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Demokratie, was ist das eigentlich?

Der Begriff der „Demokratie“ und ihre Ausgestaltungsformen haben eine lange Entwicklung hinter sich. Sie beschäftigen seit der Antike die namhaftesten Philosophen und Staatsmänner.

16.10.2017

Es gibt gute Gründe zu sagen, dass es „die Demokratie“ nicht gibt, so wie es „den Islam“ und „die Ausländer“ nicht gibt, weil die Welt und die Erscheinungen in ihr vielfältiger sind als der Begriff, den wir uns von ihr machen.  Wohl aber kann man von „demokratischen Prinzipien“ und „demokratischen Verfahren“ sprechen. Grundlegend für eine solche Rede sind die antiken Wurzeln, das Verfassungsrecht und eine bestimmte Perspektive auf  aktuelle Debatten.

Die Demokratie, so viel steht fest,  hat begrifflich eine lange Entwicklung hinter sich. Im Athen und Rom der Antike wurden ihre philosophisch-theoretischen Grundlagen entwickelt, viele der Fragen, die uns noch heute beschäftigen, wurden in ihren Grundzügen schon damals diskutiert.

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Bereits in der Antike gab es sehr unterschiedliche Ansichten darüber, was unter der Staatsform Demokratie zu verstehen ist, in der Folge entwickelten sich auch sehr unterschiedliche praktische Ausprägungen. Echte Repräsentation auf der Ebene der Gesetzgebung durch gewählte Vertreter war den klassischen Denkern und Staatsmännern jedenfalls fremd: Nach heutigem Verständnis handelte es sich bei den in der Antike praktizierten Systemen um Formen der Basis- oder Direktdemokratie.

Begriffsgeschichte

Der Begriff Demokratie leitet sich aus den griechischen Wörtern demos (Dorfbewohner, Volk) und kratia (Herrschaft) ab. Er dürfte sich im 5. Jahrhundert v. Chr. im politischen Sprachgebrauch etabliert haben. Platon teilte die Staats- und Regierungsformen seiner Zeit in drei positive – Philosophenkönigtum, Monarchie und Aristokratie – sowie drei negative – Tyrannis, Oligarchie und Demokratie – ein. Die Demokratie wird zu Platons Zeiten noch  als eine zügellose, Gesetze nicht achtende Herrschaftsform verstanden.

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Im zweiten vorchristlichen Jahrhundert wird die Demokratie, wohl aufgrund von Übersetzungsschwierigkeiten vom Griechischen ins Lateinische, neben der Monarchie und der Aristokratie in die Reihe der positiven Staatsformen aufgenommen. Bis dahin war sie von den großen Denkern der Antike abgelehnt worden. Nicht zuletzt deshalb, weil sie Tendenzen begünstigen würde, die wir heute mit – freilich unpräzisen – Begriffen wie Politikverdrossenheit und Populismus und mit dem „Ruf nach dem starken Mann“ beschreiben würden. Diese Phänomene, so hält es Sokrates in der „Politeia“ fest, würden in weiterer Folge zwangsläufig dazu führen, dass die Demokratie früher oder später zur Diktatur werde. Aus denselben Gründen plädiert später auch Cicero für eine Mischform aus Demokratie, Aristokratie und Monarchie.

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Grundvoraussetzungen für die Demokratie

Trotz der uneinheitlichen Definition – Kant beispielsweise wird später„Republik“ als Synonym für unseren heutigen Demokratiebegriff verwenden– können doch einige Grundvoraussetzungen genannt werden, die vorliegen müssen, um überhaupt von Demokratie im modernen Sinn sprechen zu können: So gilt die Möglichkeit, Regierungen friedlich abzuwählen, unzweifelhaft als einer der wesentlichsten Charakterzüge demokratischer Verfassungen. Diese Chance des Wechsels der gewählten Mehrheit, der Ermöglichung gewaltloser Veränderungen, wird häufig als Konkurrenzdemokratie bezeichnet. Darüber hinaus werden auch die Kontrolle und Balance der Machtausübenden und besonders die Partizipation der Bürger an der Machtausübung als Hauptmerkmale der Demokratie genannt. Aus diesen drei Kriterien wiederum kann der Begriff der Volkssouveränität abgeleitet werden: Das Volk ist in dieser Lesart der souveräne Träger der Staatsgewalt und gibt sich selbst ein bestimmtes System – eine Verfassung –, in dem politische Entscheidungen nach bestimmten Verfahrensregeln getroffen werden.

