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Übersicht  

Das Novomatic-Universum im Überblick

Weit verzweigt und ziemlich komplex: Vor 37 Jahren wurde die erste Firma aufgebaut, mittlerweile zählen weltweit über 200 Unternehmen zur Novomatic Group of Companies. Viele Firmen, die Addendum eruieren konnte, befinden sich bis heute konsolidiert im Alleineigentum des Gründers.

Zum besseren Verständnis der Firmenphilosophie hat das Rechercheteam die Eigentümerstruktur des Weltkonzerns analysiert. Die wesentlichen Erkenntnisse aus dieser Anlayse werden im Folgenden zusammengefasst:

  1. Warum wesentliche Unternehmensteile des Konzerns unter der Gryphon Invest AG in Zürich und nicht unter der Novomatic AG in Österreich angeordnet sind, ob dies steuerrechtliche Gründe hat und ob Offshore-Gesellschaften (z.B. in Malta, Gibraltar, Panama) Teil der Firmengruppe sind, beantwortet der Konzernsprecher wie folgt: „Beteiligungen und Struktur der NOVOMATIC AG sind ausschließlich organisatorisch, gesellschaftsrechtlich und regulatorisch bedingt. Sie haben den Begriff „Off-shore“ leider nicht definiert. Sollte mit dieser Fragestellung jedoch auf ein etwaiges Steuerkonstrukt abgezielt werden, so weisen wir Sie auf unseren Geschäftsbericht hin, in dem sämtliche Steuerleistungen völlig transparent und umfassend dargestellt werden.“
  2. Managementbeteiligungen, sogenannte „Earn-in-Modelle“ oder fremde Anteilseigner, sucht man bei der Novomatic-Gruppe vergeblich. Zwar werden Töchter und Enkelunternehmen oft von verschiedenen Gesellschaften gehalten, konsolidiert befinden sich jedoch alle Unternehmen der Gruppe entweder im Eigentum der Gryphon Invest AG, der ACE Casino Holding AG (beide domiziliert in der Schweiz) oder der NOVO Invest GmbH (registriert in Österreich). Fremdbeteiligungen von wenigen Prozenten an Tochterunternehmen, die durch regionale Partner gehalten werden, bilden die Ausnahme.
  3. Ein Schwerpunkt der kapitalintensiven Produktion von Automaten und Gaming-Equipment ist bei den mindestens zehn Gesellschaften der EPD European Data Project Gruppe in der Tschechischen Republik erkennbar. Diese Gruppe produziert laut eigenen Angaben jährlich 60.000 Spielautomaten. Die EDP-Gruppe steht im Eigentum der Gryphon Invest AG in der Schweiz, welche direkt von Johann Graf gehalten wird, und somit nicht Teil der österreichischen Novomatic AG ist.
  4. Das Novomatic Online Gaming Business konzentriert sich über die Greentube Holding-Struktur mit mehr als zehn Tochtergesellschaften unter anderem in Malta und Gibraltar. Die hierbei zwischengeschaltete Holding ist in Großbritannien ansässig. Das Rechercheteam wollte dazu wissen, ob die Novomatic-Gruppe Online-Gaming-Dienstleistungen aus dem Ausland auch in Österreich anbietet. Hierzu erhielten wir die folgende Antwort (auf eine Frage, die wir so nicht stellten): „Selbstverständlich betreiben wir in Österreich kein Online-Glücksspiel, da Österreich diesbezüglich ein regulierter Markt ist.“ Tatsächlich betreibt die Novomatic-Gruppe kein Online-Glücksspiel in Österreich. Sehr wohl jedoch bietet eine Novomatic-Tochter Online-Glückspiele über eine in Malta domizilierte Gesellschaft in Österreich an.
  5. Bei Novomatic wird auf vertikale Integration großen Wert gelegt. Dies bedeutet, dass der Konzern seine Glücksspielautomaten- und Geräte nicht nur selbstständig entwickelt, sondern auch herstellt, vertreibt und – teilweise – auch betreibt.
  6. Aufgrund des internationalen Vertriebs in mehr als 70 Länder zählt das Unternehmen zu den größten Herstellern. Ziel ist es, wie CEO Harald Neumann Anfang Oktober auf der Glücksspielmesse  „G2E“ in Las Vegas verkündete, in den kommenden Jahren Weltmarktführer zu werden. Von den weltweit rund 29.000 Beschäftigten arbeiten etwa elf Prozent in Österreich. Nach Berücksichtigung der Steueraufwendungen in Höhe von 75 Millionen Euro ergab sich für das Jahr 2016 im Konzernbericht der Novomatic AG ein Jahresüberschuss in der Höhe von 154,4 Millionen Euro. Das Werbebudget des Konzerns betrug in diesem Jahr 108,9 Millionen.
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Interaktive Darstellung der Firmenstruktur

