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Woher kommt unser Fleisch?
Unser Rechercheteam hat sich alle Stationen der Fleischerzeugung vom Bauernhof über den Transport bis zur Schlachtung und darüber hinaus zur Verarbeitung angesehen. Die Kollegen haben viele Gespräche geführt, Zahlen zusammengetragen und Bilder eingefangen.

In Zeiten, in denen die großen metaphysischen Ideen der Religion und der Philosophie ihre Rolle als Sinnstifter menschlicher Existenz eingebüßt haben, messen immer mehr Menschen ihren praktischen Lebensvollzügen quasireligiöse Bedeutung bei: Essen, Sexualität und Sport werden zu raffinierten Bedeutungssystemen ausgebaut, mit strengen Regeln und unterschiedlichen Formen der Observanz, ganz wie früher die Religionen. Dabei hat gerade das Essen immer auch in der Religion eine Rolle gespielt, kaum eine kommt ohne spezifische Speisevorschriften aus, Christen glauben sogar daran, ihren Gründer und Heiland wöchentlich in zweierlei Gestalt zu sich zu nehmen.

Innerhalb der Speisevorschriften hat Fleisch immer eine Sonderrolle eingenommen. Es war neben Kräutern und Gemüse das Hauptnahrungsmittel des steinzeitlichen Jägers und Sammlers, mit der Sesshaftwerdung des Menschen änderte sich seine Beziehung zum Tier: Es wurde vom Hauptnahrungsmittel zum Haus- und Nutztier, der Fleischkonsum sank in der Ackerbau-Gesellschaft. Angezogen hat der Fleischverbrauch erst wieder mit der Industrialisierung, die ab dem späten 19. Jahrhundert auch die Lebensmittelproduktion umfasste.

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Die Art und Weise der Fleischerzeugung – von der Massentierhaltung über unhaltbare Zustände im Tiertransportwesen bis zum Grauen der Schlachthöfe – hat immer wieder auch literarische Kritiker auf den Plan gerufen. Upton Sinclair verarbeitete seine Recherchen über die Zustände in der Fleischindustrie Chicagos in seinem 1906 erschienenen Buch „The Jungle“; im Zentrum steht die Beschreibung der Produktionsbedingungen am Fließband. Sinclair deckte eklatante Mängel im Bereich der Hygiene auf, und seine Aufdeckerarbeit trug Früchte: Der Kongress verabschiedete den „Federal Meat Inspection Act“, der strengere Hygienevorschriften vorsah.

Etwas mehr als hundert Jahre später verzeichnete Jonathan Safran Foer (er hatte zuvor mit seinem Osteuropa-Roman „Everything Is Illuminated“ für Furore gesorgt, sein aktueller Roman heißt „Here I Am“) einen ähnlichen Erfolg. Aus Anlass der Geburt seines Sohnes beschäftigte er sich mit der Frage, wie man ein Kind unter zeitgenössischen Bedingungen angemessen ernähren könne. Seine Rechercheergebnisse fasste er in einem 2009 auf Englisch („Eating Animals“) und 2010 auf Deutsch („Tiere Essen“) erschienen Buch zusammen, von dem man ohne Übertreibung wird sagen können, dass es den zunehmend fleischlosen Zeitgeist des jüngeren, urban-intellektuellen Milieus mitgeprägt hat.

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Flächendeckend ist zwar ein gewisses Unbehagen an den Bedingungen der Massentierhaltung und den Bedingungen in den industriellen Schlachtbetrieben geworden, eine flächendeckende Abkehr vom Fleischkonsum ist freilich nicht zu erkennen, eher im Gegenteil: Seit den fünziger Jahren ist der Fleischkonsum in Österreich stark gestiegen. Heute werden in Österreich pro Kopf jährlich mehr als 90 Kilo Fleisch konsumiert. Das hat damit zu tun, dass es so billig ist, viel zu billig, wie Kritiker betonen.

Unser Rechercheteam hat sich alle Stationen der Fleischerzeugung vom Bauernhof über den Transport bis zur Schlachtung und darüber hinaus zur Verarbeitung angesehen. Die Kollegen haben viele Gespräche geführt, Zahlen zusammengetragen und Bilder eingefangen. Auch die Frage, ob Wild das bessere Bio-Fleisch sein könnte , wurde nicht ausgelassen. Auf diese Weise ist eine umfassende Dokumentation entstanden, die sich keiner Lebensweise verschreibt – auch Jonathan Safran Foer ruft übrigens in seinem sehr Fleisch-kritischen „Tiere Essen“-Buch nicht dezidiert zum Vegetarismus auf –, die aber den Leserinnen und Lesern eine ausgewogene Grundlage für eigene Ernährungsentscheidungen liefern sollte.

Mahlzeit. 

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