Manche Theoretiker sehen darüber hinaus auch in territorialer Begrenzung eine Voraussetzung der Demokratie. Dieses vierte Kriterium kann allerdings nicht uneingeschränkt gelten. Das zeigt bereits die Tatsache, dass demokratische Strukturen nicht nur auf der Ebene von Nationalstaaten zu finden sind: Einige Volksvertretungen werden auch auf regionaler und europäischer Ebene gewählt.

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Unterschiedliche Konzepte

Demokratieähnliche Verhältnisse finden sich auch im privaten Bereich, etwa in Form von Belegschaftsvertretungen von Unternehmen. In Österreich hat dieser Zugang seine rechtliche Basis im Arbeitsverfassungsgesetz. Solche Phänomene erfüllen – jedenfalls bis zu einem gewissen Grad – die drei erwähnten Kriterien. Und sie beruhen auf einer „Verfassung“, aus der sich die demokratischen Spielregeln ergeben. In Österreich verfügen außerdem die Bundesländer über eine – an die Bundesverfassung gebundene – Verfassungsautonomie. Auf EU-Ebene ist der Vertrag über eine Verfassung für Europa zwar gescheitert, sein Inhalt wurde aber zum größten Teil vom Vertrag von Lissabon übernommen. Das Arbeitsverfassungsgesetz wiederum steht zwar – anders, als sein Titel vermuten lassen würde – nicht im Verfassungsrang; ungeachtet dessen schafft es ebenfalls „Spielregeln“ für demokratieähnliche Strukturen auf der Ebene der Belegschaftsvertretungen eines Unternehmens.

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,Die Demokratie‘ gibt es nicht.

Es gibt also einzelne Prinzipien und Verfahren, die für Demokratien typisch sind, die aber nicht immer und nicht auf alle Demokratien zutreffen. „Die Demokratie“, als allgemeingültiges Mustersystem, gibt es nicht. Das zeigt sich auch in den unterschiedlichen Konzepten von Demokratie, die auf staatlicher Ebene existieren. Die heute vorherrschende Form bildet die repräsentative, indirekte, mittelbare Demokratie, die auf Volksvertreter und -vertretungen baut. Ihr steht die plebiszitäre, direkte, unmittelbare Demokratie gegenüber, die durch Formen direkter Mitbestimmung geprägt ist. Elemente der Letztgenannten finden sich aber mitunter auch in repräsentativen Demokratien, zum Beispiel in Form von Volksbefragungen, -begehren und -abstimmungen. Daneben gibt es noch das Konzept der Demarchie, der Auswahl von Vertretern im Losverfahren, und die, nicht zuletzt von Rousseau in seinem Werk „Contrat Social“ geprägte, Radikaldemokratie. Ergo: „Die Demokratie“ gibt es nicht.

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Der Begriff der Demokratie und ihre jeweiligen praktischen Ausformungen müssen deshalb durch Abgrenzung weiter präzisiert werden. Es bedarf einer Unterscheidung etwa zwischen dem Begriff des Staates, der sich durch ein Staatsgebiet und ein Staatsvolk auszeichnet, und der Herrschaftsform, die in diesem Staat besteht. Aber auch andere Begriffe wie etwa Republik oder Rechtsstaat müssen vom Begriff der Demokratie abgegrenzt werden. Das passiert auf der akademischen Ebene durch die Politik- und die Rechtswissenschaft, auf staatlicher Ebene besonders durch das Verfassungsrecht.

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Was ist die österreichische Demokratie?

Österreich macht hier keine Ausnahme, auch die österreichische Verfassung formt eine spezifische Variante von Demokratie. Das zeigt sich schon im ersten Artikel des Bundes-Verfassungsgesetzes (B-VG): „Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus.“ Ähnliche Bestimmungen finden sich auch in Art. 20 Abs. 1 Grundgesetz (GG) der Bundesrepublik Deutschland oder in der Präambel der schweizerischen Bundesverfassung. Daraus ergibt sich einerseits, dass das Volk der eigentliche Souverän ist, der eigentliche Träger der Staatsgewalt; und andererseits, dass die Demokratie österreichischer Prägung republikanisch ist.

