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Sind sich wirklich alle Forscher einig?
4. November 2019 Klimaskepsis Lesezeit 4 min
Die Grundlage aller Klima-Diskussionen liefert der als Weltklimarat bezeichnete „Zwischenstaatliche Ausschuss zum Klimawandel“, kurz IPCC. Dieser sei als UN-Gremium vor allem ein Instrument der Politik mit ungenügender Fachkompetenz, behaupten Kritiker. Mit dem Konsens zum Klimawandel sei es nicht so weit her. Bei genauem Hinsehen sind die Vorwürfe allerdings schwer haltbar.

Es gibt einen überwältigenden Konsens innerhalb der Wissenschaft, wonach der Mensch den entscheidenden Anteil an den Ursachen der Erderwärmung verschuldet. Vor allem durch die Freisetzung klimaschädlicher Treibhausgase. Dieser Konsens sei eine Erfindung, ihm widersprechende Wissenschaftler würden lediglich in den Medien weniger Gehör finden, sagen ein paar Wenige. Was stimmt?

Ende September 2019 verbreitete sich eine Meldung mit der Überschrift „Es gibt keinen Klimanotfall“. Angeblich hatten 500 Wissenschaftler in einem gemeinsamen Brief an den UN-Generalsekretär vor „teuren und unnötigen Maßnahmen zur Treibhausgas-Reduzierung“ gewarnt.

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Wissenschaftler ist nicht gleich Wissenschaftler

Das Problem: Gerade einmal zehn von 506 Unterzeichnern entpuppten sich als Klimawissenschaftler, weitere vier als Meteorologen, wie Wissenschaftler der Internetplattform Climate Feedback analysierten. Der Rest besteht vor allem aus Geologen und Ingenieuren, von denen viele nicht an Universitäten forschen, sondern für die Industrie im Bereich der fossilen Energien arbeiten. Oder aus Geschäftsleuten und Lobbyisten. Zwei Drittel der Unterzeichner stammen aus akademischen Bereichen wie Psychologie oder Archäologie, die mit dem Klima nichts zu tun haben. Inhaltlich besteht der Bericht vor allem aus Fehlinterpretationen und schlichten Falschaussagen. So wird zum Beispiel die wahre Tatsache, dass sich das Klima immer schon geändert hat, als Scheinbeleg für für die Behauptung verwendet, der Mensch habe mit der aktuellen Erwärmung nichts zu tun (warum das falsch ist, lesen Sie hier. ). Schlicht gelogen ist die Behauptung, die bisherige Klimaerwärmung sei viel langsamer passiert, als es der Weltklimarat in der Vergangenheit vorausgesagt habe. (Mehr dazu hier. )

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Welche Rolle spielt der Weltklimarat IPCC?

Der Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change, übersetzt: Zwischenstaatlicher Ausschuss zum Klimawandel) ist das Gremium, das seit mehr als drei Jahrzehnten die Erderwärmung beschreibt und unterschiedliche mögliche Zukunftsszenarien entwirft. Er liefert die wissenschaftliche Basis für weltweite Debatten und politische Entscheidungen rund ums Thema Klima.

Immer wieder kursieren Behauptungen, wonach es sich beim Weltklimarat um ein rein politisches Organ handle, zusammengesetzt aus Beamten, gegründet mit dem Ziel, den menschengemachten Klimawandel zu beweisen. Er sei daher weder kompetent noch unabhängig.

Resolution auf Antrag von Malta

Wahr daran ist, dass der IPCC nicht zur Gänze unpolitisch ist. Er wurde nämlich auf Initiative zweier Organisationen mit politischem Hintergrund gegründet: der Welt-Meteorologie-Organisation WMO und dem UN-Umweltprogramm UNEP. Auf Antrag des Staates Malta verabschiedete die UN-Generalversammlung am 8. Dezember 1988 die Resolution 43/53. Darin wird die Gründung des IPCC beschlossen. Ziel ist das weltweit koordinierte Sammeln wissenschaftlicher Bewertungen zu Ausmaß und Auswirkungen des Klimawandels und möglicher Reaktionsstrategien. Die Aussage, der Rat solle den Menschen als wichtigste Ursache benennen, ist eine schlichte Erfindung. Im dritten Abschnitt des Resolutionstextes wird vielmehr explizit der Bedarf für weitere Forschung zu „allen Quellen und Gründen von Klimawandel“ festgehalten.

