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„Das war für mich der Klick, der Todesstoß“

Wie kann es sein, dass manche Menschen ihr ganzes Hab und Gut verspielen, danach Kredite verzocken und am Ende sogar kriminell werden, um einige Tasten auf einem Automaten drücken zu können? Zwei Spielsüchtige erzählen, wie sie in den Abgrund gedriftet sind und was ihr Absturz bedeutet hat.

Klaus Hödl hat eigenen Angaben zufolge „weit mehr als eine Million Euro“ verzockt.
10.10.2017

Wenn Gerald Pfeiffer von dem Tag erzählt, an dem für ihn klar wurde, „dass es jetzt ein Ende geben muss“, kämpft er heute, fünf Jahre danach, noch mit den Tränen. Es war der 24. Juli 2012. Da verabschiedete sich der Grazer in der Früh zweimal von seiner Tochter, wie ihm seine Frau später erzählte. Er fuhr mit dem Auto los, ohne zu wissen, wohin. Denn was „das Ende“ konkret bedeuten sollte, hatte Pfeiffer zu diesem Zeitpunkt noch nicht entschieden. Sollte er sich der Polizei stellen, untertauchen – oder sich das Leben nehmen?

Dass der heute 52-jährige Steirer derart verzweifelt war, ist wenig verwunderlich. Er hatte 800.000 Euro verspielt, wofür er 513.000 in einer Firma, in der er selbst Geschäftsführer war, abgezweigt hatte. Pfeiffer sagt, er habe sich verachtet. Er habe seine Kollegen belogen, das Unternehmen geschädigt. „Und ich habe meine Frau jahrelang betrogen – mit einem Automaten.“ Letztlich stand er zu seiner verhängnisvollen Affäre. Die Folgen des Geständnisses waren naturgemäß drastisch. Nach der Selbstanzeige folgten eine fristlose Entlassung, ein Privatkonkurs samt Verlust der Eigentumswohnung und eine gerichtliche Verurteilung.

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Der Kreislauf

Klaus Hödl (49) ist schon zweifach vorbestraft – wegen Untreue, Veruntreuung und Betrugs. Der gebürtige Niederösterreicher sagt, er habe „weit mehr als eine Million Euro“ verzockt. „Es ist schlimm, es ist die absolute Hölle. Es war immer ein Kreislauf – Geld besorgen, spielen, Geld besorgen, spielen. Du kannst einfach nicht aufhören.“ Als das eigene Geld fehlte, borgte er es sich zunächst von Freunden aus, dann zapfte er bei einem Großkonzern Millionen Liter Diesel ab – und verkaufte den Sprit unter der Hand. Später waren es Baumaschinen. Beschaffungskriminalität wird das im Kriminalistenjargon genannt.

Pfeiffer und Hödl beschafften sich Geld, um ihre Sucht finanzieren zu können. Beide gehören zu jenen rund 1,1 Prozent der Österreicher zwischen 14 und 65 Jahren, die einer Untersuchung des Hamburger Instituts für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung zufolge „ein problematisches oder pathologisches Spielerverhalten“ aufweisen, also spielsüchtig sind („Glücksspielverhalten und Glücksspielproblem in Österreich“, 2015). Das sind rund 64.000 Menschen. Die Zahl basiert auf einer repräsentativen Umfrage in der Bevölkerung.

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Ähnliche Zahlen wie beim Alkohol

Der Vorarlberger Suchtforscher Reinhard Haller geht davon aus, dass es noch wesentlich mehr Betroffene gibt. Untersuchungen hätten schon im Jahr 2000 ergeben, dass 1,8 Prozent der Bürger spielsüchtig seien. Das habe sich bis heute nahezu verdoppelt. „Beim Alkohol haben wir einen Anteil von circa drei Prozent erreicht, beim Spiel wird es in etwa ähnlich sein.“ Die Steigerung begründet Haller06 mit der Möglichkeit, im Internet zu spielen.

Besonders hohes Suchtpotenzial haben aber auch nach wie vor Automaten. Jeder fünfte befragte Automatenspieler ist laut der Hamburger Studie ein krankhafter Gambler. Auch Gerald Pfeiffer und Klaus Hödl sind den „computergesteuerten Verbrecherkastln“ (Hödl) verfallen.

