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IGGÖ-Präsident Ümit Vural || Bild: Mindconsole | Addendum
Neuer Verlag für islamische Religionslehrbücher
18. Juni 2019 Islamlehrer Lesezeit 4 min
Die Glaubensgemeinschaft will Lehrbücher künftig selbst verlegen. Man wolle mehr inhaltliche Kontrolle, so die Begründung. Diese Kontrolle hat die Glaubensgemeinschaft allerdings bereits jetzt. Es gibt wohl noch andere Gründe.

Über die Tageszeitung Die Presse kündigt die Islamische Glaubensgemeinschaft am 11. Juni an, einen eigenen Schulbuchverlag gründen zu wollen. Man wolle mehr inhaltliche Kontrolle über die islamischen Religionsbücher. Zeitpunkt und Darstellung dieser Ankündigung überraschen.

Zum einen liegt die inhaltliche Verantwortung für die Lehrbücher schon jetzt ausschließlich bei der Glaubensgemeinschaft. Zum anderen bezieht man sich bei der Begründung auf Gutachten des Religionspädagogen Ednan Aslan von der Universität Wien, die der Glaubensgemeinschaft seit etwa drei Jahren vorliegen.

Religionsunterricht wird als ausschließliche Angelegenheit der jeweiligen Kirche oder Religionsgemeinschaft gesehen. Das heißt: Auch die Schulbücher für den islamischen Religionsunterricht stellen eine innere Angelegenheit dar und unterliegen somit keiner staatlichen Approbation. Es ist daher unklar, warum die Glaubensgemeinschaft nun davon spricht, mehr inhaltliche Kontrolle ausüben zu wollen. Dass die inhaltliche Gestaltung seit jeher zur Gänze in den Händen der Glaubensgemeinschaft liegt, bestätigt auch eine Anfrage an den bisherigen Schulbuchverlag Veritas. Dieser teilt uns mit, dass er bei der Erarbeitung dieser Lehrbücher nur die Rolle eines Dienstleisters gespielt habe, und zwar mit Blick auf die didaktische Qualität.

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Ablenkungsmanöver der IGGÖ

Man kann den medialen Vorstoß der IGGÖ deshalb als Ablenkungsmanöver verstehen. Denn bei der Begründung beruft man sich auf die Kritik, die Ednan Aslan in seinen Gutachten bereits vor Jahren geäußert hatte , und die der IGGÖ vorlagen. Entsprechend verwundert zeigt sich auch Aslan: „Wieso jetzt? Die Religionsbücher sind seit Jahren in den Schulen. Dass die Glaubensgemeinschaft drei Jahre nach der Erstellung der Gutachten nun darüber spricht, überrascht mich. Niemand von der IGGÖ hat mit mir über die in den Gutachten geäußerte Kritik gesprochen. Es wurde so gut wie alles ignoriert.“

Möglicherweise möchte die IGGÖ aber auch verhindern, dass in Zukunft das passiert, was im vorliegenden Fall geschehen ist. Bei den Lehrbüchern „Islamstunde“ hat nämlich der Verlagspartner Veritas, nachdem Kritik an einigen Inhalten des Lehrbuchs laut wurde, selbstständig externe Gutachten beauftragt, um die inhaltliche und pädagogische Qualität zu evaluieren.

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„Islamstunde“: Hindernis für die Integration?

