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Gentechnik: Wovor fürchten wir uns eigentlich?

Update 25.7.2018: Der EuGH hat entschieden, dass auch die neuen Gentechnik-Verfahren der GVO-Richtlinie unterliegen.

Gentechnik und Atomkraft waren die beiden Themen, die die Grünen in Deutschland und in Österreich politisch groß gemacht haben. Die Angst davor, dass der Mensch sich und seine natürliche Umwelt dem Zugriff von Technologien ausliefern könnte, deren Folgen er weder abschätzen noch kontrollieren oder reparieren kann, war – und ist – ein wesentlicher Faktor für die ökologische Mobilmachung, die wir seit etwa drei Jahrzehnten erleben05.

Ideen- und kulturgeschichtlich war das gewiss eine Reaktion auf die Fortschritts- und Technikgläubigkeit der 1960er und 70er Jahre. Bis heute werden die deutschsprachigen Öko-Parteien durch die Spannungen zwischen linksrevolutionären „Fundis“ und bürgerlichen „Realos“ geprägt, teilweise religiös unterfüttertes Natürlichkeitsdenken und fortschrittsgläubige Revolutionsrhetorik prallen regelmäßig aufeinander.

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In Österreich sind die Grünen bei den jüngsten Nationalratswahlen nach 30 Jahren aus dem Parlament geflogen, an der extrem Gentechnik-feindlichen Grundhaltung, der sie seinerzeit ihren politischen Aufstieg mitverdankten, hat sich in der österreichischen Mehrheitsgesellschaft aber nichts geändert. Dieser Haltung konnten auch die Fortschritte nichts anhaben, die während der vergangenen Jahre erzielt wurden. Der größte und wichtigste dieser Fortschritte, die unter dem Begriff „Genschere“ bekannt gewordene CRSPR/Cas9-Technologie, steht dieser Tage auf dem Prüfstand des Europäischen Gerichtshofs (EuGH).

Die Richter haben am 25. Juli darüber zu entscheiden, ob Pflanzen, die mittels CRSPR/Cas9 hergestellt wurden, als gentechnisch veränderte Organismen (GVO) gelten oder nicht, bzw. ob die damit verbundene Kennzeichnungspflicht auf europäischer oder auf nationaler Ebene geregelt werden kann. Aus wissenschaftlicher Sicht spricht gegen die pauschale Klassifizierung als GVO, dass erstens keine fremden Gene eingebracht werden müssen und also zweitens viele der auf diese Weise hergestellten Organismen auch durch zufällige Mutationen entstanden sein könnten. Der Unterschied ist (jedenfalls derzeit) nicht feststellbar.

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Allerdings geht es nicht nur um eine wissenschaftliche Frage, sondern auch um eine ökonomische. Sollten die Richter - entgegen der im Jänner veröffentlichten Empfehlung des Generalanwalts - entscheiden, dass es sich um gentechnisch manipulierte Organismen handelt, treffen die CRSPR-Produkte auf umfangreiche Kennzeichnungspflichten und Überprüfungsprozeduren, die einen ökonomischen Einsatz der Produkte annähernd unmöglich machen. In Europa, vor allem in Österreich, sind GVO-Produkte schwer bis kaum verkäuflich.

Unser Rechercheteam hat sich die wissenschaftlichen, ökonomischen und politischen Aspekte des Themas angesehen. In der „Im Kontext“-Reportage03 wird die Geschichte der neuen Gentechnik in beeindruckenden Bildern erzählt. Auf addendum.org erklärt der Molekularbiologe und Science Buster Martin Moder, was Gentechnik eigentlich ist und wie sie sich entwickelt hat01. Der Wissenschaftspublizist Florian Aigner gibt eine kleine, sehr feine Einführung06 in das wissenschaftliche Denken für den Alltag.

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Natürlich können wir nicht mit Sicherheit wissen, dass die jetzt zur Debatte stehenden Technologien der „Grünen“ Gentechnik absolut keine negativen Auswirkungen haben können. Aber was können wir schon mit Sicherheit wissen? Ups. 

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