Übersicht  

Wo Krebs besonders oft tödlich ist

Wie viele Menschen wie häufig an welchen Krebserkrankungen sterben, unterscheidet sich regional. Eine Suche nach den Faktoren, die dafür eine Rolle spielen könnten.

Daten
04.02.2019
Artikel zum Anhören

Einer von vier Todesfällen geht in Österreich auf Krebs zurück. Die Krankheit ist damit die zweithäufigste Todesursache. Auch wenn dank besserer Behandlungsmöglichkeiten die Überlebenschancen insgesamt steigen, so unterscheidet sich doch von Bezirk zu Bezirk, wo verschiedene Krebsarten besonders oft tödlich verlaufen. Das geht aus einem Spezialdatensatz der Statistik Austria hervor, den Addendum ausgewertet und visualisiert hat. Im Gespräch mit Krebsforschern, Gesundheitsökonomen und Umweltmedizinern haben wir versucht, die wahrscheinlichsten Gründe für die regionalen Differenzen zu identifizieren.

icon-bubble

Top Kommentar

So starben beispielsweise 1983 noch 3,27 von 100 Österreichern an Krebs, 2015 waren es nur 2,4.

Lungenkrebs: Häufigste Todesursache

Lungenkrebs ist die Krebsart, an der in Gesamtzahlen die meisten Menschen sterben. Trotz des guten Forschungsstandes fallen der Krankheit jedes Jahr etwa 3.900 Menschen zum Opfer. Eine höhere Sterblichkeit lässt sich im Allgemeinen im Osten Kärntens, in der Umgebung von Wien, im südlichen Niederösterreich sowie in Westtirol feststellen. Besonders in Städten ist die Mortalitätsrate hoch.

icon-bubble

Top Kommentar

Wird berücksichtigt, dass Menschen immer älter werden, nimmt das Risiko nur unter Frauen zu; für Männer nimmt es ab.

Dass mehr Menschen an Lungenkrebs sterben als vor einigen Jahrzehnten, ist auf den hohen Raucheranteil in der österreichischen Bevölkerung zurückzuführen, das ist durch Studien gut belegt. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern erkranken in Österreich besonders viele Menschen daran. Besonders in den Städten ist der Raucheranteil hoch.

icon-bubble

Top Kommentar

Die Überlebenschancen sind hierzulande allerdings höher. Bei frühzeitiger Erkennung überleben 57 Prozent der Patienten die ersten fünf Jahre nach der Diagnose.

Rauchende Arbeiter

Die erhöhte Sterblichkeit für Lungenkrebs in Oberösterreich könnte auf zwei Faktoren zurückgehen. In Linz, Wels und Steyr arbeiten verhältnismäßig viele Einwohner in der Industrie. Hier kann es in bestimmten Branchen zu einer erhöhten Schadstoffbelastung am Arbeitsplatz kommen. Zudem ist aus soziologischen Studien (siehe hier und hier) bekannt, dass Arbeiter häufiger rauchen als beispielsweise Akademiker. Das würde bedeuten, dass das Stadt-Land-Gefälle bei Lungenkrebs in Oberösterreich möglicherweise durch die Verteilung der Beschäftigten in der Industrie weiter verstärkt wird. Ähnliche Hintergründe könnten auch die leicht erhöhte Lungenkrebssterblichkeit im südlichen Niederösterreich – dem Industrieviertel – erklären. Eindeutige Schlussfolgerungen sind allerdings nur schwer zu ziehen. Lediglich in Westtirol ist die Ursachenforschung etwas einfacher.

icon-bubble

Top Kommentar

Natürliche Strahlung als Krebsursache

So gibt es einerseits Daten der Gesundheit Österreich GmbH zufolge im Westen Tirols etwas mehr Raucher als im Osten. Zusätzlich wurde im Bezirk Imst ein weiterer Grund für eine erhöhte Lungenkrebsrate gefunden: das radioaktive Edelgas Radon. Es entsteht beim Zerfall von Uran im Boden und steigt anschließend auf. Sammelt es sich in geschlossenen Räumen von Häusern oder Wohnungen, dann kann die erhöhte Konzentration zu Lungenkrebs führen. Es wird für rund 10 Prozent aller Lungenkrebserkrankungen in Europa verantwortlich gemacht. Die erhöhten Radon-Werte in der Gemeinde Imst gehen auf einen Bergsturz vor rund 8.700 Jahren zurück.

