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Wiener U-Bahn: Wo die Feinstaub-Belastung am höchsten ist

Wo atmen Sie bessere Luft, während Sie auf die U-Bahn warten? Im drei Stockwerke unter der Erdoberfläche liegenden Tunnel, in dem nur die U-Bahn fährt, oder in einer ebenerdigen Station am Gürtel – zwischen sechs stark befahrenen Fahrbahnen? Messungen durch Wiener Forscher hatten das überraschende Ergebnis: je tiefer, desto belasteter.

Dafür wurden Feinstaubwerte einerseits in zwei beispielhaften Stationen gemessen, andererseits auf allen U-Bahn-Linien. Die höchsten Werte traten in unklimatisierten Wagen auf den Strecken der U1 und der U3 auf. Die Messungen fanden 2016 statt, zwei Messreihen von Addendum im Februar 2020 bestätigen die Werte.

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Höhere Werte auch in Tunnel-Stationen

Zwei beispielhafte Stationen wählten die Forscher aus: die ebenerdige Station Michelbeuern-AKH und die U2-Station Taborstraße, die drei Stockwerke tief liegt. Letztere wies eine etwa dreimal höhere Feinstaubbelastung  aus – 24,6 im Vergleich zu 7,9 μg/m3. Entscheidend ist also nicht nur, welche U-Bahn-Linie genutzt wird, sondern auch, wo man wartet.

Selbst wenn wie berichtet die Feinstaub-Grenzwerte politisch motiviert  sind, gilt laut Studienmitautor Prof. Neuberger: Je niedriger die Werte sind, desto besser. Denn auch unter den festgelegten Grenzwerten ist eine Gesundheitsgefährdung möglich. Beispielsweise steigt laut einer Studie die Anzahl der Krankenhausbesuche in Wien für Bronchitis und Asthma zwei bis vier Tage nach der Feststellung erhöhter Messwerten signifikant an. Eine Erhöhung des PM2,5-Tagesmittelwerts in der Atemluft um 10 µg/m³ korreliert mit 8 Prozent mehr Krankenhausbesuchen von Mädchen im Vorschulalter. Mehrtägige Erhöhungen der Feinstaubwerte in Graz und Linz waren laut Studien mit erhöhten Todesraten an diesen Tagen verbunden, auch die Anzahl der Herz und Atmung betreffenden Rettungstransporte stiegen mit höheren PM2,5-Werten an – um etwa 6 Prozent pro Erhöhung des Tagesdurchschnittswerts um 10 µg/m³.

Wie gesundheitsschädlich der gemessene Fein- und Ultrafeinstaub ist, hängt von der chemischen Zusammensetzung der Staubpartikel ab. Diese wurde von den Forschern noch nicht untersucht. Bei Messungen in der U-Bahn in Barcelona wurde festgestellt, dass der Großteil der Feinstaubbelastung aus Eisenoxid besteht, das bei Bremsvorgängen entsteht. Sollte das in Wien ähnlich sein, wäre das eine gute Nachricht: Im Vergleich mit Dieselruß und anderen Teilen des Straßenstaubs wäre der eisenhaltige Abriebstaub weniger giftig. 

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Über die Daten

Die verarbeiteten Daten stammen aus einem Paper von Klaus-Peter Posselt, Manfred Neuberger und David Köhler vom Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien, das in der Wiener klinische Wochenschrift unter dem Titel „Fine and ultrafine particle exposure during commuting by subway in Vienna” erschienen ist.

Zusätzlich wurde mit einem Gerät von umidus Bon Air Guardian, das von IBO Innenraumanalytik OG zur Verfügung gestellt wurde, zwei Messungen an der Linie U3 vorgenommen – jeweils eine Messung in einem klimatisierten und einem nichtklimatisierten Zug. Die Messung aus dem klimatisierten Zug wird im Artikel dargestellt, die Messreihe aus dem nichtklimatisierten Zug wurde nur zur Bestätigung der Datenqualität verwendet.

Die Messreihen wurden so vereinfacht, dass für jede Strecke zwischen allen Stationen jeweils fünf Werte errechnet wurden.

Für die U2 sind nur Daten aus klimatisierten Fahrzeugen vorhanden. Zum Zeitpunkt der Messungen war die U4 zwischen Hütteldorf und Schönbrunn gesperrt und die südliche Erweiterung der U1 ab Reumannplatz noch nicht in Betrieb.

Die Stationen Michelbeuern-AKH und Taborstraße wurden von den Forschern auch deswegen ausgewählt, weil sie nahe an Messstationen der MA 22 liegen.

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