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Anstalt statt Ambulanz: Irrwege in der Kinderpsychiatrie
25. April 2019 Kinderpsychiatrie 16 min
Eine aktuelle Studie kommt zu dem alarmierenden Ergebnis, ein Viertel der 10-bis 18-Jährigen in Österreich unter ernsten psychischen Problemen leidet. In Österreich wird ein Ausbau der stationären psychiatrischen Versorgung forciert, für viele Experten ein Schritt in die falsche Richtung.

Etwa 100.000 Jugendliche brauchen laut Einschätzung von Forschern der Medizinischen Universität Wien eine fachärztliche Betreuung. Doch anders als in vielen anderen Fächern gibt es in der Kinder- und Jugendpsychiatrie erheblich mehr stationäre als ambulante Behandlungsplätze, nämlich knapp dreimal so viele. Die Steiermark gilt in der Kinderpsychiatrie als besonders unterversorgt. Stationäre Betten gibt es im LKH Leoben und im Landeskrankenhaus Graz Süd-West. Doch im ganzen Bundesland gibt es keinen einzigen kinderpsychiatrischen Kassenarzt. Aufgrund angeblicher Unterversorgung wird stationär weiter ausgebaut. Für viele Experten ein Schritt in die falsche Richtung. Sie fordern einen Ausbau ambulanter Therapiemöglichkeiten. Diese würden oftmals zu besseren Ergebnissen führen als Aufenthalte auf psychiatrischen Stationen. Doch stationäre Betten sind für Spitalsbetreiber finanziell wesentlich attraktiver als Ambulanzplätze.

Während also in Österreich drei Viertel aller Patienten der Kinder- und Jugendpsychiatrie in einer Station landen, versucht man in Deutschland den umgekehrten Weg zu gehen: Junge Patienten werden im gewohnten Umfeld ihrer Familie betreut, das sogenannte Hometreatment. Dabei handelt es sich um eine Therapie, bei der ein Behandlungsteam akut psychiatrische Patienten in gewohnter Umgebung versorgt. Mindestens dreimal pro Woche wird der Patient von einem Therapeuten zu Hause besucht.

Wir haben mit Kindern und Jugendlichen, die bereits in psychiatrischer Behandlung waren, sowie mit Eltern und führenden Psychiatern gesprochen und uns die verschiedenen Zugänge und Therapieansätze angesehen. 

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