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Klimawandel-Podcast: Die Reaktionen der Skeptiker

Macht nicht die Sonne unser Klima?

Die Sonne beeinflusst unser Klima wie kein anderer Faktor. Wäre es dann nicht logisch, dass sie auch die gegenwärtige globale Erwärmung verursacht?

04.11.2019
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Die Sonne ist der Energielieferant unserer Erde. Wir leben von der in Nahrungsmitteln chemisch gebundenen Energie des Sonnenlichts. Der Strom aus Wasserkraftwerken stammt aus der Sonnenenergie, die das Wasser zuvor durch Verdunstung und Niederschlag in höhere Gebiete beförderte. Wärme und Elektrizität aus Kohle, Öl und Gas haben ihren Ursprung in nichts anderem als in konservierten Sonnenstrahlen. Die unvorstellbare Menge an Energie, die tagtäglich von der Sonne auf die Erde gelangt, ist der Treiber für so gut wie jedes Wetterphänomen und war ein bestimmender Faktor bei vergangenen Klimaänderungen.

Ist es da nicht vernünftig anzunehmen, dass Veränderungen der Sonnenaktivität auch die gegenwärtige Erderwärmung verursachen? Genau das behaupten manche Klimawandelskeptiker. Sie sehen in der Aktivität der Sonne und nicht in den Treibhausgasemissionen des Menschen den Auslöser des Klimawandels.

Tatsächlich war ein Rückgang der Sonnenaktivität eine der Ursachen für die Kleine Eiszeit zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert und weiteren Temperaturschwankungen seit der Antike01. Außerdem trugen massive Vulkaneruptionen zu kühleren Temperaturen bei: Schwefel und Asche in der Atmosphäre reflektierten das einstrahlende Sonnenlicht zurück in den Weltraum. Zudem kam es durch Populationsrückgang im Zuge von Krankheit und Hungersnöten im Mittelalter zu einer starken Wiederbewaldung großer Teile der Erde, womit der Atmosphäre große Mengen des Treibhausgases CO2 entzogen wurden. In den vergangenen 1.150 Jahren traten Schwankungen der Sonnenaktivität und Temperaturänderungen der Erde stets gemeinsam auf. Betrachtet man längere Zeiträume von mehreren zehntausend Jahren, zeigt sich sogar ein noch größerer Einfluss der Sonne. Durch Änderungen der Erdrotation und der Erdumlaufbahn um die Sonne treten langfristige Variationen der Sonneneinstrahlung auf, die über die jährlichen Schwankungen hinausgehen. Demgegenüber gleicht der Zeitraum der aktuellen Erderwärmung von wenigen Jahrzehnten einem Wimpernschlag.

Dennoch: Für den globalen Temperaturanstieg der zurückliegenden 50 Jahre kann eine Veränderung der Sonnenaktivität als Ursache so gut wie ausgeschlossen werden. Die Wissenschaft geht sogar davon aus, dass ein Rückgang der Sonnenaktivität in jüngster Vergangenheit einen leicht abschwächenden Effekt auf die Klimaerwärmung ausübte.

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Kluft zwischen Sonnenaktivität und Temperaturanstieg

Ab dem Jahr 1950 setzte ein stetiger Anstieg der globalen Temperatur ein, obwohl im selben Zeitraum die jährliche Sonneneinstrahlung leicht abnahm. Wissenschaftler errechneten einen Kühlungseffekt durch verminderte Sonneneinstrahlung zwischen –0,014 und –0,023 °C pro Dekade in dem Zeitraum von 1979 bis 2010.

Aber nicht nur die jüngste Entkopplung von Sonnenaktivität und Temperatur ist ein klarer Hinweis, dass die Sonne nicht der ausschlaggebende Faktor für den Klimawandel sein kann.

Wäre die Klimaerwärmung durch eine erhöhte Sonneneinstrahlung bedingt, würde damit ein Temperaturanstieg in allen Schichten der Atmosphäre einhergehen. Stattdessen kühlten die oberen Schichten ab, während die Erdoberfläche und die unteren Atmosphäreschichten wärmer wurden. Das liegt an der Wirkung von Treibhausgasen, die sich hauptsächlich in den unteren Schichten der Atmosphäre befinden. Dort reflektieren sie die Wärmestrahlung und erhöhen so die Temperatur in erdnahen Luftschichten.