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Faksimiles der UNO-Resolution 43/53. Unter Punkt 5 wird die Gründung des IPCC beschlossen; im Einleitungstext zuvor der Bedarf an ergebnisoffener Klimaforschung betont.

Entscheidend ist aber: In den unterschiedlichen Arbeitsgruppen des IPCC sitzen weder Politiker noch Beamte, sondern Fachexperten, sprich Wissenschaftler. Ihre Aufgabe: das weltweit publizierte Wissen zu bestimmten Themen zusammenzutragen und nach streng wissenschaftlichen Kriterien zu bewerten. Politische Handlungsempfehlungen gibt der Rat nicht ab.

Im Abstand von mehreren Jahren veröffentlicht der Weltklimarat seine sogenannten Sachstandberichte. Der aktuellste stammt aus dem Jahr 2014, der nächste kommt in Etappen ab April 2021. Dazwischen gibt es die Sonderberichte wie jüngst im August und September 2019 zu den Themen Landnutzung und Ozeane. Regierungsvertreter beteiligen sich lediglich an den jedem Bericht beigefügten „Zusammenfassungen für Politiker“. Dabei geht es aber nicht um die Dramatisierung von Forschungsergebnissen, sondern vielmehr darum, die Texte verständlich zu halten oder Unsicherheiten beim Stand der Forschung hervorzuheben.

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Der Physiker Florian Aigner erklärt, wie Wissenschaft funktioniert und warum eine einzige Einzelstudie nicht automatisch große Aussagekraft haben muss.

Wenige Fehler auf tausenden Seiten

An den ausführlichen Kapiteln arbeiten dutzende oder hunderte wissenschaftliche Autoren. Sie werten dabei die Studien weiterer tausender Wissenschaftler aus. Dabei passieren zwangsläufig auch Fehler. Zwei davon etwa im IPCC-Bericht 2007, dessen 3.000-seitige Langfassung etwa ein Unterkapitel mit einer falschen Wahrscheinlichkeit zum Abschmelzen der Himalaya-Gletscher enthielt. Der Fehler wurde korrigiert und verbesserte im Nachgang auch die Fehlerkultur innerhalb des Weltklimarats. Er wird dennoch bis heute dazu benutzt, die generelle Glaubwürdigkeit der Klimaforschung in Zweifel zu ziehen. Auch wenn es schlicht absurd ist, aufgrund folgenloser Detailfehler das gesamte Wissenschaftssystem infrage zu stellen.

Auch außerhalb des Weltklimarates ist sich die weltweite Gemeinde der Klimaforscher sehr einig in Sachen Klimawandel und dessen menschengemachten Ursachen. Das heißt nicht, dass es keine widersprechenden Studien oder Wissenschaftler gäbe. Wäre es möglich, dass die paar wenigen die Galileos der Klimaforschung sind, die unerschrocken die Wahrheit gegen das Meinungsdiktat verteidigen? Dieser oft gehörte Vergleich führt alleine schon deshalb ins Leere, weil Galileo seine Erkenntnisse des sich um die Sonne drehenden Erdballs nicht gegen andere Wissenschaftler, sondern gegen die Kirche und deren biblisch-fundamentalistisches Weltbild verteidigen musste.

Die heutigen Klimaskeptiker haben ein wissenschaftliches System zum Gegner, das in den vergangenen Jahrhunderten gelernt hat, sich mittels Kontrolle und Gegenkontrolle permanent selbst zu korrigieren und so naturwissenschaftlichen Wahrheiten immer näher zu kommen.

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Im Jahr 2016 fanden sich sieben Forscher für eine gemeinsame Studie zum Konsens über den Klimawandel zusammen. Jeder von ihnen hatte zuvor jeweils eigene Studien dazu veröffentlicht. Das vielbeachtete Ergebnis ihrer Arbeit:

97 Prozent der Autoren von über 4.000 wissenschaftlichen Studien mit einer eindeutigen Position zur Frage des menschengemachten Klimawandels bestätigen diesen. Dabei war diese Zustimmung umso größer, je größer die Expertise der Autoren war.

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Damit bleibt nach allem menschlichen Ermessen festzuhalten: Es gibt ihn doch, den menschengemachten Klimawandel. 

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