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Was Corona von SARS und der Grippe unterscheidet

Coronavirus, Influenza und Erinnerungen an SARS und MERS. Die Coronaepidemie bewegt China und die Welt. Warum SARS-CoV-2 gefährlicher ist als andere Erreger.

12.03.2020

Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 breitet sich seit 31. Dezember 2019 in der chinesischen Metropole Wuhan rapide aus. In der Provinz Hubei rund um das Epizentrum wurden bisher über 3.046 Tote vermeldet, im Rest der Welt 1.327. Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, werden in vielen Ländern, darunter auch Österreich, Veranstaltungen abgesagt und Schulen geschlossen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Krankheit COVID-19 am 11. März zur Pandemie erklärt, also zu einer Epidemie mit weltweiten Auswirkungen.

Pandemien wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder befürchtet. Inzwischen ist klar, dass COVID-19 sich viel schneller ausbreitet als SARS, MERS, Vogel- oder Schweinegrippe und auch die normale Grippe (Influenza). Wir haben uns Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Krankheiten angesehen.

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Sowohl das Corona- als auch das Grippevirus führen häufig zu Lungenentzündungen. Bevor SARS-CoV-2 entdeckt wurde, wurde bei betroffenen Personen zuerst eine virale Lungenentzündung mit unbekannter Ursache vermeldet. Beide Viren befallen Tiere und gehen unter gewissen Umständen auf Menschen über. Das kann über Tröpfcheninfektion, den Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder den Verzehr von Fleisch erfolgen, ebenso wie bei der Vogelgrippe und der Schweinegrippe in den Jahren 2003 und 2009. Auch das SARS-Virus 2002, das MERS-Virus 2012 und COVID-19-Virus übertrugen sich zuerst von Tieren auf den Menschen. SARS sprang damals vermutlich von Fledermäusen auf die Menschen über, das MERS-Virus war vor der Übertragung auf den Menschen eine bei Dromedaren verbreitete Krankheit.

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Zoonosen – wenn Tiere Menschen anstecken

Zoonosen sind Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden. Die eigentlichen Krankheitserreger können Prionen, Viren, Bakterien, Pilze und weitere Lebensformen sein. Grundsätzlich gibt es keinen Unterschied, ob die Krankheit vom Tier auf den Menschen oder umgekehrt übertragen wird, einige Krankheiten sind auch in beide Richtungen übertragbar.

Viele Epidemien entstehen beim erstmaligen Überspringen von Tieren auf Menschen, so geschehen bei Vogel- und Schweinegrippe oder den diversen Coronaepidemien. Nur wenige Krankheiten bleiben lange im öffentlichen Bewusstsein, die meisten reihen sich einfach in die Liste möglicher regionaler Erkrankungen ein. So befürchtet beispielsweise bei Ebola oder MERS niemand mehr eine weltweite Epidemie, obwohl es in einigen Regionen der Welt wegen dieser Krankheiten laut WHO einen medizinischen Notstand gibt.

SARS steht für Severe Acute Respiratory Syndrome, ist also eine virale Atemwegserkrankung, die ebenfalls über eine Art von Coronaviren übertragen wird.

MERS ist eine Abkürzung für Middle East Respiratory Syndrome, ebenfalls eine durch Coronaviren übertragene Atemwegserkrankung.

Das Virus, das Covid-19 auslöst, heißt offiziell SARS-CoV-2. Zur einfacheren Lesbarkeit wird im Text immer nur die Krankheit erwähnt, da die verschiedenen Namen sonst zu Verwirrung führen könnten.

109 Coronavirus

SARS: Zwei Jahre Epidemie

An diesen Krankheiten sieht man auch, wie rasch die öffentliche Aufmerksamkeit verschwindet. Im Fall von SARS war dies berechtigt. Es wurde Ende 2002 in der chinesischen Provinz Guangdong erstmals festgestellt, davor war das Virus gänzlich unbekannt. Die Krankheit verbreitete sich über Tröpfcheninfektionen rasch, es erkrankten 8.096 Menschen an dem Virus, 1.014 davon außerhalb Chinas und Hongkongs. Insgesamt starben 774 Menschen daran, das waren knapp unter 10 Prozent der erkrankten Personen. Seit Mitte 2003 wurden keine Erkrankungen mehr festgestellt, 2004 wurde der Gesundheitsnotstand für beendet erklärt. In Österreich wurde damals trotz täglicher Berichterstattung zu SARS kein einziger Verdachtsfall gemeldet.

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Eine Übertragung über kleine Partikel in der Luft ist also möglich.

Anders als bei der SARS-Epidemie wurde die von COVID-19 betroffene Region in China sehr schnell isoliert, wodurch eine weitere Ausbreitung unwahrscheinlicher wird. Abseits davon zeigt es bisher einen ähnlichen Verbreitungsverlauf. Erkrankte sind laut WHO-Berichten zumeist Personen, die kürzlich in der Region Wuhan in China waren oder Kontakt mit solchen Personen hatten. Die WHO hielt es für möglich, eine weltweite Verbreitung des Virus zu stoppen, sofern Verdachtsfälle rasch isoliert werden.