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Das Rechercheteam

Rainer Fleckl
Projektleitung

Rainer Fleckl will den Dingen auf den Grund gehen. Er hat Kommunikationswissenschaften studiert und startete seine ersten investigativen Recherchen im Sportressort des „Kurier“, dessen Leitung er 2008 übernahm. 2010 wurde er mit dem Aufbau einer Rechercheabteilung betraut. Vor seinem Engagement bei Quo Vadis Veritas war Fleckl als Bereichsleiter bei ServusTV und in der Chefredaktion von „News“ tätig.

Gerald Gartner
Team Daten

Gerald Gartner kuratiert, analysiert und visualisiert große Datenmengen zu politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen. Er lehrt an der Fachhochschule Wien. Davor war er für derStandard.at und NZZ.at in Wien tätig.

Christine Grabner
Team Investigative Recherche

Christine Grabner war die letzten 12 Jahre als Redakteurin für das ORF Reportage-Format „Am Schauplatz“ tätig. Ihr Schwerpunkt sind gesellschaftspolitische und investigative Themen. Davor war sie viele Jahre freiberuflich unter anderem für den ORF „Report“, ATV, Spiegel-TV oder die Berliner Zeitung tätig. Die gebürtige Kärntnerin hat an der Berliner „Freien Universität“ ein Magister-Studium der Publizistik/ Philosophie und Neueren Geschichte abgeschlossen.

Markus „Fin“ Hametner
Team Daten

Markus Hametner hat Informatik studiert, baut seit 2011 Brücken zwischen Technologie und Journalismus und beschäftigt sich seit 2014 als Datenjournalist mit internationalen Datenrecherchen und interaktiven Visualisierungsformen. In seiner Freizeit betreibt er als Mitgründer des Forum Informationsfreiheit die Plattform FragDenStaat.at und trägt erfolgreich Rechtsstreite mit Behörden aus, die Auskünfte verweigern.

Christoph Hanslik
Team Investigative Recherche

Christoph Hanslik war in den vergangenen 17 Jahren als Unternehmer am internationalen Finanzmarkt tätig. Seine Erfahrungen stellte er drei Jahre im Parlament als Fachreferent für die Bereiche Budgetausschuss, Finanzausschuss, ESM-Ausschuss sowie als Teamleiter des HYPO-Untersuchungsausschuss zur Verfügung. Jetzt berät er das investigative Rechercheteam von Addendum.

Johannes Kaiser
Team Experten

Johannes Kaiser studiert Rechtswissenschaften an der Universität Wien. Neben dem Studium war er in einer Wiener Bankenrechtskanzlei tätig, bevor er ins Parlament wechselte. Dort arbeitete er als Analyst im HYPO-Untersuchungsausschuss und später im Finanz- und Budgetbereich. Addendum ist seine erste Station in der Medienbranche.

Maria Kern
Team Investigative Recherche

Maria Kern war in den vergangenen zehn Jahren Innenpolitik-Redakteurin des „Kurier“. Zuvor war sie im EU-Ressort und in der Chronik-Redaktion der Tageszeitung tätig. Die Publizistik- und Politikwissenschaftsabsolventin der Uni Wien sieht es als ihre Aufgabe an, Bürgern komplexe Sachverhalte und Zusammenhänge zu erklären und auch aufzuzeigen, was im Land schiefläuft.

Dennis Meyer
Team TV

Dennis Meyer glaubt an die Macht der Bilder und des Wortes. Der Kulturwissenschaftler wurde also Fernsehjournalist. Nach Stationen beim ZDF und bei Spiegel TV zog der Hamburger nach Salzburg. Zunächst arbeitete er als freier Autor und Gestalter, dann in der Redaktion von „Talk im Hangar-7“. Jetzt widmet er sich Reportagen und Dokumentationen über Themen, die bewegen.

Hubertus J. Schwarz
Team Digital

Hubertus Schwarz ist seit 2007 in der Medienbranche tätig. Seine journalistische Laufbahn startete er beim ZDF-Auslandsstudio Südosteuropa. Über mehrere Stationen als Autor, unter anderem für den „Spiegel“ und „Die Zeit“ ging es 2015 zurück zum Fernsehen. Zuletzt war er bei ServusTV Redakteur für den „Talk im Hangar-7“.

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