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Ein Bett heilt keine Patienten

Rund ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen in Österreich – 170.000 junge Menschen zwischen zehn und 18 Jahren – haben ernste psychische Probleme01, bei Mädchen sind Angststörungen03 am häufigsten, bei Burschen Störungen der Neuroentwicklung. Die Behandlung dieser Störungen ist für die betroffenen Jugendlichen und ihre Eltern mit großem Aufwand verbunden: In zwei Bundesländern (Steiermark, Burgenland) gibt es keine einzige Kassenarztstelle für Kinder- und Jugendpsychiatrie, auch die Zahl der stationären Plätze bleibt hinter den eigenen Vorgaben des österreichischen Gesundheitssystems zurück, teilweise erheblich.

Einen Ausbau sieht man lediglich bei den stationären Plätzen. Angesichts der großen Zahlen an zu behandelnden Kindern und Jugendlichen halten Experten das nicht für die richtige Strategie: Wichtiger, sagen sie, wäre es, ambulante Plätze und vor allem ein besseres Angebot im niedergelassenen Bereich zu finanzieren. Es gibt in allen Bundesländern zu wenige Kassenstellen, weil Kinder- und Jugendpsychiater angesichts der schlechten finanziellen Bedingungen im Kassensystem als Wahlärzte arbeiten – und damit nur noch für Patienten infrage kommen, die sich das leisten können: Eine Therapiestunde kostet 60 bis 120 Euro, rückerstattet werden 28 Euro.

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Dass die Krankenanstaltenverbände eher in stationäre Plätze investieren als in ambulante, hat, da es kaum inhaltliche Argumente für dieses Vorgehen gibt, wohl ebenfalls mit den Feinheiten des österreichischen Gesundheitsfinanzierungssystems zu tun: Für die stationäre Behandlung eines Kinder- und Jugendpsychiatriepatienten bekommen die Spitalserhalter im Bundesschnitt 770 Euro pro Tag, für einen Nachmittag ambulanter Therapie nur 280.

Die Frage, wie man in angemessener Zeit die schwerwiegenden Engpässe in der medizinischen Versorgung psychisch erkrankter Kinder und Jugendlicher beseitigen kann, ist auch eine inhaltliche Frage nach der besten Therapie. Ein Spitalsbett bringt keine Heilung, sagte der Leiter einer Kinderpsychiatrie unserer Reporterin, und in der Tat geht man inzwischen andernorts neue Wege in der Struktur der Behandlung: „Home-Treatment“02. Das bedeutet, dass die Betroffenen zu Hause, in der gewohnten Umgebung, behandelt werden, von mobilen, interdisziplinären Teams, in denen Experten für die medizinischen und die sozialen Komponenten einer psychischen Erkrankung gemeinsam agieren.

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Man verspricht sich von der Home-Treatment-Methode schnellere und nachhaltigere Erfolge, weil die betroffenen Kinder und Jugendlichen nicht aus ihrer familiären und sozialen Umgebung gerissen werden müssen, um ihre psychischen Störungen zu behandeln, die nicht selten genau mit dieser Umgebung zu tun haben. Und man verhindert, dass die jungen Patienten nach ihrer Behandlung in einer stationären Einrichtung zu lange brauchen, um sich wieder an den Alltag zu gewöhnen.

Außerdem, und das könnte für die Verantwortlichen im Gesundheitssystem das Hauptargument werden, ist diese Methode sehr viel kostengünstiger als ein massiver Ausbau stationärer Betten. Unser Rechercheteam hat Daten analysiert und mit Experten gesprochen, um – angesichts des nicht gerade transparenten Systems keine einfache Aufgabe – ein möglichst vollständiges Bild des Status quo zu zeichnen. 

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