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Wie sollen wir mit der Landflucht umgehen?
Welche Folgen hat es, wenn die Jungen ihre Heimatgemeinden verlassen und nur die Alten zurückbleiben? Wie sinnvoll ist es, viel Geld in die Aufrechterhaltung oder sogar den Ausbau von Infrastruktur zu investieren, wenn das die Jungen, die sich in die Stadt aufmachen, nicht mehr zurückkommen? Wäre es nicht sinnvoller, gezielt Siedlungen aufgeben?

Es ist ein weltweiter Trend, der die Bevölkerungsentwicklung in Asien genauso dominiert wie die große Wanderung vom subsaharischen Afrika in Richtung Norden: die Landflucht. Menschen, vor allem junge, verlassen ihre Dörfer und ziehen in die Stadt, um der Enge der familiären und dörflichen Strukturen traditioneller Gesellschaften zu entfliehen und in den städtischen Zentren individuelle Freiheit und ökonomische Chancen zu suchen.

Auch in Europa gibt es diesen Trend, allerdings ist die Zahl der jungen Europäer, die sich vom Land in die Stadt aufmachen, aufgrund der niedrigen Geburtenraten nicht annähernd so groß wie jene in Afrika. Und die Städte sind – noch – dazu in der Lage, die Zuzügler aufzunehmen, weil in den urbanen Zentren noch ausreichend Dienstleistungen nachgefragt werden und Gewerbebetriebe nach Arbeitskräften suchen, rund um die Städte stellt die Industrieproduktion Arbeitsplätze zur Verfügung.

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Dennoch stellen sich auch in unseren Breiten ernste Fragen ökonomischer und gesellschaftlicher Natur: Was bedeutet es, wenn in den verlassenen Dörfern nur die Alten zurückbleiben? Wie sinnvoll ist es, viel Geld in die Aufrechterhaltung oder sogar den Ausbau von Infrastruktur zu investieren, wenn das die Jungen, die sich in die Stadt aufmachen, nicht mehr zurückkommen? Wäre es nicht sinnvoller, die Mittel, die in die Aufrechterhaltung immer weniger genutzter Infrastrukturen investiert werden, zum Beispiel der Schaffung von günstigem Wohnraum dort zur Verfügung zu stellen, wo die nächste Generation ihre Zukunft sieht, nämlich in der Stadt?

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Unser Rechercheteam ist allen diesen Fragen sorgfältig nachgegangen, die Grundlage für alle konkreten Nachforschungen hat unser Datenteam geschaffen, das die Wanderungsbewegungen innerhalb Österreichs in bisher nie dagewesener Detailgenauigkeit nachgezeichnet hat. Auf diese Datengrundlage stützen sich auch jene Bundesländerzeitungen in ihren konkreten Recherchen, die in diesem Projekt mit uns kooperieren. Sie fanden Beispiele für Dörfer, denen es gelungen ist, etliche der Jungen, die sich in die Stadt aufgemacht hatten, zur Rückkehr zu bewegen , und solche, in denen das trotz aller Anstrengungen nicht gelungen ist. Unsere Reporter sprachen auch mit Experten darüber , ob es nicht vielleicht sinnvoller wäre, ländliche Gebiete, in denen der Niedergang alter Industrien seine Spuren hinterlassen hat, bewusst und gezielt aufzugeben und stattdessen in die Schaffung und Attraktivierung „dezentraler Zentren“ zu investieren, in denen neu geschaffene Infrastrukturen viel effizienter genutzt werden können.

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Auch wenn das Aufhalten der Landflucht oder sogar die Umkehrung dieser Entwicklung kein Selbstzweck ist – wer würde den Jungen das Streben nach Bildung und Wohlstand verdenken – stellen sich natürlich auch auf der anderen Seite Fragen: Kann man Menschen, die ihr Leben am Ort ihrer Kindheit verbracht haben, gegen ihren Willen zwingen, ihren Lebensabend anderswo zu verbringen, nur weil das volkswirtschaftlich effizienter ist? Und sogar, wenn man das wirtschaftliche Interesse der Allgemeinheit höher einschätzt als die individuellen Interessen der Betroffenen: Lässt es sich politisch umsetzen?

Die Antworten auf solche Fragen hängen von den individuellen ideologischen, kulturellen Prägungen und Interessen ab. Vielleicht beginnen Sie auch einfach bei den Fakten und sehen sich an , wie sich die Bevölkerung in dem Ort, aus dem Sie, Ihre Eltern oder Großeltern stammen, im Lauf der Zeit verändert hat. 

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