icon-bubble

Top Kommentar

1989 wurde festgestellt, dass die Lungenkrebssterblichkeit in Imst um 40 Prozent höher lag als im österreichischen Durchschnitt. Als Ursache wurde Radon ausgemacht. Meist ist die Radonbelastung in ländlicheren Gegenden höher als in der Stadt. Der Grund: Die tendenziell massiveren Fundamente von Mehrparteienhäusern in Städten stellen eine höhere Barriere für das Gas dar. Jene Menge, die dennoch ins Haus gelangt, wird von Stockwerk zu Stockwerk immer weniger. Bewohner von Dachgeschossen sind also geringeren Radon-Konzentrationen ausgesetzt als jene im Parterre.

icon-bubble

Top Kommentar

Eine regionale Korrelation der Radonbelastung mit der Lungenkrebsmortalität ist allerdings in keinem anderen Bezirk als Imst feststellbar. Wie bei allem gilt aber auch bei Radon: Die Dosis macht das Gift – das Element wird deswegen teilweise auch zu therapeutischen Zwecken genutzt. Die Gemeinde Umhausen im Bezirk Imst hat 2011 ein Kurzentrum eröffnet, in dem mit Radon Kreislaufprobleme, rheumatische Krankheiten und degenerative Muskelkrankheiten therapiert werden.

icon-bubble

Top Kommentar

Darmkrebs: Zweithäufigste Todesursache

Nach Lungenkrebs ist Darmkrebs mit etwas mehr als 2.000 Todesfällen pro Jahr die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache in Österreich. Die Ursachen für die Erkrankung werden häufig mit der Ernährung oder dem Alkohol- und Nikotinkonsum der Betroffenen in Zusammenhang gebracht. Die Ernährungsgewohnheiten der Österreicher werden allerdings nur auf der Basis einer Befragung erhoben, aufgrund der Stichprobengröße von nur rund 2.100 Personen kann nur wenig über regionale Eigenheiten gesagt werden. Belegt ist aber ein Ost-West-Gefälle, in Westösterreich bewegen sich laut Ernährungsforschung die Menschen mehr und ernähren sich gesünder – wodurch das Krebsrisiko sinkt. Zumindest diese Annahme scheint sich auch in der dokumentierten Darmkrebsmortalität als mögliche Folgeerscheinung zu bestätigen: In Ostösterreich sterben anteilig mehr Menschen an Darmkrebs als in Westösterreich.

icon-bubble

Top Kommentar

Weltweit zeigt sich, dass wohlhabendere Regionen eine höhere Darmkrebs-Erkrankungsrate haben, allerdings auch eine niedrigere Todesrate. Ebenfalls bekannt ist, dass Darmkrebs häufiger bei Männern als bei Frauen auftritt und bei Ersteren auch häufiger zum Tod führt. Der Geschlechterunterschied kann ebenfalls mit Ernährungsfaktoren erklärt werden, wie der Ernährungsbericht 2017 aufzeigt. Diesem zufolge waren 41 Prozent der untersuchten Personen übergewichtig, darunter mehr Männer als Frauen. Weltweit wird die Anzahl der übergewichtigen Menschen weiter zunehmen.

icon-bubble

Top Kommentar

Grundsätzlich nehmen Österreicher zu viel Fett zu sich und essen zu wenige Kohlehydrate, Ballaststoffe und Vitamine. Kohlehydrate werden aus Diät-Gründen zwar oft hinterfragt, bei normalgewichtigen Menschen reduzieren Kohlehydrate im Ernährungsmix allerdings das Krebsrisiko. Ein weiterer Grund für den Unterschied zwischen den Geschlechtern könnte sein, dass Frauen mehr Gemüse und damit vor Darmkrebs schützende Ballaststoffe zu sich nehmen als Männer.