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Hödl hat bei seinem allerersten Spiel 20 Euro hineingeworfen – und 1.600 Euro gewonnen. „Das war für mich der Klick, der Todesstoß.“ Zunächst sei er ein- bis zweimal pro Woche in eine Automatenhalle gegangen, irgendwann habe er dann bis zu 30 Stunden nahezu ununterbrochen gespielt. Am Ende sei die „Familie zerbrochen, der Freundeskreis zerbrochen. Job bekommst du auch fast keinen mehr. Burnout. Man kann sagen: erledigt.“ Seine Frau sei psychisch am Ende, sagt Hödl. Er selbst könne nur noch mit Schlafmitteln schlafen.

Einsamkeit

Bei Pfeiffer hat alles Mitte der 90er Jahre begonnen, als der einstige BWL-Student und spätere Geschäftsführer einer Forschungsgesellschaft alleinstehend war und Probleme in der Firma hatte. „Ich bin damals sehr viel weggegangen und habe viel getrunken. Ich fühlte mich einsam.“ Als er an einem dieser Abende wieder einmal in einem Lokal allein an einem Tisch saß, stach ihm ein Spielautomat ins Auge. „Ich dachte, da könnte ich doch etwas hineinhauen, dann vergeht die Zeit, und man sitzt nicht so blöd herum. Da war es dann nicht mehr so unangenehm, dass ich allein war.“ Von da an besuchte Pfeiffer regelmäßig seinen „Freund“, den Automaten und verfütterte all sein Geld an ihn, nahm sogar einen Kredit auf. „Das war ja damals kein Problem. Ich habe gut verdient. Ich habe mich damals mir selbst gegenüber damit gerechtfertigt, dass ich mit dem Rad fahre. Würde ich mir ein Auto kaufen, würde das auch viel Geld kosten. So verspiele ich es eben.“

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Gerald Pfeiffer: „Ich habe meine Frau jahrelang betrogen – mit einem Automaten.“

Als Pfeiffer im Jahr 2000 mit seiner heutigen Frau zusammenkam, schaffte er es, die Beziehung zu seinem Automaten zu beenden – vorübergehend. Nach drei Jahren kam dann der Rückfall, als er mit Freunden in einem Wettcafé ein Champions-League-Spiel verfolgte. „Das Spiel war fad. Da haben wir begonnen, auf Hunderennen zu wetten. Ich habe etwa 150 Euro verloren. Das hat mich wahnsinnig geärgert. Ich habe mir gesagt, dass ich mir das Geld zurückholen werde.“ Schon tags darauf versuchte er, den Verlust wettzumachen – bei einem Automaten. Da fiel der innerliche Spielblockade-Schalter wieder um.

„Zuerst bin ich ein- bis zweimal pro Woche in Spielhallen gegangen, am Ende dann vier- bis fünfmal. Ich war ständig angespannt und gestresst.“ Als das Geld knapp wurde, begann Pfeiffer in die Firmenkasse zu greifen. Zunächst habe er 500 oder 1.000 Euro „ausgeborgt“, später seien es größere Beträge gewesen, an die er mittels Scheinrechnungen gelangte.

Immer alle Einkäufe gemacht

Niemand bemerkte etwas von seiner krankhaften Neigung und seinen kriminellen Handlungen, weder die Kollegen noch die Familie. „Meine Frau dachte einfach, ich arbeite sehr viel. Ich habe auch immer alle Einkäufe gemacht, damit ich spielen gehen konnte. Ich bin wie ein Wahnsinniger mit dem Einkaufswagen durch den Supermarkt geglüht, damit ich schnell fertig bin und spielen gehen kann. Zu meiner Frau habe ich zum Beispiel gesagt, ich gehe auch in den Baumarkt. Das habe ich dann aber nicht gemacht.“ Und wenn die Tochter Karate-Kurs hatte, schaute der Vater beim Training nicht zu, sondern raste dazwischen in die Spielhalle.

Zum Schluss zögerte der Geschäftsmann in seiner Firma sogar die Bilanzlegung hinaus, damit die illegalen finanziellen Abflüsse nicht hervorquollen – bis zum erwähnten 24. Juli 2012, als Pfeiffer Suizidgedanken hegte und Entschuldigungsbriefe an seine Familie und seine Kollegen schrieb. Da war das „Game“ sozusagen endgültig „over“.

