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Braucht Österreich eine Corona-Ampel?
26. Mai 2020 Coronavirus Lesezeit 3 min
In Deutschland werden die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie je nach regionalem Infektionsgeschehen unterschiedlich festgelegt. Ein Modell für Österreich?

Anfang März stieg die Anzahl der bestätigten Corona-Infizierten in Österreich stark an. Die Folge war ein Lockdown für das ganze Land. Aus Mangel an Daten und aufgrund von geringen Testkapazitäten konnte man zum Zeitpunkt des ersten Ausbruchs noch nicht wissen, wie stark manche Regionen wirklich betroffen waren.

Das hat sich mittlerweile geändert. Es gibt immer mehr Gebiete , in denen es seit mehr als 14 Tagen keinen einzigen neuen bestätigten Corona-Fall mehr gibt. Stellt sich die Frage: Warum soll etwa ein Bezirk, in dem es schon länger keine Infizierten mehr gibt, gleich behandelt werden wie einer, in dem es nach wie vor viele Fälle gibt?

Die Regierung macht aktuell im Umgang mit der Corona-Pandemie nach wie vor keinen Unterschied zwischen stark und kaum betroffenen Regionen. Die einzige Ausnahme waren Quarantänemaßahmen, die nur einzelne Gemeinden in Tirol, Kärnten und Salzburg betroffen haben.

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Alternative Corona-Ampelsystem

Eine mögliche Alternative würde ein Corona-Ampelsystem liefern. Die Idee dahinter: Die Strenge der Schutzmaßnahmen richtet sich nach der realen Infektionsgefahr. Wissenschaftler des Complexity Science Hub in Wien haben so ein Ampelsystem für Österreich entworfen. Hat ein Bezirk seit mehr als 14 Tagen keine Neuinfektionen pro 10.000 Einwohner, zeigt die Ampel auf Grün. Das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus wird damit als niedrig eingestuft. Umgekehrt gilt: Gibt es mehr als zehn positiv getestete Fälle pro 10.000 Einwohner, schaltet die Ampel auf Rot. Grundvoraussetzung bleibt natürlich, dass überall auch ausreichend viele Menschen getestet werden.

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Der deutsche Weg

Während man in Österreich aktuell noch auf allgemeingültige Verordnungen setzt, geht man in Deutschland einen anderen Weg. Dort gibt das Robert-Koch-Institut, die oberste Seuchenbekämpfungsbehörde, folgende Empfehlung: Treten in einer Region innerhalb von sieben Tagen mehr als 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner auf, müssen Corona-Lockerungen wieder zurückgenommen werden. Die Region wird sozusagen auf Rot geschaltet. Ist dem nicht so, wird ein normaleres Leben relativ rasch wieder möglich. Gleichzeitig empfiehlt das RKI, mehrere lokale Parameter im Blickfeld zu haben. Es sollte etwa miteinbezogen werden, wie schwer die Menschen im Schnitt erkranken, also wie viele auf den Intensivstationen behandelt werden müssen. Entscheidend ist außerdem, ob im Falle neuer gehäufter Erkrankungen ausreichend getestet werden kann und ob es genügend Personal gibt, um den Infektionsketten nachzugehen und sie zu unterbrechen. Im Unterschied zu Österreich setzt Deutschland also auf eine lokale Bewertung der Corona-Gefahrenlage – verbunden mit regional differenzierten Lockerungen.

Wir haben den Maßstab des Robert-Koch-Instituts für Österreich durchgerechnet. Das Ergebnis: In vielen Bezirken wurde der deutsche Richtwert bisher nie überschritten. Der Höhepunkt war am 28. und 29. März, als der RKI-Grenzwert in 38 von 94 Bezirken erreicht war.

Die Wiener Wissenschaftler des Complexity Science Hub betonen allerdings, dass es auch COVID-19-Erkrankte gibt, die nicht getestet wurden oder sich einfach nicht melden und so die Statistik hinter dem Ampelsystem leicht verfälschen können.

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Eine Ampel für Österreich?

Ob ein solches Ampelsystem auch in Österreich kommen könnte, ist derzeit noch offen. Für die Bundesregierung kam eine Corona-Ampel zwar zunächst nicht infrage, jedoch fordern Landeshauptleute zunehmend regional unterschiedliche Maßnahmen. Deshalb signalisierte Bundeskanzler Sebastian Kurz nach anfänglicher Ablehnung Gesprächsbereitschaft. Daran werde aktuell gearbeitet.

Mittlerweile gibt es auch ausreichend Testkapazitäten, um bei einem Wiederanstieg der Infektionszahlen regionaler und treffsicherer zu reagieren. Eine Corona-Ampel könnte dabei helfen, dass das Leben überall dort wieder normaler wird, wo es eben kaum noch Corona-Fälle gibt. 

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