loading...
Österreich und die Holzmafia
Österreichische Holzfirmen sind Giganten in Rumänien. Dort liegen riesige Waldflächen und ein Großteil von Europas letzten Urwäldern. Dort agiert auch die Holz-Mafia. Sie schlägert illegal und schreckt selbst vor einem Mordversuch an einer Ministerin nicht zurück. Wir wollen wissen, welche Verantwortung die österreichischen Konzerne tragen.
Das Projekt Holzmafia ist eine 10-teilige Recherche.

In der rumänischen Holzindustrie spielen drei österreichische Unternehmen eine entscheidende Rolle: die Unternehmensgruppe von Gerald Schweighofer, die international unter den Firmennamen Kronospan und Swiss Krono agierende Salzburger Familie Kaindl und die Tiroler Egger-Gruppe. Sie kooperieren eng, haben ihre Werke in unmittelbarer Nähe zum jeweils anderen angesiedelt und mit demselben Problem zu kämpfen: dass die Kapazitäten, auf die sie ihre Produktionsstätten ausgelegt haben, mit dem Holz, das in Rumänien auf legalem Weg eingeschlagen werden kann, nicht mehr ausgelastet werden können.

Es gibt nur zwei Wege, dieses Problem zu lösen: Holzimporte aus anderen Ländern wie Ukraine, Slowakei und Weißrussland – das bedeutet höhere Kosten –, oder illegal geschlagenes rumänisches Holz, dessen wahre Herkunft verschleiert wird. Letzteres bedingt und erfordert zumindest auf Umwegen die Kooperation mit illegalen Netzwerken an Holzlieferanten, die unmittelbare Beobachter der Situation als „Holzmafia“ bezeichnen. Vor allem die Schweighofer-Gruppe wurde in diesem Zusammenhang in den vergangenen Jahren mit schweren Vorwürfen und Ermittlungen konfrontiert, sie verlor auch das in der Branche weithin anerkannte FSC-Zertifikat, was den Absatz der in Rumänien hergestellten Holzprodukte zumindest nicht erleichtert.

0
Kommentare
Kommentieren

Die österreichischen Player waren auf dem rumänischen Holzmarkt zunächst durchaus willkommen, nicht zuletzt deshalb, weil die rumänische Politik kein großes Interesse daran hatte, einheimischen Großunternehmern mit politischen Interessen diesen Markt allein zu überlassen. Mit ein Grund dafür, dass die im Vergleich zu Österreich riesenhaft anmutenden Werke und Produktionsstätten unter Druck kamen, war das im Lauf der Jahre zunehmende Interesse am Thema Klimaschutz: Rumänien verfügte über einige der letzten großen zusammenhängenden Urwaldgebiete auf dem europäischen Kontinent, und die spielen beim Klimaschutz eine große Rolle, was die Aufmerksamkeit internationaler Organisationen für die rumänische Situation erhöhte.

0
Kommentare
Kommentieren

Unser Rechercheteam hat sich vor Ort mit Vertretern der österreichischen Unternehmen, mit Umweltaktivisten, Behördenvertretern und mit einem Whistleblower getroffen, um ein möglichst umfassendes Bild der Situation zu erheben. Dieses Bild erweckt nicht den Eindruck, als hätte die Schweighofer-Gruppe ihr nach der Zäsur der Ermittlungen der rumänischen Behörden und dem Verlust des FSC-Zertifikats abgegebenes Versprechen, für die Zukunft auf Nachhaltigkeit und Transparenz zu setzen, vollumfänglich halten können. Zugleich haben sich Kollegen mit den Firmenkonstruktionen der österreichischen Holzgiganten in Rumänien beschäftigt, die vor allem im Fall Kaindl durch Intransparenz gekennzeichnet ist: Stiftungen und andere Eigentumskonstruktionen in Malta, Zypern, Liechtenstein und anderen einschlägigen Destinationen.

Aber machen Sie sich selbst ein Bild. 

0
Kommentare
Kommentieren
loading...
Die Redaktion von Addendum hat mit 15. September 2020 ihren Betrieb eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch diese Website letztmalig aktualisiert. Hier finden Sie das vollständige Archiv unserer Rechercheprojekte.
Wir bitten um Ihr Verständnis, dass manche Funktionen auf manchen Endgeräten nicht mehr verfügbar sind.

Das Addendum-Team, September 2020