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Im Kontext: Psychisch kranke Täter – Wegsperren oder therapieren?

12.12.2018

Als der Maßnahmenvollzug im Jahr 1975 eingeführt wurde, stand ein humanistischer Gedanke dahinter: Eine Haftstrafe bewirkt bei psychisch kranken Tätern wenig, sie brauchen Behandlung. Wie steht es heute um diesen Grundgedanken des Maßnahmenvollzugs?

Der Maßnahmenvollzug ist die schärfste Sanktion, die das Strafrecht kennt. Die Einweisung gilt präventiv – und unbegrenzt. Das bedeutet, dass Maßnahmenvollzug tatsächlich lebenslang heißen kann. Doch warum nimmt die Zahl der Häftlinge im Maßnahmenvollzug seit einigen Jahren so drastisch zu?

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In Österreich sitzen derzeit 918 Menschen im sogenannten Maßnahmenvollzug – vor zwanzig Jahren waren es weniger als die Hälfte. Dabei kostet ein Maßnahmeninsasse den Steuerzahler in etwa doppelt so viel wie ein Häftling im Normalvollzug. Allein im vergangenen Jahr wurden 155 unzurechnungsfähige Personen in den Maßnahmenvollzug eingewiesen – mehr als je zuvor und fast dreimal so viele wie im Jahr 2000.

Hinter dem drastischen Anstieg steht ein gesteigertes Sicherheitsbedürfnis, und damit eine schärfere Einweisungspraxis in den Maßnahmenvollzug, grob gesprochen: Gutachter neigen dazu, Menschen heute eher als geistig abnorm zu betrachten als noch vor einigen Jahren. Die Richter folgen den Empfehlungen der Gutachter in den allermeisten Fällen. Bei der Entscheidung über Entlassungen aus dem Maßnahmenvollzug zeigt sich dasselbe Muster. Die Folge: Maßnahmenhäftlinge bleiben immer länger im Vollzug.

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Alle TV-Reportagen

Hier geht es zu allen „Im Kontext“-Reportagen.

Zweimal wurde Österreich vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wegen des Maßnahmenvollzugs verurteilt (2015 und 2017). Der EGMR stellte fest, dass das ursprüngliche Prinzip „Therapie statt Strafe“ faktisch in sein Gegenteil verkehrt werde. Doch eine Reform lässt weiter auf sich warten. Und das, obwohl der jetzige Justizminister Josef Moser in seiner früheren Funktion als Präsident des Rechnungshofs den Maßnahmenvollzug scharf kritisierte.

Die „Im Kontext“-Reportage zeigt, wie genau der Maßnahmenvollzug in Österreichs Haftanstalten abläuft, wie er sich vom „normalen“ Vollzug unterscheidet und was einen Kriminellen zu einem geistig abnormen Rechtsbrecher macht. Die Reporter beschäftigen sich außerdem mit den Fragen, ob Resozialisierung in Gefängnissen gelingen kann, welche Alternativen es zum Maßnahmenvollzug gibt und wie im Ausland mit geistig abnormen Rechtsbrechern verfahren wird. 

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12.12.2018

Das Rechercheteam

Thomas Trescher
Projektleitung

Thomas Trescher hat Publizistik und Politikwissenschaft in Wien studiert; war Chef vom Dienst beim Monatsmagazin Datum und stellvertretender Chefredakteur bei kurier.at. Außerdem hat er unter anderem für Geo, Die Zeit, Terra Mater und Falstaff geschrieben.

Pamela Milkowski
Team TV

Lebte einige Jahre in New York und in Irland und arbeitet mittlerweile seit zehn Jahren im Bereich Medien und Fernsehen. In den letzten Jahren war sie als selbstständige TV-Producerin für verschiedene Filmproduktionsfirmen tätig, wo sie unter anderem Beiträge für ATV, Puls4 und den ORF gestaltete, darunter Formate und Sendereihen, die sowohl Unterhaltung als auch investigative und gesellschaftskritische Themen behandeln.

Benedikt Morak
Team Web-TV

Benedikt Morak, geboren 1981, hat sich als Fernsehjournalist auf Reportagen und Dokumentationen spezialisiert. 2013 machte er sich als Journalist und Filmemacher selbstständig. Er gestaltete u.a. für Sendereihen wie „Servus Reportage“, „ATV – Die Reportage“ und ORF 3.

Lukas Schmoigl
Team Daten

Lukas Schmoigl hat Volkswirtschaft und Statistik an der Wirtschaftsuniversität und an der Universität Wien studiert. Seine Expertise liegt auf dem Gebiet der quantitativen empirischen Forschung und Datenanalyse. Neben dem Studium war er in den vergangenen Jahren in der Abteilung IT-SERVICES an der WU tätig.

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Folgende Artikel gehören zum Projekt 066 Maßnahmenvollzug

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Warum der Maßnahmenvollzug gescheitert ist

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Wie Gutachten über Leben entscheiden – und warum sie so schlecht sind

066_03 Gelesen

Haben wir überhaupt einen freien Willen?

Interview
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Im Kontext: Psychisch kranke Täter – Wegsperren oder therapieren?

TV-Reportage
066_05 Gelesen

Nach der Haft: Zwischen Resozialisierung und Rückfall

Daten
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Wie ein Ex-Häftling mit Brot zum Millionär wurde

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Wie der neue Maßnahmenvollzug ausschauen soll

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„Die leichteste Antwort ist: Ich entlasse niemanden“

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Psychisch kranke Täter: Warten auf die Reform

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