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Behörde leitet erneut Verfahren gegen die Post ein

Wie Addendum aufdecken konnte, hat die Österreichische Post mit Surfverhalten angereicherte Adressdaten angeboten. Das bestätigt ein uns vorliegendes Informationsblatt. Nun reagiert die Datenschutzbehörde. Sie leitet erneut ein Prüfverfahren ein.

18.02.2019

Noch Ende Jänner wies die Post Vorwürfe zurück, Nutzer auf Basis ihres Surfverhaltens persönlich zu adressieren. Aus einer Verkaufsunterlage geht allerdings wie berichtet08 hervor, dass Millionen an Userdaten analysiert werden, um personenbezogene Werbung zu verschicken.

Datenschutzbehörde prüft „Offline Retargeting“

Nach dem Addendum-Bericht reagiert nun die verantwortliche Behörde. Sie leitet erneut ein amtswegiges Prüfverfahren ein. Darin soll unter anderem geklärt werden, inwieweit die Post im „Offline Retargeting“ mit der Twyn Group GmbH zusammenarbeitet und ob derartige Auswertungen des Surfverhaltens rechtlich zulässig sind. „Der Grund des Prüfverfahrens ist genau die Art der Zusammenarbeit mit der Twyn Group GmbH und die Frage der datenschutzrechtlichen Zulässigkeit dieser Art von Auswertungen“, teilt uns der stellvertretende Leiter der Datenschutzbehörde, Matthias Schmidl, mit.

Mehr als 150.000 österreichische Websites werden ausgewertet

Mit dem „Offline Retargeting“ soll es möglich sein, das Surfverhalten auf mehr als 150.000 österreichischen Websites auszuwerten und möglichen Kunden dann persönlich adressierte Werbung postalisch zuzuschicken. „Wir analysieren Millionen Cookies der letzten 2–4 Wochen auf mehr als 150.000 österreichischen Websites zu 18 Standardinteressen“ ist auf einem Informationsblatt der Post zu lesen.

Das Prüfverfahren soll nun Aufklärung rund um das Produkt bringen. Noch Ende Jänner sagte Twyn-Chef Werner Schediwy freilich, dass niemand gleichzeitig das Surfverhalten und die Adressen der Nutzer kenne. Leider konnte uns aber weder die Twyn Group noch die Post erklären, wie das Adressmatching genau funktioniert. Was uns der Sprecher der Post aber mitteilte, war, dass das „Offline Retargeting“ nach wie vor angeboten wird – allerdings nur, wenn Kunden gezielt danach fragen.

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Möglich: Hohe Strafen durch DSGVO

Der mögliche Strafrahmen eines DSGVO-Verstoßes umfasst übrigens bis zu 4 Prozent des gesamten weltweit erzielten Jahresumsatzes – das wären bei der Post also maximal rund 77 Millionen Euro (basierend auf dem Jahresumsatz 2017) Die Datenschutzbehörde weist jedoch in einer Anfrage von Addendum darauf hin, dass bei der Verhängung einer Geldstrafe jedenfalls „das Gebot der Verhältnismäßigkeit“ zu wahren ist. Und: Die bisher in Österreich maximal verhängte Strafe lag bei 4.800 Euro zuzüglich 480 Euro Verfahrenskosten.

Prüfverfahren soll Aufklärung bringen

Auf Nachfrage betont Matthias Schmidl von der Datenschutzbehörde, dass nun zuerst die Verantwortlichkeit für das sogenannte „Offline-Retargeting“ geprüft wird. „Vorerst geht es nur um die genaue Aufgabenverteilung, um festzustellen, ob das Verfahren nicht auch auf die Twyn Group GmbH auszuweiten ist“, so Schmidl. Denn wie berichtet hat die Post ja erklärt, dass es hierbei nur als Vertriebspartner agiere. Das will die Datenschutzbehörde in einem ersten Schritt nun klären. 

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18.02.2019

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Das Rechercheteam

Rainer Fleckl

Rainer Fleckl will den Dingen auf den Grund gehen. Er hat Kommunikationswissenschaften studiert und startete seine ersten investigativen Recherchen im Sportressort des „Kurier“, dessen Leitung er 2008 übernahm. 2010 wurde er mit dem Aufbau einer Rechercheabteilung betraut. Vor seinem Engagement bei Quo Vadis Veritas war Fleckl als Bereichsleiter bei ServusTV und in der Chefredaktion von „News“ tätig.

Michael Mayrhofer

Michael Mayrhofer hat an der Universität Wien Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre studiert. Während verschiedener Praktika im Journalismus bei Puls4 und ORF entdeckte er seine Liebe zum Social-Media-Journalismus. Die Menschen mit Information zu verführen – das ist sein Motto. Nebenbei war er auch Teil des Interview-Podcasts „Was soll das?“. Zuletzt war er freier Mitarbeiter im Social-Media-Team der Zeit im Bild.

Elisabeth Oberndorfer

Elisabeth Oberndorfer startete ihre journalistische Karriere in der Innenpolitik-Redaktion von derStandard.at und war unter anderem stellvertretende Chefredakteurin des Medienwirtschaft Verlags. 2013 ging sie als freie Korrespondentin nach San Francisco. Für Gründerszene, Wired Germany, NZZ.at und andere deutschsprachige Medien berichtete sie über Wirtschaft, Technologie und Silicon Valley. Während ihrer Zeit in Kalifornien gründete das Online-Magazin Fillmore.at. Bei Addendum verantwortet sie als Chefin vom Dienst die Plattform.

Dieter Zirnig

Hat in den letzten zehn Jahren mit neuwal.com Politik und Politikverständnis in neuen digitalen Formaten innovativ aufbereitet, um sie Bürgern näherzubringen. Er ist Absolvent der FH Hagenberg (Medientechnik und -design), studierte Organisationsentwicklung, war bei Hewlett Packard und Electrolux in digitalen Funktionen tätig und brachte als Selbstständiger Unternehmen ins Digitale Zeitalter. Im Jahr 2013 erhielt er den Dr.-Karl-Renner-Publizistikpreis 2013 (Online), im Jahr 2014 den Medienzukunftspreis.

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