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Reisetagebuch: Die Bauerndörfer von Bangladesch
19. Juli 2018 Randnotizen Lesezeit 2 min
Reporter Timo Küntzle war für die „Im Kontext“-Reportage eine Woche lang in Bangladesch unterwegs. In sein Gedächtnis haben sich in diesem Tagen viel mehr Bilder eingegraben, als je in einen Film passen könnten.

Ohne diesen Film zu drehen, hätte ich diesen Ort mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit niemals besucht. Aber am 29. April dieses Jahres stand ich mitten in Bangladesch auf einem kleinen Feld, um gemeinsam mit Bauer Milon gentechnisch veränderte Melanzani zu pflücken. Das Feld liegt inmitten von anderen zigtausenden Äckerchen, zehn Kilometer östlich der Stadt Bogra im Nordwesten von Bangladesch.

Milon ist ein sehr geduldiger und freundlicher Mann, der, wie übrigens fast alle Bangladescher, anscheinend durch nichts aus der Ruhe zu bringen ist. Ohne je das leiseste Anzeichen eines Grantelns zu offenbaren, pflückt er seine Früchte. Genau so, dass Kameramann Roman ein schönes und scharfes Bild einfangen kann. Oder er steht 30 Minuten mit einem Korb voller Melanzani in die Hüfte gestemmt, um meine Interview-Fragen zu beantworten.

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Bild: Arif Hossain

Ausschnitt aus: Im Kontext – die Reportage: Schöne neue Gentechnik, Revolution in der Landwirtschaft. Hier geht es zum gesamten Film.

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Hinter der Kamera ist derweil das halbe Dorf zusammengelaufen, um die seltene, womöglich seltsame Szene zu beobachten. Viele, viele Kinder, etliche Männer und einige Frauen erwarten in stoischer Ruhe, was als Nächstes passiert. Meist ist das nicht viel, aber in diesem Teil der Welt nimmt die pure Erscheinung eines Europäers offenbar den Rang eines Naturwunders ein. Egal wo am Land wir auch halt machen: Innerhalb weniger Augenblicke bleiben Passanten stehen und  schauen ohne zu reden. Jeder Bangladesch-Reisende weiß von diesem manchmal gewöhnungsbedürftigen Phänomen zu berichten. Rührt man sich nicht, passiert auch nichts. Außer dass die Menschen weiter schauen, als wäre man selbst das Fenster zu einer exotischen Blumenwiese, an der das Auge meditative Ruhe findet.

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Ein nettes „as-salāmu àlaikum“ („Der Friede auf euch!“) bricht das Eis aber im Handumdrehen und wird mit einem schüchtern-freundlichen „wa-ʿalaikumu s-salām“ („Und auf euch der Frieden!“) beantwortet. Vielen gemeinsamen Fotos und neugierigem Austesten erster Englischkenntnisse der Schulkinder („How are you?“), steht dann nichts mehr im Weg.

Für mich persönlich hat sich die Reise durch das vom Kleinbauerntum geprägte Land phasenweise wie ein Besuch bei meinen eigenen Vorfahren angefühlt. Nicht dass ich von verwandtschaftlichen Beziehungen nach Südasien wüsste. Aber ich komme selbst aus einer Bauernfamilie, und den „Kollegen“ in Bangladesch bei der Reisernte zuzusehen, hat mich an die Erzählungen meiner Großmutter Maria erinnert. Sie half in ihrer Kindheit auf genau dieselbe Art und Weise schwäbischen Weizen zu ernten: mit der Sichel in der Hand und krummem Rücken, Büschel für Büschel abschneidend, zu Garben zusammenzulegen und zu binden. Bei uns kommt in diesen Tagen der Mähdrescher. Auf Bangladeschs Reisfeldern scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. 

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