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Die Post und ihre Datenprofile

Die Österreichische Post sammelt Informationen über ihre Kunden und fasst sie zu Profilen zusammen. Im Video werfen wir einen Blick auf drei dieser Datenprofile und sehen uns an, wie zutreffend sie sind.

08.01.2019

Daten werden oft als Treibstoff der modernen Wirtschaft bezeichnet. Im Unterschied zu Erdöl vermehren sie sich im Laufe der Zeit, und theoretisch bekommt man ein immer genaueres Bild von dem, was man untersucht. Die meisten Unternehmen sind auf diesen Datenzug bereits aufgesprungen, so auch die Österreichische Post. Sie sammelt Informationen über ihre Kunden und fasst sie zu Profilen zusammen02. In weiterer Folge werden diese Informationen verkauft und bringen der Post rund 10 Millionen Euro pro Jahr ein.

Im Video werfen wir einen Blick auf die Datenprofile von drei Personen und sehen uns an, wie zutreffend sie sind. Zu den gesammelten Eigenschaften zählen etwa „bodenständig“ oder „bio-affin“. Letzteres bedeutet, dass man sich bewusst und gesund ernährt und dabei auch die heimische Wirtschaft stärkt. Oder man hat einen grünen Daumen und zählt zur Gruppe der ambitionierten Gartengestalter, die jährlich eine Milliarde Euro für Pflanzen, Gartenmöbel und Zubehör ausgeben. Individualist, Unternehmer oder Führungskraft – je nach Profil könnten sich entsprechende Werbebotschaften im Postkasten befinden.

Grundsätzlich ist es der Post erlaubt, Datenhandel zu betreiben02. Juristisch zweifelhaft wird es allerdings, wenn die Parteiaffinität einer Person berechnet01 wird oder das Briefgeheimnis in Gefahr ist. IT-Anwalt Axel Anderl erklärt im Video seine Bedenken über den postalischen Datenhandel. 

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Top Kommentar

Welche Daten speichert die Post über mich?

Ob Sie von der Post als ÖVP-, SPÖ-, FPÖ-, grün- oder NEOS-affin eingeschätzt werden und an wen diese Daten weiterverkauft wurden, können Sie ganz einfach selbst herausfinden – mit einem Ansuchen an den Datenschutzbeauftragten.

Im sogenannten Auskunftsbegehren muss die Post innerhalb eines Monats offenlegen, welche Informationen sie über die jeweilige Person gespeichert hat, wo Daten gesichert werden und an wen die Daten weitergegeben worden sind.

So kommen Sie zu den Daten:

  1. E-Mail an [email protected] schreiben.
  2. Der Anfrage entweder einen Identitätsnachweis beilegen (Scan von amtlichem Lichtbildausweis) oder aber die Identität durch weiterführende Angaben wie z.B. Wohnadresse offenlegen. Eine digitale Signatur ist nicht ausreichend.
  3. Ein „Auskunftsbegehren nach Art. 15 DSGVO“ anfordern.
  4. Falls Sie die Erkenntnis mit uns teilen wollen, bitte gerne an [email protected] schreiben. Das ermöglicht uns eine größere Stichprobe und somit aussagekräftigere Auswertungen.
  5. Parallel oder nach der Auskunft kann man die Richtigstellung falscher oder generell die Löschung der Daten fordern sowie dem Datenhandel widersprechen.

Weiters kann es vorkommen, dass die Identität per Mail oder Telefon nochmals überprüft wird. Erfahrungsgemäß drängt die Post auch – ohne rechtliche Grundlage – auf Übermittlung eines Ausweises. Verweigert man die Übermittlung berechtigterweise, schickt sie die Auskunft als eingeschriebene Sendung. Wenn Sie innerhalb der kommunizierten Frist keine Antwort erhalten, können Sie sich an die Datenschutzbehörde wenden.

Offenlegung: Addendum hat im Dezember 2018 Adressen bei der Österreichischen Post gemietet und an diese die Addendum-Zeitung verschickt.

08.01.2019

Das Rechercheteam

Markus „Fin“ Hametner

Markus Hametner hat Informatik studiert, baut seit 2011 Brücken zwischen Technologie und Journalismus und beschäftigt sich seit 2014 als Datenjournalist mit internationalen Datenrecherchen und interaktiven Visualisierungsformen. In seiner Freizeit betreibt er als Mitgründer des Forum Informationsfreiheit die Plattform FragDenStaat.at und trägt erfolgreich Rechtsstreite mit Behörden aus, die Auskünfte verweigern.

Michael Mayrhofer

Michael Mayrhofer hat an der Universität Wien Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre studiert. Während verschiedener Praktika im Journalismus bei Puls4 und ORF entdeckte er seine Liebe zum Social-Media-Journalismus. Die Menschen mit Information zu verführen – das ist sein Motto. Nebenbei war er auch Teil des Interview-Podcasts „Was soll das?“. Zuletzt war er freier Mitarbeiter im Social-Media-Team der Zeit im Bild.

Dieter Zirnig

Hat in den letzten zehn Jahren mit neuwal.com Politik und Politikverständnis in neuen digitalen Formaten innovativ aufbereitet, um sie Bürgern näherzubringen. Er ist Absolvent der FH Hagenberg (Medientechnik und -design), studierte Organisationsentwicklung, war bei Hewlett Packard und Electrolux in digitalen Funktionen tätig und brachte als Selbstständiger Unternehmen ins Digitale Zeitalter. Im Jahr 2013 erhielt er den Dr.-Karl-Renner-Publizistikpreis 2013 (Online), im Jahr 2014 den Medienzukunftspreis.

Monika Müller

Monika Müller hat in den vergangenen vier Jahren die Nachrichtensendung 24 Stunden Wien auf W24 moderiert und zuvor sechs Jahre lang ein Sendeformat für die Stadt Wien geleitet und produziert. In ihrer selbstständigen Arbeit war und ist sie als Trainerin tätig und hat im Team eines international anerkannten und Latin-Grammy-nominierten Musikers gearbeitet.

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