Was Republik ist, lässt sich andererseits wieder nur dadurch definieren, dass man sagt, was sie nicht ist: eine Monarchie. Der wesentlichste Unterschied zwischen diesen beiden Staatsformen liegt in der Stellung des Staatsoberhauptes: Einmal handelt es sich um einen durch Erbfolge legitimierten Monarchen, das andere Mal um einen direkt oder indirekt vom Volk auf Zeit gewählten, politisch und rechtlich verantwortlichen Staatspräsidenten. Die Grenzen sind aber sogar hier fließend: Der Vatikan und Malaysia sind Wahlmonarchien, in der „Demokratischen Volksrepublik Korea“ hingegen wird das Amt des De-facto-Staatsoberhaupts innerhalb der Familie Kim vererbt.

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Wahlen

Was verstehet man unter einer demokratischen Republik? Das Demokratiekonzept der österreichischen Bundesverfassung beispielsweise geht davon aus, dass sich die Befugnisse der Volksvertretungen von einer regelmäßigen, freien Wahl durch das Volk ableiten – und dass eine spezifische Abhängigkeit aller übrigen staatlichen Organe von diesen Volksvertretungen besteht. Der Verfassungsgerichtshof spricht deshalb auch vom „repräsentativ-demokratischen Grundprinzip der Bundesverfassung“.

Die frei und direkt gewählten Parlamente – der Nationalrat und die Landtage – werden wiederum von frei gebildeten politischen Parteien beschickt. Jede staatliche Entscheidung kann auf den so gebildeten Willen des Volkes zurückgeführt werden. Eine Ausnahme stellt der als Person direkt gewählte Bundespräsident dar. Die direktdemokratischen Elemente sind in Österreich im Vergleich zu anderen europäischen Staaten eher schwach ausgeprägt.

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Rechtsstaatliche Demokratie

In Österreich sind alle Staatsorgane, mit Ausnahme des Bundespräsidenten, von den Parlamenten abhängig. Das zeigt sich in der parlamentarischen Verantwortlichkeit der obersten Organe und in der Weisungsgebundenheit aller anderen Organe gegenüber den obersten Organen. Die Regierung ist somit in ihrem Bestand abhängig vom Vertrauen des Parlaments – nicht nur politisch, sondern auch rechtlich – das zeigt sich in der Möglichkeit der Ministeranklage vor dem Verfassungsgerichtshof. Differenzierter ist die Situation auf Landesebene: Einige Landesverfassungen sehen eine proportionale Zusammensetzung der Landesregierung nach dem Stärkeverhältnis der Parteien im Landtag vor. Das schränkt die Abhängigkeit der Regierung vom Landesparlament ein – weil es eben in einem solchen System kaum eine starke parlamentarische Opposition gibt. 

Die Verwaltung und die Gerichtsbarkeit sind inhaltlich an die Gesetze gebunden. Die Parlamente wiederum können ihren politischen Willen nur in Gesetzesform gießen. Die Demokratie in Österreich ist daher nicht nur parlamentarisch und republikanisch, sondern auch rechtsstaatlich.

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Freiheit als Grundprinzip

Das Bild des verfassungsrechtlichen Demokratiebegriffs österreichischer, beziehungsweise überhaupt „westlicher“ Prägung wird durch die Gewährleistung von Freiheit abgerundet. Ohne Grund- und Freiheitsrechte bestünde die Gefahr einer unbeschränkten Herrschaft der Mehrheit, die zu Totalitarismus führen kann. Bestimmte Bereiche müssen in einer solchen Ordnung dem Individuum vorbehalten bleiben, dort darf es keine staatliche Regulierung und Kontrolle geben. Die österreichische Rechtslehre spricht vom liberalen Grundprinzip der Bundesverfassung. Vor diesem Hintergrund müssten eine zunehmende staatliche Überwachung und die damit einhergehende Einschränkung der Privatsphäre als demokratiefeindlich eingestuft werden – eine Ansicht, die sich auch aus der einschlägigen Judikatur des Verfassungsgerichtshofes ablesen lässt.

