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Corona-Kampf statt Bürgerrechte:
„Der normale Mensch wird gefährlich“

Harald Haas beobachtet und erforscht seit vielen Jahren Phänomene der Massenpsychologie. Hörigkeit und vorauseilender Gehorsam großer Gruppen gegenüber ihren Regierenden sei ein Mechanismus, der nur schwer erkennbar und noch schwerer zu stoppen sei. Entwicklungen in diese Richtung seien bei uns bereits zu beobachten.

Interview
23.03.2020

Zur Bekämpfung des Coronavirus hat die Regierung tief in die persönliche Freiheit der Bürger eingreifende Maßnahmen verordnet. Maßnahmen, die bei vielen auf fast bedingungslose Akzeptanz stoßen. Überrascht Sie diese Loyalität?

Harald Haas: Eher nicht. Die Massenpsychologie lehrt uns spätestens seit Le Bon, dass sich Menschen vor allem in Krisenzeiten, unter dem Eindruck einer Bedrohung, zu einer uniformen Masse zusammenschließen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Bedrohung objektiv vorhanden ist, oder nur als solche wahrgenommen wird, vielleicht auch nur konstruiert ist. Besonders gut funktioniert dieser ungemein starke massenpsychologische Mechanismus mit einer Bedrohung, die als unbekannt, also neu wahrgenommen wird. Etwa ein Virus wie das Coronavirus.

Und wie?

Die Masse schafft Gleichheit unter ihren Mitgliedern, wenn man so will, dann sind vor dem Virus alle Menschen gleich, auch das eint. Wesentlich sind die Ängste und Erwartungen der Mitglieder. Je reifer die Gruppe, desto niedriger das Angstpotential, wobei mir dieses Angstpotential in der gegenwärtigen Situation als ziemlich hoch erscheint. Vernunft und rationales Handeln können wir folglich nur sehr begrenzt erwarten, das Unbewusste regiert. Hat sich so eine Masse gebildet, folgt sie nahezu unbedingt jedem Führer, der ihr suggerieren kann, er sei ihr Heilsbringer, ihr Schutz vor der Gefahr genauso wie vor ihrem Zerfall.

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Harald Haas

(Jg. 1965), Psychologe und Politologe

Einen großen Teil seines Berufslebens verbrachte er im Ausland. Sechs Jahre lang lebte er im von Israel abgeriegelten Gazastreifen, wo er die psychologischen Grundlagen des Nahostkonflikts hautnah – und regelmäßig selbst unter Raketenbeschuss und Lebensgefahr – erforschte. Eines seiner wissenschaftlichen Hauptinteressen gilt der Massenpsychologie.

Seine Untersuchungen dazu brachten ihm Lehrtätigkeiten an der Universität Klagenfurt, der ETH Zürich, in Israel und in Gaza ein.

Und deshalb gibt man gleich seine Freiheit auf? Klingt schon sehr einfach.

So ist es aber. Die Identität der Masse ist mehr als die Summe ihrer Teile. Massen entwickeln eine eigene Identität, eine eigene Persönlichkeit, ihre Mitglieder geben ihre Ich-Identität weitgehend auf und verschmelzen zu einem neuen Ganzen.

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Wo sieht man solche Phänomene?

Eine vergleichsweise harmlose Form sind die jeweiligen Fan-Massen mit ihren Schlachtgesängen in Fußballstadien, wobei auch diese immer wieder in kollektive Gewaltexzesse kippen. Die schlimmsten Ausprägungen erlebten wir z.B. während der NS-Zeit. Massen, deren Mitglieder ihre Individualität völlig aufgeben, begehen sogar schlimmste Verbrechen, für die sich deren Mitglieder nicht im Geringsten individuell verantwortlich fühlen. Die Masse mordet, nicht der Einzelne.

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Ist dieser Mechanismus beherrschbar?

Kaum. Deshalb ist er so gefährlich. Die Masse selbst entzieht sich unserem bewussten Zugang. Zumindest dann, wenn man Teil von ihr ist. Oder einfacher formuliert: Man rutscht hinein, und merkt es gar nicht. Es bedürfte eines „neuen Menschen“, einer Weltgesellschaft, deren Mitglieder in einer Art und Weise aufwachsen, die es ihnen erlaubt, sich frei zu entwickeln. Menschen, die von Beginn ihres Lebens lernen, dass sie soziale Wesen sind, denen es erlaubt ist, sich selbst zu lieben und dadurch einen empathischen Zugang zu anderen Menschen zu entwickeln. Auch in unserer modernen Gesellschaft zielt die Kindererziehung nach wie vor weitgehend darauf ab, ein „funktionierendes“ Mitglied zu werden, sich unterzuordnen und zu gehorchen. Hitler hat das als „jedes Kind ist eine Schlacht“ bezeichnet. Ich halte die heute lebenden Menschen diesbezüglich für bereits weitestgehend verlorene Generationen. Es bedürfte verantwortungsvoller Führung, sie in einigermaßen menschliche Bahnen zu lenken und dort zu halten, ebenso wie der human-orientierten Erziehung zukünftiger Menschen.

