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Der Juniorpartner verliert nicht immer – nur mit Merkel

Seit Angela Merkel die deutsche Regierung führt, haben Juniorpartner bei kommenden Wahlen stets Stimmenanteile verloren. In Österreich ist die Gewinn- und Verlustrechnung der Juniorpartner ausgeglichen.

Daten
21.11.2017

Es ist letztlich das Programm der Großen Koalition mit ein bisschen grünem Schnittlauch drauf. Wenn wir da zugestimmt hätten, dann würden sich unsere Wähler im Stich gelassen fühlen.“ So hat Christian Lindner den Auszug der Freien Demokraten aus den Sondierungsgesprächen für eine Koalition aus CDU/CSU, Grünen und FDP gerechtfertigt. 237 Konfliktpunkte zählte der FDP-Chef. Als Kanzlermacher fallen die Freien Demokraten damit unmittelbar aus. Dabei ist das die gefragteste Rolle der Liberalen: Bei neun von 13 Koalitionsregierungen seit 1969 waren sie Juniorpartner. Die letzte Regierungsbeteiligung endete aber mit dem Ausscheiden aus dem Bundestag.

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Traumajahr 2013

Von 2009 auf 2013 verlor die FDP 9,8 Prozentpunkte und rutschte auf einen Stimmenanteil von 4,8 Prozent – zu wenig, um die Einzugshürde von fünf Prozent zu überspringen. Den Sozialdemokraten, die vor den Liberalen eine Koalition mit Angela Merkel schlossen, erging es nicht besser: Bei der vergangenen Wahl verlor die SPD 5,2 Prozentpunkte, nach der ersten Vizekanzlerschaft mit Merkel (zuerst mit Franz Müntefering, dann mit Frank-Walter Steinmeier) sogar 11,2 Prozentpunkte.

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Eine Auswertung des Stimmenanteils nach der Zeit als Junior-Regierungspartner zeigt nur eine politische Momentaufnahme. Die Berliner Morgenpost hat detailliert geschildert, wie die Koalitionspartner von Angela Merkel in den vergangenen zwölf Jahren stets in ein Umfragetief fielen. Der letzte Stimmenzuwachs eines Junior-Koalitionspartners war jener der Grünen/Bündnis 90 nach ihrer ersten Koalition mit der SPD von Gerhard Schröder. Von 1998 auf 2002 legte die Partei von 6,7 auf 8,6 Prozent der Stimmen zu. Insgesamt gewannen die Juniorpartner bei den Bundestagswahlen fünfmal dazu, achtmal setzte es Verluste.

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Ausgeglichene FDP-Bilanz

Die Freien Demokraten verloren in acht Koalitionen zwischen 1969 und 1998 gleich oft, wie sie Stimmen gewannen. Mit der SPD von Willy Brandt bzw. Helmut Schmidt gab es zweimal Zugewinne, zweimal Verluste. Das Gleiche gilt für die Koalition mit der CDU/CSU um Helmut Kohl. Dass es im Vergleich zur Ära Merkel seltener Verluste gibt, hängt auch mit der Veränderung der Parteienlandschaft zusammen. Mit der Linkspartei und der Alternative für Deutschland haben neue Parteien die politische Bühne betreten, die Stimmenanteile abziehen.

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Und in Österreich?

Bei Regierungen in Österreich mit zwei Parteien hält sich die Gewinn- und Verlustrechnung die Waage: Achtmal gab es für den Juniorpartner später Verluste, siebenmal Zugewinne. Am schlechtesten stiegen die Freiheitlichen aus ihren Regierungsbeteiligungen mit der ÖVP aus, waren aber dafür selbst verantwortlich: Der Absturz folgte auf ein Treffen der FPÖ in Knittelfeld, bei dem die Partei implodierte: ein Rücktrittsreigen (Susanne Riess-Passer, Peter Westenthaler, Karl-Heinz Grasser) und eine von Wolfgang Schüssel ausgerufene Neuwahl folgten. Die Freiheitlichen rutschten von 26,9 Prozent auf 10 Prozent der Stimmen.

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Die ÖVP hat nach ihren Zeiten als Junior-Regierungspartner fünfmal verloren, zweimal dazugewonnen. Zuletzt am stärksten unter Parteichef Sebastian Kurz mit einem Plus von 7,5 Prozentpunkten im Vergleich zur Nationalratswahl 2013. Aber: Wie in Deutschland sind neue Parteien zur Wahl angetreten und haben Stimmenanteile an sich gezogen.