Die Grund- und Freiheitsrechte garantieren auch das Funktionieren einer Demokratie an sich. Eine Konkurrenzdemokratie, in der die gewählte Mehrheit auch wieder abgewählt werden kann, wird nur bestehen können, wenn zusätzlich Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Vereinsfreiheit und Versammlungsfreiheit gegeben sind. Schließlich ist es zentraler Bestandteil eines liberalen Demokratieverständnisses, dass alle Bürger vor dem Gesetz gleich sind. Aber auch beim Gleichheitsgrundsatz gibt es unterschiedliche Definitionen, von denen einige beispielsweise ökonomische Gleichheit mit umfassen, andere nicht.

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Schutz der Minderheit vor der Mehrheit

Eine Balance zwischen der Freiheit des Einzelnen und dem Schutz von Minderheiten ist für die moderne Demokratie charakteristisch und entscheidend. Die Grund- und Freiheitsrechte werden so zum wesentlichen Bestandteil des demokratischen Prinzips und der rechtsstaatlichen Demokratie generell.

Mehr noch: Die Grund- und Freiheitsrechte können als das eigentlich entscheidende Merkmal einer Demokratie nach heutigem Verständnis angesehen werden. Würde man sie aufheben, entstünde zwangsläufig ein totalitäres System. Ein Blick auf die aktuellen Entwicklungen in Ungarn oder Polen bestätigt den engen Zusammenhang von Freiheitsrechten und Demokratie.

Die Grund- und Freiheitsrechte schützen das Volk gewissermaßen vor sich selbst, was notgedrungen ein Spannungsfeld zur Vorstellung erzeugt, dass Demokratie ausschließlich die Entscheidungsmacht der Mehrheit bedeutet. Gerade in Europa ist unbestritten, dass das demokratische Ideal nicht die bedingungslose Identität von Herrschern und Beherrschten im Sinne Rousseaus sein kann. Vielmehr wird auch die Minderheit vor der Mehrheit geschützt, damit das Mehrheitsprinzip – durch schwerer zu ändernde Verfassungsgesetze – eingeschränkt wird.

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Europäische Einbettung

Die österreichische Demokratie steht aber nicht für sich allein, sie ist eingebettet in das größere Konzept der Europäischen Union. Das demokratische Grundprinzip der österreichischen Bundesverfassung wurde durch den EU-Beitritt entscheidend modifiziert. In weiten und wichtigen Bereichen wurden Entscheidungskompetenzen von der nationalstaatlichen auf die EU-Ebene verlagert. Folge ist, dass das nationale Recht durch europarechtliche Rechtsakte ergänzt wird; diese allerdings beruhen nicht auf der Willensbildung der nationalen Parlamente. Regelmäßig wird kritisiert, dass zwar die EU und deren Organe demokratisch durch die EU-Bürger legitimiert seien, jedoch nicht in ausreichendem Ausmaß. Man spricht vom Demokratiedefizit der EU: Der Verlust demokratischer Legitimation und Kontrolle durch die Nationalstaaten könne, so die Kritik, von der EU nicht ausreichend ausgeglichen werden.

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Postdemokratie

Glaubt man den Skeptikern, so endet die Geschichte der Demokratie im Zeitalter der Postdemokratie: in einem Zustand, in dem Politik nur noch hinter verschlossenen Türen von Lobbyisten und Politikern gemacht wird und als zentrales Ziel nicht mehr die Interessen des Volkes gelten, sondern das Funktionieren des Marktes. Es herrscht die Befürchtung, dass sich eine globalisierte Welt, auch wenn in ihr alle Institutionen der Demokratie weiterbestehen, von diesen Instrumenten nicht mehr fassen lässt.

Das erzeugt, schreibt beispielsweise der Politikwissenschaftler Colin Crouch, eine „Frustration, die zum Verlust politischer Energie führt“. Andere wiederum sehen das Kernproblem im modernen Wohlfahrtsstaat, der zwar einerseits eine „stabilitätsnotwendige Massenloyalität“ zu erhalten geeignet sei, andererseits jedoch die Staaten mit zu hohen Bedürfniserwartungen der Bürger überfordere.

