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Grüne Gentechnik – ein Umdenken hat begonnen

Vor 22 Jahren sprossen die ersten gentechnisch veränderten Pflanzen auf den Feldern dieser Welt. Seit dieser Zeit wurden die ökologischen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Pflanzen in vielen tausenden Studien intensiv untersucht. Gesundheitliche Risiken konnten bisher nicht bestätigt werden. Trotzdem dominieren diese nach wie vor die öffentliche Debatte.

22.07.2018
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Update 25.7.2018: Der EuGH hat entschieden, dass auch die neuen Gentechnik-Verfahren der GVO-Richtlinie unterliegen.

Obwohl gentechnisch veränderte Pflanzen (GV-Pflanzen) die mit Abstand bestuntersuchten Nutzpflanzen der Welt sind, wird ihr Anbau oft als risikoreich und mit unabsehbaren Folgen wahrgenommen. Besonders in Österreich. Aus einer Eurobarometerstudie von 2010 geht hervor, dass Österreicher der Biotechnologie und genetischen Veränderungen deutlich pessimistischer gegenüberstehen als die Bewohner aller anderen EU Staaten.

Die neuen Zuchtverfahren werden auch in den Bereichen abgelehnt, in denen gesundheitliche und ökologische Vorteile mittlerweile gut belegt sind – interessanterweise besonders von jenen Gruppierungen, die sich gesunde Lebensmittel und nachhaltige Produktion auf die Fahnen geschrieben haben. Doch der Widerstand gegen die neuen Zuchtmethoden scheint sich zu lockern. Nicht zuletzt aufgrund der überwältigenden Studienlage und der Entwicklung neuer Präzisionsverfahren, durch die viele der bisherigen Kritikpunkte mittlerweile ins Leere gehen.

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Was ist Gentechnik?

Die Grenze zwischen dem, was als „gentechnisch verändert“ gilt und was als „natürlich“ angesehen wird, ist unscharf. Ein großer Teil aller heute verwendeten Nutzpflanzen ist dadurch entstanden, dass die Samen oder Knospen ursprünglicher Sorten entweder radioaktiv bestrahlt oder mit mutagenen Chemikalien behandelt wurden, also Chemikalien, die die Erbsubstanz verändern. Dadurch entstehen zahlreiche zufällige Genom-Veränderungen, die die Eigenschaften der Pflanzen dauerhaft verändern. Mehr als 3.000 neue Sorten wurden in den letzten Jahrzehnten durch dieses „Mutagenese“-Verfahren hergestellt. Als Gentechnik gilt das allerdings nicht. Solange man keine Kontrolle darüber hat, welche Gene man verändert, dürfen die erzeugten Sorten sogar ungekennzeichnet in Bioläden verkauft werden. Erst wenn ein Eingriff in das Genom ganz gezielt stattfindet, gilt das per Gesetz als Gentechnik.01

Doch darüber hinaus ermöglicht es die moderne Gentechnik, die Artenbarriere zwischen Organismen zu überwinden. Dadurch ist es mitunter möglich, Gene aus Bakterien in Pflanzen einzuschleusen. So etwas findet zwar auch in der Natur statt, allerdings relativ selten und nicht zielgerichtet. Durch das Einschleusen gewünschter DNA-Abschnitte konnten viele pflanzliche Eigenschaften beeinflusst werden. Es entstanden Sorten mit erhöhter Toleranz gegenüber trockenen oder salzhaltigen Böden, mit eingebrachten Viren-Resistenzen oder verbessertem Nährstoffgehalt.

Zwei Eigenschaften von Produkten der bisherigen „klassischen“ Gentechnik haben sich in der Landwirtschaft am stärksten durchgesetzt: Resistenzen gegen Insekten und gegen Unkrautvernichtungsmittel. Dass diese Veränderungen vielen Landwirten willkommen sind, bezeugen die weltweit wachsenden Ackerflächen, auf denen GV-Pflanzen angebaut werden. Doch profitieren die Landwirte wirklich davon? Und welche Folgen hat der Anbau von GV-Pflanzen für die Umwelt und die Sicherheit der Lebensmittel?