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MERS: Epidemie ohne Ende

MERS ist wie SARS eine Erkrankung, die durch Coronaviren übertragen wird, auch sie sprang von Tieren auf Menschen über. 2012 war das Virus entdeckt worden, es kam außerhalb der arabischen Halbinsel nur vereinzelt zu Fällen. Seit Entdeckung des Virus waren 2.494 Menschen erkrankt, 858 von ihnen starben an der Krankheit. Im Unterschied zu SARS ist das Virus aber nicht verschwunden, auch im Jahr 2019 wurden noch 151 Neuerkrankungen gemeldet. Auch MERS kann mittel Tröpfcheninfektion übertragen werden, von Mensch zu Mensch ist das aber nur selten der Fall.

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Grippe – jedes Jahr eine neue Gefahr

An der Grippe (Influenza) erkranken jedes Jahr zahlreiche Menschen. Auch sie kann sich zur Pandemie entwickeln. Durch die Spanische Grippe (ein H1N1-Virus) gab es im Jahr 1918 der amerikanischen Seuchenbehörde CDC zufolge rund 50 Millionen Tote. Sie gilt bis heute als eine der schwerwiegendsten Pandemien, durch den laufenden Weltkrieg und den dadurch schlechten Gesundheitszustand der Weltbevölkerung konnte sie sich weltweit beinahe ungehindert verbreiten. Auch die Asiatische Grippe (H2N2), die 1957 grassierte, und die Hongkong-Grippe (H3N2), die im Jahr 1968 wütete, hatten jeweils rund eine Million Tote zur Folge.

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Influenzaviren verbreiten sich jedes Jahr aufs Neue, weil sie sich permanent verändern. Jedes Jahr gibt es mehrere Abwandlungen der Krankheit, die gleichzeitig auftreten. Deshalb ist die Grippeimpfung umstritten. Es wird jährlich abgeschätzt, welche Viren am meisten verbreitet sein werden, und gegen diese wird geimpft. Damit die Wirksamkeit der Impfung erhöht wird, sind üblicherweise Wirkstoffe gegen bis zu vier Stränge (meist zwei Influenza-A-Viren und ein bis zwei B-Viren) in einer Impfung enthalten.

Prävention ist schwierig, weil die Grippesaison jedes Jahr anders abläuft; außerdem ist die Durchimpfungsrate in der Bevölkerung gering. Die Anzahl der Grippetoten stieg in den vergangenen Jahren rapide an.

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Eine genaue Ursache dafür ist nicht bekannt. Bei Detailbetrachtung zeigt sich aber, dass die Anzahl der Gestorbenen in den Alterskategorien über 70 Jahren besonders stark angestiegen ist. Das kann zu Zweifeln an der korrekten Erfassung der Todesursache führen, weil Vorerkrankungen und damit eine höhere Anfälligkeit bei älteren Menschen häufig sind.

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Starke Unterschiede bei der Mortalität

MERS oder die Vogelgrippe, die sich weiterentwickeln und permanent ein gesundheitliches Risiko darstellen, töteten bisher allerdings mehr Patienten als das neuartige Coronavirus. Hier schätzte die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass 3,4 Prozent der Infizierten die Krankheit nicht überleben. Fraglich ist, ob diese Zahl korrekt ist. Denn für eine richtige Berechnung gibt es mehrere potenzielle Fehlerquellen:

  • Die Zahl tatsächlich Infizierter stimmt oft nicht mit der Zahl bestätigter Fälle überein. Viele Fälle werden also nicht diagnostiziert. Das ist bei einer Krankheit, bei der vier von fünf Fälle nur sehr milde Symptome zeigen, wahrscheinlich.
  • Aktuell liegen aber zwischen den ersten Symptomen der Krankheit bis zur Genesung bzw. zum Tod zwei bis acht Wochen. Demnach sind aktuell Patienten noch krank, die zu einem späteren Zeitpunkt sterben werden.
  • Die Sterberate bei Epidemien ist nicht konstant. Bei den ersten Fällen in China starben 17,3 Prozent der Patienten. Weil sich die Behandlung der Patienten stark verbesserte, sank die Rate auf 0,7 Prozent. 

Gewissheit darüber, wie gefährlich das neuartige Coronavirus ist, wird es erst dann geben, wenn die Pandemie überstanden ist. 

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12.03.2020

Der Artikel wurde ursprünglich am 7. Februar veröffentlicht und am 12. März um 6 Uhr überarbeitet und aktualisiert.

Die Autorin

Stefanie Braunisch

Stefanie Braunisch ist neugierig. Während des Journalismusstudiums an der FH Wien hat sie begonnen, im Kulturbereich journalistische Erfahrungen zu sammeln, dann hat die Neugierde doch gewonnen. In Folge hat sie zwei Jahre bei Dossier gearbeitet und versucht, alles mögliche über den Staat, Funktionsweisen und vor allem Steuergeldverschwendung herauszufinden. Jetzt ist sie investigativ für Addendum unterwegs.

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