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War‘s im Mittelalter nicht viel wärmer?
4. November 2019 Klimaskepsis Lesezeit 3 min
In den zurückliegenden Jahrtausenden gab es mehrere teils drastische klimatische Veränderungen. Doch die Temperaturschwankungen waren selten so stark, wie wir sie in den vergangenen Jahrzehnten erleben. Außerdem beschränkten sie sich auf einzelne Regionen und waren nicht zeitgleich auf der ganzen Welt zu beobachten.
Dieser Artikel gehört zum Projekt Klimaskepsis und ist Teil 3 einer 9-teiligen Recherche.
Bild: Addendum

Im Mittelalter war es zwar nicht wärmer als heute, aber zumindest ähnlich warm. Haben die Klimawandel-Skeptiker also recht, wenn sie sagen, dass es schon immer Temperaturschwankungen auf der Erde gab? Ja. In der Hochzeit des römischen Reiches gab es eine Warmzeit, das sogenannte Römische Klimaoptimum (etwa 200 vor bis 135 n. Chr.). Danach folgte die Kleine Eiszeit der Spätantike (450–700). Diese Phasen werden von den Klimawissenschaftlern aber auch gar nicht bestritten. Ganz im Gegenteil: Sie waren es, die diese Daten überhaupt erst erhoben haben.

Mehrere Studien setzen sich mit den Ursachen der mittelalterlichen Klimaanomalie, so die wissenschaftliche Bezeichnung, auseinander. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass eine Kombination aus erhöhter Sonnenstrahlung, niedriger Vulkanaktivität und veränderten Ozeanzirkulationen das Klima im Nordatlantik innerhalb von 20 bis 40 Jahren erwärmte.

Es stimmt also, dass es bereits früher deutliche Temperaturanstiege gab. Allerdings waren diese Anstiege nicht global spürbar, sondern beschränkten sich auf einige Regionen. Im Nordatlantik war die Erwärmung damals am stärksten. Die vergangenen drei Jahrzehnte von 1990 bis heute waren allerdings sowohl global als auch in den nordatlantischen Regionen und überall sonst auf der Nordhalbkugel die wärmsten der letzten 1.400 Jahre, also auch wärmer als in der mittelalterlichen Warmzeit.

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Ein Verbund mehrerer hundert Klimaforscher veröffentlichte 2013 einen Artikel in der Zeitschrift Nature Geosciences. Darin erklärten die Wissenschaftler, dass es in der Zeit zwischen 830 und 1370 in mehreren Erdregionen außergewöhnliche Warmphasen gegeben habe. Für eine globale Erwärmung, wie sie seit rund 150 Jahren vorzufinden ist, fanden sie in diesem Zeitraum hingegen keine Hinweise. Diese Ergebnisse wurden im Juni 2019 von Wissenschaftlern der Universität Bern bestätigt. Für beide Untersuchungen wurden Klimadaten ausgewertet, die etwa auf Jahresringen von Bäumen, auf Korallenstöcken und Eisbohrkernen beruhen. Gleiches gilt auch für das römische Klimaoptimum und andere Warmphasen: Sie waren regional begrenzt.

Auch im Gebiet des heutigen Österreich gab es solche Klimaschwankungen, wie Baumfunde im heutigen Gletschergebiet des Großglockner zeigen. Im Sommer 2015 gab die Pasterze, der größte Gletscher des Bergs, eine fast acht Meter lange Zirbe frei, die hier vor etwa 6.000 Jahren gewachsen war. Bis vor rund 3.500 Jahren wuchsen Nadelbäume im Gletschergebiet des Großglockners, danach sanken die Temperaturen so stark, dass sich Eis und damit ein Gletscher bildete, wo es einst Vegetation gab.

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Beispiellose globale Erwärmung

Für die vergangenen 2.000 Jahre gilt mit großer Sicherheit, dass es auf mindestens 98 Prozent der Erdoberfläche nie so warm war wie in den vergangenen 50 Jahren. „Das ist ein starker Hinweis, dass die von Menschen verursachte globale Erwärmung beispiellos ist – nicht nur, was die absoluten Temperaturen angeht, sondern auch, was die räumliche Konsistenz im Kontext der vergangenen 2.000 Jahre angeht“, so das Fazit der Schweizer Wissenschaftler.

Ein anderer wesentlicher Unterschied zu Klimaschwankungen der Vergangenheit ist die Geschwindigkeit des derzeitigen Temperaturanstiegs. In den vergangenen 50 Jahren ist die globale Durchschnittstemperatur um etwa ein Grad Celsius gestiegen. Hier lohnt sich ein Blick in die Geschichte der Grönland-Besiedelung: Klimaforscher berechneten, dass sich die Jahresdurchschnittstemperaturen auf der größten Insel der Welt extrem schnell ändern konnten und können, nämlich um bis zu vier Grad Celsius innerhalb von nur 80 Jahren. Doch auch da handelt es sich nur um einen regionalen Effekt, nicht um einen globalen. Die Erde kühlte in den vergangenen 5.000 Jahren leicht ab, nämlich um etwa 0,4 Grad. Diese Abkühlung endete vor etwa 150 Jahren. Daraufhin stagnierten die globalen Jahresdurchschnittstemperaturen, bevor sie vor rund einem halben Jahrhundert rapide zu steigen begannen.

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Fazit

Im Mittelalter war es tatsächlich so warm wie Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts, aber nur in wenigen Regionen der Welt. Global betrachtet war es in den vergangenen 2.000 Jahren nie so warm wie heute. Den deutlichsten Anstieg spüren wir seit Beginn der Industrialisierung. Dabei zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Konzentration von Kohlendioxid (C02)  und dem globalen Temperaturanstieg. 

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