Trotz allem besteht in der Wissenschaft eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der Einflussfaktoren des Klimawandels. Mit aufwendigen statistischen Berechnungen wird versucht, die Anteile verschiedener potenzieller Ursachen an der jüngsten Klimaerwärmung zu bestimmen.

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Viel zitierte Untersuchungen kommen zu dem Schluss, dass die Sonnenaktivität in den vergangenen 100 bis 150 Jahren Ursache von 10 bis 40 Prozent der globalen Erwärmung ausmachte. Betrachtet man jedoch die zurückliegenden 50 bis 65 Jahre, sinkt der Anteil auf einstellige Prozentwerte. Zum Vergleich: Die Verbrennung von fossilen Energieträgern ist für mehr als 90 Prozent des derzeitigen Klimawandels verantwortlich.

Unbestreitbar hat die Sonne einen starken Einfluss auf das Klima der Erde. Der Grund für die jüngste Erderwärmung ist aber nicht sie, sondern der Mensch. 

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Quellen

  • Skeptical Science (2016).
  • Usoskin, I. G., et al. “Solar activity, cosmic rays, and Earth’s temperature: A millennium‐scale comparison.” Journal of Geophysical Research: Space Physics 110.A10 (2005).
  • Crowley, Thomas J. “Causes of climate change over the past 1000 years.” Science 289.5477 (2000): 270-277.
  • Dull, Robert A., et al. “The Columbian encounter and the Little Ice Age: Abrupt land use change, fire, and greenhouse forcing.” Annals of the Association of American Geographers 100.4 (2010): 755-771.
  • Miller, Gifford H., et al. “Abrupt onset of the Little Ice Age triggered by volcanism and sustained by sea‐ice/ocean feedbacks.” Geophysical Research Letters 39.2 (2012).
  • National Aeronautics and Space Administration, NASA DATA GISS (2019).
  • Foster, Grant, and Stefan Rahmstorf. “Global temperature evolution 1979–2010.” Environmental Research Letters 6.4 (2011): 044022.
  • Meehl, Gerald A., et al. “Combinations of natural and anthropogenic forcings in twentieth-century climate.” Journal of Climate 17.19 (2004): 3721-3727.
  • Stone, DáithíA, et al. “The detection and attribution of climate change using an ensemble of opportunity.” Journal of Climate20.3 (2007): 504-516.
  • Lean, Judith L., and David H. Rind. “How natural and anthropogenic influences alter global and regional surface temperatures: 1889 to 2006.” Geophysical Research Letters35.18 (2008).
  • Huber, Markus, and Reto Knutti. “Anthropogenic and natural warming inferred from changes in Earth’s energy balance.” Nature Geoscience 5.1 (2012): 31.
04.11.2019

Das Rechercheteam

Timo Küntzle

Timo Küntzle, geboren 1974 in Karlsruhe, ist Journalist und hat ein Diplom in Agrarwissenschaften. Nach seinem Studium (Fachrichtung Pflanzenbau) und einem Redaktions-Volontariat, arbeitete er als Redakteur und Reporter für die Nachrichtenredaktionen von Puls 4 und Servus TV, später als Moderator und Gestalter für das Wissensformat „Na Servus – das Wetter auf Servus TV“ sowie für „Servus am Morgen“. Zuletzt schrieb er regelmäßig Beiträge für das Ressort „Wissen und Innovation“ der Tageszeitung „Die Presse“.

Carla Marquez
Dennis Meyer

Dennis Meyer glaubt an die Macht der Bilder und des Wortes. Der Kulturwissenschaftler wurde also Fernsehjournalist. Nach Stationen beim ZDF und bei Spiegel TV zog der Hamburger nach Salzburg. Zunächst arbeitete er als freier Autor und Gestalter, dann in der Redaktion von „Talk im Hangar-7“. Jetzt widmet er sich Reportagen und Dokumentationen über Themen, die bewegen.

Johannes Strobl
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