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27.03.2020

Alles begann in Wuhan, der Hauptstadt der Provinz Hubei: Die chinesische Metropole mit elf Millionen Einwohnern gilt als Epizentrum der Pandemie. Der Zeitpunkt des Ausbruchs war fatal: Wegen der Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahrsfest reisten Millionen Chinesen in ihre Heimatstädte. Allein in den ersten drei Jännerwochen verließen sieben Millionen Menschen Wuhan – auch in Richtung Peking und Shanghai, wo es erste Infektionen gab, noch bevor die chinesische Regierung das Übertragungsrisiko der Krankheit offiziell anerkannte.

Maßnahmen für Wuhan, aber nicht für andere chinesische Metropolen

Am 23. Jänner riegelte das Regime zwar Wuhan ab, von anderen Metropolen der Volksrepublik waren Reisen aber weiterhin möglich. In Österreich gab es für Einreisende aus China keine Maßnahmen, sofern sie nicht aus der Risikoregion Hubei kamen. Selbst in den ersten drei Februarwochen landeten 15 Flüge aus China in Österreich. Am 27. Februar flog die vorerst letzte Maschine der Fluggesellschaft Air China zwischen Peking und Wien. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits 13.000 bestätigte Corona-Fälle außerhalb der Region Hubei.

Spätes Landeverbot für Flugzeuge aus Italien

Auch mit Italien, dem ersten europäischen Land, in dem sich das Coronavirus ähnlich rapide wie in China ausgebreitet hat, wird der Flugverkehr nur langsam eingeschränkt. Erst nachdem sich in Italien zumindest 9.000 Einwohner infiziert hatten, verordnet die Regierung am 9. März den Stopp des Flugverkehrs mit Norditalien. Tags darauf wird das Landeverbot auf ganz Italien erweitert, noch bevor der eingeschränkte Stopp vom Tag davor in Kraft tritt.

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Am 17. März verpflichtete das Gesundheitsministerium alle Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten, sich 14 Tage in Heimquarantäne zu begeben. Dazu gehören nun neben Italien und China auch Länder wie Spanien oder das Bundesland Tirol. Am 20. März wurde dann nachgeschärft: Alle über den Luftweg einreisenden Rückkehrer werden dazu verpflichtet, sich in eine selbstüberwachte Heimquarantäne zu begeben.

Israel sperrte Einreise früh

Israel reagierte dagegen frühzeitig: Am 4. März verhängte das Land einen Einreisestopp gegen Österreich und fünf europäische Staaten. Rückkehrer mit israelischem Pass wurden dazu verpflichtet, sich für 14 Tage in häusliche Quarantäne zu begeben. Im israelischen Fernsehen sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz, dass die Warnungen von Premierminister Benjamin Netanjahu dazu geführt hätten, Maßnahmen zu treffen. „Gott sei Dank ist es uns gelungen, dass wir schneller reagiert haben als europäische Staaten, was die Grenzschließung betrifft. Aber auch, was Maßnahmen in Österreich betrifft.“ Auf die Frage, warum das Gesundheitsministerium nicht schon Anfang März oder früher Landeverbote für Flugzeuge aus Risikogebieten aussprach, erhielt Addendum keine Antwort. 

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Nachdem dutzende Länder Einreisestopps verhängt hatten, startete das Außenministerium eine umfassende Rückholaktion. Zwischen 3. und 21. März führte das Außenministerium 21 Notflüge aus zwölf Destinationen durch und brachte 3.500 Menschen zurück nach Österreich. Weitere sind geplant.

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Neben diesen Passagierflügen gehören zu dieser Kooperation des Außenministeriums und der Fluglinie Austrian Airlines auch zwei Frachtflüge nach Xiamen in China. Mit diesen Flugzeugen wurden am 23. März 130 Tonnen Schutzausrüstung nach Österreich gebracht. Passagiere landen zumindest vorerst aus China keine mehr. 

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Methodik:

Flightradar24 ist der größte Flug-Tracking-Dienstleister weltweit. Auf der Plattform werden historische sowie Live-Daten über Flugzeuge zur Verfügung gestellt. Für diese Analyse wurde uns einen Datensatz aller Flügen der letzten zwei Monate, die in Österreich gestartet oder gelandet sind, zur Verfügung gestellt. Nichtkommerzielle Flüge, sowie solche wo der Abflugort, Ankunftsort oder die Flugnummer nicht vorhanden waren, wurden herausgefiltert. Die Flugnummern der Rückholflüge haben die Fluglinien Austrian Airlines und Laudamotion zur Verfügung gestellt.

27.03.2020

Das Rechercheteam

Danijel Beljan
Gerald Gartner

Gerald Gartner kuratiert, analysiert und visualisiert große Datenmengen zu politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen. Er lehrt an der Fachhochschule Wien. Davor war er für derStandard.at und NZZ.at in Wien tätig.

Valentin Peter
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