icon-bubble

Top Kommentar

Chronische Krankheiten als Risikofaktor

Das Risiko einer Darmkrebserkrankung erhöht sich auch, wenn eine Person an chronischen Darmerkrankungen wie Darmschleimhautentzündungen, Morbus Crohn oder dem Gardner-Syndrom leidet. Diese führen oft zu kleineren Polypen, die im Laufe von acht bis zehn Jahren oftmals mutieren und zu Krebstumoren werden. Auffällig ist die höhere Darmkrebs-Sterblichkeit in Niederösterreich, obwohl Oberösterreich eine wesentlich höhere Anzahl an chronisch darmkranken Patienten aufweist. Möglicherweise hängt dies mit der Gesundheitsvorsorge zusammen, denn Vorsorgeuntersuchungen sind bei Darmkrebs besonders sinnvoll: Die lange Mutationszeit führt dazu, dass Vorsorgeuntersuchungen eine höhere Trefferchance haben als bei anderen Krebsarten. Wird Darmkrebs früh erkannt, kann er in der Regel eher geheilt werden.

icon-bubble

Top Kommentar

mutierte Zellen beginnen dabei zu wachsen und bilden vorerst unschädliche Geschwüre

Genpool

Gleichzeitig gibt es bei Darmkrebs auch eine genetische Komponente. So steigt das Risiko für Personen mit einem betroffenen Verwandten um 50 Prozent im Vergleich zu Menschen, in deren Familie niemand an Darmkrebs erkrankt ist. Welche Genfunktionen genau dafür verantwortlich sind, ist noch nicht erforscht. Da bisher mehrere unterschiedliche Gene gefunden wurden, die das Risiko erhöhen können, gibt es unterschiedliche Angaben zur Zahl der Betroffenen, insgesamt wird aber nur von höchstens fünf Prozent aller Fälle ausgegangen. Bei diesen tritt die Krankheit dafür schon in verhältnismäßig jungen Jahren auf, meist kommt es bis zum 40. Lebensjahr schon zu einer Erkrankung.

icon-bubble

Top Kommentar

Brustkrebs – Mutterschaft zur Risikooptimierung

Die Studienlage zu den Ursachen für Brustkrebs ist zwar dünn, gesichert ist aber der Einfluss von drei Faktoren: Lebensstil, Hormonhaushalt und ob eine Frau Mutter ist.

Neben der Ernährung ist auch der Hormonhaushalt entscheidend. Frauen, die schon sehr jung ihre erste Menstruation hatten und erst spät in die Menopause kommen, haben ein erhöhtes Risiko zu erkranken. Auch wenn eine Frau Kinder bekommt und zusätzlich stillt, dann wirkt sich das auf das Risiko Brustkrebs zu bekommen aus: In beiden Fällen wird es reduziert.

icon-bubble

Top Kommentar

So wurde schon 1842 bei einer Vergleichsstudie zwischen Nonnen und einer Kontrollgruppe festgestellt, dass die kinderlosen Nonnen ein bis zu siebenmal höheres Risiko für Brustkrebs hatten. Mittlerweile liegen Forschungsergebnisse vor, dass auch das Alter der Mutter bei der Geburt des ersten Kindes eine Rolle spielt. Wer früher Kinder bekommt, reduziert sein Risiko – bei beispielsweise der ersten Geburt vor dem 20. Lebensjahr um 50 Prozent im Vergleich zu einer 50-jährigen kinderlosen Frau.

icon-bubble

Top Kommentar

Genetische Faktoren beeinflussen das Brustkrebskrisiko hingegen seltener. Zwar hat die US-amerikanische Schauspielerin Angelina Jolie das Bewusstsein der Öffentlichkeit dafür beeinflusst, aber statistisch gesehen ist diese Mutation relativ selten. Aktuell wird von 5 bis 10 Prozent aller Brustkrebspatientinnen ausgegangen.

icon-bubble

Top Kommentar

Die Schauspielerin hat eine Mutation des BRCA-Gens, diese Mutation erhöht das Brustkrebsrisiko im Vergleich zur übrigen Bevölkerung.

