Reisetagebuch: Darf man Panzer mögen?

Ist es moralisch in Ordnung, von Kriegsmaschinen fasziniert zu sein? Reporter Andreas Wetz findet im Zuge intensiver Beschäftigung mit dem Thema eine klare Antwort.

10.08.2018

Dröhnend rattert das Ketten-Untier namens ASCOD in voller Fahrt an mir und dem Dreh-Team vorbei. Der Boden zittert, binnen Sekunden stehen wir in einer Staubwolke und halten kurz die Luft an. Doch Durchatmen ist nicht. Der ASCOD wird nämlich von einem weiteren Ungetüm, einem Pandur 8×8, verfolgt. Rundherum ist alles friedlich in Wien, wir sind umgeben von Gewächshäusern, Kleingartensiedlungen und Industriebauten. Willkommen auf der Panzer-Teststrecke in Simmering.

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Wir drehen bei General Dynamics European Landsystems, kurz GDELS. Und benehmen uns ein bisschen wie kleine Kinder. Staunen. Zücken die Handys. Sogar die Mitarbeiter und Ingenieure sind von dem Spektakel angetan und machen Bilder. Aber darf man das? Fasziniert sein nämlich von Technik und Urgewalten. Panzer mögen. Das, was wir hier sehen, sind immerhin schwere Waffensysteme, die ein Einfamilienhaus binnen kürzester Zeit dem Erdboden gleichmachen könnten. Oder in ihrem Inneren Soldaten schützen. Je nachdem.

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Im Zuge unserer Arbeit für den Film haben wir inzwischen einiges gesehen. Und wer schon einmal die Druckwellen auf der Brust gespürt hat, die entstehen, wenn zum Beispiel Kampfpanzer im scharfen Schuss üben, weiß: Es lohnt sich, vieles dafür zu tun, dass diese mächtigen Maschinen nicht in den Einsatz müssen. So ein Erlebnis kann lehrreich sein.

Und dennoch: Selbst Friedensforscher erzählten uns, dass Waffen zur Welt gehören. Es komme halt immer darauf an, wie sich der Mann (oder die Frau) am Abzug verhält. Oder im Hauptquartier. Oder an der Staatsspitze. Unter dem Eindruck des gebotenen Spektakels vertrauen wir darauf, dass der ASCOD und der Pandur 8×8 aus Wien an Käufer gehen, die das auch wissen. Dann, liebes Reisetagebuch, darf man auch Panzer mögen. Sehr sogar. 

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Im Kontext – Die Reportage

Die TV-Reportage wird donnerstags, 21.15 Uhr bei ServusTV ausgestrahlt und ist jeweils ab 22.15 Uhr auch online abrufbar. Alle bisherigen „Im Kontext“-Folgen finden Sie in unserer Mediathek.

Der Autor

Andreas Wetz
Team Recherche

Andreas Wetz mag Recherchen mit überraschenden Ergebnissen. Bei der Veröffentlichung halfen bisher „Kleine Zeitung“, „Kurier“ und „Die Presse“.

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