In den Empfehlungen heißt es unter anderem: „Muslim zu sein darf weder allein auf das Kopftuch noch auf politisch-muslimische Persönlichkeiten reduziert werden.“

Mit Blick auf die Sprache und den Umgang mit der Theologie schreiben die Autoren:

„Die Arabisierung der islamischen Religion kann als Hindernis für einen Islam europäischer Prägung betrachtet werden. […] Diese Art des Umgangs mit der Religion ist kaum theologisch begründbar, sondern scheint vor allem einer radikalen theologischen Haltung geschuldet zu sein. […] Das Buch muss dringend in vielen Bereichen ent-ideologisiert werden, sonst bleibt das Buch teilweise ein Propagandaheft für eine bestimmte politische Gruppe.“

Eine Analyse der Lehrbücher zeigt, dass all diese Kritikpunkte von der Glaubensgemeinschaft nicht berücksichtigt wurden. Einzige Ausnahme: In der ursprünglichen Ausgabe der Religionsbücher wurde den Schülern noch die Koranübersetzung von Amir Zaidan empfohlen. Nach Vorlage der Gutachten verzichtete die Glaubensgemeinschaft auf diese Empfehlung. Das Werk von Amir Zaidan ist nicht nur problematisch, weil zahlreiche Worte wie „Dschihad“ oder „Iman“ als nicht übersetzbare Fremdwörter übernommen werden, sondern auch durch den Verfasser selbst.

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Ausbildner mit Kamel-Fatwa

Im Jahr 2003 wurde Amir Zaidan vom damaligen Präsidenten der IGGÖ, Anas Schakfeh, als Direktor an die für die Lehrerausbildung zuständige Islamisch Religionspädagogische Akademie in Wien geholt, obwohl er vom deutschen Verfassungsschutz als radikal eingestuft worden war und deshalb nicht den islamischen Religionsunterricht im Bundesland Hessen organisieren durfte. In Österreich durfte er.

Zaidan hatte sein Studium an der Hochschule der Muslimbruderschaft in Château-Chinon in Frankreich absolviert. Auch Zaidans berühmt-berüchtigte „Kamel-Fatwa“ war kein Hindernisgrund, ihn zum Verantwortlichen für die Lehrpläne für Religionslehrer zu machen. Zaidan hatte in einer Fatwa geschrieben, dass Frauen ohne einen nahen männlichen Verwandten keine weitere Strecke zurücklegen dürften, als ein Kamel an einem Tag schaffe, nämlich 81 Kilometer. Die Fatwa war seine Antwort auf die Frage, ob volljährige muslimische Oberstufenschülerinnen aus Deutschland an einer zweiwöchigen Klassenfahrt nach Spanien teilnehmen dürften.

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IGGÖ-Präsident Vural schweigt

Wir haben uns im Rahmen unserer Recherche bemüht, mit dem obersten Verantwortlichen, dem neuen IGGÖ-Präsidenten Ümit Vural, über die Lehrbücher und die Religionslehrer zu sprechen. Drei Wochen lang deponierten wir Anfragen für ein Interview mit ihm (oder einem Vertreter) bei der Islamischen Glaubensgemeinschaft. Erfolglos.

Die IGGÖ ließ uns über einen Sprecher ausrichten, dass das Thema Islamischer Religionsunterricht äußerst wichtig sei, und schickte uns dazu ein kurzes Statement:

Wir bieten einen Religionsunterricht für österreichische Kinder muslimischen Glaubens an. Das sind also unsere Kinder, die ein Anrecht darauf haben, die Grundlagen ihrer Religion auf bestmögliche Art und Weise vermittelt zu bekommen. Dafür arbeiten wir Tag und Nacht.“

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Neuer Verlag: Mehr Kontrolle, mehr Geschäft?

Die Glaubensgemeinschaft hat mit der Neuaufstellung ihrer Schulbuchproduktion angekündigt, ein moderneres, österreichischeres Bild vermitteln zu wollen. Doch aus Personenkreisen, die der IGGÖ nahestehen, hört man bereits jetzt, dass es der Glaubensgemeinschaft bei der Gründung des Schulbuchverlags nicht nur um noch weniger Kontrollmöglichkeiten externer Verlagspartner geht, sondern auch ums Geschäft. Denn ein selbst verlegtes Schulbuch, das jedes Jahr an 76.000 Schüler verkauft wird, sei eine zusätzliche und sehr stabile Einnahmequelle. 

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