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Entmachtete Parlamente

immer öfter ist auch von einer Krise der Institutionen die Rede, will heißen einer Krise der Kontrolle und der Legitimität in einer globalisierten Welt: Parlamente würden an Bedeutung verlieren und durch die Konkurrenz von Nichtregierungsorganisationen  in Österreich wären dies allen voran die Sozialpartner – oder andere Interessenvertretungen, multinationalen Unternehmen und Einzelpersonen mehr und mehr entmachtet. Es bestehe immer weniger an „einklagbarer Verantwortlichkeit von Regierungen“. Dies alles führe zu geringerer Transparenz bei der Entscheidungsfindung und fördere daher antidemokratische Tendenzen.

Auch die Dominanz der politischen Parteien und, ganz allgemein und undifferenziert, „die Globalisierung“ werden als Grund für die vielfach konstatierte „Krise der Demokratie“ genannt. Zugleich gibt es aber auch Warnungen davor, mit von Krisen und strukturellen Schwächen der politischen Systeme ausgelösten „Abgesängen auf die Demokratie“ nicht allzu sorglos umzugehen.

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Wie sieht die Demokratie der Zukunft aus?

Aber wohin entwickelt sich die Demokratie? Eine rein auf naturrechtlichen Prämissen beruhende „privatisierte“ Ordnung, die vollkommen ohne Staaten – und damit auch Regierungsformen wie die Demokratie – auskommt, wird wohl schon aus realpolitischen Gründen ein reines Gedankenspiel bleiben. Der Mensch sucht nach identitätsstiftenden Elementen und findet diese regelmäßig in einer territorialen Bindung – in welcher Form immer. Die Nation als politisches Konzept, das zeigt der politische Alltag, hat für viele noch nicht ausgedient.

Die technologische Entwicklung birgt auch Potenziale für den Um-, Aus- und Weiterbau der modernen Demokratie. Die neuen Medien bieten schier endlose und zutiefst demokratische Möglichkeiten gänzlich neuer sozialer Bewegungen. Mit ihrer Hilfe ist es beispielsweise möglich, neue Brücken zwischen den Parteien und den von ihnen Vertretenen zu schlagen. Die durch das Internet geschaffenen neuen Arten der Kommunikation könnten antidemokratischen Tendenzen durch Bildung und Meinungsbildung, Information und Debatten entgegenwirken.

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Macht der Vielen, Macht des Einzelnen

Andererseits erscheint die mit den neuen Medien geschaffene „Macht der Vielen“ mitunter weniger intelligent denn gefährlich – man kann das auch an den aktuellen Debatten über „Fake News“ ablesen. Dass das Internet auch eine gefährliche „Macht des Einzelnen“ verstärken oder sogar hervorbringen kann, stellt der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten regelmäßig unter Beweis. Das Internet ist ein Ort neuer Freiheit, um deren Regulierung aber noch heftig debattiert werden wird.

Ganz ähnlich scheinen die Gegensätze in der Diskussion um die Entwicklung direktdemokratischer Elemente gelagert zu sein: Die einen halten sie für unverzichtbar zur Erhaltung unserer demokratischen Ordnung, weil sie der Bevölkerung größere Macht und unmittelbare Mitbestimmung einräumen. Die anderen warnen vehement vor der Zurückdrängung von Grundrechten zugunsten des Mehrheitsentscheids. Jede Staatsform und somit auch die Demokratie in ihrer jeweiligen Ausprägung bedarf der Übung und Anerkennung: Ein Blick nach Polen oder Ungarn, aber auch auf die erste österreichische Republik zeigt die prinzipielle Verwundbarkeit des Systems.

Quo vadis?

Wo die Reise hinführt, ist unklar. Es wurden schon viele Lösungsansätze für die in unterschiedlichen Formen, Ausprägungen und Systemen festgestellten Probleme diskutiert. Sicher ist vorerst nur, dass es keine einfachen Wahrheiten gibt – auch und gerade nicht, wenn es um den Begriff und die Form der Demokratie geht. Die theoretisch-philosophische Auseinandersetzung hat seit der Antike auch eindeutig an Klarheit verloren. Man arbeitet inzwischen eher mit „Begriffshöfen“ als mit Begriffen. Die Frage scheint immer weiter im Nebel zu verschwinden: Was ist Demokratie?

Wie auch immer man das Endprodukt bezeichnet und in welchen rechtlichen Rahmen man es gießt, wird für den Bürger letztlich sekundär sein, solange es ein System beschreibt, das die aus der Sicht dieses Bürgers entscheidende Eigenschaft besitzt: Legitimität. 