Bauchspeicheldrüsenkrebs: Geringe Überlebenschancen

Obwohl der Bauchspeicheldrüsenkrebs zu den tödlichsten Krebsarten überhaupt zählt, ist die Ursachenforschung noch nicht sehr weit. Bauchspeicheldrüsenkrebs entwickelt sich in der Regel ungestört und Patienten klagen kaum über Symptome, die Krankheit wird deshalb meist erst sehr spät erkannt. Nur einer von fünfzig Patienten überlebt die ersten fünf Jahre nach der Diagnose.

icon-bubble

Top Kommentar

Übergewicht und übermäßiger Alkoholkonsum gelten als die größten Risikofaktoren. Der Alkoholkonsum der Österreicher ist zwar im Gesamten dokumentiert (und im Vergleich mit anderen Ländern hoch), Daten über regionale Trinkgewohnheiten werden allerdings nicht erfasst, es gibt nur grobe Schätzungen. Ein möglicher Zusammenhang lässt sich maximal in Teilen Niederösterreichs vermuten wo der tägliche Alkoholkonsum weit verbreitet und eine höhere Mortalität an Bauchspeicheldrüsenkrebs nachzuweisen ist.

icon-bubble

Top Kommentar

Regionen mit einer höheren Mortalität finden sich auch im Umland von Wien, im südlichen Burgenland und in Kärnten. Als möglicher Risikofaktor für Bauchspeicheldrüsenkrebs wurden in einigen Studien auch Diabetes Typ 2 ausgemacht. Dieser Zusammenhang zeigt sich auch daran, dass es im Burgenland und in Niederösterreich gemessen an der Bevölkerung den höchsten Anteil an Diabetikern gibt.

icon-bubble

Top Kommentar

Wiener Neustadt: Der dunkle Fleck

Auffällig ist, dass Wiener Neustadt bei Lungen-, Brust-, Magen-, und Bauchspeicheldrüsenkrebs eine höhere Sterblichkeit als die umliegenden Bezirke aufweist. Das lässt sich auf verschiedene Faktoren zurückführen. Wiener Neustadt verfügt wie Oberösterreich über zahlreiche Industriebetriebe. Neben der chemischen Industrie spielen Stahl und Aluminium eine große Rolle. Das sind Branchen, die grundsätzlich auf eine höhere Belastung durch kanzerogene Elemente als andere hinweisen.

icon-bubble

Top Kommentar

Welche Umweltfolgen in den vergangenen Jahrzehnten durch diese Industrie aufgetreten sind, ist nur unzureichend untersucht. Rund um Wiener Neustadt liegt auch die die Mitterndorfer Senke, die eines der größten Grundwasseraufkommen Europas beherbergt.

icon-bubble

Top Kommentar

Einige Unternehmen sind nicht mehr aktiv am Markt tätig. Von welchen Firmen welche Abfälle stammten, ist nicht mehr feststellbar.

Über der Senke wurde in den vergangenen Jahrzehnten eine Reihe von Deponien angelegt, zum Teil wurden dort Giftstoffe der umliegenden Industriebetriebe entsorgt. In den 1980er Jahren wurde entdeckt, dass sich der Inhalt von Abfallfässer mit Resten von Lösungsmitteln, Lacken und Aluminiumschlacke ins Erdreich entleert hatte und so auch in das Grundwasser gelangten. Neben diesen und anderen schädlichen Kohlenwasserstoffen könnten Abfälle einer ehemaligen Munitionsfabrik oder eben aus der Stahlbranche in das Grundwasser gelangt sein. Mitte der 1990er wurde in einer ersten Studie ausgeschlossen, dass das Grundwasser krebserregend verseucht sein könnte. Dennoch wurden gut 20 Jahre lang immer neue Umweltverschmutzungen durch Deponien entdeckt, ebenso lange wird nun schon an der Sanierung des Geländes gearbeitet.

