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Krebs: Welche Rolle spielt die Postleitzahl?

Die Diagnose Krebs gehört zu den großen Ängsten des spätmodernen Menschen, auch wenn es sich dabei dank der Fortschritte in der medizinischen Forschung längst nicht mehr zwangsläufig um ein Todesurteil handelt. Von wenigen Ausnahmen wie dem Pankreaskarzinom (Bauchspeicheldrüsenkrebs) abgesehen, haben sich die Überlebenschancen von Krebskranken in den vergangenen Jahrzehnten stark verbessert. Das erklärte Ziel von Forschern und Ärzten ist es, die häufigsten Krebsarten – Lungen-, Brust- und Darmkrebs – so weit in den Griff zu bekommen, dass sie wie andere chronische Erkrankungen über viele Jahre ohne wesentliche Einschränkungen der Lebensqualität behandelbar werden.

Noch ist es aber nicht so weit. Noch verfügen wir  in Österreich auch nicht über ausreichend strukturiertes Datenmaterial, um die oft geäußerte Behauptung, dass wir in einem der erfolgreichsten Länder bezüglich der Bekämpfung von Krebserkrankungen leben, gut zu belegen. Das Datenmaterial, das verfügbar ist – es handelt sich in diesem Fall um eine Spezialauswertung der Statistik Austria für Addendum –, hat unser Rechercheteam ausgewertet und visualisiert.

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Das Ergebnis sind zwei interaktive Grafiken. In der einen können Sie herausfinden, welche Krebsarten in Ihrer Herkunftsgemeinde besonders häufig tödlich enden und welche Ursachen das möglicherweise hat02. Möglicherweise, weil kaum etwas auf der Welt monokausal ist, auch nicht eine Krebserkrankung. Selbst dort, wo genetische Prädispositionen vorliegen, spielt natürlich auch die Lebensweise des betroffenen Menschen eine Rolle. Eine Frau, die vor ihrem 20. Lebensjahr Mutter wird, hat beispielsweise nur ein halb so großes Brustkrebsrisiko wie eine kinderlose 50-Jährige. Dazu kommen naturgemäß außergewöhnliche externe Faktoren wie Umweltbelastungen. Im Bezirk Imst in Tirol beispielsweise ist das starke Radon-Vorkommen für höhere Lungenkrebsraten mitverantwortlich.

In der zweiten interaktiven Grafik können Sie sehen, welches Krebsrisiko Menschen haben, die in der gleichen Situation sind wie Sie03. Wenn Sie etwa ein Mann zwischen Mitte 40 und Mitte 50 sind, ist die wahrscheinlichste Krebsart mit einer Prävalenz von 31 Prozent das Prostatakarzinom. Was Prävalenz bedeutet, wird vom Rechercheteam natürlich auch erklärt.

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Stimmt es also nun, dass Österreich das beste Land ist, in dem man leben kann, wenn man Krebs bekommt? Bekommt jeder Patient hierzulande nach einer allfälligen Diagnose die gleiche Behandlung, nämlich die bestmögliche? Nicht wirklich, ergaben unsere Recherchen.01 Eine der Hauptursachen dafür, dass, wie der niederösterreichische Patientenanwalt sagt, ein wesentlicher Faktor für Ihre Überlebenswahrscheinlichkeit als Krebspatient die Postleitzahl Ihres Wohnortes ist, liegt im zersplitterten, selbst für Experten nicht leicht nachvollziehbaren Finanzierungssystem des österreichischen Gesundheitswesens. Behandlungskosten und Patienten werden von einer Stelle an die andere weitergereicht.

Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Und der Kampf gegen den Krebs ist, neben allem anderen, auch ein Geschäft mit der Hoffnung. 

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