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Bild: Carla Márquez | Addendum
Woran der „Green Deal“ in Österreich scheitern könnte
12. Dezember 2019 Klima Lesezeit 4 min
Europa soll bis 2050 klimaneutral sein, erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Dieser „Green Deal“ wird ohne vielversprechende Klimatechnologien nicht zu realisieren sein. Doch eine zentrale Technik ist in Österreich verboten.

Wenn von Klimagas-Speicherung gesprochen wird, geht es vor allem um die Technologie der CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS); eine Maßnahme, die unter die so genannten „Climate-Engineering“-Technologien fällt. Bei CCS wird CO2 bereits bei der Verbrennung von Kohle, Öl, Gas, oder auch Biomasse aus den Schornsteinen der Anlagen abgezogen, in weiterer Folge verflüssigt und in ein Endlager transportiert. Dort wird es gespeichert, damit es nicht in die Atmosphäre gelangen kann. In Österreich ist die Speicherung von CO2 jedoch gesetzlich verboten.

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Zur Bekämpfung des Klimawandels gilt etwa BECCS („Bioenergy with Carbon Capture and Sequestration“) als vielversprechendes Verfahren, ist jedoch nicht unumstritten. Dabei geht es darum, Bioenergie zu produzieren und das dabei freigesetzte CO2 aufzufangen und in entsprechenden Depots zu speichern. Das entnommene CO2 wird meist wieder unter der Erde eingebracht, etwa genau da, wo zuvor Erdöl und Erdgas entnommen wurden.

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CO2-Speicherung als neues europäisches Geschäftsmodell

Seit dem Jahr 2011 ist die Speicherung von CO2 in Österreich verboten. Das Gesetz wurde im März 2019 unter der damaligen Umweltministerin Elisabeth Köstinger nach einer Revision verlängert, da die Technologie noch nicht ausgereift und zu unsicher wäre. Daran scheitern wird der Green Deal in Österreich nicht, da eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2009 die Notwendigkeit von CCS zwar hervorhebt, aber noch die Möglichkeit einräumt, die Speicherung zu verbieten, wie es eben in Österreich der Fall ist. Sollte CCS in Zukunft jedoch verpflichtend werden, müsste Österreich seine nationalen Gesetze ändern.

Die Europäische Kommission betont aber bereits seit 2013, dass CCS eine Schlüsseltechnologie für eine wettbewerbsfähige CO2-arme Wirtschaft wäre. In Europa entfaltet sich daher rund um diese Technologie ein neues Geschäftsmodell.

Norwegen – Europas CO2-Speicher?

Selbst Norwegen, der größte Ölproduzent Europas, wirbt damit, künftig die beim Verbrennen des Öls entstehenden CO2-Emissionen wieder unter die Erde zu bringen und damit zur ersten CO2-Deponie Europas zu werden. Ein Großprojekt mit dem Namen „Northern Lights CCS“ sucht derzeit in der tiefen Johansen-Formation in der Nordsee nach einem geeigneten Reservoir. Die Mitglieder des „Northern Lights“-Projekts sind Equinor, Shell und Total. Dort könnte künftig nicht nur norwegisches CO2 endgelagert werden, sondern auch CO2 aus EU-Ländern – vielleicht sogar aus Österreich.

Dabei hätte man auch in Österreich ein beachtliches Speicherpotenzial von geschätzten 500 Millionen Tonnen CO2. In Deutschland und Österreich haben CCS-Technologien aber schon jetzt einen schlechten Ruf, was Ulf Riebesell vom Institut GEOMAR in Kiel bemängelt:

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Im Jahr 2015 gab es weltweit lediglich 20 CCS-Projekte, alle außerhalb der EU. Heute beteiligt sich neben Norwegen noch eine beträchtliche Anzahl von EU-Staaten an europäischen Forschungs- und Kooperationsprojekten. Derzeit laufen Forschungsarbeiten in Tschechien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Litauen, Malta, den Niederlanden, Norwegen, Rumänien, Polen, Portugal, Spanien und Schweden. Laut Florian Kraxner vom IIASA ist das aber immer noch viel zu wenig. Global werden momentan Millionen Tonnen an CO2 gespeichert – nötig wären aber Milliarden Tonnen, um ein klimawirksames Ergebnis zu erreichen.

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International Institute for Applied Systems Analysis

„Logisch ist das nicht.“

Das österreichische Verbot sieht Florian Kraxner vom IIASA kritisch:

„Es hat keinen Sinn, dass man erlaubt, Erdgas zu speichern, während man die Speicherung von CO2 verbietet. Erdgas besteht mehrheitlich aus Methan und ist daher viel gefährlicher und explosiver als CO2. Wir speichern in Niederösterreich einen Zweijahresvorrat Erdgas. Logisch ist das Verbot nicht.“

Dennoch bleiben auch bei der CO2-Speicherung Gefahren bestehen. Entweicht – etwa im Fall eines Unfalls – CO2 im großen Stil aus den Endlagern, würde dieses im Extremfall den Sauerstoff aus der Luft verdrängen und uns im wahrsten Sinne des Wortes die Luft zum Atmen nehmen. Daher gilt die Speicherung off-shore, also unter dem Meeresgrund, als sicherere Alternative zur Speicherung on-shore, also an Land.

Diese Unsicherheiten sind der Grund dafür, dass in Österreich das Augenmerk der Forschung auf Möglichkeiten der Einsparung von Treibhausgasen, der Nutzung von Biomasse und der Erarbeitung von (lokalen) Anpassungsstrategien liegt. Weder die Geologische Bundeslehranstalt (GBA) noch die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) forschen im Bereich der CCS-Technologien. Einzig die Universität für Bodenkultur (BOKU) beschäftigt sich mit Negativemissionen, wobei das Hauptaugenmerk nicht auf der Speicherung, sondern der Abscheidung liegt. Florian Kraxner sieht indessen dringenden Handlungsbedarf: „Je länger wir warten, umso radikaler werden unsere Lösungsansätze sein müssen.“ 

Mehr über diese „radikalen“ Lösungsansätze erfahren Sie hier.
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