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16.10.2017

Das Rechercheteam

Stefan Brocza
Externer Experte

Studium in Wien, St.Gallen und Harvard. 1994 EU- und Schengen Koordinierung im Innenministerium, ab 1996 im EU Ratssekretariat in Brüssel (Außenwirtschaftsbeziehungen, Erweiterung, Presse/Kabinett, Umsetzung der EU Außenstrategie für die innere Sicherheit). Aktuell tätig in Lehre und Forschung an Universitäten im In- und Ausland sowie als politischer Berater, Publizist und Gutachter.

Mathias Dechant
Team Experten

Mathias Dechant hat Rechtswissenschaften an der Universität Wien studiert. Danach Ausbildung zum Rechtsanwalt; Schwerpunkte in den Bereichen Zivilrecht, Corporate und M&A sowie IP. Er war seit den Anfängen des Studiums bis zuletzt in Wiener und Salzburger Wirtschaftskanzleien tätig.

Gerald Gartner
Team Daten

Gerald Gartner kuratiert, analysiert und visualisiert große Datenmengen zu politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen. Er lehrt an der Fachhochschule Wien. Davor war er für derStandard.at und NZZ.at in Wien tätig.

Ralph Janik
Team Experten

Ralph Janik hat in Wien und Alcalá de Henares (Madrid) Rechtswissenschaften und Politikwissenschaft studiert. Danach Studium in internationalem Recht und Europarecht an der Universität Amsterdam. Beruflich unter anderem wissenschaftlicher Assistent an der Universität Amsterdam und an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien.

Maria Kern
Team Investigative Recherche

Maria Kern war in den vergangenen zehn Jahren Innenpolitik-Redakteurin des „Kurier“. Zuvor war sie im EU-Ressort und in der Chronik-Redaktion der Tageszeitung tätig. Die Publizistik- und Politikwissenschaftsabsolventin der Uni Wien sieht es als ihre Aufgabe an, Bürgern komplexe Sachverhalte und Zusammenhänge zu erklären und auch aufzuzeigen, was im Land schiefläuft.

Moritz Moser
Team Experten
Georg Renner
Team Investigative Recherche

Georg Renner hat Rechtswissenschaften studiert, weil er wissen wollte, wie Dinge (Staaten, Städte, die Gesellschaft …) funktionieren, was sie zusammenhält. Nachdem ihm dort kein Erfolg beschieden war, geht er dieser Frage nun journalistisch nach; zuvor bei „NZZ.at“ und „Die Presse“.

Stefan Schett
Team Social Media
stefanschett

Stefan Schett hat in Wien Politikwissenschaft studiert und arbeitet nebenbei an seinem Zweitstudium Publizistik. Er war lange Zeit als freier Journalist und Social Media Manager tätig, journalistische Erfahrung sammelte er unter anderem beim Kurier und bei Puls 4. Für Addendum kümmert er sich um die Konzeption und Erstellung von Social Media-Content.

Anna Schneider
Projektleitung

Anna Schneider hat Rechtswissenschaften und Kunstgeschichte studiert. Nach einer Zeit als Universitätsassistentin am Institut für Staats- und Verwaltungsrecht wechselte sie Anfang 2014 als Referentin für Verfassung, Menschenrechte und Weltraum ins Parlament; nun leitet sie als Gründungsmitglied von Quo Vadis Veritas das Expertenteam von Addendum.

Hubertus J. Schwarz
Team Digital

Hubertus Schwarz ist seit 2007 in der Medienbranche tätig. Seine journalistische Laufbahn startete er beim ZDF-Auslandsstudio Südosteuropa. Über mehrere Stationen als Autor, unter anderem für den „Spiegel“ und „Die Zeit“ ging es 2015 zurück zum Fernsehen. Zuletzt war er bei ServusTV Redakteur für den „Talk im Hangar-7“.

Martin Thür
Team TV

Martin Thür ist seit 18 Jahren Fernsehjournalist. Von 2002-2017 war er in der ATV-Nachrichtenabteilung tätig und hat dort Nachrichten, Reportagen und Wahlberichterstattung gemacht. Von 2014-2017 war er Moderator der politischen Interviewsendung “Klartext”. Für Addendum gestaltet er TV-Reportagen.

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