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Dabei gilt persönliche Freiheit als eine der zentralen Errungenschaften der sogenannten zivilisierten Welt. Erscheint Ihnen das jetzt gefährdet?

Der Politologe in mir ist erstens in höchstem Maße darüber erschrocken, wie Grundrechte, die über Jahrhunderte hinweg erkämpft und seit Jahrzehnten hochgehalten wurden, mit einem Streich weggewischt wurden. Die Zwangsmaßnahmen, die wir jetzt erleben, werden unser Land gesellschaftlich und politisch verändern. Wir können uns wohl darauf einstellen, dass solche Befugnisse künftig öfter genutzt werden. Gesundheitsminister Rudolf Anschober hat in einem Radiointerview vergangenen Samstag gesagt, er freue sich darauf, nach Überstehen der Corona-Krise auch die Klima-Krise mit einer ähnlichen politischen Konsequenz anzugehen. Ich persönlich empfinde das als eine Drohung.

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Ö1 Mittagsjournal, 14. 3. 2020

Interviewer:
Sie sind Bundesminister der Grünen. Am Coronavirus zeigt sich ganz gut, dass drastische Maßnahmen möglich sind, wenn es um viele Menschenleben geht. Bei der Erderhitzung, beim Feinstaub, geht es auch um viele Menschenleben. Warum, denken Sie, kommt es hier zu nicht so drastischen Maßnahmen, und vielleicht sogar zu überhaupt keinen Maßnahmen?

Rudolf Anschober:
Es ist wirklich beachtlich, dass es in kürzester Zeit geschaffene Gemeinschaft gegeben hat und gibt, die jetzt gemeinsam an der Umsetzung arbeitet. Und dass wir Dinge in die Wege geleitet haben, wo wahrscheinlich jeder vor einer Woche gesagt hätte, das ist unmöglich in Österreich. Dieses Denken werden wir beim Klimaschutz, bei der größten, globalen Krise die wir haben, genauso brauchen. Ich halte das für einen Lernprozess und ich freu’ mich darauf, dass dann, wenn wir die Corona-Krise gut überstanden haben, dass wir dann die Klima-Krise mit einer ähnlichen politischen Konsequenz angehen.

Und wie beurteilt der Psychologe in Ihnen die Gefährdung der persönlichen Freiheitsrechte?

Menschen tendieren in Notzeiten dazu, ihre sonst vielleicht kritische Haltung zu verlieren und sich – welchen Heilsbringern auch immer – anzuvertrauen. Das sehen wir jetzt überall, die Corona-Pandemie hat eine Art von Corona-Angst-Pandemie ausgelöst. Selbst viele Medien scheinen keine kritische oder distanzierte Haltung mehr gegenüber der Regierung und den von ihr gesetzten Zwangsmaßnahmen zu haben. In der beschränkten Wahrnehmung der Mitglieder der Massen gilt nur mehr eine Wahrheit, die nahezu bedingungslos akzeptiert wird und sei es der von oben verordnete Käfig, der Rettung verspricht. So gibt anscheinend auch ganz andere erfolgreiche Beispiele der Seuchenbekämpfung wie z.B. in Südkorea. Es wurde ursprünglich angenommen, dass es von der Corona-Pandemie besonders getroffen werde. Derzeit dürfte die Lage dort aber großteils unter Kontrolle sein. Ohne der Verordnung derart tiefgreifender Maßnahmen wie hierzulande, aber ohne Panik und mit Einsatz großer Mittel und eines klaren Plans. Solche Ansätze müssten auch diskutiert werden, ohne sie gleich zu verurteilen bzw. totzuschweigen.

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In Österreich hat die Regierung entschieden, dass Selbstisolation der beste Weg zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ist. Menschen, die das bezweifeln oder sich – wenn auch geringfügig – nicht an die Vorgaben halten, werden inzwischen als Feinde der Gemeinschaft bloßgestellt. Öffentlich. Von Medien, oder in sozialen Netzwerken. Warum?

Massen müssen sich nach außen hin abschotten, um ihre Massenidentität zu bewahren. Jede Art von Abweichlertum wird daher aus einer inneren Logik heraus sanktioniert. Die Masse sucht sich dafür Sündenböcke, die sie an den Pranger stellen kann, um Einheit zu gewährleisten. Auch im Fall der aktuellen Pandemie lässt sich das beobachten. Ein zutiefst gehässiges Denunziantentum hat begonnen, sich zu zeigen und ungeniert jene zu verfolgen, die aus irgendwelchen Gründen heraus die behördlich verfügten Zwangsmaßnahmen nicht befolgen. Sie zeigen, dass die Schicht unserer Kultur nur eine verhältnismäßig dünne ist. Ich nenne diese Aufpasser „Corona-Blockwarte“.