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Ein Zeichen

Ziellos sei er an dem Tag in der Gegend herumgefahren, dann bei einer Kirche stehen geblieben, erzählt der Steirer. „Ich bin zwar gläubig, aber nie in die Kirche gegangen.“ Diesmal ging er hinein. „Ich habe gesagt: ,Herrgott, ich weiß, du kannst mir nicht helfen, aber gib mir ein Zeichen, was ich tun soll!‘“ Draußen habe er dann ein altes Paar gesehen, das Hand in Hand vorbeispazierte. „Da habe ich mir gedacht: Wenn ich das mit meiner Frau erleben könnte.“

Kurz zuvor hatte er einen befreundeten Steuerberater angerufen, weil er wissen wollte, „was all das veruntreute Geld für meine Familie bedeutet“ – falls er nicht mehr da wäre. Dieser Freund legte Pfeiffer nahe, einen Anwalt zu kontaktieren, was er dann tat.

Der Weg danach war freilich beschwerlich. Nach Privatkonkurs und Strafverfahren musste der Gefallene beruflich wieder ganz unten anfangen – als Schweißerlehrling samt Berufsschulbesuch („Als ich in die Klasse kam, dachten die Schulkollegen, dass ich der Lehrer sei“). Nebenbei absolvierte er eine Ausbildung zum Sozial- und Berufspädagogen, machte Einzel- und Gruppentherapien. Seit kurzem hat er einen Job als Projektleiter einer Selbsthilfe-Einrichtung für Spielsüchtige in Graz und erzählt unter anderem in Schulen und Firmen immer wieder von seinem tiefen Fall.

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Eine Million verspielt

Klaus Hödl machte seine Lebensgeschichte im Jänner 2016 via Profil öffentlich und prangert seither an, dass viel zu wenig für den Spielerschutz getan werde. Er habe in seiner einstigen Stammspielhalle etwa eine Million Euro verspielt, „ohne dass mich jemand kontrolliert oder gefragt hätte, woher das Geld ist. Egal ob du zehnmal am Tag gekommen bist oder rund um die Uhr da warst – Hauptsache war, du hast Geld gebracht. Dann warst du der Hero.“ Es habe Gratisgetränke und Gratisessen gegeben. Jene Gäste, die um geringe Beträge gespielt hätten, seien sogar von den Automaten vertrieben worden, damit „der Hero“ Zugang hatte.

Die Firma Novomatic betont, die Gerichte hätten den Angaben von Hödl „nicht Glauben geschenkt“ und seine Klage daher abgewiesen. Der Firmenanwalt ergänzt, Hödl habe mehrfach unterschiedliche Angaben zur Höhe der verspielten Summe gemacht.

Hödl entgegnet: „Ich habe damals im Prozess gesagt, dass ich 790.000 Euro belegbare Schulden habe, verspielt habe ich aber weit mehr als eine Million Euro. Von der Firma Novomatic wollte ich aber nur das Geld haben, das ich meinen Gläubigern schulde.“

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Top Spielerschutz?

Hödls Verdacht, dass die Spielerschutz-Maßnahmen hierzulande offensichtlich eher zahnlos sind, erhärtete sich jedenfalls, als er in Begleitung unseres Rechercheteams in ein Automatenlokal marschierte. Der amtsbekannte Zocker, dessen Spielsucht Thema bei Prozessen war, wurde zwar erkannt, durfte aber spielen. „120 Euro habe ich innerhalb von ein, zwei Minuten verspielt. Die Spielerschutzbestimmungen sind top“, ätzte Hödl.

Für den Psychotherapeuten und Neurologen Reinhard Haller sind Spieler-Sperren ohnedies nur „eine gewisse Alibi-Maßnahme“, weil sie einfach umgangen werden könnten, „heute mehr denn je“. Ein „wirklich verantwortungsvoller Umgang“ wäre aus Sicht des Experten hingegen, wenn „die Spielkonzerne, die ja ernormste Gewinne lukrieren“, alle Präventionskampagnen sowie Kliniken zur Behandlung spielsuchtkranker Menschen finanzieren müssten. Man müsse den Betroffenen, die aufhören wollen, „eine faire Chance geben“, von ihrer Spielsucht loszukommen. „Der beste Weg dafür sind Fachkliniken. Das darf aber nicht auf Kosten der Allgemeinheit gehen“, sagt Haller, „sondern auf Kosten derer, die vorher die Menschen entsprechend ausgenommen haben.“

