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Was haben Frauen vom Feminismus?
Manche sagen, der Feminismus teile das Schicksal der Arbeiterbewegung: Er habe seine Mission – durch die weitgehende gesetzliche Gleichstellung von Männern und Frauen in der westlichen Welt – erfüllt und suche deshalb nach neuen Aufgaben.

Manche sagen, der Feminismus teile das Schicksal der Arbeiterbewegung: Er habe seine Mission – durch die weitgehende gesetzliche Gleichstellung von Männern und Frauen in der westlichen Welt – erfüllt und suche deshalb nach neuen Aufgaben. Dem Feminismus gehe es also heute nicht mehr um spezifische Anliegen der Frauen in der realen Arbeits- und Familienwelt, sondern um das große Ganze.

In der Tat fällt auf, wie viele Feministinnen es für selbstverständlich halten, zugleich Sozialistinnen zu sein. Simone de Beauvoir beispielsweise glaubte lang ernsthaft daran, dass der Feminismus eigentlich überflüssig sei, weil die Fragen, die er stelle, durch den Erfolg der sozialistischen Weltrevolution ohnehin mitbeantwortet würden.

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Aber auch der zeitgenössische Feminismus versteht sich über weite Strecken als antikapitalistische Veranstaltung. Das kann man nicht nur an den Forderungen des österreichischen Frauenvolksbegehrens ablesen, das in wenigen Wochen zur Unterzeichnung aufliegen wird, sondern auch an der internationalen Literatur zum Thema. Joan Wallach Scott beispielsweise geht in ihrem jüngsten Buch „Sex and Secularism“ so weit zu behaupten, dass der Säkularismus, also die Trennung von Religion und Politik, den Frauen nicht nur nichts gebracht, sondern sie noch stärker den sexistischen Tendenzen der antiklerikalen Säkularisten des 19. Jahrhunderts ausgesetzt habe.

Den frühen Säkularisten sei es vor allem um die Trennung des Öffentlichen und des Privaten gegangen, der Säkularismus sei mithin ein Handlanger der frühkapitalistischen Frauenunterdrückung. Schuld an der Verbannung der Frau ins Private, in die Familie, ist also der imperiale Kapitalismus, sagt Scott, und diese Botschaft dürfte auch von Feministinnen der jüngeren Generation (die Autorin selbst ist Jahrgang 1941) gern gehört werden.

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In unserem Rechercheprojekt geht es allerdings weniger um Ideologie und mehr um Fakten. Denn die Kernkampfzonen zwischen Männern und Frauen sind in der modernen Gesellschaft der Arbeitsplatz und die Kinderbetreuung. Werden Männer und Frauen bei gleicher Leistung gleich entlohnt oder werden Männer und Frauen nach wie vor diskriminiert ? Ist die zunehmende Zahl an Teilzeit-Dienstverhältnissen – die einen wesentlichen Teil der Einkommensschere erklärt – gut oder schlecht, mehr Freiheit oder mehr Unterdrückung?

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Wir versuchen, für die Antwort auf diese Fragen, die immer auch von den eigenen Erfahrungen und Überzeugungen geprägt sein wird, möglichst valides Datenmaterial zur Verfügung zu stellen. Unsere Kollegen aus dem Datenteam haben wieder einmal gezaubert und es tatsächlich geschafft, dass unsere User den Anteil der Frauen an der Erwerbstätigkeit und die Anzahl der Teilzeitverhältnisse für jede einzelne Gemeinde Österreichs auswerfen lassen können .

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Natürlich beschäftigen wir uns auch mit der Ideengeschichte des Feminismus und mit den aktuellen Forderungen des Frauenvolksbegehrens – verglichen mit jenen des Volksbegehrens aus dem Jahr 1997. Wir schlüsseln auf, was von den seinerzeitigen Forderungen erfüllt wurde und was nicht. Wir machen deutlich, was das heutige Volksbegehren vom seinerzeitigen unterscheidet . Was das bedeutet und ob das gut oder schlecht ist, darauf wird sich jede und jeder einen eigenen Reim machen. 

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Diese Bücher haben wir für das Projekt Feminismus gelesen:

Elisabeth Badinter: Dead End Feminism. Polity Press (2006)

Elisabeth Badinter: Die Wiederentdeckung der Gleichheit. Schwache Frauen, gefährliche Männer und andere feministische Irrtümer. Ullstein (2004)

Theresa Bäuerlein/Friederike Knüpling: Tussikratie. Warum Frauen nichts falsch und Männer nichts richtig machen können. Heyne (2014)

Simone de Beauvoir: Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau. Rowohlt (1951)

Thea Dorn: Die neue F-Klasse. Wie die Zukunft von Frauen gemacht wird. Piper (2006)

Andrea Dworkin: Pornographie. Männer beherrschen Frauen. Fischer (1987)

Geneviève Fraisse: Geschlecht und Moderne. Archäologien der Gleichberechtigung. Fischer (1995)

Ute Frevert: Frauen-Geschichte. Zwischen Bürgerlicher Verbesserung und Neuer Weiblichkeit. Suhrkamp (1986)

Betty Friedan: Der Weiblichkeitswahn oder die Selbstbefreiung der Frau. Ein Emanzipationskonzept. Rowohlt (1966)

Miriam Gebhardt: Alice im Niemandsland. Wie die deutsche Frauenbewegung die Frauen verlor. Deutsche Verlags-Anstalt (2012)

Ute Gerhard: Frauenbewegung und Feminismus. Eine Geschichte seit 1789. Verlag C.H. Beck (2012)

Walter Berka: Verfassungsrecht. Verlag Österreich (2016)

Judith Butler: Das Unbehagen der Geschlechter. Suhrkamp (1991)

Barbara Holland-Cunz: Die alte neue Frauenfrage. Suhrkamp (2003)

Michaela Karl: Die Geschichte der Frauenbewegung. Reclam (2011)

Theo Öhlinger: Verfassungsrecht. facultas.wuv (2016)

Laurie Penny: Bitchdoktrin. Edition Nautilus (2017)

Laurie Penny: Fleischmarkt. Edition Nautilus (2012)

Alice Schwarzer: Der große Unterschied. Gegen die Spaltung von Menschen in Männer und Frauen. Fischer (2002)

Alice Schwarzer: Der kleine Unterschied und seine großen Folgen. Frauen über sich. Beginn einer Befreiung. Fischer (1975)

Alice Schwarzer/Simone de Beauvoir: Weggefährtinnen im Gespräch. Kiepenheuer & Witsch (1983)

Rebecca Solnit: Die Mutter aller Fragen. Hoffmann und Campe Verlag (2017)

Rebecca Solnit: Wenn Männer mir die Welt erklären. btb Verlag (2017)

Jutta Sommerbauer: Differenzen zwischen Frauen. Zur Positionsbestimmung und Kritik des postmodernen Feminismus. UNRAST-Verlag (2003)

Virginia Woolf. Ein Zimmer für sich allein. Reclam (2012)

Andi Zeisler: Wir waren doch mal Feministinnen. Der Ausverkauf einer politischen Bewegung. Rotpunktverlag (2016)

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