icon-bubble

Top Kommentar

Innerhalb der Mitterndorfer Senke lagen etwa die Deponie in Theresienfeld, die Angerler Grube, die Berger- und die Fischer-Deponie. Insgesamt wurden im Laufe der Jahrzehnte mehrere tausend Fässer mit Giftstoffen aus der Farb- und Lackindustrie, mit Dieselöl, Harzen und Lösungsmitteln gefunden. Auch Ablagerungen von Aluminiumschlacke oder Abfälle einer früheren Munitionsfabrik wurden hier entsorgt. In beiden Fällen ist bekannt, dass solche Industrieabfälle das Krebsrisiko erhöhen können – allerdings gibt es keine gesicherte Kausalität für Erkrankungen oder Todesfälle.

Grundsätzlich ist trotz dieser möglichen Zusammenhänge aber auch bei Wiener Neustadt festzustellen, dass immer mehr Patienten ihre Krebserkrankungen überleben. Das zeigt sich bei einer Betrachtung der Zahlen zur Entwicklung der Sterblichkeit von Krebs insgesamt.

icon-bubble

Top Kommentar

Sowohl für Männer als auch für Frauen zeigt sich ein deutlicher Rückgang über einen Zeitraum von 35 Jahren. Die Rate betroffener Personen hat sich in beiden Fällen um rund ein Drittel verringert. 

icon-bubble

Top Kommentar

Methodik und Vorgehen

In einem ersten Ansatz wurde versucht, einen aktuellen Überblick über den Stand der Krebsforschung zu möglichen Ursachen von Krebserkrankungen zu erhalten. Soweit man weiß, werden Krebserkrankungen viel mehr von Ernährung und Verhalten wie Rauch- und Trinkgewohnheiten beeinflusst als durch äußere Faktoren wie Umweltgifte.

Schlecht steht es um die Datenlage zum Lebensstil der Österreicher. Es gibt keine genauen Statistiken zu unseren Gewohnheiten. Zur Verfügung steht lediglich die Auswertung der Gesundheitsbefragung und des Ernährungsberichts. Daraus lassen sich Schlussfolgerungen zu Übergewicht, Bewegungsgewohnheiten und das Rauchverhalten ziehen. Die Statistiken, die durch die Gesundheitsbefragung entstehen, erfassen aber nur eine kleine Anzahl an Menschen. Gleichzeitig kann der Wahrheitsgehalt der Angaben angezweifelt werden. Die soziale Erwünschtheit beeinflusst Befragungen über Tabak- oder auch Alkoholkonsum. Viele Menschen korrigieren in ihren Antworten ihren Konsum nach unten. Infolge dessen existiert nur ein grober Überblick zu regionalen Unterschieden.

Welchen Einfluss können Umzüge haben?

Es muss berücksichtigt werden, dass externe Faktoren sich nicht nur regional auswirken, sondern auch Menschen nach einem Umzug die Statistik beeinflussen. Ein Beispiel: Wenn ein Mensch in einer stark umweltbelasteten Industrieregion aufwächst und im Laufe seines Lebens in eine Großstadt zieht, fällt der theoretisch folgende Krebstod dennoch in die Statistik der Stadt und nicht in die der umweltverschmutzten Region.

Grundsätzlich gibt es in Österreich aber kaum Gebiete, in denen äußere Faktoren definitiv Krebserkrankungen begünstigen – wie man es etwa aus den USA kennt. Diese Faktoren spielen in Österreich kaum eine Rolle, da Sicherheitsvorschriften und Umweltschutzmaßnahmen in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern sehr streng sind. Bei vielen Inhaltsstoffen ist nach wie vor nicht eindeutig geklärt, ob sie zu Krebserkrankungen führen oder nur das Potenzial einer Erkrankung begünstigen. Dennoch wurden die chemische Industrie, Deponien, sowie Radon- und Nitratbelastung mit der regionalen Krebsmortalität abgeglichen.