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Kämpfen bis zum Schluss

Klaus Hödl genügt das nicht. Er will auf der gerichtlichen Ebene weitermachen – obwohl er ein Verfahren, das er in erster Instanz gewonnen hatte, letztlich verloren hat. Er wolle wegen seiner Gläubiger nicht aufgeben, sagt der Mann, der angibt, aufgrund seiner Spielsucht heute auf einem Schuldenberg von etwa 1,5 Millionen Euro zu sitzen. Hödl ist spürbar verbittert. Er formuliert das so: „Ich werde kämpfen, bis der letzte Tropfen Blut aus mir draußen ist.“

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„Mein Mann wird sein Leben lang nicht mit größeren Geldsummen umgehen können. Das sagt er selbst.“

Über-Leben mit einem Spielsüchtigen

Spielsüchtig zu sein, ist nicht nur für Betroffene eine unfassbare Bürde, auch Angehörige und Freunde sind einer enormen psychischen Belastung ausgesetzt und werden häufig mit in den Ruin getrieben. Eine 35-jährige Wienerin, Mutter dreier Kinder, erzählt, was es bedeutet, mit einem pathologischen Gambler verheiratet zu sein.

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Irgendwann, wenn die Kinder älter seien, werde sie ihnen die ganze Geschichte erzählen“, sagt Daniela S.* Einstweilen wüssten sie nur, „dass der Papa ein Problem hat, und dass wir das Problem lösen werden“. Das „Problem“ heißt Spielsucht. Danielas Mann Philipp* versucht seit 20 Jahren davon loszukommen.

Mit 16 habe er erstmals die Starttaste eines Automaten gedrückt. „Am Anfang hat er etwas gewonnen und gedacht, dass er so das große Geld verdienen kann.“ Das sei natürlich ein Trugschluss gewesen. „Geld in einen Automaten zu stecken ist, wie wenn man es in einen Müllcontainer wirft“, meint die 35-jährige Wienerin.

Nicht einmal Geld für die Milch

Philipp S. hat so gesehen viel Geld weggeschmissen, beim Automaten-Zocken und beim Pokern. Einmal seien es mehr als 17.000 Euro innerhalb von zwei Wochen gewesen. „Mein Mann hat einen Kredit in der Höhe von 18.000 Euro aufgenommen. Wir haben einen Kühlschrank um 800 Euro gekauft. Den Rest hat er verspielt.“ Der neue Kühlschrank sei dann leer gewesen. „Manchmal habe ich nicht einmal mehr Geld gehabt, um Milch für meine Kinder zu kaufen. Das war am schlimmsten“, schildert die Mutter eines neunjährigen Buben und zweier Mädchen (7 und 2 Jahre), die einen Teilzeitjob als Reinigungskraft hat. Mittlerweile ist das Ehepaar in Privatkonkurs, weil auch die Frau es nicht schaffte, den Kredit zu tilgen.

Dabei dachte Philipp S., dass ihm eine Familie dabei helfen würde, seiner Sucht Herr zu werden. „Er hat mir schon zu Beginn unserer Beziehung, vor elf Jahren, erzählt, dass er ein Problem mit dem Spielen hat, dass er aber meint, damit aufhören zu können, wenn er eine Frau und Kinder hat. Ich habe ihm geglaubt und das alles nicht so ernst genommen.“

Eineinhalb Jahre sei es dem gelernten Kellner gelungen, sich von den Apparaten mit den blinkenden Lichtern, den bunten Symbolen und den Tüdel-Melodien fernzuhalten. Als ihn ein Freund aber eines Abends zu einer Pokerrunde mitgenommen habe, sei der Spiel-Bann gebrochen worden. Philipp S. verzockte wieder regelmäßig sein ganzes Geld. „Die Automaten waren für meinen Mann ganz schlimm.“

„Er hat nur einen schwachen Charakter“

Immer wieder habe sie mit ihm stundenlang über „das Problem“ geredet, gestritten. Natürlich habe sie auch geweint und über eine Trennung nachgedacht. „Ich weiß, dass sich viele Frauen von Spielsüchtigen scheiden lassen, aber ich wollte, dass meine Kinder bei ihrem Vater aufwachsen können. Sie lieben ihn. Er ist ein netter Mensch. Er trinkt nicht, er ist nicht kriminell, er hat nur einen schwachen Charakter. Daher wollte ich ihm helfen.“

