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Krankenhaus Nord – ein Intensivpatient?

Dass derzeit ein 95.000 Euro teurer esoterischer Unsinn die Berichterstattung über das Wiener Krankenhaus Nord (KH Nord) dominiert, muss einen nicht wundern. Das Volk liebt die Ablenkung, und die Medien bieten sie.

Der Energetiker-Skandal ist ja auch nur die Spitze des Eisbergs, an dem einmal mehr ein öffentliches Großbauprojekt zerschellt ist, unter anderem kostenmäßig. Das KH Nord wird, wenn es im Sommer 2019 tatsächlich aufgesperrt werden sollte, etliche Jahre später und um viele hundert Millionen Euro teurer als geplant in Betrieb gehen. Ein wenig ist das KH Nord das, was der neue Flughafen BER für die Berliner ist: eine unendliche Geschichte von Pleiten, Pech und Pannen.

Ein Teil der Skandale und Skandälchen ist der schieren Größe des Projekts geschuldet und kommt bei so gut wie jedem Großbauhaben vor. Ein anderer Teil verdankt sich wohl auch den Folgen der gewachsenen Strukturen im Wiener Gesundheitswesen, deren Wurzeln bis in die große Bevölkerungswachstumsphase rund um die Wende zum 20. Jahrhunderts zurückreichen. Die Pavillons, die man damals in vielen neuen Spitälern errichtete, um Seuchen- und Ansteckungsrisiken zu minimieren, wurden irgendwann zum logistischen Problem.

Die Gesundheitsversorgung einer Millionenstadt zu planen, ist keine einfache Sache. Man muss festlegen, welche medizinischen Leistungen wo für wie viele Menschen angeboten werden sollen, Neubauten, Umbauten und Rückbauten müssen aufeinander abgestimmt, Bettenkapazitäten festgelegt werden. Jede Verzögerung im einen Bereich kann dazu führen, dass in anderen Bereichen umgeplant werden muss, weil sich inzwischen aus unterschiedlichsten Gründen Patientenströme verlagern oder versorgungspolitische Strategien geändert werden.

Und natürlich stellt sich wie so oft die prinzipielle Frage, ob die öffentliche Hand ein guter Bauherr ist. Der Rechnungshof ist der Meinung, dass der Krankenanstaltenverbund (KAV) der Stadt Wien mit der Größe und Komplexität des Projekts überfordert war und ist. Man könnte entschuldigend darauf hinweisen, dass es auch andere Einflussgrößen wie die Gesundheitsplanungen des Bundes und die politischen Strategien der Stadt gibt, auf die eine öffentliche Unternehmung wie der KAV Rücksicht zu nehmen hat.

Am Ergebnis ändert das freilich wenig. Und auch nicht an den Kosten, die der Steuerzahler zu tragen hat. Aber lesen Sie selbst. 

Das Rechercheteam

Gabriel Hellmann
Projektleitung

Gabriel Hellmann hat Rechtswissenschaften und die öffentliche Finanzkontrolle studiert. Er diente den Medien, den Kommunen, dem Staat und nun den Bürgern. Transparenz und Gerechtigkeit sind ihm große Anliegen, denen er sich akribisch verpflichtet fühlt.

Stefanie Braunisch
Team Recherche
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