Korrelationen sind lediglich bei Radon zu finden. Bei Deponien und damit den Bodenverschmutzungen gibt es zwar unterschiedliche Schwerpunkte, grundsätzlich gibt es in Österreich aber keine Regionen, in denen eine gesundheitsgefährdende Belastung bekannt ist. Zur Ursachenforschung bei Brustkrebs wurden Geburtenstatistiken nach dem Alter der Mutter auf regionaler Ebene verglichen, allerdings ohne einen Zusammenhang mit der Brustkrebsmortalität zu finden. Erst seit 2014 gibt es eine eindeutige Statistik zum Alter der Mutter bei der ersten Geburt, bei der eventuelle Umzüge ebenso berücksichtigt werden.

Welchen Einfluss haben Krankenhäuser?

Ob die Kompetenzen einzelner Krankenhäuser regional die Überlebensrate von Krebspatienten positiv beeinflussen, kann nicht eruiert werden. Die einzelnen Chemotherapien und Bestrahlungen werden zwar erfasst, aufgrund des bisherigen Systems der leistungsorientierten Krankenanstaltenfinanzierung (das sogenannte LKF-System), wurde in der Abrechnung zwischen ambulant und stationär erbrachten Leistungen unterschieden – ambulante Leistungen wurden aufgrund der mangelnden Finanzierung gar nicht erfasst und könnten in einer Analyse daher nicht berücksichtigt werden. Die Zahl der Bestrahlungen und Chemotherapien je Bezirk sind ebenso nicht verfügbar.

Gesprächspartner

Hans-Peter Hutter – stellvertretender Leiter der Abteilung für Umwelthygiene und Umweltmedizin, Medizinische Universität Wien

Siegfried Knasmüller – Institut für Krebsforschung, Medizinische Universität Wien

Michael Kundi – ehemaliger Leiter des Insituts für Umwelthygiene und Umweltmedizin, Medizinische Universität Wien

Ernest Pichlbauer – Gesundheitsökonom

Wolfgang Ringer – Leiter der Abteilung Radon, Radioökologie, AGES

Petra Rust – Institutsleiterin Ernährungswissenschaft, Universität Wien

Irene Schmutterer – Schwerpunkt Tabak, Kompetenzzentrum Sucht, Gesundheit Österreich

Alfred Uhl – Schwerpunkt Alkohol, Kompetenzzentrum Sucht, Gesundheit Österreich

Stefan Weihs – Abteilung Altlasten, Umweltbundesamt

Literatur (Auszug)

Anzenberger, Judith et al: Epidemiologiebericht Sucht 2018

Darby, Sarah; Hill, David et al: Residential radon and lung cancer

Kemper, Gudrun: Hormone, Schwangerschaft, Stillen und Brustkrebs

Oberaigner, Wilhelm et al: Radon und Lungenkrebs im Bezirk Imst/ Österreich

Rothenberg, Richard: The causes of Cancer, revisited

Rust, Petra: Ernährungsbericht 2017

Uhl, Alfred: Handbuch Alkohol – Österreich

Willett, Walter C.: Diet, Nutrition and Avoidable Cancer

Das Rechercheteam

Stefanie Braunisch

Stefanie Braunisch ist neugierig. Während des Journalismusstudiums an der FH Wien hat sie begonnen, im Kulturbereich journalistische Erfahrungen zu sammeln, dann hat die Neugierde doch gewonnen. In Folge hat sie zwei Jahre bei Dossier gearbeitet und versucht, alles mögliche über den Staat, Funktionsweisen und vor allem Steuergeldverschwendung herauszufinden. Jetzt ist sie investigativ für Addendum unterwegs.

Gerald Gartner

Gerald Gartner kuratiert, analysiert und visualisiert große Datenmengen zu politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen. Er lehrt an der Fachhochschule Wien. Davor war er für derStandard.at und NZZ.at in Wien tätig.

