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Grand Theft Europe – Wie Europa jedes Jahr 50 Milliarden Euro an Karussellbetrüger verliert
Seit 1993 hat die EU-Steuergesetzgebung eine Lücke, über die Jahr für Jahr zig Milliarden Euro versickern. Betrüger rufen Scheinfirmen ins Leben und geben vor, es würde sich um grenzüberschreitende Lieferketten zwischen normalen Unternehmen handeln.

Seit 1993 hat die EU-Steuergesetzgebung eine Lücke, durch die Jahr für Jahr zig Milliarden Euro verschwinden. Betrüger rufen Scheinfirmen ins Leben und geben vor, es würde sich um grenzüberschreitende Lieferketten zwischen normalen Unternehmen handeln. Tatsächlich werden Waren im Kreis geschickt mit nur einem Zweck: sich unberechtigte Steuererstattungen zu erschleichen. Dieses System nennt sich Karussellbetrug. Und es kommt die EU-Bürger teuer zu stehen.

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Um Licht in dieses Betrugssystem zu bringen, hat sich Addendum mit 35 Medienpartnern aus allen 28 EU-Staaten inklusive Norwegen und der Schweiz vernetzt. Koordiniert wird diese Kooperation vom deutschen Recherchezentrum CORRECTIV. Weitere Teilnehmer sind unter anderem das ZDF, die französische Tageszeitung Liberation, die italienische Zeitung Il Sole 24 Ore, El Confidencial aus Spanien, Aftenposten aus Norwegen, der finnische Fernsehsender YLE, die ungarische Investigativplattform Direkt36 und das Schweizer Online-Magazin Republik. Monatelang haben 63 Journalisten mehr als 315.000 Seiten vertraulicher Dokumente analysiert, Experten interviewt und Hintergrundgespräche mit Informanten geführt.

Es geht darum, das Phänomen Karussellbetrug auszuleuchten und dabei das zu tun, was Behörden oft nicht so leicht fällt: sich grenzüberschreitend zu organisieren. Eines steht von vornherein fest: Es handelt sich um den größten – nach wie vor laufenden – Steuerbetrug in Europa. Die EU-Kommission schätzt den jährlichen Schaden auf 50 Milliarden Euro. Schätzungen in Bezug auf Österreich liegen zwischen etwa 500 und 800 Millionen Euro pro Jahr.

Zum Start des Projekts deckt Addendum auf, wie zwei Geschäftsmänner aus Österreich in einen der dreistesten Karussellbetrugsfälle des vergangenen Jahrzehnts verwickelt waren – jenen mit sogenannten CO2-Zertifikaten. Zuerst kassierten die Geschäftsführer einer unscheinbaren Firma aus Niederösterreich rücksichtslos ab, dann kauften sie sich von Ermittlungen der deutschen Justiz frei. 

Die entscheidende Frage ist, was getan werden kann, um das Betrugskarussell endgültig zu stoppen. Wie sich zeigt, ist dies in Österreich – trotz zahlreicher Maßnahmen – bisher nicht gelungen. Eine echte Lösung wäre wahrscheinlich nur auf EU-Ebene möglich. Dazu fehlt – gerade im Steuerbereich – jedoch nach wie vor das Vertrauen zwischen den Mitgliedsstaaten. 

Links zu den Veröffentlichungen sämtlicher Partnermedien finden Sie hier.  

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