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Kärnten: War Haider nur Last?
Seit 2013 ist Kärnten nicht mehr Haiderland. Seine Erben regierten noch fünf Jahre, dann wurden sie abgewählt. Eine Anti-FPÖ-Koalition unter Führung des SPÖ-Landeshauptmanns Peter Kaiser übernahm die Macht – und wird sie wohl behalten, wenn am kommenden Sonntag, dem 4. März, ein neuer Landtag gewählt wird.

Kärnten, das war Haiderland. Und Haiderland war abgebrannt. Der 2008 verunglückte Landeshauptmann mischte von Klagenfurt und vom Bärental, seinem geerbten Landsitz südlich der Landeshauptstadt, aus die Republik und immer wieder mal auch Europa und die Welt auf. Die Kärntner liebten und wählten ihn, obwohl er, wie die Gegner meinten, das Land ruinierte und seine finanziellen Reserven aufzehrte, um seine „Brot & Spiele“-Politik zu finanzieren.

Jörg Haider war über zwei Jahrzehnte die Projektionsfläche für alles, was jemand, der sich für antifaschistisch, intellektuell und urban hielt, zutiefst verachtete. Wer gegen Haider war, hatte recht. Und Jörg Haider liebte es. Er wusste, dass die Verachtung seiner Gegner sein wichtigstes Betriebsmittel war, er spielte gekonnt mit den Emotionen seiner Gegner und wurde so zum Vorboten des populistischen Zeitalters, in dem wir leben.

Seit 2013 ist Kärnten nicht mehr Haiderland. Seine Erben regierten noch fünf Jahre, dann wurden sie abgewählt. Eine Anti-FPÖ-Koalition unter Führung des SPÖ-Landeshauptmanns Peter Kaiser übernahm die Macht – und wird sie wohl behalten, wenn am kommenden Sonntag, dem 4. März, ein neuer Landtag gewählt wird.

Ist alles so viel besser geworden, seit die Freiheitlichen in Kärnten nicht mehr am Ruder sind? Hat Kaiser geschafft, was er – nach dem geläufigen Narrativ – tun musste, nämlich das Land aus den Trümmern neu aufzubauen, die Haiders Erben hinterließen, vor allem mit der Milliardenruine Hypo Alpe Adria?

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Die Daten sagen: weder noch. Weder hat die Hypo das Kärntner Landesbudget je in nennenswerter Weise belastet noch ist unter dem neuen Landeshauptmann alles so viel besser geworden. In Kärnten wurde immer schlecht gewirtschaftet, ob Rote, Schwarze oder Blaue am Ruder waren, die Hypo hat den Bund belastet, und die politischen Massenfluchtbewegungen aus dem Haiderland, die regelmäßig angekündigt wurden, fanden nie statt.

Wahr ist, dass Kärnten das einzige Bundesland in Österreich ist, dessen Einwohnerzahl aufgrund der Abwanderung schrumpft . Aber das hatte und hat nichts mit den politischen Machtverhältnissen im Land zu tun, sondern in erster Linie mit Bildungschancen und Jobmöglichkeiten. Gewachsen ist Kärnten nur während der Jahre der Flüchtlingskrise, und die sind fürs Erste auch schon wieder vorbei.

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Unser Projektteam unter der Leitung des bekennenden Kärntners Andreas Wetz hat sich aus Anlass der Landtagswahl vorgenommen, ein paar der hartnäckigsten Kärnten-Klischees zu hinterfragen, und wir denken, dass die Ergebnisse den Aufwand rechtfertigen. Apropos Aufwand: Christine Grabner, unsere TV-Reporterin, hat anhand einiger sehr persönlicher Geschichten die Zerrissenheit, von der das Land auch seit jeher geprägt ist, erfahrbar gemacht. Selbst Kärntnerin, die aber früh nach Berlin „geflüchtet“ ist, ist sie für die Dreharbeiten in die alte Heimat zurückgekehrt.

Ihre persönlichen Erfahrungen während dieser Dreharbeiten hat sie in einer Geschichte festgehalten, die Sie am Donnerstag, dem Tag der Ausstrahlung der „Im Kontext“-Reportage über Kärnten hier lesen können.

Und vielleicht stimmt ja, was der Volksmund sagt: Keantn is lei oans. 

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