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Reisetagebuch: Lokalaugenschein im Problembezirk
6. Juli 2018 Randnotizen Lesezeit 2 min

Mein Interviewpartner, Søren Dalsgaard, kommt per Fahrrad zu unserem Treffpunkt in Mjølnerparken, einem der berüchtigteren der 25 sogenannten Ghettos in Dänemark.

Als ethnischer Däne stellt er einen ziemlichen Kontrast zu den meisten anderen Menschen dar, die wir vorher in der Gegend beobachtet haben. 80 Prozent der 1.700 Einwohner von Mjølnerparken haben Migrationshintergrund. Die Stimmung wirkt auf mich etwas bedrückt. Dalsgaard führt uns zu dem Ort, an dem die Situation zwischen Bandenmitgliedern im vergangenen Jahr eskaliert ist. Drei Menschen seien innerhalb weniger Monate hier ermordet worden, erzählt er mir.

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Ich schaue mich auf dem Parkplatz um, wo die tragischen Ereignisse am helllichten Tag passiert waren. Auf dem Kinderspielplatz neben dem Parkplatz toben Kinder, und auf dem Fußballplatz auf der anderen Seite laufen Teenager herum – anscheinend unbesorgt. Abgesehen von den Graffiti an den Gebäuden und den Handzeichen, vermutlich Zeichen einer Bande, die uns Männer aus vorbeifahrenden Autos deuten, habe ich nicht das Gefühl, dass es hier für mich und mein Kamerateam gefährlich ist. Wir werden eben beobachtet.

Dalsgaard erzählt mir im Interview, dass er sich letztes Jahr im Bewohner-Ausschuss der Gegend engagiert hat. Seiner Meinung nach hat sich die soziale Situation durch die Verschärfungen der Regierung in der Asyl- und Integrationspolitik bereits deutlich verbessert. Allerdings habe es immer wieder Rückschläge gegeben. Er hat daher die lokale Polizei aufgefordert, in den Problemzonen mehr Präsenz zu zeigen.

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Er erzählt auch, dass es für die Bewohner des Bezirkes zur Tradition geworden ist, am Tag nach einer Gewalt-Eskalation zusammenzukommen, um einen „March for Peace“ zu veranstalten. Sie starten beim Hotspot der einen Bande und gehen in einer Lichterkette zum Hotspot der anderen. Sie wollen damit Frieden signalisieren und zur Versöhnung zwischen den Bandenmitgliedern aufrufen.

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Bewohner von Mjølnerparken bei einem „March for Peace“

Es habe nicht viel gebracht, sagt Dalsgaard. Aber wenigstens habe es gezeigt, dass die Bewohner in den Problemzonen für Frieden eintreten und die Konflikte zwischen den Banden in der restlichen Bevölkerung keinen Rückhalt haben. 

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