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Was treibt diese Menschen an?

Mehreres ist möglich. Selbst mit wenig Selbstwert ausgestattet könnten sie sich einmal groß fühlen, indem sie andere vorführen und erniedrigen. Sie könnten aber auch dem Mechanismus der Projektion folgen, indem sie Eigenes, das sie nicht leben dürfen und unterdrücken müssen auf andere projizieren. Niemand will eingesperrt sein. Trotzdem ordnen die meisten sich gehorsam unter, wenn auch widerwillig. Dadurch entsteht eine Dissonanz, die ein Ventil sucht. Man projiziert das eigene Ungelebte auf andere, bekämpft gewissermaßen sich selbst im Anderen, wenn man die Fehler anderer aufzeigt oder sanktioniert.

Ab wann wird das zum Problem?

In einem entwickelten Rechtsstaat ist alles erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten ist. Trotzdem machten sich schon in den Tagen unmittelbar vor Inkrafttreten des COVID-19-Gesetzes für die Zwangsmaßnahmen der Regierung Abweichlerjäger auf den Weg und prangerten jene an, die das taten, was nicht verboten war, sie eigneten sich so selbst Macht an. Insgesamt zeigt sich an diesem Phänomen meiner Ansicht nach, dass es meist der ganz normale Mensch, ausgestattet mit übergroßer Macht ist, der gefährlich wird.

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Aber gerade in Krisen zeigt sich doch, dass geordnete, streng hierarchische Strukturen Stärken haben. Darauf gründet – zum Beispiel – die Schlagkraft des Militärs.

Natürlich kann hartes, konsequentes Durchgreifen auch sinnvoll und sogar notwendig sein. In Demokratien stellt sich jedoch die Frage nach der Sinnhaftigkeit, des Nutzens für die Allgemeinheit, des Maßes und der kulturellen oder rechtlichen Begleitung. Etwa: Wo bleibt die parlamentarische Kontrolle? Das Maßnahmenpaket zur Bekämpfung der Corona-Pandemie kommt einem „Ermächtigungsgesetz“ gleich, das meiner Meinung nach die für unser Staatssystem enorm wichtige Gewaltenteilung zwischen Regierung und Volksvertretung zugunsten der Exekutive aufgehoben hat.

Was gefährdet den Staat mehr: Massenpsychologische Phänomene bis hin zur Selbstaufgabe, oder totalerer Individualismus mit nahezu unbegrenzter Freiheit?

Beides. Hier entstehen häufig Missverständnisse. Wir sprachen schon darüber: Der erwachsene Mensch ist das Produkt seiner – vor allem auch frühkindlichen – Biographie (wobei diese eine Erklärung, aber keine Entschuldigung bietet). Dabei wirkt sich antiautoritäre Erziehung genauso negativ aus wie autoritäre, beide erzeugen grenzenlose Wesen. Während sich die einen bedingungslos der Masse unterordnen, fühlen sich andere in keinster Weise gebunden oder sozial verpflichtet. Eine ideale Gesellschaft besteht aus Individuen, die selbstbewusst und selbstwirksam reife Entscheidungen für sich und das Kollektiv treffen können. Menschen, die ihre eigenen Grenzen kennen und die anderer respektieren.

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Die „Bild“-Zeitung titelte zuletzt eine Geschichte über Österreichs Kanzler Sebastian Kurz so: „So einen brauchen wir auch!“ Im Text wurde Angela Merkels Zurückhaltung bei einschneidenden Maßnahmen kritisiert, Kurz‘ Durchgreifen hingegen gelobt. Von Journalisten hört man derartiges selten.

Diese Entwicklung erscheint mir gefährlich. Gerade reichweitenstarke Boulevardmedien machen ja eher selten eigene Meinung, sondern verstärken bereits vorhandene. Es besteht meiner Ansicht nach die Gefahr, dass mit einer solchen Berichterstattung ein Führertyp heraufbeschworen und für salonfähig erklärt wird, der einfache, schnelle und vor allem harte Entscheidungen trifft, der die „eine“ Wahrheit und Lösung kennt und sie auch gegen Widerstand durchsetzt. Gerade nachhaltig-verantwortungsvolle Politik kann aber nie eindimensional sein, zu komplex sind die Sachverhalte, die sie zu bewältigen hat. Max Weber hat als notwendige Eigenschaften für Politiker Leidenschaft, Augenmaß und Verantwortungsgefühl eingemahnt. Während Merkel aus meiner Sicht zumindest Augenmaß und Verantwortungsgefühl zeigt, schließe ich nicht aus, dass Artikel wie der in der „Bild“ auch unabhängig vom Genannten eine Sorte Politiker feiern, bei denen aus der Sicht der Betrachter die Leidenschaft, oder das bloß charismatische, schlimmstenfalls ein destruktiv-narzisstische Führer im Vordergrund stehen.

