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Lagen die Prognosen nicht alle daneben?
4. November 2019 Klimaskepsis Lesezeit 5 min
Weltweit werden die durchschnittlichen Temperaturen in den nächsten Jahrzehnten steigen. Darüber bestehen kaum Zweifel. Doch welche Folgen die Erwärmung für Mensch und Umwelt hat, ist schwer zu sagen. Sind Klimaprognosen also komplett sinnlos?

Prognosen aller möglichen Fachrichtungen haben eine Gemeinsamkeit: Je weiter sie sich auf die Zukunft beziehen, desto ungenauer werden sie. Wer heute sagt, dass sich die Wirtschaft im nächsten Jahr abschwächt, geht ein deutlich geringeres Risiko ein danebenzuliegen als jemand, der sagt, dass wir im Jahr 2030 eine Konjunkturflaute haben werden.

Klimaprognosen sind genau wie Wirtschaftsprognosen eine komplexe Angelegenheit. Das liegt vor allem daran, dass eine Vielzahl von Faktoren Klima- und Temperaturveränderungen beeinflussen. Diese Komplexität hat zu einigen ungenauen oder sogar fehlerhaften Prognosen geführt. Eine Prognose ist eben keine Vorhersage. In der Klimaforschung wird der Begriff Prognose nur ungern verwendet, stattdessen ist meist von Klimaprojektionen die Rede.

Der international anerkannte Hamburger Klimawissenschaftler Hans von Storch gab unlängst öffentlich zu, dass diese Projektionen nicht perfekt seien und Klimahysterie daher unangebracht: „Auch wir Klimaforscher liefern stets nur vorläufige Erklärungen und müssen bereit sein, diese möglicherweise wieder über den Haufen zu werfen, wenn neue Daten das erfordern. Wir schaffen Wissen, keine endgültigen Wahrheiten.“

In der Diskussion um die Qualität der Klimadaten geht es im Wesentlichen um zwei Fragen: Wie genau sind die Klimarekonstruktionen der Vergangenheit und wie verlässlich sind Aussagen für die Zukunft? Beide hängen eng miteinander zusammen, da die Klimadaten der Vergangenheit die Basis für alle Zukunftsmodelle bilden.

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Der Streit um den Hockeyschläger

Einer der berühmtesten angeblichen Fehler in der Geschichte der Klimaforschung betrifft den sogenannten Hockeyschläger, also die Grafik des Temperaturanstiegs in den vergangenen 2.000 Jahren. Als „Hockeyschläger“ wird die Darstellung bezeichnet, weil die Temperaturlinie der zurückliegenden Jahrhunderte an den Schaft eines Hockeyschlägers erinnert, das steil ansteigende Ende der Temperaturkurve an dessen Kelle.

Diese Klimakurve wurde erstmals 1999 von mehreren US-amerikanischen Wissenschaftlern veröffentlicht und von vielen Fachkollegen kritisiert. Allerdings bezog sich diese Kritik nicht auf die generelle Aussage der Studie, sondern auf einige methodische Details. Inzwischen wurde die These in mehreren unabhängigen Forschungsarbeiten untersucht und im Wesentlichen bestätigt. Lediglich die Temperaturdaten für das 15. Jahrhundert wurden berichtigt. Fast alle nachfolgenden klimageschichtlichen Arbeiten kommen zum selben Ergebnis wie die ursprüngliche „Hockeyschläger“-Studie: Die zurückliegenden Jahrzehnte waren die wärmsten der vergangenen zwei Jahrtausende. Daran ändert auch nichts, dass der Hauptautor der Studie Michal Mann im Sommer dieses Jahres ein Gerichtsverfahren gegen einen Klimaleugner verlor. In dem Verfahren ging es nämlich nicht um die Richtigkeit der wissenschaftlichen Ergebnisse Manns, sondern lediglich um eine Beleidigungsklage. Diese wurde vom kanadischen Gericht in British Columbia aus formalen Gründen abgewiesen.

14 Jahre Stagnation widerlegen nicht den Klimawandel

Dabei zeigt sich, dass die heutigen Computermodelle für die Vergangenheit zu annähernd gleichen Temperaturwerten kommen, wie tatsächlich gemessen wurden. Der Computer berechnet theoretisch, was das Thermometer faktisch anzeigt. Das bedeutet, dass die Modelle grundsätzlich funktionieren. Gleichzeitig geben viele Klimaforscher zu, dass es unmöglich sei, alle Wechselwirkungen und alle Details des Klimas zu simulieren. Allerdings sei es sehr wohl möglich, langfristige Trends vorherzusagen.