Markus „Fin“ Hametner

Markus Hametner hat Informatik studiert, baut seit 2011 Brücken zwischen Technologie und Journalismus und beschäftigt sich seit 2014 als Datenjournalist mit internationalen Datenrecherchen und interaktiven Visualisierungsformen. In seiner Freizeit betreibt er als Mitgründer des Forum Informationsfreiheit die Plattform FragDenStaat.at und trägt erfolgreich Rechtsstreite mit Behörden aus, die Auskünfte verweigern.

Timo Küntzle

Timo Küntzle, geboren 1974 in Karlsruhe, ist Journalist und hat ein Diplom in Agrarwissenschaften. Nach seinem Studium (Fachrichtung Pflanzenbau) und einem Redaktions-Volontariat, arbeitete er als Redakteur und Reporter für die Nachrichtenredaktionen von Puls 4 und Servus TV, später als Moderator und Gestalter für das Wissensformat „Na Servus – das Wetter auf Servus TV“ sowie für „Servus am Morgen“. Zuletzt schrieb er regelmäßig Beiträge für das Ressort „Wissen und Innovation“ der Tageszeitung „Die Presse“.

Elisabeth Woditschka
x

Das Rechercheteam

Stefanie Braunisch

Stefanie Braunisch ist neugierig. Während des Journalismusstudiums an der FH Wien hat sie begonnen, im Kulturbereich journalistische Erfahrungen zu sammeln, dann hat die Neugierde doch gewonnen. In Folge hat sie zwei Jahre bei Dossier gearbeitet und versucht, alles mögliche über den Staat, Funktionsweisen und vor allem Steuergeldverschwendung herauszufinden. Jetzt ist sie investigativ für Addendum unterwegs.

Gerald Gartner

Gerald Gartner kuratiert, analysiert und visualisiert große Datenmengen zu politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen. Er lehrt an der Fachhochschule Wien. Davor war er für derStandard.at und NZZ.at in Wien tätig.

Markus „Fin“ Hametner

Markus Hametner hat Informatik studiert, baut seit 2011 Brücken zwischen Technologie und Journalismus und beschäftigt sich seit 2014 als Datenjournalist mit internationalen Datenrecherchen und interaktiven Visualisierungsformen. In seiner Freizeit betreibt er als Mitgründer des Forum Informationsfreiheit die Plattform FragDenStaat.at und trägt erfolgreich Rechtsstreite mit Behörden aus, die Auskünfte verweigern.

Timo Küntzle

Timo Küntzle, geboren 1974 in Karlsruhe, ist Journalist und hat ein Diplom in Agrarwissenschaften. Nach seinem Studium (Fachrichtung Pflanzenbau) und einem Redaktions-Volontariat, arbeitete er als Redakteur und Reporter für die Nachrichtenredaktionen von Puls 4 und Servus TV, später als Moderator und Gestalter für das Wissensformat „Na Servus – das Wetter auf Servus TV“ sowie für „Servus am Morgen“. Zuletzt schrieb er regelmäßig Beiträge für das Ressort „Wissen und Innovation“ der Tageszeitung „Die Presse“.

Elisabeth Woditschka
x

Folgende Artikel gehören zum Projekt 071 Krebs

071_01 Gelesen

Krebs und Gerechtigkeit – Wie viel darf ein Patient kosten?

mit Video
071_02 Gelesen

Wo Krebs besonders oft tödlich ist

Daten
071_03 Gelesen

Wie viele Menschen wie Sie Krebs haben – und ihn überleben

071_04 Gelesen

Schadet der Föderalismus den Krebspatienten?

071_05 Gelesen

„Das Leben ist nicht unendlich viel wert“

close

Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Addendum ist nicht werbefinanziert und nutzt Cookies, um mehr über das Nutzerverhalten zu erfahren und so das Angebot zu verbessern.
Hier erfahren Sie mehr über Cookies und Datenschutz bei Addendum.