Um ein großes Themengebiet zu begreifen, braucht es eine große Anzahl an Untersuchungen. Alleine zu gentechnisch verändertem Mais existieren mehr als 6.000 Studien. Um die Auswirkungen der Pflanzen einordnen zu können, ist es wenig sinnvoll, einzelne dieser Untersuchungen zu betrachten – es bedarf einer Übersicht über die gesamte Studienlage. Solche Übersichtsarbeiten existieren, man bezeichnet sie als Reviews und Metaanalysen. Von allen wissenschaftlichen Arbeiten sind sie mit Abstand die aussagekräftigsten. Alle Informationen dieses Artikels stützen sich auf derartige Übersichtsarbeiten, wo immer welche vorhanden sind.

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Weniger Schädlinge, mehr Unkraut

Eine umfangreiche Metaanalyse von 2014 fasst die Folgen eines Umstiegs von konventionellem Saatgut auf gentechnisch verändertes zusammen. Im Durchschnitt fahren Landwirte eine um 22 Prozent größere Ernte ein, wenn sie von konventionellem Saatgut zu GV-Sorten wechseln. Grund dafür sind die geringeren schädlingsbedingten Ernteverluste, die durch insektenresistente Pflanzen ermöglicht werden.

In Entwicklungsländern sind diese Ertragssteigerungen deutlich höher als in Industriestaaten, in denen Landwirten mehr Optionen zur Schädlingsbekämpfung zur Verfügung stehen. Die Menge an verwendeten Pestiziden wird durch einen Umstieg auf GV-Sorten um 37 Prozent reduziert. Hier muss jedoch unterschieden werden zwischen Insektiziden (Insektenbekämpfung) und Herbiziden (Unkrautbekämpfung). Während der Insektizideinsatz durch schädlingsresistente Sorten stark gesunken ist, stieg der Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln durch den Anbau herbizidresistenter Pflanzen in vielen Regionen an.

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Weniger Insektizid-Vergiftungen

Zusammengenommen nimmt die Menge an ausgebrachten Pestiziden durch den Umstieg auf GV-Pflanzen jedoch um etwa 37 Prozent ab. Für die Landwirte sinken die Pestizid-Kosten dadurch um 39 Prozent. Die geringeren Spritzmittelkosten zusammen mit den höheren Erträgen bewirken, dass der Profit der Landwirte durch den Umstieg auf GV-Pflanzen um 68 Prozent höher ausfällt. Auch diese Einkommenssteigerung ist in Entwicklungsländern deutlicher ausgeprägt als in Industrienationen. Die Metaanalyse, die vom deutschen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und der EU finanziert wurde, findet bei diesen Entwicklungen keine Unterschiede zwischen Studien, die von der Industrie finanziert wurden, und nicht-industriefinanzierten Untersuchungen.

Der Anbau insektenresistenter Pflanzen bringt für Landwirte in Entwicklungsregionen aber noch einen weiteren entscheidenden Vorteil. Alleine durch den Anbau insektenresistenter Baumwolle in Indien werden pro Jahr mehrere Millionen Fälle von Insektizid-Vergiftungen unter Baumwollfarmern vermieden; ein Umstand, der bei Diskussionen über die gesundheitlichen Auswirkungen genmanipulierter Pflanzen nur selten erwähnt wird.

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Kleinbauer in Bangladesch spritzt ohne jede Schutzausrüstung Insektizide auf Melanzanipflanzen.

Auswirkungen auf die Umwelt

Eine Pauschalaussage über „die ökologischen Auswirkungen von GV-Pflanzen“ lässt sich schwer treffen. Jede gentechnisch veränderte Sorte ist anders und muss deshalb separat bewertet werden. Trotzdem existieren Übersichtsarbeiten, die ein allgemeines Fazit bezüglich der ökologischen Auswirkungen gentechnisch veränderter Pflanzen ziehen.

