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Wie sinnvoll ist Entwicklungshilfe?

Es sind in der Regel eher romantische Vorstellungen, die wir mit dem Begriff „Entwicklungshilfe“ verbinden: Wohlmeinende Europäer graben Brunnen und bauen Schulen, um ein Mindestmaß an Wiedergutmachung für die Ausbeutung vor allem des afrikanischen Kontinents durch die europäischen Kolonialmächte zu leisten.

Es gibt diese Projekte und die dazugehörenden Bilder tatsächlich immer noch. Aber erstens macht diese Art der Direkthilfe in Projektform weniger als 10 Prozent des österreichischen Entwicklungshilfebudgets von gut einer Milliarde Euro aus, und zweitens sind viele von ihnen nicht sehr nachhaltig, sondern werden bereits nach wenigen Jahren beendet, ohne dass damit eine dauerhafte Verbesserung der Lage für die Begünstigten des Projekts verbunden wäre.

Seit Jahrzehnten wird die mythische Aura des Entwicklungshilfethemas auch dadurch unterstützt, dass sich die reichen Staaten des Nordens vorgenommen haben, 0,7 Prozent ihres Bruttonationaleinkommens der Entwicklungshilfe zu widmen, dieses Ziel aber so gut wie nie erreichen01. Das gibt der Dauererzählung Nahrung, dass der reiche Norden noch immer nicht bereit ist, dem armen Süden wenigstens in Ansätzen zurückzugeben, was er ihm einst genommen hat und eigentlich noch immer nimmt. Die Vorstellung, dass die kleinen afrikanischen Staaten deshalb arm sind, weil die großen europäischen Nationen reich sind, ist zwar falsch, aber hartnäckig, wie NZZ-Afrika-Korrespondent David Signer in seinem Essay schreibt02.

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Unser Rechercheteam hat sich angesehen, wofür eigentlich das Geld ausgegeben wird03, das die österreichische Regierung dem Entwicklungshilfebudget zurechnet. Stellt sich heraus, dass die Hälfte davon an internationale Organisationen – vor allem an die Europäische Union, aber auch an die Vereinten Nationen – geht und dort in Töpfen landet, die eine eindeutige Zuordnung der österreichischen Gelder unmöglich macht. In die andere Hälfte werden Schuldenerlässe, Stipendien für Studenten aus Entwicklungsländern und vor allem die Kosten für die Betreuung von Asylwerbern eingerechnet, sodass eben für direkte Projektfinanzierungen weniger als 10 Prozent übrig bleiben.

Es mehren sich auch deshalb sowohl im Norden als auch im Süden die Stimmen, die dafür plädieren, das Entwicklungshilfekonzept der vergangenen Jahrzehnte grundsätzlich zu überdenken04, vom 0,7-Prozent-Ziel abzurücken und stattdessen mit weniger Geld für effizientere Hilfe zu sorgen oder die Hilfe gänzlich einzustellen05 und mehr auf direkte Wirtschaftskooperationen zu setzen. 

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