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Brauchen wir eine Impfpflicht?
Impfungen gehören zu den großen Errungenschaften der Medizingeschichte: Wenn es gelingt, eine ausreichend große Zahl an Menschen durch Impfstoffe zu immunisieren, kann eine Krankheit ausgerottet werden. Mit den Pocken ist das gelungen. Zunehmende Impfskepsis in der Bevölkerung gefährdet den Schutz vor anderen Krankheiten.

Impfungen gehören zu den großen Errungenschaften der Medizingeschichte: Wenn es gelingt, eine ausreichend große Zahl an Menschen durch Impfstoffe zu immunisieren – man spricht in diesem Zusammenhang von „Durchimpfungsraten“, die den sogenannten Herdenschutz gewährleisten – kann eine Krankheit ausgerottet werden. Mit den Pocken ist das – auch wenn es immer wieder Rückschläge gab – gelungen. Bei Masern, einer der ansteckendsten Krankheiten, die wir kennen, noch nicht.

Im Grunde handelt es sich um eine Frage der Solidarität: Sind ausreichend viele Menschen – bei den meisten ansteckenden Krankheiten braucht es Durchimpfungsraten jenseits der 80 Prozent, um sicherzustellen, dass es nicht zu weiteren Ansteckungen kommt – bereit, sich impfen zu lassen, um nicht nur sich, sondern auch und vor allem andere, die nicht geimpft werden können (Schwangere, Immunschwache), zu schützen?

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Der notwendige Herdenschutz wird durch unterschiedliche Motivlagen untergraben: Einerseits steigt die Zahl der Impfskeptiker, die davon überzeugt sind, dass nicht die Krankheitserreger das Problem sind, sondern die Impfstoffe, andererseits mangelt es in vielen Gesundheitssystemen an Mechanismen, die Menschen an die Notwendigkeit von Impfungen – im Fall der Masern an die notwendige zweite Teilimpfung – zu erinnern. Grundlage für solche Erinnerungsmechanismen ist eine breite Datenbasis. Die fehlt in vielen Ländern, auch in Österreich.

Ob man die Bürger eines Landes zur für den Herdenschutz notwendigen Solidarität „zwingen“ kann, etwa durch eine Impfpflicht, gehört zu den kontrovers diskutierten Fragen. Einerseits weil es sich dabei um einen staatlichen Eingriff in die grundlegenden Freiheitsrechte der Bürger handelt, andererseits weil man befürchtet, dass solche Zwangsmaßnahmen kontraproduktiv sein könnten: Es gibt in manchen Ländern, die die Impfpflicht eingeführt oder erweitert haben, Anzeichen dafür, dass die Impfpflicht eher zu einer Verstärkung als zum Abbau der Impfskepsis führt.

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In Österreich, das geht aus den Stellungnahmen der verantwortlichen Politiker hervor, wird es in absehbarer Zeit keine Impfpflicht geben . Aber es gibt einige interessante Ansätze dafür, die Durchimpfungsraten durch Anreizsysteme zu erhöhen. Das Grundproblem ist hierzulande, wie in so vielen Bereichen, die föderale Organisation: Es gibt regional und institutionell weit verstreute Zuständigkeiten, und es fehlt eine einheitliche Datenbasis . Immerhin plant die Regierung die Einführung eines elektronischen Impfpasses, durch den man eine deutlich bessere Datenbasis gewährleisten könnte als die aktuell vorhandene.

Unser Rechercheteam hat sich nicht nur mit der Impfrealität im eigenen Land beschäftigt, sondern auch internationale Vergleiche angestellt. Besonders interessant war das Gespräch mit jenem Arzt, der für das Polio-Impfprogramm in Afghanistan zuständig ist . Man könnte glatt zu der Ansicht gelangen, dass wir es hierzulande mit Luxusproblemen zu tun haben, die man eigentlich lieber früher als später lösen sollte.

Aber lesen Sie selbst. 

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