Schonendere Bodenbearbeitung

Herbizidresistente Pflanzen erlauben es Landwirten, Unkraut effektiv zu bekämpfen, ohne die Felder intensiv zu pflügen. Die mechanische Bodenbearbeitung mithilfe eines Pflugs klingt zwar harmlos, schädigt jedoch die im Boden lebenden Organismen, fördert Bodenerosion und Humusabbau, verhindert den Aufbau einer natürlich gewachsenen Bodenstruktur und führt zu hohen Treibhausgas-Emissionen. Diese negativen Effekte lassen sich durch den Einsatz herbizidresistenter Pflanzen vermindern, die eine sogenannte konservierende Bodenbearbeitung ermöglichen.

Verringerter Insektizid-Einsatz

Da Felder, auf denen insektenresistente Pflanzen wachsen, nicht großflächig gegen den betreffenden Schädling gespritzt werden müssen, sind andere Feld-Organismen von den Insektiziden weniger betroffen. Bei den eingebrachten Resistenzen handelt es sich um sogenannte Bt-Proteine, die aus Bakterien stammen und für Menschen unbedenklich sind. Es existieren hunderte verschiedene Bt-Proteine, die vor unterschiedlichen Fraßfeinden schützen.

Schon lange bevor es Gentechnik gab, wurden Bt-Proteine zur Insektenbekämpfung genutzt und sind bis heute ein verbreitetes Spritzmittel in der Bio-Landwirtschaft. Der Einsatz von Bt-Pflanzen reduziert nicht nur den Insektizidbedarf auf dem eigenen Feld, sondern auch auf den umliegenden. Eine große Übersichtsarbeit konnte zeigen, dass in Regionen, in denen Bt-Mais angebaut wird, der Insektizid-Einsatz auch auf Feldern sinkt, die mit konventionellem Mais bepflanzt sind. Das kommt daher, dass durch den Einsatz der Bt-Pflanzen die Schädlingsdichte in der gesamten Region abnimmt.

Verringerter Landbedarf

Die höheren Erträge gentechnisch veränderter Pflanzen führen dazu, dass für eine bestimmte Menge an Lebensmitteln weniger Fläche benötigt wird. Man spricht dabei von einer erhöhten Landnutzungseffizienz. Insgesamt muss dadurch weniger Landgewinnung betrieben werden, die oft mit der Zerstörung von Ökosystemen einhergeht.

Die ökologischen Auswirkungen gentechnisch veränderter Pflanzen werden häufig überschätzt. Zahlreiche Forschungsprojekte haben gezeigt, dass die unterschiedlichen Auswirkungen auf Ökosystem und Artenvielfalt zwischen verschiedenen konventionellen Maissorten größer sind als die zwischen gentechnisch verändertem Bt-Mais und seiner unveränderten Ausgangssorte. Insgesamt schneiden die veränderten Sorten dennoch besser ab.

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Auswirkungen auf die Konsumenten

Vielleicht sind Ihnen diese Bilder bereits untergekommen: Ratten, die von gigantischen Tumoren zerfressen sind – angeblich aufgrund langjähriger Fütterung mit gentechnisch verändertem Mais und Herbizid-Rückständen im Trinkwasser. Die spektakulären Resultate stammen aus einer 2012 erschienenen Studie des französischen Molekularbiologen und Gentechnik-Kritikers Gilles-Éric Séralini. Die Bilder gingen um die Welt, und die Schlagzeilen vieler Nachrichtenmagazine verkündeten, der Nachweis für die negativen gesundheitlichen Folgen der Gentechnik wäre erbracht.

