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Was kann die Homöopathie?
Vor etwa 100 Jahren, als die Naturwissenschaften dank enormer theoretischer und experimenteller Fortschritte die gesellschaftliche Deutungshoheit übernahmen, kam die Homöopathie, deren Wirksamkeit sich naturwissenschaftlich nicht nachweisen lässt, unter Druck. Dennoch behielt sie eine breite Anhängerschaft. Auch eine Reihe von politischen Größen des Nationalsozialismus waren Anhänger der Homöopathie, was dem Ruf der Bewegung nicht unbedingt zuträglich war.

Nutzt’s nix, so schadt’s nix: Entlang dieser zutiefst österreichischen Denkfigur verlaufen in der Regel Gespräche über Sinn und Unsinn bzw. Nutzen und Schaden der Homöopathie. Wenn die Homöopathie den Kriterien der evidenzbasierten Medizin, auf der die naturwissenschaftliche Fraktion der Heilkunde besteht, nicht gerecht wird, weil sie keine nachweisliche Wirkung hat, so bedeute das ja immerhin auch, dass sie – etwa im Fall einer „falschen“ Verschreibung – keinen Schaden anrichten kann.

Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die Homöopathie eine 200-jährige Tradition und damit eine Geschichte des Vertrauens in ihre Wirksamkeit hat, hat sich eine weit verbreitete Haltung auch unter Schulmedizinern etabliert, die sagt: Die Homöopathie ist ein gut eingeführtes, wenn auch vielleicht etwas teures Placebo. Wer will, soll komplementär auf die Homöopathie zurückgreifen.

Die Etablierung der Homöopathie in Österreich hat so weit geführt, dass im Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH) eine homöopathische Ambulanz etabliert wurde. Ihr Leiter war der Internist und Intensivmediziner Michael Frass, Österreichs bekanntester Homöopath. Mit dessen Pensionierung im Spätherbst 2019 wurde die Ambulanz geschlossen. Die Medizinuniversität schaffte nach Beschwerden von Studenten auch das von Professor Frass koordinierte Wahlfach Homöopathie ab , nachdem sich Studenten darüber beschwert hatten, dass die Lehrveranstaltung keine kritische Auseinandersetzung mit der Homöopathie, sondern eine Werbeveranstaltung sei. Jetzt wird stattdessen „Esoterik und Evidenz“ unterrichtet.

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Der immer noch bestehende Erfolg der Homöopathie hat nicht zuletzt damit zu tun, dass homöopathische Ärzte in der Regel das tun, wozu Schulmediziner im real existierenden Gesundheitssystem nicht ausreichend kommen: den Patienten Zeit und Aufmerksamkeit schenken. Eigentlich, das werden Sie in der kleinen Geschichte der Homöopathie lesen, die wir im Rahmen dieses Projekts recherchiert haben, hatte ja Samuel Hahnemann, der Erfinder der Homöopathie, vor 200 Jahren mit seinen Theorien zu einer Verwissenschaftlichung der medizinischen Praxis beitragen wollen.

Vor etwa 100 Jahren, als die Naturwissenschaften dank enormer theoretischer und experimenteller Fortschritte die gesellschaftliche Deutungshoheit übernahmen, kam die Homöopathie, deren Wirksamkeit sich naturwissenschaftlich nicht nachweisen lässt, unter Druck. Dennoch behielt sie eine breite Anhängerschaft. Auch eine Reihe von politischen Größen des Nationalsozialismus waren Anhänger der Homöopathie , was dem Ruf der Bewegung nicht unbedingt zuträglich war.

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Heute sehen sich Produzenten und Anwender der homöopathischen Medizin und Arzneimittelindustrie mit dem Vorwurf konfrontiert, dass sie unwirksame Medikamente, die gar keine sind – für homöopathische Mittel muss im Gegensatz zu allen anderen zugelassenen Arzneimitteln kein Nachweis ihrer Wirksamkeit erbracht werden – zu hohen Preisen an Menschen verkaufen, die fälschlicherweise an ihre Wirksamkeit glauben.

Nutzt’s nix, so schadt’s nix? Gefährlich kann es werden, wenn Patienten auf Anraten des Homöopathen auf schulmedizinische Betreuung vollständig verzichten und so schwere gesundheitliche Schäden oder sogar ihr Leben riskieren. Immer wieder treten „Homöopathen“ auf, die erklären, sie könnten mit Globuli einen Tumor besiegen. Wenig passieren kann also nur, wenn die Homöopathie komplementär eingesetzt wird und nicht alternativ. 

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