Das viele Reden habe teils den gewünschten Effekt erzielt, Philipp S. blieb zeitweise abstinent. „In einer solchen Phase hat er mir dann einmal seine Bankomatkarte gegeben.“ Der Mann delegierte damit die Kontrolle über seine Finanzen an seine Frau. „Ich wusste genau, wann er seinen Lohn bekommt, und habe ihn am selben Tag in der Früh sofort auf mein Konto überwiesen, damit mein Mann das Geld nicht mehr verspielen und ich die Miete und alle anderen Rechnungen bezahlen kann.“ Philipp S* bekam fortan von seiner Frau nur noch „10 oder 20 Euro Taschengeld – wie ein Kind“.

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Nachbarn angepumpt

So ging das, bis die Sucht wieder vulkanartig hervorbrach. „Dann hat mein Mann fieberhaft nach Geld gesucht, dabei die ganze Kleidung aus dem Kasten rausgeschmissen und meine Handtasche durchwühlt. Ich habe ja unsere Bankomatkarten und das Bargeld jeden Tag woanders versteckt, damit er es nicht findet.“ Manchmal habe er dennoch ein paar Scheine entdeckt.

Auch Nachbarn hat der Familienvater „angepumpt“. Das hat Daniela S. erst im Nachhinein erfahren, als sie von Hausbewohnern gefragt wurde, wann sie denn ihr Geld zurückbekämen. „Ich habe es zurückgezahlt und gesagt, sie sollen meinem Mann nichts mehr geben, weil er spielsüchtig sei. Mir war das alles natürlich sehr peinlich.“

Suizidgedanken

Eines Tages sei dann plötzlich die Polizei vor der Tür gestanden. „Ich hatte Angst, dass mein Mann etwas angestellt hat.“ Mit dem Gesetz war er nicht in Konflikt gekommen, wie sich rasch herausstellte, aber Philipp S. hatte zwei Herren, die er zufällig kennengelernt hatte, sein Herz ausgeschüttet und dabei Suizidgedanken geäußert. Die beiden Männer wollten verhindern, dass sich er sich etwas antut, und riefen daher die Polizei. „Mein Mann war oft traurig und depressiv. Er hat wegen des vielen verlorenen Geldes oft gesagt, es wäre besser, wenn er nicht mehr da wäre. Dann gäbe es keine Probleme mehr. Ich habe ihm dann einmal unsere Tochter in die Hand gedrückt und gesagt: ‚Schau, das ist dein Kind. Du musst leben.‘“

Ganz ohne Glücksspiel schafft er es bis heute nicht – trotz eines dreimonatigen Aufenthalts in einer Suchtklinik und einer ambulanten Therapie. „Er spielt aber nicht mehr an Automaten und auch kein Poker, sondern Sportwetten. Er wettet aber nur um sein Trinkgeld, das er bei der Arbeit bekommt“, beschreibt Daniela S. die mühsam erarbeiteten Fortschritte. Der monatliche Lohn kommt nach wie vor auf das Konto der Frau. „Mein Mann wird sein Leben lang nicht mit größeren Geldsummen umgehen können. Das sagt er selbst.“

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Hilfe für die Helferin

Wie geht die Frau mit all der Last um, die ein pathologischer Spieler einem Partner aufbürdet? „Eigentlich helfe ich immer gerne anderen Menschen, aber durch meinen Mann habe ich irgendwann selbst Hilfe gebraucht.“ Sie habe vorübergehend Antidepressiva geschluckt und sei auch ein Jahr lang in Therapie gewesen – bei der Wiener Spielsuchthilfe, die sich nicht nur um Spielsüchtige, sondern auch um Angehörige kümmert.