Hingegen war kaum irgendwo davon zu lesen, als die Studie ein Jahr später aufgrund schwerwiegender methodischer Mängel zurückgezogen wurde. Ebensowenig hörte man davon, dass die behaupteten Ergebnisse zahlreichen anderen Untersuchungen widersprachen und eine von der EU geförderte Wiederholung der Rattenstudie nach internationalen Standards keinerlei Anzeichen für gesundheitliche Beeinträchtigungen finden konnte.

Was in der öffentlichen Wahrnehmung zurückblieb, waren die Bilder der tumorzerfressenen Ratten, kombiniert mit Schlagzeilen wie „Höheres Krebsrisiko durch Genmais“ (ZDF Heute), die vorschnell und unhinterfragt verbreitet wurden. Nicht zuletzt darauf ist es zurückzuführen, dass der Glaube, gentechnisch veränderte Lebensmittel seien ungesund, für viele Leute selbstverständlich wurde.

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Weniger Gift

Dem widersprechen nicht nur die Resultate unzähliger Laborversuche, sondern auch die direkt messbaren Auswirkungen. Während sich landwirtschaftliche Nutztiere bis 1996 vollkommen gentechnikfrei ernährten, konsumieren sie heutzutage überwiegend gentechnisch veränderte Futtermittel. Vergleicht man die Gesundheitsdaten von über 100 Milliarden Nutztieren vor und nach 1996, zeigt sich, dass der Umstieg auf gentechnisch verändertes Futter ohne gesundheitliche Folgen blieb. Auch unter den hunderten Millionen Menschen, die seit zwei Jahrzehnten GV-Lebensmittel konsumieren, finden sich keine Hinweise auf gesundheitliche Folgen. Unter den vielen tausenden Untersuchungen, die in den 22 Jahren des kommerziellen Anbaus durchgeführt wurden, finden sich keine seriösen Hinweise darauf, dass gentechnisch veränderte Pflanzen gesundheitlich bedenklicher wären als konventionelle.

Im Gegenteil. Eine der bisher umfangreichsten Metaanalysen konnte zeigen, dass Bt-Mais eine deutlich niedrigere Pilzgift-Belastung aufweist als konventioneller. Diese Gifte stehen mitunter in Verdacht, krebserregend zu sein und embryonale Fehlbildungen zu fördern. Grund für die geringere Belastung des gentechnisch veränderten Maises ist, dass der Pilzbefall vorrangig an Stellen auftritt, die von Fraßfeinden beschädigt wurden. Da Bt-Mais jedoch vor Insektenbefall geschützt ist, kann er auch von Pilzen nicht so einfach besiedelt werden. Abseits der verringerten Pilzgift-Konzentration blieb der Nährstoffgehalt unverändert.

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Was bleibt an Problemen?

Viele der Probleme, die an der Grünen Gentechnik lange Zeit zu Recht kritisiert wurden, sind mittlerweile gelöst. Bis vor kurzem hatten Forscher keine Kontrolle darüber, wo sich eine eingebrachte DNA-Sequenz in der pflanzlichen Erbinformation einfügt. Außerdem war es aus technischen Gründen notwendig, zusätzlich zu dem gewünschten Gen auch eine Antibiotikaresistenz miteinzubringen. Dank der Entwicklung neuer Methoden, wie der Genschere CRISPR/Cas901, ist das nicht mehr notwendig. Die neue Präzisions-Gentechnik der letzten Jahre erlaubt es, minimale Veränderungen der Erbinformation vorzunehmen, die sich von den spontanen Mutationen, die in Pflanzen permanent auftreten, gar nicht unterscheiden lassen. Trotzdem gibt es Probleme, die bleiben.

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Ausbreitung

Es ist nicht auszuschließen, dass gentechnisch veränderte Pflanzen konkurrenzstärker als ihre unveränderten Ausgangsformen werden und sich auch außerhalb der Ackerflächen behaupten könnten. Verallgemeinern lässt sich das allerdings nicht. Viele Kultursorten, wie Mais und Kartoffeln, können außerhalb des Ackers in freier Natur gar nicht überleben. Anders ist das bei Raps. So hat man in Gegenden der USA, in denen herbizidresistenter Raps angebaut wird, diesen auch abseits der Felder gefunden. Bei Zulassungsverfahren werden solche Bedenken jedoch miteinbezogen, und der Anbau von GV-Raps ist in Europa nicht erlaubt.

