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Die Post bringt nicht allen die Wahrheit

Der teilstaatliche Konzern wies Ende Jänner Vorwürfe zurück, Nutzer auf Basis ihres Surfverhaltens persönlich zu adressieren. Aus einer Verkaufsunterlage, die es laut Post nie gegeben hat, geht allerdings hervor, dass Millionen an Userdaten analysiert werden, um ganz gezielt – und personalisiert – Werbeprospekte verschicken zu können.

11.02.2019

Wir analysieren Millionen Cookies der letzten 2–4 Wochen auf mehr als 150.000 österreichischen Websites zu 18 Standardinteressen.“ Mit diesen Worten beschreibt die Österreichische Post ein Werbeprodukt auf einem Informationsblatt, das es laut dem Unternehmen eigentlich nicht gegeben hat. Addendum liegt das Dokument jetzt allerdings vor – und es widerspricht der bisherigen Erklärung der Post, dabei nur als Vertriebspartner zu agieren.

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Zur Erinnerung: Am 28. Jänner berichtete Addendum über ein sogenanntes „Offline-Retargeting“,07 bei dem User eines Online-Shops per Post persönlich adressiert mit Werbematerial beschickt werden können. Dies funktioniert über einen Cookie der Agentur Twyn etwa in den Shops der Unito-Gruppe (Otto, Quelle). Eine personenbezogene Verarbeitung des Surfverhaltens und anschließende persönliche Ansprache mit Werbematerial wäre im Rahmen der Datenschutzgrundverordnung nicht erlaubt.

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Vertriebspartner oder Datenhändler?

In der Unterlage „Offline-Retargeting“ verspricht die Post ihren Werbekunden allerdings genau das: Der Adresshändler listet „Analyse des Surfverhaltens“ und volladressierte Ansprache als Leistungen auf. Im Jänner distanzierte sich das Unternehmen nach Addendum-Anfrage von dem Produkt. Auch der Twyn-Geschäftsführer betonte damals, dass die Post nur als Vertriebspartner auftreten würde.

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Im Wording der Produktbeschreibung klingt das freilich völlig anders. Die Post wollte uns im Jänner weder die Präsentation des „Offline-Retargetings“ zeigen, noch die Technologie und die Datenverarbeitung dahinter im Detail erklären.

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Gegenüber der APA sagte die Post am 28. Jänner außerdem: „Die namentliche Zuordnung der Cookie-Daten zu Personen findet bei Twyn und deren Partnern statt.“ Und weiter: „Die Post ist Vertriebspartner der Twyn für diese Daten und hat mit der Datenerhebung nichts zu tun.“

In der Produktbeschreibung gibt sich die Post allerdings als Datenverarbeiter aus:

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Die Beschreibung des Produkts widerspricht außerdem der Erklärung des Twyn-Geschäftsführers gegenüber der Austria Presse Agentur vom 28. Jänner:

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Auch hier widersprechen die beiden Partner dem, was in der Produktbeschreibung zu lesen ist:

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Post-Partner Twyn betont weiters, bei dem Offline-Retargeting-Produkt nur Auftragsdatenverarbeiter zu sein, die Daten selbst würden im Besitz der Unito-Gruppe bleiben. Die Unito-Gruppe vermerkt das postalische Targeting in ihren Datenschutzinformationen zwar, für den User geht daraus die konkrete Verwendung allerdings nicht hervor.

Die Argumentation der Post und des technischen Dienstleisters Twyn lautet, dass die Datensätze nicht zusammengeführt werden und bei Twyn bleiben. Laut der DSGVO dürften Unternehmen sich nicht darauf berufen, Daten zu verwerten, die sie nicht kennen. Außerdem suggeriert das Dokument, dass die Post die personenbezogenen Daten inklusive Surfverhalten sehr wohl kennt.

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Die Post hat „nichts mehr hinzuzufügen“

Niemand kenne gleichzeitig sowohl das Surfverhalten als auch die Adressen der Nutzer, beteuerte Twyn-Chef Schediwy Ende Jänner. Wie können Twyn und die Post dann aber Personen auf Basis von Surfverhalten postalisch erreichen, wenn es keine Abstimmung der Daten gab? Wie dieser Vorgang DSGVO-konform möglich ist, bleibt weiterhin unbeantwortet.

Die Post hat den Verkauf des „Offline-Retargetings“ nach unserer Anfrage im Jänner eingestellt. Addendum hat die Post mit den Wordings aus der nunmehr vorliegenden Produktbeschreibung konfrontiert und noch einmal um Erläuterung gebeten, was mit „Qualitätssicherung“ vonseiten der Post gemeint ist. Darüber hinaus wollten wir wissen, ob die Post an ihrer ursprünglichen Stellungnahme festhalte, sie habe das Produkt nur deshalb vom Markt genommen, „um Kunden und Mitarbeiter vor einer medialen Hetzkampagne zu schützen“.

Der Post-Sprecher meinte dazu lediglich, zum Produkt Offline-Targeting sei bereits alles gesagt: Man habe dem nichts mehr hinzuzufügen. 

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Rainer Fleckl will den Dingen auf den Grund gehen. Er hat Kommunikationswissenschaften studiert und startete seine ersten investigativen Recherchen im Sportressort des „Kurier“, dessen Leitung er 2008 übernahm. 2010 wurde er mit dem Aufbau einer Rechercheabteilung betraut. Vor seinem Engagement bei Quo Vadis Veritas war Fleckl als Bereichsleiter bei ServusTV und in der Chefredaktion von „News“ tätig.

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Team Investigative Recherche

Elisabeth Oberndorfer startete ihre journalistische Karriere in der Innenpolitik-Redaktion von derStandard.at und war unter anderem stellvertretende Chefredakteurin des Medienwirtschaft Verlags. 2013 ging sie als freie Korrespondentin nach San Francisco. Für Gründerszene, Wired Germany, NZZ.at und andere deutschsprachige Medien berichtete sie über Wirtschaft, Technologie und Silicon Valley. Während ihrer Zeit in Kalifornien gründete das Online-Magazin Fillmore.at. Bei Addendum verantwortet sie als Chefin vom Dienst die Plattform.

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Michael Mayrhofer hat an der Universität Wien Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre studiert. Während verschiedener Praktika im Journalismus bei Puls4 und ORF entdeckte er seine Liebe zum Social-Media-Journalismus. Die Menschen mit Information zu verführen – das ist sein Motto. Nebenbei war er auch Teil des Interview-Podcasts „Was soll das?“. Zuletzt war er freier Mitarbeiter im Social-Media-Team der Zeit im Bild.

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