„Manchmal frage ich mich natürlich, woher ich die Kraft nehme, alles zu schaffen, aber meine Oma hatte sieben Kinder. Ihr Mann starb, als das kleinste Kind zwei Jahre alt war. Sie hat alle sieben Kinder alleine großgezogen. Dann denke ich mir, dass ich es auch schaffen werde, meine Familie zusammenzuhalten.“ 

*Namen von der Redaktion geändert 

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10.10.2017

Das Rechercheteam

Rainer Fleckl
Projektleitung

Rainer Fleckl will den Dingen auf den Grund gehen. Er hat Kommunikationswissenschaften studiert und startete seine ersten investigativen Recherchen im Sportressort des „Kurier“, dessen Leitung er 2008 übernahm. 2010 wurde er mit dem Aufbau einer Rechercheabteilung betraut. Vor seinem Engagement bei Quo Vadis Veritas war Fleckl als Bereichsleiter bei ServusTV und in der Chefredaktion von „News“ tätig.

Gerald Gartner
Team Daten

Gerald Gartner kuratiert, analysiert und visualisiert große Datenmengen zu politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen. Er lehrt an der Fachhochschule Wien. Davor war er für derStandard.at und NZZ.at in Wien tätig.

Christine Grabner
Team Investigative Recherche

Christine Grabner war die letzten 12 Jahre als Redakteurin für das ORF Reportage-Format „Am Schauplatz“ tätig. Ihr Schwerpunkt sind gesellschaftspolitische und investigative Themen. Davor war sie viele Jahre freiberuflich unter anderem für den ORF „Report“, ATV, Spiegel-TV oder die Berliner Zeitung tätig. Die gebürtige Kärntnerin hat an der Berliner „Freien Universität“ ein Magister-Studium der Publizistik/ Philosophie und Neueren Geschichte abgeschlossen.

Markus „Fin“ Hametner
Team Daten

Markus Hametner hat Informatik studiert, baut seit 2011 Brücken zwischen Technologie und Journalismus und beschäftigt sich seit 2014 als Datenjournalist mit internationalen Datenrecherchen und interaktiven Visualisierungsformen. In seiner Freizeit betreibt er als Mitgründer des Forum Informationsfreiheit die Plattform FragDenStaat.at und trägt erfolgreich Rechtsstreite mit Behörden aus, die Auskünfte verweigern.

Christoph Hanslik
Team Investigative Recherche

Christoph Hanslik war in den vergangenen 17 Jahren als Unternehmer am internationalen Finanzmarkt tätig. Seine Erfahrungen stellte er drei Jahre im Parlament als Fachreferent für die Bereiche Budgetausschuss, Finanzausschuss, ESM-Ausschuss sowie als Teamleiter des HYPO-Untersuchungsausschuss zur Verfügung.

Johannes Kaiser
Team Experten

Johannes Kaiser studiert Rechtswissenschaften an der Universität Wien. Neben dem Studium war er in einer Wiener Bankenrechtskanzlei tätig, bevor er ins Parlament wechselte. Dort arbeitete er als Analyst im HYPO-Untersuchungsausschuss und später im Finanz- und Budgetbereich. Addendum ist seine erste Station in der Medienbranche.

Maria Kern
Team Investigative Recherche

Maria Kern war in den vergangenen zehn Jahren Innenpolitik-Redakteurin des „Kurier“. Zuvor war sie im EU-Ressort und in der Chronik-Redaktion der Tageszeitung tätig. Die Publizistik- und Politikwissenschaftsabsolventin der Uni Wien sieht es als ihre Aufgabe an, Bürgern komplexe Sachverhalte und Zusammenhänge zu erklären und auch aufzuzeigen, was im Land schiefläuft.

Dennis Meyer
Team TV

Dennis Meyer glaubt an die Macht der Bilder und des Wortes. Der Kulturwissenschaftler wurde also Fernsehjournalist. Nach Stationen beim ZDF und bei Spiegel TV zog der Hamburger nach Salzburg. Zunächst arbeitete er als freier Autor und Gestalter, dann in der Redaktion von „Talk im Hangar-7“. Jetzt widmet er sich Reportagen und Dokumentationen über Themen, die bewegen.

Hubertus J. Schwarz
Team Digital

Hubertus Schwarz ist seit 2007 in der Medienbranche tätig. Seine journalistische Laufbahn startete er beim ZDF-Auslandsstudio Südosteuropa. Über mehrere Stationen als Autor, unter anderem für den „Spiegel“ und „Die Zeit“ ging es 2015 zurück zum Fernsehen. Zuletzt war er bei ServusTV Redakteur für den „Talk im Hangar-7“.

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