Resistenzbildung

Da die Evolution auch vor Feldern nicht halt macht, können Insekten Resistenzen gegenüber Bt-Pflanzen entwickeln. Bis 2016 wurden 16 Fälle resistenter Insektenpopulationen entdeckt, die den Nutzen der Bt-Pflanzen innerhalb der betroffenen Region stark reduzieren. Allerdings ist die Resistenzbildung von Fraßfeinden kein Gentechnik-spezifisches Problem, sondern ein allgemeines Problem der Schädlingsbekämpfung.

Mittlerweile stehen mehrere Strategien zur Verfügung, von denen gezeigt wurde, dass sie die Resistenzbildung der Insekten verzögern können. Gleiches gilt für die Entstehung von Unkräutern, die Resistenzen gegen das Herbizid Glyphosat (Markenname Roundup) entwickelt haben, das bei GV-Pflanzen häufig zum Einsatz kommt. Auch das ist ein ernstzunehmendes Problem, allerdings kein neues. Resistenzbildung bei Unkräutern betrifft nicht Gentechnik im Speziellen, sondern chemische Unkrautbekämpfung im Allgemeinen.

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Monopolisierung

Ein häufiger Kritikpunkt ist, dass GV-Pflanzen eine Monopolisierung des Saatguts fördern. Der Großteil der Patente für gentechnisch modifizierte Pflanzen befindet sich in den Händen weniger großer Saatgutproduzenten. Ein Grund dafür ist, dass sich kleine Züchter die kostspieligen jahrelangen Zulassungsverfahren nicht leisten können. Hier könnten die Methoden der neuen Präzisions-Gentechnik Abhilfe verschaffen.

Derzeit wird am Europäischen Gerichtshof darüber verhandelt, ob Pflanzen, die mit neuen Technologien verändert wurden, überhaupt als gentechnisch verändert gelten sollen, wenn keine artfremde DNA eingebracht wurde. Sollte entschieden werden, dass die neuen Präzisions-Technologien nicht unter die alte Gentechnik-Regelung fallen, wären Methoden wie CRISPR/Cas9 auch für kleine Züchter nutzbar, was der Monopolbildung entgegenwirken würde.

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Das Potenzial geht in den Ängsten unter

Im Jahr 2016 unterzeichneten 110 Nobelpreisträger, mehr als die Hälfte aller noch lebenden, einen offenen Brief an Greenpeace. Darin forderten sie die Umweltschutzorganisation auf, den wissenschaftlichen Konsens bezüglich gentechnisch veränderter Pflanzen zu akzeptieren und ihren Aktionismus gegen moderne Pflanzenzüchtung zu unterlassen. Sie weisen darauf hin, dass es keinen einzigen bekannten Fall gibt, in dem ein Mensch oder ein Tier durch den Konsum gentechnisch veränderter Lebensmittel gesundheitlichen Schaden genommen hätte und dass mehrfach gezeigt wurde, dass GV-Pflanzen insgesamt umweltverträglicher sind als herkömmliche Sorten und ein Segen für die weltweite Biodiversität.

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Goldener Reis

Der Brief enthielt außerdem eine sehr gezielte Forderung: die Kampagnen gegen Goldenen Reis zu unterlassen. Dabei handelt es sich um eine Reissorte, die dank gentechnischer Veränderung große Mengen an Beta-Carotin enthält, die Vorstufe zum lebenswichtigen Vitamin A. Die UNICEF schätzt, dass jährlich ein bis zwei Millionen Kinder in Entwicklungsländern an vermeidbarem Vitamin-A-Mangel sterben. Fast alle davon in ärmlichen Regionen, in denen Landwirten nur selbstangebauter Reis als Nahrungsmittel zu Verfügung steht, der jedoch kein Beta-Carotin enthält.