Doch stimmt das wirklich? Beim Blick auf die stagnierenden Jahresdurchschnittstemperaturen der Jahre 1998 bis 2012 können leicht Zweifel aufkommen. Betrachtet man ausschließlich diesen kurzen Zeitraum, zeigt sich tatsächlich, dass es keinen Anstieg gibt und eine Vielzahl der Modellrechnungen für den Zeitraum danebenlag. Ordnet man diese zwölf Jahre allerdings in eine längere Zeitachse ein, zeigt sich sehr wohl ein langfristiger Temperaturanstieg.

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Steile Thesen statt wissenschaftlicher Zurückhaltung

Was die langfristigen Temperaturveränderungen betrifft, sind die Vorhersagen der Klimawissenschaftler also ziemlich präzise. In anderen Bereichen lagen sie hingegen immer wieder falsch. So war im IPCC-Report aus dem Jahr 2007 zu lesen: „Die Wahrscheinlichkeit, dass [die Gletscher des Himalaya] bis 2035 und vielleicht schon früher verschwinden, ist sehr hoch, wenn die Erde sich weiterhin mit der aktuellen Geschwindigkeit erwärmt.“ Diese Aussage stellte sich als falsch heraus. Einige Gletscher des Himalaya wachsen sogar an.

In den ersten Berichten des Weltklimarats (der erste IPCC-Report wurde 1990 veröffentlicht) prognostizierten die Forscher, dass bis zum Jahr 2010 weltweit mindestens 50 Millionen Menschen zu Klimaflüchtlingen würden. Das Gegenteil war der Fall: In vielen Ländern der sogenannten Klimagefahrenzone gab es keine Tendenz zur Massenauswanderung, vielerorts wuchs die Bevölkerung sogar an. Im Bericht des Jahres 2014 schlug der Weltklimarat deutlich vorsichtigere Töne an und hielt sich mit punktgenauen Prognosen weitestgehend zurück; sowohl was mögliche wirtschaftliche Einbußen durch den Klimawandel betrifft als auch im Hinblick auf Flüchtlingszahlen und die Häufigkeit von Wirbelstürmen und Dürren.

Dennoch enthält auch der letzte veröffentlichte Bericht des Weltklimarats aus dem Jahr 2014 Prognosen, die sich aller Voraussicht nach als unzutreffend erweisen werden. Konkret betrifft das die Wechselwirkung des globalen Wirtschaftswachstums und der Kohlendioxid-Emissionen. 99,5 Prozent aller Szenarien gehen für die Zeit zwischen 2010 und 2020 von einem zum Teil deutlich höheren Wachstum der Weltwirtschaft aus als die Summe dessen, was zwischen 2010 und heute gemessen wurde und für 2020 zu erwarten ist. Es wird also aller Voraussicht nach weniger Kohlendioxid am Ende dieser Dekade freigesetzt worden sein, als es der Weltklimarat in der überwiegenden Zahl seiner zuletzt veröffentlichten Szenarien prognostiziert hat.

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Kilogramm pro Kaufkraftparität des Bruttoweltprodukts in US-Dollar

Die Grundformel „Mehr Wirtschaftswachstum gleich mehr Kohlendioxid-Emissionen“ mag auf globaler Ebene zwar noch stimmen, doch auch dabei ist Vorsicht geboten, was zukünftige Prognosen betrifft. Denn in den modernen Industrienationen hat sich das Wirtschaftswachstum von den Kohlendioxid-Emissionen längst entkoppelt, das heißt die Energieeffizienz nimmt stetig zu.

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Fazit

Darüber, dass es einen menschengemachten Klimawandel gibt, herrscht in der Wissenschaft große Einigkeit. Auch daran, dass wir mit einem weiteren Temperaturanstieg zu rechnen haben, besteht kaum Zweifel. Doch wie stark wird dieser Anstieg sein? Und was bedeutet das für uns Menschen? Darüber wird zum Teil erbittert gestritten. Wie zuverlässig sind die Modelle zum Anstieg des Meeresspiegels? Nehmen Extremwetterereignisse wie Stürme, Hochwasser und Dürren wirklich zu? Und wird es wirklich dazu kommen, dass Millionen Menschen zu Klimaflüchtlingen werden?

Viele Wissenschaftler wehren sich gegen die medial verbreitete Klimapanik. Sie warnen aber auch davor, nichts zu tun und den Klimawandel einfach auf uns zukommen zu lassen. Dabei verweisen sie vor allem auf den bisherigen Temperaturanstieg der vergangenen Jahrzehnte und den Zusammenhang mit dem Kohlendioxidausstoß.

Klimamodelle sind unverzichtbar für ein besseres Verständnis der klimatischen Veränderungen, sie dürfen aber nicht als Vorhersageinstrumente missverstanden werden. Das gilt für Politik und Medien genauso wie für die Forscher selbst. 

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