzelnen Bundesländern jeweils aktuell ist.

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Für die jeweilige Einstufung werden vier Faktoren herangezogen: die Infektionszahlen der letzten sieben Tage, die Spitalskapazitäten, der Anteil positiver Tests sowie die Aufklärungsquote der Herkunft der Infektionen.

Eine Kommission soll darauf basierend eine Empfehlung über den Stand der Corona-Ampel in den Bezirken aussprechen. Und die Politik entscheide dann über die Konsequenzen.

Addendum hat die Entwicklung bestätigter Fälle pro Bezirk – an denen sich das Ampelsystem orientieren wird – seit Ende März visualisiert. Die Karte wird laufend aktualisiert.

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Wie viele Corona-Fälle gibt es in Österreich?

Da die Gesundheitsbehörden auf Ebene der Bezirke organisiert sind, dürfte die Veränderung der bestätigten Fälle auf Bezirksebene in Zukunft eine wichtige Basis für die Corona-Ampel sein.

Seit März veröffentlicht Addendum regelmäßig diese Zahlen. Aktuell wird die Veränderung der Fallzahl jedes Bezirks im zwei-Wochen-Vergleich dargestellt. Bezirke werden „grün“ gefärbt, wenn es in im Vergleich mit der Fallzahl vor zwei Wochen nicht mehr Fälle gibt. Erhöhungen werden auf einer Farbskala dargestellt, die bei zehn Fällen pro 10.000 Einwohner dunkelrot erreicht.

Wie die Veränderung der Werte bei der offiziellen Corona-Ampel dargestellt wird, und bei welcher Fallzahl welche Maßnahmen getroffen werden, ist noch nicht bekannt. Unklar ist daher auch, wie sich etwa der Corona-Cluster in St.Wolfgang auf die Ampel des Bezirkes ausgewirkt hätte.

Details zur Farbgebung und den Problemen der Datenlage finden Sie im Artikel Wo sich das Coronavirus in Österreich verbreitet .

Ein Problem einer Ampel auf Ebene der Bezirke stellt Wien dar. Die Bundeshauptstadt hat mehr Einwohner als einige Bundesländer, regionalere Daten sind aber nicht verfügbar. Ausbrüche, die in kleineren Bezirken ein Rot-Signal auslösen würden, würden in Wien durch die größere Einwohnerzahl keine Maßnahmen auslösen.

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Wie funktioniert die Corona-Ampel?

Das Corona-Ampelsystem

Wissenschaftler des Complexity Science Hub in Wien haben ein mögliches Ampelsystem für Österreich bereits entworfen.

Hat ein Bezirk seit mehr als 14 Tagen keine Neuinfektionen pro 10.000 Einwohner, schaltet die Ampel auf Grün. Das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus wird damit als niedrig eingestuft. Umgekehrt gilt: Gibt es mehr als zehn positiv getestete Fälle pro 10.000 Einwohner, schaltet die Corona-Ampel des CSH auf Rot.

Grundvoraussetzung ist, dass überall auch ausreichend viele Menschen getestet werden. Gesundheitsminister Rudolf Anschober kündigte hierzu ein österreichweites Testprogramm an, mit dem zwischen 25.000 und 30.000 freiwillige Tests pro Woche ermöglicht werden. Unter anderem sollen dadurch Infektionsketten in den zuletzt in Kritik geratenen Schlachthöfen und Logistikzentren frühzeitig erkannt werden.

In Deutschland ist die lokale Bewertung der Corona-Gefahrenlage bereits etabliert. Das Robert-Koch-Institut, die oberste deutsche Seuchenbekämpfungsbehörde, gibt folgende Empfehlung: Treten in einer Region innerhalb von sieben Tagen mehr als 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner auf, müssen Corona-Lockerungen wieder zurückgenommen werden. Gleichzeitig empfiehlt das RKI, mehrere lokale Parameter im Blickfeld zu haben. Es sollte etwa miteinbezogen werden, wie schwer die Menschen im Schnitt erkranken, also wie viele auf den Intensivstationen behandelt werden müssen.

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Martin Sprenger
ehem. Mitglied des Expertenbeirats im Gesundheitsministerium
Allgemeinmediziner und Public-Health-Experte, hat 1994 an der Medizinischen Universität Graz promoviert

Public-Health-Experte Sprenger befürwortet Corona-Ampel

Auch der Grazer Public-Health-Experte Martin Sprenger, der bis Anfang April Mitglied des Expertenbeirats im Gesundheitsministerium war, sprach sich schon sehr früh für ein Ampelsystem aus:

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„Das Ampelsystem eignet sich sehr gut für die darauf basierende Risikokommunikation. Schließlich ist es für alle Bereiche unserer Gesellschaft wichtig, welche Vorkehrungen getroffen und welche Regeln beachtet werden müssen. Im Modus Grün braucht kein Mensch Masken zu tragen, herrscht in den Kindergärten und Schulen Normalbetrieb, werden in der Regelversorgung alle Menschen gut betreut, sind soziale Begegnungen, Feiern, Freizeitaktivitäten, aber auch Gasthausbesuche mit geringen Einschränkungen möglich.“

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Gleichzeitig betonte Sprenger aber, dass eine einfache Verkehrsampel mit den Farben Grün, Gelb und Rot vielleicht etwas zu kurz gegriffen wäre:

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„Ob die drei Farben Grün, Gelb und Rot für die Corona-Ampel ausreichen, muss noch intensiv diskutiert werden. Vieles spricht dafür, aber vieles spricht auch für eine verfeinerte Skala mit den Farbtönen Hell- und Dunkelgrün oder die Farbe Orange.“

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Der Artikel wurde am 29. Juli 2020 um 16.15 Uhr aktualisiert.

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