Zu diesem Zweck wurde der Goldene Reis mithilfe gemeinnütziger Gelder hergestellt. Ziel ist es, das vitaminangereicherte Saatgut in den betroffenen Regionen zu verteilen und Landwirten somit die Möglichkeit zu geben, ihren Vitamin-A-Bedarf eigenständig zu decken. Lizenzzahlungen würden dabei nicht anfallen, und die Bauern könnten das geerntete Saatgut jedes Jahr erneut ausbringen.

Doch Umweltschutzorganisationen leisten dagegen Widerstand. Auf den Philippinen wurden Versuchsfelder von Gentechnik-Gegnern gestürmt und verwüstet. Greenpeace bezeichnet den Goldenen Reis als „gefährliche Illusion“. Eines der Hauptargumente ist, der Reis sei ein Trojanisches Pferd, das die Akzeptanz der Grünen Gentechnik steigern soll. Hinzu kommt das klassische Argument der unabsehbaren Folgen. Welches potenzielle Horrorszenario dabei mit Millionen toten Kindern pro Jahren konkurrieren soll, bleibt unerwähnt.

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Was fehlt: Eine vernunftbasierte Diskussion

Die Diskussion um gentechnisch veränderte Lebensmittel wurde abseits der Forschung bisher weitgehend auf einer ideologisch-emotionalen Grundlage geführt. Doch nach mehr als 20 Jahren Grüner Gentechnik und dem Ausbleiben praktisch aller prophezeiten Horrorszenarien scheint ein Umdenken begonnen zu haben. Der Widerstand scheint auch bei den Grünen zu bröckeln. Die Grünen-Politikerin Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg, schrieb vor wenigen Wochen in einem Gastbeitrag für Spiegel online: „Die Grünen sollten den Stand der Wissenschaft anerkennen. Und der Gentechnik eine Chance geben.“

Landwirtschaft kann niemals ohne ökologische Auswirkungen betrieben werden. Vernünftig ist, sich für die Methoden zu entscheiden, die sich bei intensiver Begutachtung als am sinnvollsten herausstellen. In manchen Bereichen schneidet die biologische Landwirtschaft am besten ab. In anderen triumphieren gentechnisch veränderte Pflanzen.

Die letzten zwei Jahrzehnte haben gezeigt, dass die Gentechnik entgegen der hohen Erwartungen nicht in der Lage war, sämtliche landwirtschaftliche Probleme zu lösen. Sie haben jedoch auch eindeutig gezeigt, dass ein grundsätzliches Ablehnen moderner Zuchtmethoden weder den Interessen der Umwelt, der Konsumenten noch der Landwirte dient. Das Aufkommen der der neuen gentechnischen Präzisionsverfahren sollte dazu genutzt werden, die Diskussion neu zu starten und auf einer vernunftbasierten Ebene weiterzuführen. 

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Das Rechercheteam

Timo Küntzle
Projektleitung / Team TV

Timo Küntzle, geboren 1974 in Karlsruhe, ist Journalist und hat ein Diplom in Agrarwissenschaften. Nach seinem Studium (Fachrichtung Pflanzenbau) und einem Redaktions-Volontariat, arbeitete er als Redakteur und Reporter für die Nachrichtenredaktionen von Puls 4 und Servus TV, später als Moderator und Gestalter für das Wissensformat „Na Servus – das Wetter auf Servus TV“ sowie für „Servus am Morgen“. Zuletzt schrieb er regelmäßig Beiträge für das Ressort „Wissen und Innovation“ der Tageszeitung „Die Presse“.

Martin Moder
Gastautor

Martin Moder promovierte als Molekularbiologe am Zentrum für Molekulare Medizin in Wien. Er engagiert sich in der Gesellschaft für kritisches Denken, ist Autor populärwissenschaftlicher Bücher und Mitglied der Science Busters.

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