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Deshalb wäre es zu kurz gegriffen, Stimmenverluste ausschließlich auf fehlende Gestaltungsmöglichkeiten als Juniorpartner zurückzuführen. 

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21.11.2017

Das Rechercheteam

Stefan Brocza
Externer Experte

Studium in Wien, St.Gallen und Harvard. 1994 EU- und Schengen Koordinierung im Innenministerium, ab 1996 im EU Ratssekretariat in Brüssel (Außenwirtschaftsbeziehungen, Erweiterung, Presse/Kabinett, Umsetzung der EU Außenstrategie für die innere Sicherheit). Aktuell tätig in Lehre und Forschung an Universitäten im In- und Ausland sowie als politischer Berater, Publizist und Gutachter.

Mathias Dechant
Team Experten

Mathias Dechant hat Rechtswissenschaften an der Universität Wien studiert. Danach Ausbildung zum Rechtsanwalt; Schwerpunkte in den Bereichen Zivilrecht, Corporate und M&A sowie IP. Er war seit den Anfängen des Studiums bis zuletzt in Wiener und Salzburger Wirtschaftskanzleien tätig.

Gerald Gartner
Team Daten

Gerald Gartner kuratiert, analysiert und visualisiert große Datenmengen zu politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen. Er lehrt an der Fachhochschule Wien. Davor war er für derStandard.at und NZZ.at in Wien tätig.

Ralph Janik
Team Experten

Ralph Janik hat in Wien und Alcalá de Henares (Madrid) Rechtswissenschaften und Politikwissenschaft studiert. Danach Studium in internationalem Recht und Europarecht an der Universität Amsterdam. Beruflich unter anderem wissenschaftlicher Assistent an der Universität Amsterdam und an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien.

Maria Kern
Team Investigative Recherche

Maria Kern war in den vergangenen zehn Jahren Innenpolitik-Redakteurin des „Kurier“. Zuvor war sie im EU-Ressort und in der Chronik-Redaktion der Tageszeitung tätig. Die Publizistik- und Politikwissenschaftsabsolventin der Uni Wien sieht es als ihre Aufgabe an, Bürgern komplexe Sachverhalte und Zusammenhänge zu erklären und auch aufzuzeigen, was im Land schiefläuft.

Moritz Moser
Team Experten
Georg Renner
Team Investigative Recherche

Georg Renner hat Rechtswissenschaften studiert, weil er wissen wollte, wie Dinge (Staaten, Städte, die Gesellschaft …) funktionieren, was sie zusammenhält. Nachdem ihm dort kein Erfolg beschieden war, geht er dieser Frage nun journalistisch nach; zuvor bei „NZZ.at“ und „Die Presse“.

Stefan Schett
Team Social Media
stefanschett

Stefan Schett hat in Wien Politikwissenschaft studiert und arbeitet nebenbei an seinem Zweitstudium Publizistik. Er war lange Zeit als freier Journalist und Social Media Manager tätig, journalistische Erfahrung sammelte er unter anderem beim Kurier und bei Puls 4. Für Addendum kümmert er sich um die Konzeption und Erstellung von Social Media-Content.

Anna Schneider
Projektleitung

Anna Schneider hat Rechtswissenschaften und Kunstgeschichte studiert. Nach einer Zeit als Universitätsassistentin am Institut für Staats- und Verwaltungsrecht wechselte sie Anfang 2014 als Referentin für Verfassung, Menschenrechte und Weltraum ins Parlament; nun leitet sie als Gründungsmitglied von Quo Vadis Veritas das Thementeam von Addendum.

Hubertus J. Schwarz
Team Digital

Hubertus Schwarz ist seit 2007 in der Medienbranche tätig. Seine journalistische Laufbahn startete er beim ZDF-Auslandsstudio Südosteuropa. Über mehrere Stationen als Autor, unter anderem für den „Spiegel“ und „Die Zeit“ ging es 2015 zurück zum Fernsehen. Zuletzt war er bei ServusTV Redakteur für den „Talk im Hangar-7“.

Martin Thür
Team TV

Martin Thür ist seit 18 Jahren Fernsehjournalist. Von 2002-2017 war er in der ATV-Nachrichtenabteilung tätig und hat dort Nachrichten, Reportagen und Wahlberichterstattung gemacht. Von 2014-2017 war er Moderator der politischen Interviewsendung “Klartext”. Für Addendum gestaltet er TV-Reportagen.

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