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IKEA und das Problem mit dem FSC-Siegel
24. Juni 2020 Holzmafia 4 min
Die Idee klingt gut – ein Zertifikat, das dafür sorgt, dass ein wesentlicher Teil aller Wälder ökologisch und nachhaltig bewirtschaftet wird, gute Arbeitsbedingungen für Waldarbeiter fördert und verhindert, dass Holz aus umstrittenen Quellen auf den Markt kommt.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Holzmafia und ist Teil 9 einer 10-teiligen Recherche.

Der Artikel wurde am 24. Juni um 14 Uhr aktualisiert.

Die formulierten Ziele des FSC, des Forest Stewardship Council, gehen auf eine Initiative aus Menschenrechtsorganisationen, NGOs, Händlern und Industriebetrieben zurück, die sich bereits 1990 für nachhaltige Entwicklungen zusammengetan haben. Heute kennen das Label mit dem Baum im Logo mehr Leute denn je. Und schaut man genau, findet man es auf vielen Produkten des Alltags – zum Beispiel auf Möbeln, Verpackungen, Servietten, Schreib- oder Klopapier.

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Doch die Zertifizierung durch den FSC kommt in den letzten Jahren vermehrt in Kritik. 2016 wurde, in einigen der letzten Urwälder Rumäniens, illegal abgeholzt – und zwar von einem FSC-zertifizierten Unternehmen. Eine Studie im Auftrag des WWF, kam zu dem Ergebnis, dass sich die Bewirtschaftung unter FSC-Richtlinien ökologisch nicht positiv auswirkt. Und laut der ukrainischen Umweltaufsicht wurde illegal geschlägertes Holz aus den ukrainischen Karpaten auch zum Teil zu Sesseln von IKEA verarbeitet.

IKEA bestreitet das. Auch FSC erklärt, dass das Gesetz „offen für Interpretationen” sei, Einschlag dort erlaubt wäre und daher „die Firma nichts falsch gemacht hat.” Man würde nun aber Untersuchungen vornehmen, um Klarheit zu schaffen.

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IKEA, Anm. der Redaktion

In der Ukraine sind Korruption und intransparente Machenschaften fester Bestandteil der Holz-Lieferketten. In dem Land am Schwarzen Meer sind rund 90 % der staatlichen Wälder FSC-zertifiziert. Gleichzeitig gehen Schätzungen davon aus, dass mindestens 40 % der verkauften Bäume verbotenerweise gefällt wurden. Größter Abnehmer dieses Holzes ist übrigens die EU.

Dabei sind seit einer EU-Verordnung von 2010 „Marktteilnehmer, die Holz- und Holzerzeugnisse erstmals auf dem Binnenmarkt in Verkehr bringen“ aufgefordert, sich zu vergewissern, dass Holz aus illegalem Einschlag nicht darunter ist. Käufer, die nicht die direkten Importeure des Holzes sind, betrifft die Sorgfaltspflicht der Verordnung nicht mehr. Das FSC-Siegel ist für viele weitere Käufer damit die einzige Prüfung der Herkunft der Hölzer und lässt sie getrost über die mittlerweile gut bekannten Risiken und Mängel in den ukrainischen Lieferketten hinwegsehen.

In einigen Ländern hat das FSC-Siegel einfach nicht die Kapazitäten, Nachhaltigkeit und Legalität zu garantieren. Dabei sagen sogar kritische Organisationen, dass das FSC trotzdem noch der stärkste Standard sei, den es derzeit gibt. Das sagt aber wahrscheinlich mehr über den Zustand des Holzhandels aus, als über das Siegel selbst. 

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