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Wie lange funktioniert die Unterordnung der Masse? Der menschliche Drang nach Freiheit ist stark. Und sei es nur, vor die Tür zu gehen.

Viele fühlen sich derzeit eingesperrt. Die Befürchtungen der Frauenhäuser, dass es vermehrt zu häuslicher Gewalt kommen wird, erscheinen gerechtfertigt. Das dauernde Zusammenleben auf oft engstem Raum wird unweigerlich zu Konflikten im jeweiligen Mikrokosmos führen, von denen wir nicht unbedingt erwarten können, dass sie nachhaltig-konstruktiv gelöst werden können. Aus der Sicht der Psychologie werden wir unweigerlich immer wieder den Punkt erreichen, an dem die Masse, wie es Canetti schildert, Entladung braucht.

Entladung? Das hört sich problematisch an.

Das bei einer Entladung entstehende Wir-Gefühl schafft das Gefühl der Gleichheit. Mit etwas Glück läuft das ab wie mancherorts in Italien, wo die Menschen auf dem Balkon gemeinsam singen. Das wird jedoch nicht immer so ablaufen. Für die Führer dieser Massen ist es notwendig, sie zu zähmen und am Ausbruch zu hindern. Das geschieht in den meisten Fällen durch Zeremonien und Regeln. Die Zeremonien sehen wir heute in den Pressekonferenzen der Regierung, bei jeder von ihnen hoffen wir inständig darauf, dass es nur ein wenig schlimmer für uns werden wird. Die Regeln sind die Zwangsmaßnahmen, denen wir unterworfen sind ebenso wie die mantraartig wiederholten Beschwörungen des „Teams Österreich“. Wer wird es schon wagen, nicht Teil dieses Teams zu sein?

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Irgendwann werden Pressekonferenzen aber nicht mehr reichen.

Ich gehe davon aus, dass die Exekutive jetzt schon darauf eingestellt sein dürfte, dass sich der Druck der Masse auch in Gewalt entladen kann. Der Zeitpunkt, wann das passieren könnte, ob das überhaupt passieren wird, ist jedoch nicht vorherzusagen. Es kommt wohl auch darauf an, wie lange es die Regierung schafft, durch Zeremonien und Regeln den äußeren Feind, das Virus, hochzuhalten und nicht selbst zum Feind der Masse zu werden.

Gibt es ein auslösendes Moment dafür, dass ein demokratisch legitimierter Ausnahmezustand unter Zustimmung der Regierten ins Autoritäre kippt?

So ein Punkt ist recht einfach zu erreichen, wir haben es ja in den letzten Jahren sogar in mehreren EU-Mitgliedsstaaten beobachten können. Massen scharen sich um einen Führer, der über einen bestimmten Nimbus, ein Prestige oder einen ihm zugeschriebenen Zauber verfügt. Die Dynamik der Massenpsychologie erlaubt ihm dann Handlungen zu setzen, die normalerweise undenkbar sind, im schlimmsten Fall könnte er lügen, betrügen, stehlen oder morden, es würde ihm von den Massen verziehen.

Das funktioniert nicht bei jedem Politiker. Was zeichnet die, denen die Regierten fast alles nachsehen, aus?

Ihr Nimbus. Ein Führer mit Nimbus ist wie ein Elternbild, er ermutigt oder schüchtert ein, er gibt die Gefühle der von ihm Geführten wider Führer und Geführte bedingen einander deshalb auch, deshalb ist es wenig reif, über „die Politik“ zu schimpfen. Der Nimbus lähmt das Urteil der Geführten, ist aber auch stark erfolgsabhängig, steigen die Misserfolge, schwindet der Nimbus und der einstmals Gefeierte kann ganz tief fallen. In Hinblick auf die Situation in Österreich bräuchte es meines Erachtens neben verantwortungsvoller Führung auch ein hohes Maß an parlamentarischer Kontrolle, um Macht und eventuelle Machtauswüchse zu begrenzen. Ersteres kann ich noch nicht beurteilen, zweiteres sehe ich persönlich derzeit jedoch nicht. 

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23.03.2020

Interview

Andreas Wetz

Andreas Wetz mag Recherchen mit überraschenden Ergebnissen. Bei der Veröffentlichung halfen bisher „Kleine Zeitung“, „Kurier“ und „Die Presse“. Wenn er nicht recherchiert, fährt er Rad oder ist privat.

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