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Kärnten: War Haider nur Last?

Kärnten, das war Haiderland. Und Haiderland war abgebrannt. Der 2008 verunglückte Landeshauptmann mischte von Klagenfurt und vom Bärental, seinem geerbten Landsitz südlich der Landeshauptstadt, aus die Republik und immer wieder mal auch Europa und die Welt auf. Die Kärntner liebten und wählten ihn, obwohl er, wie die Gegner meinten, das Land ruinierte und seine finanziellen Reserven aufzehrte, um seine „Brot & Spiele“-Politik zu finanzieren.

Jörg Haider war über zwei Jahrzehnte die Projektionsfläche für alles, was jemand, der sich für antifaschistisch, intellektuell und urban hielt, zutiefst verachtete. Wer gegen Haider war, hatte recht. Und Jörg Haider liebte es. Er wusste, dass die Verachtung seiner Gegner sein wichtigstes Betriebsmittel war, er spielte gekonnt mit den Emotionen seiner Gegner und wurde so zum Vorboten des populistischen Zeitalters, in dem wir leben.

Seit 2013 ist Kärnten nicht mehr Haiderland. Seine Erben regierten noch fünf Jahre, dann wurden sie abgewählt. Eine Anti-FPÖ-Koalition unter Führung des SPÖ-Landeshauptmanns Peter Kaiser übernahm die Macht – und wird sie wohl behalten, wenn am kommenden Sonntag, dem 4. März, ein neuer Landtag gewählt wird.

Ist alles so viel besser geworden, seit die Freiheitlichen in Kärnten nicht mehr am Ruder sind? Hat Kaiser geschafft, was er – nach dem geläufigen Narrativ – tun musste, nämlich das Land aus den Trümmern neu aufzubauen, die Haiders Erben hinterließen, vor allem mit der Milliardenruine Hypo Alpe Adria?

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Die Daten sagen: weder noch. Weder hat die Hypo das Kärntner Landesbudget je in nennenswerter Weise belastet02 noch ist unter dem neuen Landeshauptmann alles so viel besser geworden. In Kärnten wurde immer schlecht gewirtschaftet, ob Rote, Schwarze oder Blaue am Ruder waren, die Hypo hat den Bund belastet, und die politischen Massenfluchtbewegungen aus dem Haiderland, die regelmäßig angekündigt wurden, fanden nie statt.

Wahr ist, dass Kärnten das einzige Bundesland in Österreich ist, dessen Einwohnerzahl aufgrund der Abwanderung schrumpft01. Aber das hatte und hat nichts mit den politischen Machtverhältnissen im Land zu tun, sondern in erster Linie mit Bildungschancen und Jobmöglichkeiten. Gewachsen ist Kärnten nur während der Jahre der Flüchtlingskrise, und die sind fürs Erste auch schon wieder vorbei.

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Unser Projektteam unter der Leitung des bekennenden Kärntners Andreas Wetz hat sich aus Anlass der Landtagswahl vorgenommen, ein paar der hartnäckigsten Kärnten-Klischees zu hinterfragen, und wir denken, dass die Ergebnisse den Aufwand rechtfertigen. Apropos Aufwand: Christine Grabner, unsere TV-Reporterin, hat anhand einiger sehr persönlicher Geschichten die Zerrissenheit, von der das Land auch seit jeher geprägt ist, erfahrbar gemacht. Selbst Kärntnerin, die aber früh nach Berlin „geflüchtet“ ist, ist sie für die Dreharbeiten in die alte Heimat zurückgekehrt.

Ihre persönlichen Erfahrungen während dieser Dreharbeiten hat sie in einer Geschichte festgehalten, die Sie am Donnerstag, dem Tag der Ausstrahlung der „Im Kontext“-Reportage07 über Kärnten hier06 lesen können.

Und vielleicht stimmt ja, was der Volksmund sagt: Keantn is lei oans. 

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Das Rechercheteam

Gerald Gartner
Team Daten

Gerald Gartner kuratiert, analysiert und visualisiert große Datenmengen zu politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen. Er lehrt an der Fachhochschule Wien. Davor war er für derStandard.at und NZZ.at in Wien tätig.

Christine Grabner
Team Recherche

Christine Grabner war die letzten 12 Jahre als Redakteurin für das ORF Reportage-Format „Am Schauplatz“ tätig. Ihr Schwerpunkt sind gesellschaftspolitische und investigative Themen. Davor war sie viele Jahre freiberuflich unter anderem für den ORF „Report“, ATV, Spiegel-TV oder die Berliner Zeitung tätig. Die gebürtige Kärntnerin hat an der Berliner „Freien Universität“ ein Magister-Studium der Publizistik/ Philosophie und Neueren Geschichte abgeschlossen.

Christoph Hanslik
Team Recherche

Christoph Hanslik war in den vergangenen 17 Jahren als Unternehmer am internationalen Finanzmarkt tätig. Seine Erfahrungen stellte er drei Jahre im Parlament als Fachreferent für die Bereiche Budgetausschuss, Finanzausschuss, ESM-Ausschuss sowie als Teamleiter des HYPO-Untersuchungsausschuss zur Verfügung. Jetzt berät er das investigative Rechercheteam von Addendum.

Gabriel Hellmann
Team Experten

Gabriel Hellmann hat Rechtswissenschaften und die öffentliche Finanzkontrolle studiert. Er diente den Medien, den Kommunen, dem Staat und nun den Bürgern. Transparenz und Gerechtigkeit sind ihm große Anliegen, denen er sich akribisch verpflichtet fühlt.

Michael Mayrhofer
Team Social Media

Michael Mayrhofer hat an der Universität Wien Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre studiert. Während verschiedener Praktika im Journalismus bei Puls4 und ORF entdeckte er seine Liebe zum Social-Media-Journalismus. Die Menschen mit Information zu verführen – das ist sein Motto. Nebenbei war er auch Teil des Interview-Podcasts „Was soll das?“. Zuletzt war er freier Mitarbeiter im Social-Media-Team der Zeit im Bild.

Sebastian Reinhart
Team Recherche

Sebastian Reinhart hat Politikwissenschaft und Wirtschaftsrecht an der Universität Innsbruck studiert. Danach war er im Nationalrat als Referent für die Fachbereiche Finanzen, Budget, ESM und Europa verantwortlich. Seit dem Hypo-Untersuchungsausschuss sieht er Österreich mit anderen Augen.

Andreas Wetz
Projektleitung

Andreas Wetz mag Recherchen mit überraschenden Ergebnissen. Bei der Veröffentlichung halfen bisher „Kleine Zeitung“, „Kurier“ und „Die Presse“.

Anna Schneider
Team Experten

Anna Schneider hat Rechtswissenschaften und Kunstgeschichte studiert. Nach einer Zeit als Universitätsassistentin am Institut für Staats- und Verwaltungsrecht wechselte sie Anfang 2014 als Referentin für Verfassung, Menschenrechte und Weltraum ins Parlament; nun leitet sie als Gründungsmitglied von Quo Vadis Veritas das Expertenteam von Addendum.

Maria Kern
Team Recherche

Maria Kern war in den vergangenen zehn Jahren Innenpolitik-Redakteurin des „Kurier“. Zuvor war sie im EU-Ressort und in der Chronik-Redaktion der Tageszeitung tätig. Die Publizistik- und Politikwissenschaftsabsolventin der Uni Wien sieht es als ihre Aufgabe an, Bürgern komplexe Sachverhalte und Zusammenhänge zu erklären und auch aufzuzeigen, was im Land schiefläuft.

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